Wer sich allein fühlt, muss sich Hilfe holen!

Als ich meinem Blog vor kurzem endlich mal eine kleine Suchmaschinenoptimierungskur gegönnt habe, bin ich bei der Arbeit auf einen zwei Jahre alten Artikel gestoßen und war erstaunt über dessen Klickzahlen: Der Text wurde bis heute rund 17.000 Mal gelesen – was für meinen eher mittel erfolgreichen Blog schon eine ganze Menge ist! Es geht um den Text mit dem Titel „Wenn Mütter sich alleine fühlen“, in dem ich mir wünschte, dass Mütter, insbesondere die noch ganz frischen, erschöpften, überforderten, von ihrem Umfeld nicht mehr so im Stich gelassen würden. Mehr proaktive Hilfe, das wäre doch was! Heute, mit einem Kind mehr und zwei weiteren Jahren Erfahrung auf dem Buckel, hat sich meine Meinung ein bisschen geändert, oder sagen wir: weiterentwickelt. Denn eins ist mir klarer geworden: Wer Hilfe will, tut am besten daran, sie sich selbst zu organisieren!

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Proaktiv Hilfe angeboten zu bekommen und nicht erst danach suchen zu müssen, halte ich immer noch für die beste aller Möglichkeiten. Wie super ist es bitte, wenn gerade frisch entstandene Kleinfamilien eine ganze große Familie hinter sich haben, einen riesigen Freundeskreis und eine hilfsbereite Nachbarschaft, die es alle gar nicht erwarten können, dem jungen Glück ein bisschen den Rücken freizuhalten. Die Oma wäscht Wäsche, der Opa staubsaugt, die Nachbarin kocht Minestrone für alle und die beste Freundin fährt das Baby spazieren, damit Mama und Papa mal in Ruhe essen können. Klingt toll, oder?

Leider ist das für die meisten Familien nur ein frommer Traum. Viele Neu-Eltern wohnen ja allein so weit von ihren eigenen Eltern weg, dass Unterstützung durch Großeltern schon mal komplett wegfällt. So wie Andrea vom Blog Runzelfüßchen, die jüngst einen Text auf ihrem Blog veröffentlichte, der einen eindrücklichen Titel trug: „Ich kann nicht mehr“ stand da in großen Lettern und das war wohl genau so gemeint, wie es da stand. Drei Kinder unter sechs Jahren, keinerlei familiäre Unterstützung und auch sonst ein eher lückenhaftes soziales Netz – dass Andrea am Ende ihrer Kräfte war, glaubte ich ihr sofort.

Aufrappeln und Hilfe suchen!

Was ich ihr außerdem sofort glaubte, war die Tatsache, dass sie sich im Moment sogar zu erschöpft dazu fühlte, sich selbst aktiv auf die Suche nach Hilfe zu begeben. Und trotzdem war genau das mein Rat an sie: Auch wenn es schier unmöglich erscheint, rappel dich auf und organisiere dir die Unterstützung, die du doch so dringend nötig hast!

Immerhin war das kein blöder Besserwisser-Ratschlag von einer, die nur schlaue Sprüche klopft, sondern ein Tipp aus eigener Erfahrung. Denn vor nicht mal einem halben Jahr war ich in einer sehr ähnlichen Situation gewesen. Gut, ich hatte keine drei Kinder, sondern nur zwei. Aber dass diese beiden nicht gerade zu den anspruchslosen gehören, wisst ihr, wenn ihr meinen Blog verfolgt.

Das ewige Hamsterrad

Jedenfalls befand ich mich im Sommer letzten Jahres in einem ziemlichen Hamsterrad. Auch ich war an dem Punkt, an dem ich dachte: Ich kann einfach nicht mehr. Was war das Problem? Der Job? Nein, der konnte es nicht sein, denn der machte mich glücklich. Die Kinder? Nein, bei aller Anstrengung, aber nein, meine Kinder machen mich doch ehrlich und wirklich auch sehr glücklich! Das Problem war schlicht, dass ich dieses Pensum, was ich mir selbst auferlegt hatte, nicht mehr alleine bewältigen konnte. Und während ich immer nur eine Sache nach der nächsten abarbeitete, ein Feuer nach dem nächsten löschte, wuchs die Unzufriedenheit in mir.

Ich war gehetzt, getrieben, fühlte mich allein und wankte unter dieser riesigen Verantwortung, die ich scheinbar ganz allein trug. Ein Kleinkind Zuhause betreuen, abends und an den Wochenenden arbeiten, täglich was Gesundes kochen und nebenbei noch den Haushalt halbwegs ordentlich halten – mein Mann und ich mühten uns, wo wir konnten. Aber letztlich war das einfach zu viel für uns beide allein.

Wenn ich selbst nichts tue, passiert auch nichts

Leider kommt auch in solchen Situationen kein Hilfstrupp aus der Hecke gesprungen, der ruft: „Wir sind da! Was sollen wir tun?“. Auch wenn wir tolle Freunde haben und meine Eltern uns unterstützen so gut sie können – zeitliche Unterstützung brauchen wir vor allem unter der Woche vormittags und das können die wenigsten anbieten. Irgendwann war also auch mir endlich klar: Wenn ich selbst nichts tue, passiert auch nichts. Ich habe ungelogen bis zu dem Moment gewartet, an dem ich dachte, irgendwann falle ich vielleicht einfach ohnmächtig um vor Stress und Überforderung. Aber das war dann immerhin der Zeitpunkt, an dem ich mich hinsetzte und mit der Suche nach einer Babysitterin anfing.

Und dann passierte das, wovon ich auch Andrea vom Runzelfüßchen-Blog berichtete: Im selben Moment fühlte ich mich schon besser. Ich hatte die Passivität verlassen und war endlich wieder in einer Rolle, in der ich mich schon immer viel wohler gefühlt habe: In einer aktiven, selbstbestimmten. Ich fühlte mich nicht mehr als Opfer der Umstände, sondern begann zu handeln. Und ab da lief es plötzlich.

Plötzlich: Viele Lösungen, die sich auftun

Kurz nachdem wir unsere Baysitterin gefunden hatten, ergab es sich wie eine Fügung, dass ich über zwei Babykurse, die ich mit dem Räupchen besuchte, zwei andere selbstständige Mütter kennenlernte. Wir drei Frauen und unsere drei anderthalbjährigen Kinder bilden jetzt eine kleine private Spielgruppe mit dem Ziel, uns ca. zwei Mal pro Woche gegenseitig die Kinder abzunehmen. Diese Woche hat das Räupchen zum ersten Mal zwei Stunden allein mit den beiden und ihren Kindern verbracht. Zwei Stunden, in denen ich unfassbar viel von meiner Arbeits-To-Do-Liste streichen konnte. Mütter arbeiten ja so wahnsinnig effizient, ihr kennt das. 😉

Ich habe im letzten Absatz geschrieben, dass sich diese Spielgruppe „wie eine Fügung“ ergab. Aber das ist natürlich Quatsch. Denn in Wahrheit habe ich das aktiv initiiert. Ich habe die beiden anderen Frauen nur flüchtig kennengelernt, habe im Gespräch erfahren, dass sie dieselben Betreuungsprobleme haben wie ich, hatte bei beiden direkt ein gutes Gefühl – und habe einfach gefragt, ob sie sich vorstellen können, dass wir uns zusammentun.

Netzwerk aufbauen: Am Anfang fällt es nicht leicht

Leicht gefallen ist mir das nicht unbedingt. Irgendwie ist es schon ein blödes Gefühl, sich so blank zu machen und zu zeigen: Alleine schaffe ich das alles nicht. Es war auch nicht das erste Mal, denn ich hatte schon einmal einer anderen Mutter diese Idee vorgeschlagen. Damals bin ich leider nicht auf viel Enthusiasmus gestoßen, sondern mehr auf ein „Hm, ja, vielleicht, schau’n wir mal“. Was ich diesmal wollte, war ein: Ja, wir machen das! Und die Sorge war natürlich da, dass es wieder nichts würde und dass ich mich letztlich als totale Exotin fühlen würde, die als einzige so merkwürdige Ideen hat. Aber dieses Mal hatte ich Glück!

Was ich jetzt gerade mit meiner Familie lebe, ist ein ziemlicher Flickenteppich aus unterschiedlichsten Betreuungssituationen. Einzig das Hübchen ist mit seiner Kita gut versorgt. Das Räupchen lebt dagegen ein aufregendes Leben aus Mama, Papa, Babysitterin, privater Spielgruppe und Großeltern-Betreuung. Aber das Wichtigste ist: Dem Töchterlein geht es gut dabei, weil sie alle ihre Bezugspersonen sehr gut kennt und alle herzlich-zärtlich-zugewandt mit ihr umgehen. Und das nicht weniger Wichtige ist: Auch uns Eltern geht es endlich wieder gut.

Wir fühlen uns nicht mehr allein

Unser Leben ist zwar immer noch stressig. Denn es gibt da ein paar Fallstricke, z.B. den, dass man (ich) dazu neigt, noch mehr Arbeit anzunehmen, sobald eine halbwegs verlässlich-flexible Betreuungssituation existiert. Aber immerhin haben wir das Gefühl, etwas besser planen zu können – und das Beste: Wir fühlen uns nicht mehr allein, sondern wissen, dass da verschiedene Menschen sind, auf deren Unterstützung wir bauen können.

Ein ziemlich cooler Nebeneffekt ist übrigens auch folgender: Wer sich einmal überwunden hat, aktiv nach Unterstützung zu fragen, geht auch zukünftig offener auf andere Leute zu. Diese Woche habe ich zum Beispiel endlich mal unsere Nachbarin und ihre Tochter zu uns eingeladen. Und die anderen Nachbarn, rechts von uns, sind uns eigentlich auch sehr sympathisch. Vielleicht setzen wir uns nächsten Sommer einfach mal dazu, wenn sie draußen im Hof grillen?

Mein großer Wunsch: Ein funktionierendes Netzwerk

Denn auch wenn das Räupchen demnächst hoffentlich in eine feste Betreuung geht, habe ich einen Wunsch: Ein funktionierendes Netzwerk, am besten eins, das gleich um die Ecke wohnt. Eine Nachbarin, der ich vertraue und bei der ich mal kurz die Kinder lassen kann, wenn ich noch mal schnell weg muss. Freunde, die selbst Kinder haben und nichts dagegen, wenn meine Kinder die Familie mal einen halben Tag vergrößern, weil ich eine wichtige Deadline einhalten muss. Oder die Freiberufler-Freundin, der es nichts ausmacht, ihre To-Dos um ein paar Stunden zu verschieben und meinen kranken Sohn zu hüten, während ich zu einem Kundentermin fahre.

Wer so ein Netzwerk sein eigen nennt und das Gefühl hat, gar nichts dafür tun zu müssen, ist ein echter Glückspilz und vermutlich einfach ein Naturtalent im „Socializen“. Ich gehöre leider nicht dazu und am Anfang kann es sich wirklich anfühlen wie harte Arbeit. Denn natürlich ist es immer ein Geben und Nehmen, es ist zeitaufwändig und man braucht viel Feingefühl. Nicht zuletzt ist es sicher auch Glückssache, auf die richtigen Menschen zu treffen, auf solche z.B., die in etwa die gleichen Werte leben wie man selbst.

Nach Anstrengung kommt Entspannung

Aber wenn man ein kleines bisschen Glück hat uns sich ansonsten überwindet und auch anstrengt, fühlt es sich bald vielleicht gar nicht mehr nach Arbeit an. Für mich ist es im Moment jedenfalls überhaupt keine Anstrengung mehr, sondern sehr entspannend. Fremde Menschen können so schnell vertraut werden, wenn man regelmäßig viel Zeit miteinander verbringt. Vielleicht ist es erst mal noch eine oberflächliche Vertrautheit, aber auch die reicht erst mal aus. Wer weiß, vielleicht werden noch richtig lange Freundschaften draus? Und auch wenn nicht: Gelohnt hätte es sich auch für dieses halbe Jahr!

Also ja, ich muss meinen zwei Jahre alten Text zur mütterlichen Überforderung eindeutig fortschreiben: Wütend zu werden, weil man sich alleine fühlt und keiner von sich aus hilft, führt letztlich halt zu nichts. Wer Hilfe will, muss sich Hilfe holen. Das geht gegen Bezahlung oder ohne: Durch Babysitter oder ein gutes Netzwerk. Und letzteres baut sich leider nicht von alleine auf. Das Ganze selbst in die Hand zu nehmen, kann aber sogar richtig Spaß machen! Und das sagt eine, die immer dachte, sie kann das gar nicht. Womit sowieso klar wär: Wenn ich das kann, dann könnt ihr das auch!

4 Kommentare zu „Wer sich allein fühlt, muss sich Hilfe holen!

  1. Als meine große Tochter ein Jahr alt war, hatte sie keinen Kitaplatz bekommen und unser großer Fehler war, zu meinen, das sei nicht so schlimm. Tochter 2 kam auf die Welt, mein Mann würde ohnehin zu Hause sein… Mit den beiden Kindern war es dann sehr anstrengend. Morgens ab 7 ging es los, abends 22/23 Uhr hatten wir „Pause“. Rückblickend wäre eine Kinderbetreuung eine große Hilfe gewesen oder wie du schreibst, eine Eltern-Gruppe. Ich würde wie du auch allen raten, nach Unterstützung zu schauen. Ich habe nachher erfahren, dass es in Bonn Welcome-Engel und Familienpaten gibt. Großartig! Schade, dass wir es nicht wussten/nicht recherchiert hatten.

    • Puh, hattet ihr dann zwei Kinder unter zwei? Bei uns war es ja so, dass das Hübchen nur einen Halbtagsplatz hatte (bis 14 Uhr), im gesamten ersten Lebensjahr vom Räupchen. Damals habe ich mir auch so sehr den Ganztagsplatz gewünscht! Das hätte uns extrem entlastet. Gar keine Betreuung wäre der absolute Horror gewesen. 😱

  2. Lea K.

    Hallo liebe Mamis,

    ich habe den Blog heute erst gefunden.. Ich fang einfach mal direkt an.. Ich fühle mich trotz der tollen Hilfe meiner Schwiegereltern total alleine und überfordert. Allerdings liegt das nicht wirklich an meiner Tochter ( 7 Monate).
    Es ist so, dass das Verhältnis zu meiner Familie ziemlich kaputt ist. 2 Wochen vor der Geburt hatte mein „Opa“, Lebensgefährte meiner Oma, Hirnblutungen und wird seit dem von KH zu KH verlegt und jetzt am Ende endlich angekommen in der Intensivpflege bei uns in der Nähe. Meine Uroma, 93 Jahre, Demenz, ist nun endlich nach Jahrelangem nervenraubendem Kampf im Pflegeheim. Meine Oma, 72 Jahre, völlig am Ende mit den Nerven, wegen meiner Uroma und meinem Opa. Ich Kämpfe an allen Seiten, Betreuung, Haus leer machen, Wohnung leer machen, Taxi für Oma,gerichtliche Betreuung und und und.. Meine Schwiegereltern nehmen die kleine eigentlich immer wenn ich frage, mindestens aber 1x die Woche.
    Hätte ich diese Zeit für mich wäre wahrscheinlich auch alles super, aber so ist es ja nicht. Haushalt Wäsche essen…
    Ich schaffe das alles nicht, frage meine Familie, meinen Mann nach Hilfe, aber von meinem Mann kommt nur: pech, andere Frauen schaffen es auch und dann musst du deine Prioritäten anders setzen. Sprich ich soll Uroma, oma und Opa im Stich lassen! Für mich ist das natürlich keine Option. Alle anderen Familienmitglieder meinerseits denken nur an ihren eigenen Hintern, die kommen alle nur wenn die Hände dann aufgehalten werden können.
    Fakt ist, ich bitte um mehr Hilfe, bekomme keine. Vielleicht war ja jemand schon einmal in einer ähnlichen Situation und hat ein paar Tips für mich oder auch wie ich mich vielleicht einfach besser organisieren kann, damit ich alles unter einen Hut bekomme..
    Vielen Dank ihr Lieben

    • Liebe Lea,

      danke für deine Offenheit und puh, das hört sich wirklich nicht leicht an! Für mich klingt das nicht so, als ob du da noch an Schrauben drehen könntest oder solltest um dich noch besser zu organisieren. Ich finde beim Lesen deiner Beschreibung genau wie du, dass du da Unterstützung brauchst!

      Evtl. kannst du noch anders Druck auf deine Familie ausüben? Oft ist es ja so, dass die anderen nichts machen, weil sie glauben, da „jemand Dummes“ gefunden zu haben, der es eh tut. Was würde passieren, wenn du wirklich einfach mal deine „Arbeit“ einstellst? Vielleicht würden sie dann aus der Not heraus doch agieren?

      Vielleicht kannst du auch an öffentlichen Stellen Unterstützung finden? Soziale Beratungsstellen (Caritas, AWO o.ä.) können dir vielleicht konkret helfen. Vor allem wenn du deine Situation mit kleinem Baby beschreibst (übertreibe ruhig ein bisschen im Gespräch, dass du echt nicht mehr kannst usw.).

      Und zum Statement deines Mannes, andere Frauen würden das ja auch schaffen, hab ich echt keine vernünftigen Worte übrig. Vielleicht lässt du ihn mal ein paar Tage mit Baby und Haushalt allein und dann redet ihr weiter? 😉 Aber auch wenn das vlt. nicht möglich ist: Du solltest ihm ganz klar und deutlich machen, dass allein die Verantwortung für ein Baby und einen Haushalt wahnsinnig anstrengend ist. Und dass es ja auch sein Baby und sein Haushalt ist und er da definitiv seine Hälfte der Arbeit zu verrichten hat. Was du dann mit der Zeit anfängst, in der er sich um euren gemeinsamen Verantwortunsbereich kümmert, ist ja deine Sache.

      Alles Gute und halte durch!

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