Mein gefühlsstarkes Kind | Das Besondere erkennen

Ich habe ein schwieriges Kind. Dieser Satz klingt ein bisschen gemein, oder? Schließlich will niemand ein schwieriges Kind haben. Schwierige Kinder nerven, sie fügen sich nicht gut ein in unseren durchgeplanten, durchgetakteten Alltag, mit schwierigen Kindern lebt es sich schwer. Doch was bedeutet eigentlich „schwierig“? Und warum tut es mir plötzlich so gut, zu erkennen, dass mein Kind zu den „schwierigen“ Kindern gehört? Wieso zähle auch ich mich zu den eher schwierigen Menschen? Und wie gedenke ich nun mit diesen neuen Erkenntnissen umzugehen, um mir und meiner Familie das Leben ein bisschen leichter zu machen? Darum soll es in dieser kleinen Reihe gehen. Los geht es mit Teil 1, in dem ich euch erzähle, wie ich erst begreifen musste, dass mein Sohn und ich manchmal ein bisschen aus der Reihe tanzen.

Mein Kind ist ein bisschen anders, ein bisschen „mehr“ als andere Kinder. Was viele erstaunt: Damit steht es gar nicht so alleine da! Man schätzt, dass bis zu 20% aller Kinder, und damit auch Erwachsenen, ein ausgeprägteres Gefühlsleben haben als die Mehrheit. Sie sind besonders impulsiv, besonders sensibel, besonders intensiv. Das kann wunderbar sein – und hölleanstrengend.

Wie sehr mich das Leben mit meinem Sohn im letzten Jahr angestrengt hat, habt ihr hier im Blog bereits verfolgen können. Das Hübchen fordert uns ganz besonders heraus – und vom Alter her passte es bisher prima, zu sagen: Ganz normal, das ist die Autonomiephase, das geht vorbei. Oder in unserem Fall auch: Ganz normal, er hat ein Geschwisterchen bekommen, das geht vorbei. Aber irgendwas in mir war immer skeptisch: Was, wenn es nicht vorbei ginge? Was, wenn es sogar immer schlimmer würde? Was, wenn wir unser Kind die ganze Zeit falsch behandelten oder irgendetwas versäumten, um ihm und uns das Leben etwas leichter zu machen?

Unser Gang zur Erziehungsberatung war dann so ein bisschen die Initialzündung, die Sache mal aktiv anzugehen und nicht mehr allein darauf zu hoffen, dass es irgendwann von alleine besser würde. Seitdem haben nicht nur die Gespräche mit der Beraterin geholfen, sondern auch schlaue Bücher und viele Gespräche von Elternteil zu Elternteil (mit dem eigenen Mann und anderen Müttern bzw. Vätern).

Ich habe ein „schwieriges“ Kind!

Heute bin ich an dem Punkt, glücklich zu sagen: Mein Kind ist ein „schwieriges Kind“ – jedenfalls ist es ein Kind, dass wir in unserem Alltag, der durchaus von vielen Zwängen und Erwartungen bestimmt ist, oft als schwierig empfinden. Mein Kind hat mich insbesondere im vergangenen Jahr oft isoliert: Ich spürte die Blicke, wenn andere (auch Freunde!) sich dachten, was denn mit diesem Kind nicht stimme. Ob ich mein Kind denn gar nicht erziehen würde. Was denn jetzt schon wieder los sei.

Was los ist? Ich weiß es ja in den meisten Fällen auch nicht. Bei meinem Kind reichen Kleinigkeiten und es explodiert. Es fühlt einfach stärker, ist viel sensibler und dadurch auch reizbarer als andere Kinder. Die starken Gefühle müssen raus, und es ist extrem schwer, die Ausbrüche vorauszusehen oder gezielt abzuschwächen.

Durch dieses oft unvorhersehbare und unkontrollierbare Verhalten wurde auch ich noch sensibler und allgemein reizbarer. Sätze wie „Das ist normal, das geht vorbei“ wurden von anderen bald mit noch weniger geliebten Sätzen kombiniert: „Mach dich mal locker!“, „Nur entspannte Eltern haben entspannte Kinder!“, „Bleib einfach gelassen, es bringt doch nichts, wenn du dich aufregst!“.

Ach was! Dass es kontraproduktiv ist, wenn ich mich zusätzlich aufrege, war mir immer klar. Allein: Ich konnte nicht mehr. Irgendwann hatte ich selbst meine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle. Es gab tatsächlich den Punkt, an dem ich mir wünschte, dieses Kind niemals bekommen zu haben. Ich hatte als Mutter auf voller Linie versagt. Ich hatte gestillt, getragen, jahrelang einschlafbegleitet. Ich hatte mir die Grundlagen bindungsorientierter Elternschaft nicht mühsam beibringen müssen, sondern sie als selbstverständlich vorausgesetzt. Ich wollte keine mütterliche Alleinherrscherin sein, sondern mit meinem Kind auf Augenhöhe leben. Fürsorge, Liebe, Respekt, Vertrauen, das sollte es bei uns geben.

Ist wirklich alles meine Schuld?

Wenn ich mich doch so bemühte, warum kam von meinem Kind dann trotzdem so viel Widerstand? Warum funktionierte es nicht so wie andere Kinder? Die Lektüre in diversen Blogs aus der Attachment Parenting Ecke ließen mich ziemlich hilflos zurück. Denn sie forderten von mir immer ein „noch mehr“. Noch mehr Liebe, noch mehr Geduld, noch mehr Achtsamkeit, noch mehr Hingabe, noch mehr Aufopferungsbereitschaft. Natürlich nicht, ohne immer wieder zu betonen, wie wichtig auch die Bedürfnisse der Eltern seien.

Wie genau ich meine Bedürfnisse mit dem ständigen „noch mehr“, das ein anspruchsvolles Kind beansprucht, aber in Einklang bringen sollte, stand nirgendwo. Stattdessen begleitete mich schon bald das schlechte Gewissen, wenn ich mal wieder nicht in der Lage gewesen war, „noch mehr“ zu geben. Schließlich leidet angeblich sofort die Beziehung, bekommt die so wichtige Bindung zwischen Mutter und Kind Risse – mit jedem harten Wort, mit jedem „Lass mich jetzt endlich in Ruhe!“.

Ich bemühte mich also weiter. Dumm war nur: Strategien, die bei anderen Kindern offenbar gut funktionierten, klappen bei uns oft einfach gar nicht. Wie oft dachte ich beim hundertsten Tipp, den ich zum tausendsten Mal las: Ja, mit einfacheren Kindern mag das klappen. Wenn mein Kind drei Wutanfälle pro Tag hätte, könnte ich das auch total geduldig spiegeln und liebevoll begleiten. Aber bei Ausnahmesituationen, die an manchen Tagen im 10-Minuten-Takt eintreten, reicht meine Kraft einfach nicht aus, um auch nur einen einzigen ganzen Tag ohne eigene Wutanfälle zu überstehen. Vielleicht gibt es ultra-achtsame Hardcore-AP-Mütter, die das können. Ich kann es nicht. (Ich gehöre nämlich selbst zu den 20% Menschen, die alles ein bisschen intensiver erleben. Aber dazu im nächsten Teil mehr.)

Was ich in „normalen“ Ratgebern und in diversen Blogs also immer wieder las, war: Es liegt an dir. Du bist nicht gut genug. Und ganz ehrlich: Das hat mich verdammt fertig gemacht. Und auch wütend. Wütend auf dieses meine Kind, das mir täglich meine Unzulänglichkeit vorhielt. In meiner Wut sagte ich mir irgendwann oft: Das ist aber doch auch nicht mehr normal! Dieses Kind ist nicht normal! Es liegt nicht nur an mir! Und auch, wenn das ziemlich eindimensional gedacht ist, war ich damit der Sache tatsächlich auf der Spur.

Die Herausforderung annehmen

Denn heute kann ich mir zweierlei eingestehen: Ich bin zwar nicht immer eine gute Mutter, ich habe viele Fehler gemacht und werde sicher noch viele machen. Aber dass es mit meinem Kind oft besonders anstrengend ist, ist nicht allein meine Schuld. Denn leider ist die Sache ein bisschen komplizierter: Auf Grundlage dessen, was ich mir angelesen habe, was ich aus Gesprächen und der Erziehungsberatung weiß, zähle ich meinen Sohn nun ganz sicher zu den 20% Menschen, die von der intensiveren Sorte sind. Das Leben mit ihm ist ein bisschen (und an manchen Tagen auch viel, viel, viel) anstrengender als mit Kindern, die über ein durchschnittliches Gefühlsleben verfügen.

Seit ich das verstanden habe, geht es mir viel besser. Und ich habe das Gefühl, dass ich seitdem nicht nur mit mir selbst nachsichtiger sein kann, sondern auch mit meinem Kind. Jetzt, wo ich eingesehen habe, dass er ein bisschen anders tickt, dass auch ich ein bisschen anders ticke, und dass unsere Uhren dabei leider nicht immer parallel laufen, kann ich nach und nach lernen, damit umzugehen. Das erklärte Ziel lautet: Mein Kind (und auch mich selbst) so anzunehmen, wie es ist (und wie ich bin) und ihm zu helfen, seine Gefühle in Zukunft selbst zu verstehen und gesellschafts- und familienkonform in den Griff zu kriegen.

Und demnächst:

Im nächsten Teil dieser Reihe will ich euch erzählen, warum ich so sicher bin, dass das Hübchen und ich zu den 20% gehören, die ein besonders intensives Gefühlsleben haben und warum wir trotz dieser Gemeinsamkeit leider auch extrem verschieden sind. Und ich will darauf eingehen, warum es eigentlich ein Geschenk ist, ein überdurchschnittlich temperamentvoller Mensch zu sein – und erst recht, ein solches Kind zu haben. Ihr seht: Es wird positiv! Also bleibt dran!

Hier geht es zu Teil 2: Mein gefühlsstarkes Kind | Erziehungsratgeber und wie sie helfen können

Und jetzt ihr:

Habt ihr auch intensive Kinder? Und habt ihr vielleicht auch lange in dem Dilemma gesteckt, diese Besonderheit nicht anzuerkennen, euch mit anderen Kindern/Eltern zu vergleichen und die Schuld nur bei euch selbst zu suchen? Ich freue mich sehr, wenn ihr davon in den Kommentaren erzählt!

40 Kommentare zu „Mein gefühlsstarkes Kind | Das Besondere erkennen

  1. Kathi

    Ich habe auch so ein Kind. Vieles was du erzählst läuft bei uns genauso.
    Die Schwierigkeit für mich ist, dass der Sohnemann das vom Papa hat. Es ist für mich teils extrem schwierig bis unmöglich dieses Kind zu verstehen. Das macht den Alltag manchmal fast unerträglich. Zum Glück erklärt mein Mann mir immer wieder geduldig wie unser Sohn tickt.
    Besonders muss ich aber darauf achten ihn nicht zu sehr mit dem kleinen Bruder zu vergleichen, der so viel unkomplizierter ist. Zumindest für mich, weil er eben mir ähnlicher ist. Mein Mann empfindet das etwas anders als ich. Was vermutlich ein Glück für die Kinder ist.

    • Ach, von der Seite hatte ich es noch nie betrachtet. Für mich lag es zuletzt nahe, das erwähnte auch die Erziehungsberaterin, dass ich es vielleicht besonders schwer habe, weil ich mich selbst gespiegelt sehe. Sprich, das Verhalten des Kindes triggert mich so, weil ich in vielerlei Hinsicht ähnlich bin. Aber klar, andersrum kann es genauso schwer sein.

      Im Moment hilft es mir nämlich sogar, die Parallelen zwischen meinem Gefühlsleben und seinem zu sehen, weil es mir tatsächlich hilft, ihn besser zu verstehen. Dazu schreibe ich im nächsten Teil ausführlich!

      Und zur Unterschiedlichkeit der Geschwister: Ich finde das ja eigentlich toll. Bestimmt muss man oft aufpassen, gerecht zu bleiben. Aber unterm Strich ist es doch super, sehr unterschiedliche Charaktere in einer Familie zu haben! Das finde ich zumindest. ?

      • Marina S.

        Hallo,
        unser kleines Nesthäkchen ist hochsensibel,genau wie ich.Dies bemerkten wir aber erst später.Unser kleiner wird 4 Jahre und hat dazu noch andere Defizite.Ihm fehlen durch ein schweren Sturz 7 Zähne im Oberkiefer,er bekommt erst in den nächsten Wochen ein Gebiss.Dazu hat er jetzt erst angefangen zu reden,einige Laute kann er nicht aussprechen,wegen des Lochs im Gaumen was minimal ist und das Zungenbändchen muss gekürzt werden.Sind seit einigen Monaten bei einer Logopäden und er macht Erfolge.Er bekommt extreme Ausraster wenn ich ihn nicht verstehe und wird handgreiflich.Für sein Alter ist er schon groß.und hat viel Kraft.Ich Versuche mein bestmöglichst es,bin dazu noch körperlich durch ein Sturz eingeschränkt,Weine Wirbelsäule ist vom 3.bis zum 9.Wirbel versteift wurden.Darum muss sein Vater oft einige Dinge erledigen oder Aktionen mit ihm machen.Mit blutet dabei fast immer das Herz.Weine viel und mir schmerzt es das ich nicht alles mit ihm zusammen machen kann.Ich Versuche ihn zu verstehen.Auch wenn wir beide hochsensibel sind ist das bei ihm anders.Weill er sich nicht ausdrücken kann oder will.Habt ihr da ein Rat für mich wie ich mich verhalten soll oder an wen ich mich wenden????Gibt es bestimmte Techniken???Ich vergesse in der ganze Sache was für uns/mich zu machen.Was halten sie von Mama-Kind Yoga???würde das was bringen zur gemeinsamen Entspannung???Ich weiß oft nicht weiter.Und unsere Nachbarn stressen uns immer wieder wenn der kleine abticiert,klingeln und mäckern.Ich Versuche ,wenn der kleine ansteht,mit der Bärenumarmung ihn wieder zu beruhigen.Das war der Rat von unserer Familien-psyochologin.Auch wenn er mich dabei gebissen und gekratzt hat,was macht man nicht alles,um das Kind zu beruhigen.

  2. Nadine

    Ein sonniges Hallo,

    wir haben auch so einen kleinen, intensiven Mann, der immer sehr stark fühlt – in alle Richtungen. Schimpft man mit ihm, nimmt er sich das sehr zu Herzen, sein Gebrüll bei Wut geht mitten in mein Gesicht und er zeigt allen, was explodieren eigentlich wirklich heißt. Seine Standardantwort ist oft „Nein, will ich nicht/mach ich nicht.“ Gleichzeitig bin ich auch ein sehr sensitiver, emotionaler, fühlender Mensch. Allerdings war mir das lange Zeit nicht so bewusst. Das habe ich erst durch mein Kind gelernt und verstanden. Die gleichen Fragen, die du dir gestellt hast, schwirrten auch in meinem Kopf. Wieso ist er immer direkt auf der Palme? Wieso ist da gleich die Verweigerung? Warum ist seine Frustrationstoleranz so niedrig? Wieso muss ich ganz behutsam meine Worte wählen? Geht das nicht einfacher?!
    Nach und nach habe ich gelernt, dass er ein sehr sensibles Wesen ist und das ganz sicher von seiner Mutter geerbt hat, denn er spiegelt mich. Ganz unbewusst, aber ganz gezielt und treffsicher. Ich bin mir sicher, dass hinter all der Wut und Zorn, all die unverstandenen Gefühle stehen, die ihn so intensiv packen.
    Dabei werde ich in den meisten Fällen noch nicht mal laut, dafür aber sehr schnell ungeduldig. Ich habe (oder besser gesagt hatte) wirklich gar keine Geduld und das hat er gemerkt. Unbewusst.

    Mittlerweile bin ich auch einen großen Schritt weiter. Bin dankbar, um mein sensibles Kind, das mir ein wahrer Lehrmeister in Sachen Geduld, Empathie und Sanftmut ist. NIcht er muss da so viel lernen. Das bin ganz allein ich, die diese neue empathische, geduldige Sprache neu lernen muss. Denn, wenn ich es ihm vorlebe, wird er es imitieren. Da bin ich mir ganz sicher. Wenn ich der sichere Hafen bin, der Verständnis zeigt, empathisch reagiert und die Ruhe bewahrt, dann wird er das auch. Nur so kann es funktionieren. Dabei ist mir Gerald Hüther – wie immer – ein guter Ratgeber und sein Mantra „bedingungslose Liebe, ganz ohne Erwartungen an unsere Kinder“ hilft mir ungemein an explosiven Tagen.

    Alles Liebe euch und einen hoffentlich gelassenen Tag

    • Ohhh ja, wem sagst du das. Die liebe Geduld. Das ist auch mein größtes Problem und es wird immer mal besser und wieder schlechter. Und auch der Gedanke „Geht das nicht einfacher?!“ ist mir sehr bekannt.

      Es ist so anstrengend, immer wieder wegen der geringsten Kleinigkeiten trösten zu müssen, die Wut auszuhalten, für die es doch eigentlich keinen Grund gibt.

      Aktuell fahre ich ganz gut damit, einfach zu kommunizieren, dass ich für ihn da bin. „Ich bin da“, „Alles ist gut“, „Ich helfe dir, damit es dir gleich besser geht“, so in diese Richtung. Keine Ahnung ob das Verbalisieren dem Kind hilft, mir hilft es auf jeden Fall, die Situation besser zu ertragen und insgesamt ruhiger zu bleiben.

      • Anja

        Hallo Sophie,
        du schreibst mir wirklich aus dem Herzen,mir geht es genau wie dir in dem Artikel oben.
        Ich habe auch einen gefühlsstarken Jungen (6) und ein 4jähriges Mädchen welches sich so langsam auch entpuppt und ich kann einfach nicht mehr. Ich bin nur noch am trösten, spiegeln usw.und kurz darauf geht es wegen was neuem (meisten überhaupt nicht greifbarem) weiter und noch starker von vorne los. Ich ertrage meine Kinder gerade kaum noch und hab keine Kraft mehr zum trösten. UNnd das finde ich ganz schrecklich weil es absolute Wunschkinder sind und ich immer versuche BO zu erziehen.
        Alles muss abgewägt werden, können wir mit ihnen da hin, kann er das verkraften, wird es bei dem Geburtstag zu laut,zu spät usw.
        Wie hast du es geschafft es anzunehmen wie es ist? Das funktioniert bei mir gerade gar nicht und ich merke wie ich mir selbst leid tu und meiner “Wunschfamilie“ nachtrauere und mir jeden Tag nur wünsche,dass es bei uns auch mal “normal“ ablaufen kann.

  3. Katrin

    Jetzt bin ich ganz gespannt auf den nächsten Teil:-)! Bei meiner größeren Tochter (jetzt 7) empfand ich es lange Zeit ähnlich wie Du. Ich weiß nicht, ob sie zu den von Dir genannten 20% gehört, aber ich fand es auf jeden Fall immer auffällig und erstaunlich, dass sie, obwohl sie eigentlich wahnsinnig feinfühlig und sensibel war und sich in der Kita den anderen Kindern gegenüber immer vorbildlich verhalten hat (einfühlsam, sozial, ausgleichend, jeden Konflikt und jedes Problem bei anderen sofort spürend und helfend eingreifend), sie auch mehrmals täglich, morgens eigentlich ununterbrochen solche Explosionen hatte, in denen sie schrie und völlig austickte. Es hat mich auch total erschöpft. Irgendwann bin ich aber auch für mich zu dem Ergebnis gekommen, dass dies wahrscheinlich genau zwei Seiten derselben Medaille sind. Denn eigentlich folgte auf einen Schrei- und Wutanfall bei ihr immer Weinen und das Bedürfnis, getröstet zu werden, und ich merkte, dass sie sich einfach unverstanden gefühlt hatte und dies zu dem Gefühlsausbruch geführt hatte, eben weil sie sich irgendeine Kleinigkeit (aus meiner Sicht) total zu Herzen genommen hatte. Und dass es am besten half, wenn ich versuchte, das Geschrei irgendwie an mir abperlen zu lassen, es auf keinen Fall persönlich zu nehmen, und hinzunehmen, dass ich in dem Moment nichts daran ändern konnte. Und danach verständnisvoll trösten.
    Und obwohl ich als Kind wohl nicht so war, wie meine Eltern übereinstimmend berichten, war ich auch immer sehr sensibel und nehme mir auch jetzt noch zwischenmenschliche Kleinigkeiten oft sehr zu Herzen, ertrage wenig Trubel und Lärm, Menschenmengen und volle Discos waren mir immer ein Graus, ebenso laute und gruselige Filme, stattdessen grübele ich wochenlang über schöne Filme und Bücher nach und lasse mich darin geradezu aufsaugen… m.a.W., ich glaube, meine Tochter hat das im Grunde auch von mir. Und tatsächlich sind die Schreiattacken und Explosionen bei meiner Tochter im letzten Jahr deutlich weniger geworden. Es war wohl auch ein Reifeprozess. Mittlerweile genieße ich die schöne Seite ihrer Sensibilität, und die anstrengende Seite ist wirklich wenig genommen, sie kommt einfach besser mit ihren Gefühlen zurecht. Und das ist doch schön!

    • Da gibt es echt viele Parallelen! Beim Hübchen ist es auch so, dass er in der Kita und generell in sozialen Situationen sehr vorbildlich ist. Er hat jede Menge Freunde, mit anderen Kindern spielen geht ihm über alles, er teilt gerne (sogar Süßigkeiten! ??) und ist normalerweise freundlich und respektvoll gegenüber anderen Erwachsenen. Und Mama und Papa gegenüber sieht es dann oft ganz anders aus. ?

      Ich habe ja die Vermutung, dass die Zeit in der Kita ihn umso mehr anstrengt, da er eben ein sehr sensibles Gemüt hat. Nachmittags sucht er sich dann sein Ventil – und wir müssen dran glauben. ?

      Ich selbst kann das eigentlich sehr gut nachempfinden, weil es mich auch sehr anstrengt, mich in größeren sozialen Kontexten anzupassen – heute noch. Was das also für ein intensiv fühlendes kleines Kind bedeutet, ist eigentlich klar. Und doch ist es so schwer, diese intensiven Gefühle immer wieder aushalten und abfedern zu müssen!

      Schön, dass du schreibst, dass es mit den Jahren besser wird! Das macht Mut für die Zukunft. Und ich glaube auch, dass ich die sensible Seite an meinem Sohn später ganz anders zu schätzen lernen werde. ?

  4. Katrin

    Korrektur: es sollte natürlich heißen „weniger geworden“ in der vorletzten Zeile.

  5. Liebe Sophie, du sprichst ein wichtiges, oft missverstandenes Thema an und deine positive Einstellung ist sehr inspirierend! Wir sind schon auf den zweiten Teil gespannt 🙂

  6. Doreen

    Hallo,
    ich bin immer wieder überrascht, wie ähnlich unsere beiden Jungs sind abgesehen vom gleichen geburtsdatum 😉
    Ja, mein Gott, der Große ist SO sensibel – wir kommen klar indem wir unseren Alltag e x t r e m entschlackt haben. Solche Aktionen wir: Ach, wir kommen einfac mal 19:30 Uhr am WOE nach Hause und snacken irgendwas geht leider einfach nicht auch wenn wir Erwachsene das wollen. Wir kommen also vor 18:00 Uhr wieder, essen wie immer gegen 18:30 Uhr und haben früh schlafende, weil sehr erschöpfte Kinder. Der Große ist SO schnell müde. Meine These ist, dass er seine Eergie einfach viel viel schneller als andere Kinder verpulvert und somit eben mehr Schlaf braucht.
    Gleichzeitig geht er SO toll auf seinen kleinen Bruder (07(16 geboren) ein und sagt ganz ähnliche Sachen zu ihm wie wir zu ihm wenn der Kleine wütend oder traurig ist. Das macht mich stolz.
    Und ja, dann gibt es auch diese dunklen Momenten, wenn ich soso müde bin und dann auch soso wütend/traurig/explosiv.. Dann tut es mir meist direkt danach so leid und ich entschuldige mich und hoffe einfach, dass wir trotz viel Reibung nah beieinander bleiben.
    Ich lese gerne weiter von euch.

    • Haha, ja, vielleicht sollten wir uns mal in echt kennenlernen! Aber ich glaube, wir wohnen recht weit entfernt voneinander, oder?

      Gewohnte Strukturen helfen hier auch ungemein. Mittlerweile klappt es aber auch oft ganz gut, mal Ausnahmen zu wagen und z.B. mal länger auf einer Party zu bleiben. Letzten Herbst hatten wir ein sehr schönes Erlebnis bei Freunden im Garten, wo alle Kinder bis fast 10 Uhr super schön draußen gespielt haben und das Hübchen sich zwischen ausschließlich älteren Jungs so toll integriert hat. In solchen Fällen haben wir dann immer den Schlafanzug dabei, sorgen dafür, dass das Kind satt ist, putzen noch vor Ort die Zähne und dann kann er im Auto einschlafen. Zuhause geht’s dann ohne Wutanfälle ins Bett… meistens. ?

      Was die Energie angeht, denke ich auch oft, dass seine Speicher irgendwie oft schneller leer sind. Dadurch, dass er alles immer so intensiv fühlt und erlebt, ist dann irgendwie schnell Sense. Aber irgendwie kommt mir das doch bekannt vor – von mir selbst nämlich. ?

  7. Caro

    Danke für diesen Akrikel… und dass ich auf ihn gestoßen bin… an so einen beschi*** Tag wie heute. Ich weiß nicht, ob ich auch ein schwieriges Kind habe. Ich weiß nur, dass ich es heute nicht mehr aushalte. Es macht mich fertig. Ich bin erschöpft vom bedürfnisorientierten begleiten. Ich kann nicht mehr. Wutanfälle sind nicht das Problem. Eher das unkooperative, verletzende Verhalten in der Familie. Das absichtliche nicht beachten der Grenzen der anderen Familienmitglieder. Ich bin ratlos und hin und hergerissen zwischen ich bin das Problem und mache was falsch oder das Kind ist vielleicht doch anders. Kein anderes Kind bringt mich so auf die Palme, es triggert mich extrem. Es ist so wie du schreibst. Ich denke an Erziehungsberatung und an psychologische Hilfe für mich.
    Ich bin gespannt auf den nächsten Teil.
    Liebe Grüße, Caro

    • Liebe Caro,

      ja, es gibt diese beschissenen Tage. Aber vielleicht macht es dir Mut, dass die hier bei uns viel weniger geworden sind, seit wir uns den Probleme aktiv gestellt und nach Lösungen und Antworten gesucht haben. Ich glaube, sich einzugestehen, dass man das angehen muss, ist der erste und wichtigste Schritt!

      Du schreibst jetzt nicht, wie alt dein Kind ist, aber bei Kindern kleiner als Grundschulalter würde ich nach allem, was ich jetzt gelernt habe, immer davon ausgehen, dass sie nicht absichtlich nicht kooperieren. Heißt also, sie können in diesen Situationen einfach nicht anders, selbst wenn sie es eigentlich wollten. Ich kenne das auch, dass man sich angegriffen fühlt und oft wirkt es ja wirklich so, als wollten unsere Kinder uns ganz gezielt weh tun oder ärgern. Die Grenzüberschreitungen passieren aber bei kleinen Kindern nicht mit der Absicht, andere zu ärgern. Es gibt stattdessen immer einen tieferen Grund dafür. Was nicht heißt, dass man die Grenzüberschreitungen hinnehmen muss. Aber man darf sie nicht persönlich nehmen, sondern muss schauen, woher sie rühren.

      Das klingt jetzt alles ein bisschen, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen, was natürlich Quatsch ist, weil in der Umsetzung bin auch ich immer noch alles andere als ein Profi. Aber mir tat es gut, die Mechanismen zu durchschauen und mein Kind wieder aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wenn du den Verdacht hast, dein Kind könnte auch zu den intensiveren Naturen gehören, dann lies mal dieses Buch: https://www.m-vg.de/mvg/shop/article/13354-wie-anstrengende-kinder-zu-grossartigen-erwachsenen-werden/. Ich fand das extrem hilfreich!

      • Caro

        Danke für die Worte und die Buchempfehlung.
        Das Kind wird im Sommer 6. Ich weiß um die Kooperation der Kinder und um die negative Aufmerksamkeit… ich habe darauf so oft rumgedacht. Ich glaube ich sehe es einfach nicht, das ganze Problem. Sie kommt oft zu kurz ( es gibt noch 3 jüngere Geschwister, 1 älteres Geschwister) und will gesehen werden. Die Grenzüberschreitungen gehen an die Geschwister. Das macht mich wütend und ich bin erschöpft vom Begleiten und frage mich, ob das Kind den Perspektivwechsel noch nicht kann oder es einfach nicht will…
        Ich fühle mich ratlos, schlecht, wie ein kleines wütendes Kind…

        • Sich selbst wie ein wütendes Kind fühlen, ist in der Tat nicht gut. An der Stelle war ich ja auch vor kurzem und das fühlte sich wie die totale Ohnmacht an. Mir hat geholfen, dann aktiv zu werden, die Kontrolle zurückzuerlangen, indem ich mich mit den Schwierigkeiten beschäftigt habe. Durch Gespräche, Literatur und eben auch professionelle Beratung.

          Mit fast 6 sollte deine Tochter den Perspektivwechsel eigentlich langsam können, glaube ich. Aber es kann auch so viele Gründe geben, weshalb es ihr zumindest temporär nicht möglich ist. Wenn sie tatsächlich zu den intensiv fühlenden Kindern gehört, wird sie vielleicht von anderen Dingen, Gefühlen überschwemmt, ist völlig überfordert oder überreizt und sucht sich dann ihre Ventile. Ist halt echt blöd für die Geschwister, wenn das Ventil dann immer das Ärgern ist.

          Ich drücke euch die Daumen, dass ihr gemeinsame Wege findet!

        • Gaby Hammer

          Liebe Caro,
          egal wie, aber ich bin hier gerade auf Deinen Kommentar gestoßen und ich lese echte Verzweiflung in Deinen Zeilen. Ist ja schon ein paar Tage her und vielleicht ist es heute oder in den letzten Tagen wieder besser gewesen. Ich bin Mutter von 3 Kinder (8,10,14) und auch Familienberaterin und deshalb möchte ich Dich in Deinem Gedanken, Dir Hilfe und Beratung zu nehmen, gerne unterstützen. Wir müssen nicht alles alleine stemmen und bewältigen. Wir haben nur einen – unseren Blick auf die Dinge. Ein vertrauensvolles Gespräch mit einem Berater bringt oft andere Sichtweisen und können Dich dabei unterstützen und dann auch entlasten. Bei einer Sache bin ich mir ganz sicher: Du machst nichts falsch! Das erkennst Du schon alleine daran, dass Du über die Dinge reflektierst und schon viele Möglichkeiten herausgearbeitet hast: es triggert Dich, es sucht Aufmerksamkeit u.s.w. Und jetzt wäre es wichtig, den nächsten Schritt zu gehen und zu fragen: Welche Wege kann ich gehen, damit es besser wird – für Euch beide – für alle Mitglieder der Familie. Und dafür ist ein vertrauensvolles Gespräch mit einem Berater echt sinnvoll. Ich wünsche Dir, dass Du die Kraft und auch den Mut aufbringen kannst, diesen Schritt zu gehen! Es wird besser! Alles Liebe und auch ich drücke Dir die Daumen!

  8. Kecks

    Also wir haben auch ein extrem explosives sehr hochsensibles CharakterKind (2J) und ein „Normales“ Kind (4J), aber: bei mit Mama „4 Runden Vier-gewinnt gespielt, zwei Bücher gelesen, ich habe im Sagaland gewonnen und im Memory verloren. Jetzt puzzlen wir ein Doppel-Puzzle“ an einem Vormittag würde mein NormaloKind mit 4Jahren auch flippen, einen WutAnfall bekommen und einfach Ruhe und Auszeit brauchen. So schön und wichtig spielen mit Mama auch ist, ist ein so intensives Face to Face Programm an einem Vormittag einfach to much -insbesondere für hochsensible Kinder die einfach alles und viel mehr wahrnehmen, aufsaugen und nicht (weg)filtern können. (Vor allem sind die oben genannten Dinge kommunikative Aktivitäten, bei denen Kinder interagieren und sich konzentrieren müssen.) Kinder brauchen aber immer zwischendurch die Möglichkeit sich im Spiel im Flow zu verlieren, um Dinge zu verarbeiten und runter zu kommen. Wie wäre es einfach mal zwischendurch nach draußen zu gehen und das Kind ganz in seinem Tempo draußen trödeln und entdecken zu lassen, oder falls du aus irgendwelchen Gründen nicht raus kannst, dein Kind alleine etwas spielen zu lassen, wo es sich „verlieren“ in „Flow“ kommen kann.Das kann für jedes Kind etwas anderes sein, je nachdem wo die Interessen der Kinder liegen. Mein 4 jähriger spielt dann HolzEisenbahn oder Autos nur für sich oder schneidet mit der Schere aus einem Blatt Papier 1000 kleine Schnipsel. Mein intensives CharakterKind liebt es HaarSpangen zu sortieren, zu Kneten oder einfach nur ein Buch hundertmal durchzublättern. Wohlgemerkt ohne Mama. Ich bin im Raum, störe aber die Kinder nicht in ihrem Flow.

    • Hallo Kekcs, danke für deine Anregungen. Ich weise immer gerne darauf hin, dass nicht alle Details in meinen Texten der reinen Wahrheit entsprechen, sondern ich aus stilistischen und rhetorischen Gründen auch schon mal übertreibe oder pointiert formuliere. Es ist also nicht nötig, jegliche Aktivitäten zu zählen und alles auf die Goldwaage zu legen.

      Ich stimme deinen Beobachtungen total zu. Kinder brauchen Abwechslung und Zeit für sich. Den „Flow“, den du beschreibst, beobachte ich bei meinem großen Kind täglich und es tut sehr gut, dass er sich so gut allein und kreativ beschäftigen kann – drinnen wie draußen.

      Darum ging es aber in diesem Text einfach gar nicht. Worum es hier geht, ist die Schwierigkeit, mit einem extrem fordernden Kind umzugehen. Und fordernd und intensiv bleibt es auch, wenn wir viele entspannende Situationen bieten und sehr sensibel auf es eingehen. Das ist halt der Unterschied zu „einfacheren“ Kindern.

  9. DG

    Da halte ich es doch am liebsten mit der „good enough mother“. Die Vorstellung „nur“ eine hinreichend gute Mutter sein zu müssen (zu können) nimmt mir den Druck den, so meine ich, manche Mütter / Eltern spüren, die auf Attachment Parenting-Pfaden wandeln. Kinder sollen nicht lernen dass andere sich für sie aufopfern, wichtiger ist es doch eigene Grenzen und die Grenzen anderer erkennen zu können um einen Platz in dieser immer komplizierter werdenden Welt zu finden.

  10. Sabrinabarbara

    ich habe 2 gefühlsstarke Jungs, was ich auch erst seit Noras Buch weiß, und es ist manchmal soooooo irre anstrengend, dass ich denke „und wie halte ich das jetzt noch weiter durch“??? ich bin null perfektionistisch , aber ich bemühe mich wirklich meine Jungs zu begleiten, wie sie es brauchen, was auch nicht immer klappt. aber meine Bedürfnisse stehen leider völlig hinten an….

  11. Anja

    Hallo Sophie,
    du schreibst mir wirklich aus dem Herzen,mir geht es genau wie dir in dem Artikel oben.
    Ich habe auch einen gefühlsstarken Jungen (6) und ein 4jähriges Mädchen welches sich so langsam auch entpuppt und ich kann einfach nicht mehr. Ich bin nur noch am trösten, spiegeln usw.und kurz darauf geht es wegen was neuem (meisten überhaupt nicht greifbarem) weiter und noch starker von vorne los. Ich ertrage meine Kinder gerade kaum noch und hab keine Kraft mehr zum trösten. UNnd das finde ich ganz schrecklich weil es absolute Wunschkinder sind und ich immer versuche BO zu erziehen.
    Alles muss abgewägt werden, können wir mit ihnen da hin, kann er das verkraften, wird es bei dem Geburtstag zu laut,zu spät usw.
    Wie hast du es geschafft es anzunehmen wie es ist? Das funktioniert bei mir gerade gar nicht und ich merke wie ich mir selbst leid tu und meiner “Wunschfamilie“ nachtrauere und mir jeden Tag nur wünsche,dass es bei uns auch mal “normal“ ablaufen kann.

    • Liebe Anja, ganz ehrlich? Aktuell funktioniert es mal wieder gar nicht.

      Unser Alltag war zuletzt leider sehr stressig (zu viel Arbeit, Kita-Eingewöhnung mit der Kleinen) und der Große reagiert da natürlich super sensibel. Und ich selbst bin gerade so gar nicht in der Lage, darauf verständnisvoll einzugehen. Diese Aggressivität, diese Lautstärke, ich will einfach nur, dass es aufhört. Ja, auch ich habe mir in letzter Zeit immer mal wieder heimlich ein anderes Kind gewünscht. Aber nutzt halt nix.

      Zum Glück haben wir jetzt Urlaub und ich hoffe, dass wir uns in den kommenden zwei Wochen mal wieder erden können. Wenn ich entspannter bin, wird das Kind es hoffentlich auch. Mein bester Tipp ist immer noch, einfach mal einen Tag lang nur Dinge zu machen, auf die das Kind (vermutlich) positiv reagiert. Dann hat man mal wieder schöne gemeinsame Erlebnisse und sieht die guten Seiten am Kind. Und Druck rausnehmen, genug Auszeiten für sich allein.

      Ab einem bestimmten Alter vielleicht auch mehr Grenzen fürs Kind – ich kommuniziere ganz klar, wenn ich nicht mehr kann und meine Ruhe brauche. Das führt zwar zur Enttäuschung beim Kind, vermeidet aber die ganz großen Eskalationen. Ich schließe mich lieber ins Bad ein anstatt dass ich mein Kind anbrülle (passiert trotzdem noch zu oft).

      Du siehst, du bist nicht allein. Es ist sauanstrengend. Ich habe ja auch immer die Kleine zum Vergleich, die einfach so viel verzeiht und mit vielem so völlig entspannt umgeht. Da muss ich echt höllisch aufpassen, dass ich nicht zu oft denke „Warum kann er nicht auch so sein?“. Und dann gibt es wieder so viele Momente, wo ich seine Energie, seinen starken Willen, seine Begeisterungsfähigkeit sehr sehr liebe. Das hilft nämlich auch: Immer auch genau hinzuschauen, wenn die Kinder toll sind!

      Alles Gute euch und baldige Entspannung!

      • Nele

        Liebe Sophie,
        ich bin jetzt gerade ganz neu auf deinen Blog gestoßen und habe deine Einträge zu deinem gefühlsstarken Kind gelesen.
        Mein Sohn wird demnächst 10 und sehr intensiv. Sehr starke Meinungen, sehr starke Emotionen, sehr heftige Wutausbrüche. Als es kurz nach seiner Einschulung schon zu krasser Schul-Verweigerung kam, sind wir dem vielfachen Rat gefolgt und haben ihn auf Hochbegabung testen lassen. Bei der spezialisierten Psychologin hat er dann alle Tests in Rekordzeit gelöst und einen wirklich überraschend hohen IQ bestätigt bekommen. Nun ist man ja sowieso immer etwas geschmeichelt, so ein schlaues Kind zu haben, aber vor allem hatten wir endlich einen Namen für unsere Probleme: das Kind ist hochbegabt und in der Schule völlig unterfordert! Alle Ratgeber schienen zu versprechen: Wenn er nur die richtige Förderung bekommt, wird er umgänglich, zufrieden und „normal“!

        Ein Schulwechsel und ziemlich viele Gespräche mit seiner sehr Hochbegabten-erfahrenen Lehrerin später sind wir sehr, sehr ernüchtert. Also ja, unser Sohn quält sich etwas weniger mit der Schule, wenn der Lernstoff auf seine Niveau angepasst ist und er im eigenen Tempo lernen darf. Aber er ist trotzdem ein sehr, sehr schwieriger Schüler. Ist sehr unruhig im Unterricht, lenkt andere ab, arbeitet nur einen Bruchteil der Zeit, verweigert sich, kriegt Wutausbrüche, beschimpft neuerdings Lehrer. Er kann auch unglaublich süß und lieb sein, leider zeigt er das in der Schule selten. Zu Hause haben wir ja mindestens immer eine 1:1 Betreuung, da können wir auf seine besonderen Bedürfnisse eingehen, aber in der Schule als Teil einer ziemlich großen Gruppe „funktioniert“ er sehr schlecht. Dafür mache ich zum Teil das suboptimale Schulsystem verantwortlich (er geht allerdings schon auf eine reformpädagogische Montessorischule), zum anderen denke ich aber auch langsam, dass gerade er nicht die Eigenschaften hat, die man in der Schule zum Lernen braucht, dass er zu sensibel ist. Einerseits möchte ich natürlich, dass er lernt, Teil einer Gruppe zu sein und andererseits träume ich inzwischen heimlich davon, in ein Land zu ziehen, wo Home Schooling erlaubt ist.

        Deine Beschreibung von deinem gefühlsstarken Kind spricht jedenfalls sehr viel in mir an. Wir haben auch noch ein weiteres Kind, das trotz beginnender Pubertät so viel „einfacher“ ist.
        Ein „schwieriges“ Kind zu haben belastet mich zu Hause inzwischen kaum noch. Aber die Schulprobleme fressen mich auf. Und ich kann eigentlich nur mit dem Liebsten darüber reden, weil kein anderer in der Familie oder im Freundeskreis so wirklich versteht, wie es ist, so ein spezielles Kind zu haben. Wir stoßen auf viel Unverständnis und mehr oder weniger offen ausgesprochene Schuldzuweisungen. Weil ja jemand „Schuld“ sein muss, wenn ein Kind so „schwierig“ ist. Am besten die Eltern.

        Ui, jetzt ist es etwas lang geworden, sorry! Ich danke dir jedenfalls sehr für deine Blogeinträge und werde mir auch eins der beiden Bücher runterladen. Würdest du inzwischen eins mehr als das andere empfehlen? Mein Englisch ist recht gut, ich könnte im Original lesen.

        Liebe Grüße,
        Nele

        • Nele

          P.S.
          Ich wollte dich eigentlich fragen: dein Sohn ist noch nicht eingeschult, oder?

        • Liebe Nele, entschuldige die späte Antwort, ich hoffe, du liest sie trotzdem noch.

          Das klingt wirklich hart bei euch, die doofe Schule macht es solchen Kindern wie unseren wirklich nicht leicht. Mein Sohn wird dieses Jahr erst eingeschult, daher habe ich keine Erfahrungswerte und hoffe erst mal das Beste (die Schule haben wir entsprechend ausgesucht, ich hoffe, dass der Plan aufgeht). Ich wünsche euch viel Kraft, Mut und tolle Pädagogen, die auf eurer Seite sind und nicht gegen euch arbeiten!

          Zu deiner Frage nach den Büchern: Ich hab sowohl Kurcinka als auch Imlau gerne gelesen. Wenn du gut englisch liest, würde ich Kurcinka im Original lesen. Die Übersetzung holpert doch an einigen Stellen ganz schön. Für das Alter deines Sohnes kann ich dir jetzt das neue Buch von Nora Imlau empfehlen, da geht es explizit um gefühlsstarke Kinder im Vorschulalter. Ich will es auch demnächst hier im Blog vorstellen. Gelesen habe ich es schon, mir fehlte nur die Zeit zum schreiben.

          Bis dahin alles Gute!

  12. Anna Wegelin

    Hallo, ich möchte euch von meiner 2 Jährigen Tochter erzählen.
    Sie ist sehr anstrengend.
    Sie ist ein sehr lebendiges , temperamentvolles Kind. Bei ihr muss alles sofort passieren. Und das nervt mich. Sie saugt mich auch auf.Ich mache sehr viel mit ihr zusammen, es macht mir auch Spaß .Allerdings ist es oft sehr viel Aufmerksamkeit, die sie will.
    Sie sträubt sich ganz oft gegen mich.
    Ich muss sehr streng sein bei ihr.
    Kurze klare Ansagen.
    Ich kooperieren auch mit ihr, aber nur solange ich damit ein gutes Gefühl habe.
    Sie testet ihre Grenzen sehr viel aus, und überspannt den Bogen fast immer.
    Wenn ich nachgebe z.B. beim Fernseh schauen und dann doch nach zwei Folgen ausmache, schreit sie rum und rastet aus.
    Sie ist auch oft handgreiflich den Papa gegenüber.
    Bei mir darf sie das nicht.
    Wenn sie mich haut, dann sage ich Stop oder schiebe sie weg von mir.
    Oft habe ich viel Wut in mir, wie auch Ohnmacht.
    In der Kita und auch draußen bei anderen Menschen, ist sie klasse und lieb und süß
    Das Schlimmste ist das Zubettgehen abends.
    Da raste ich fast immer aus, weil ich das Gezappelle nicht ertrage.Beim fünften Mal ,“ lege dich bitte hin und schlaf“, gehe ich einfach raus, gebe ihr ein Küsschen und sage ihr, dass ich nicht mehr kann und will.
    Ab da übernimmt der Papa

  13. Melanie Kastenmeier

    Hallo
    Ich habe deinen Text gerade per Zufall entdeckt
    Ich selber bin auf jeden Fall hypersensibel und mein dreijähriger Sohn, der mein Minimi ist, ist glaub ich auch so.
    Ich verbringe sehr viel Zeit damit zu deeskalieren in unserer Familie, Hauptsache der Kleine flippt nicht aus. Er ist sehr liebesbedürftig kann aber auch genauso zornig werden. Was mich unwahrscheinlich belastet das er zu meinem Mann und zu meiner Schwester soo unfassbar gemein sein kann. Das ist etwas was ich nicht verstehen kann. Hast du Ähnliches erlebt?

    • Liebe Melanie, oh ja, dieses ständige Deeskalieren müssen kennen vermutlich alle Eltern gefühlsstarker Kinder. Aber es ist schade, dass allein dir diese Rolle zuzufallen scheint? Bei uns war und ist es glücklicherweise so, dass wir uns da ganz gut abwechseln können. Manchmal kommen wir uns schon vor wie „Good Cop – Bad Cop“, in immer mal unterschiedlichen Rollen. 😉

      Wenn dein Sohn gemein zu Papa oder Tante ist, bist du dann auch dabei? Bei uns war es früher oft so, dass das Hübchen unausstehlich war, wenn er unser beider Aufmerksamkeit kriegen konnte oder wollte. Mit nur einem von uns war alles prima. Es schien fast, als würde er permanent um Aufmerksamkeit kämpfen und als versuchte er, sich diese zur Not durch Gemeinheiten zu holen.

      Vielleicht sieht dein Sohn Papa oder Tante als Konkurrenz, weil er deine alleinige Aufmerksamkeit will? Oder er sehnt sich eigentlich nach Zeit allein mit Papa oder Tante, kann das aber nicht annehmen, solange du dabei bist, weil seine Gefühle dann total durcheinander gehen?

      Das sind alles nur Ideen, ich bin keine Expertin. Aber aus meiner Erfahrung könnte es helfen, bewusst Zeit allein mit ihm zu verbringen. Viele Bezugspersonen gleichzeitig können gefühlsstarke Kinder leicht durcheinanderbringen.

      Alles Gute euch!

  14. Katja

    Hallo
    Ich weiss eigentlich nicht mehr weiter.
    Er braucht soviel Energie. Die Wut bekomme ich, vermutlich aus hilflosigkeit.
    Er ist sehr liebesbedürftig. Ja es ist ja schön aber es ist nicht mehr schön. Er klebt an mir, möchte tausend küsschen etc. Ich weiss, jetzt sagen oder denken alle, dass ich das geniessen soll, oder wo hier das Problem ist.
    Wenn er etwas nicht möchte, z.B. ins training oder zur Schule ist es ganz extrem. Dann klammert er (er ist 8 Jahre alt), weint und will einfach nicht, egal wie ich reagiere. Konnte ihn auch schon nicht zur Schule schicken da es einfach ausgeartet ist. Die Lehrerinnen verstehen das auch nicht. Manchmal denke ich er tanze mir auf der Nase rum ist vermutlich auch so, weil ich einfach nicht mehr weiss was ich tun soll. Mein Mann sagte mir, ich wäre als er klein war oft zu lieb gewesen im verglich zu unserer Tochter, hätte ich ihm vieles durchgehen lassen, obschon das gar nicht meine Art ist.
    Er kann nicht sagen warum das so ist. In der Schule ist er sehr gut, alle mögen ihn, wird nicht gehänselt, hat keinen Streit etc. auch im training ist es so. Er ist sehr härzig und liebenswert aber eben speziell. Als Baby hat er oft geschrien, hatte alpträume und es war schwierig bis er 3 Jahre alt war.
    Irgendwie kann ich ihn verstehen, sehe oft micht in ihm.
    Was auch noch ist, man kann nie genau wissen ob es stimmt was er sagt. Oft sind es teilwahrheiten. Er fügt eigenes hinzu.
    Er liebt es zu spielen, draussen mit Kollegen. Wenn aber viele Kinder sind, die er nicht kennt, geht er nicht hin und möchte nicht spielen, lieber bei mir sein.
    Ich kann es nicht so gut beschreiben, hoffe es kommt etwar rüber von dem wie er ist und über mein Vehlverhalten.

  15. Anna

    Ich kann nur sagen : Erzähl‘ mir nix, ich habe Asperger Autismus!
    Ich bin hypersensibel, auch bei Berührungen, und mein Sohn ist definitiv auch im Spektrum…
    Gestern war ein richtiger Scheisstag… Anders kann ich es nicht sagen.
    Hatte meinen Sohn 3,5 Jahre nur zu Hause betreut under geht seit Januar in die Kita. Davon war er natürlich 1 Monat krank.
    Ich habealso noch keine 5 Tage am Stück mein Kind in die akita bringen können.
    Er geht nur Vormittags von 8 bis 12, das reicht bei seinem Geist und seiner Seele völlig aus, sonst ist er überfordert.
    ABER: Mir fehlt die Pause. Fast 4 Jahre habe ich gewartet mal ne Mamapause zu haben, und dann sowas!
    Also gehen wir uns weiterhin gegenseitig auf die Nerven und Kind denkt es könnte ja lustig sein, Mama nachzuäffen und rumzukaspern. Jeden Tag. Seit Monaten. 4 bis 8 Std am Stück oder länger.

    Ich habe mir mit meiner Hypersensibilität echt alles ausgerissen um eine bedürfnisorientierte Bindung hin zu bekommen, damit er auch Urvertrauen entwickeln kann und was passiert? Richtig: Er gibt mir seit der Geburt das Gefühl, ich wäre nur B-Ware für ihn. Und ja, das tut er tatsächlich. Ich habe das mehrfach durchdiskutiert (auch mit meinem Therapeuten).

    Glaubt mir: Mein Kind lehnt mich ab, seitdem er auf der Welt ist. Es gab nie eine Mama oder Papa Phase. Nein, es war immer NUR Papa. Immer. Jeden verdammten Tag.

    Nun, er triggert mich wahnsinnig oft und ich werde extrem wütend, wenn er so ist… Impulskontrolle habe ich kaum, muss also SEHR aufpassen, was ich tue oder sage.

    Ich weis nicht, wie es bei anderen ist, aber ich rege mich ja tagtäglich darüber auf, dass er absolut abblockt.
    Der nimmt auch so überhaupt gar nichts an, was ich zu ihm sage.
    Erzieht mal ein Kind welches euch nicht für voll nimmt… Geht nicht? Muss aber!

    Egal. Das echte Problem ist doch, dass man als Eltern auch von einem Kind erwartet, dass etwas positives Feedback kommt.
    Man erwartet einfach zB ein Bitte, wenn man es selbst ständig benutzt. Aber nein, wir sagen täglich bis zu 60 mal (kein Witz, ich habe es gezählt!) „Frag vernünftig“

    Es fehlt teilweise echt die EINSICHT etwas zu tun. Ob ich ihm noch mal 2 Jahre am Stüxk erklären werde, dass man nicht einfach auf die Strase läuft? Wenn er so weiter macht: definitiv NICHT.

    Mein Bengel will einfach aus Prinzip nicht. Weil ich es sage. Weil ICH es sage. Weil es von MIR kommt.

    Das ist mehr als hart, glaubt mir.

    Egal wie nett ich bin, egal was ich wann wie sage (ich habe vieles lange ausprobiert!): Es ist völlig umsonst. Er will nicht und damit Basta! Der ist echt wie der Vater… Und der wohnt auch noch hier! ?

    Würde mir oft ein zugänglicheres Kind wünschen. Oder ein Mädchen, damit ich seine Gefühle (bis zu 20 x weinen am Tag) eher annehmen könnte…

    Das viele Geweine zehrt an meinen Nerven. Da bis du wütend auf ein Kind, dass sich seit 2 Std nen Spaß macht und dich nachäfft, aber wenn man dann, nsch endlosem Bitten und betteln laut wird und klar sagt, dass es so nicht geht (es steigert sich wirklich sehr weil wir beide stur sind), DANN weint er und ich soll trösten.
    Kannste dir nicht ausdenken sowas.

    Wie soll man auf ein Nind reagieren, dass einem einfach keine Pause gönnt? Ich weis es echt nicht. Ixh weis nicjt. Ob ixh von einem Kmeinkind erwarten kann geliebt zu werden. Biologisch gesehen werden die ja darauf programmiert dixh zu lieben, vis sie selbst geschlechtsreif werden… Mweiner anscheinend aber NICHT.

    Ach, keine Ahnung. Musste einfach mal raus.

    Sry wenn das alles wirr und lieblos klingt. Es ist 4 Uhr morgens und Sohn war heute echt anstrengend. Ich liebe ihn wirklich und zeige es ihm jeden Tag hundertfach.

    Vielleicht bekomme ich das iwan mal zurück, aber ich denke eher der wir iwann einfach ausziehen und mich dann nur noch an Weihnachten besuchen.

    Ich habe wahnsinnig Angst davor, dass ich es doch irgendwie versaut habe. Dass meine Erziehungstil einfach nicht für ihn passt und er mich irgendwann einfach alleine wiederfinde. Mit einem Sohn, der mich nicjt besonders mag.

  16. Alina Weber

    Das hast du wirklich sehr schön geschrieben und hast mir das erste Mal seit der Geburt meines Sohnes vor zwei Jahren wirklich Mut gemacht.

    Ich gehe absolut in Resonanz mit dir. Bei uns ist es ähnlich, natürlich aber auch anders. Dennoch stoße ich oft an meine Grenzen, da mein Sohn ein Nein nicht akzeptiert, egal wie ich es formuliere, erkläre ode vorlebe. Er will alles wissen, können und machen, machen, machen. Das ist einerseits hart und andererseits auch sehr schön.

    Ich könnte manchmal vor Wut brüllen und Bäume fällen gehen. Manchmal flippe ich auch aus, verhaue Kissen oder lasse uns laut zu Metallica grölen. Mein Kind freut es. Mit anderthalb konnte er mit seiner Mähne headbangen, haha.

    Manchmal schlafe ich mit Schuldgefühlen ein. Ärgere mich über mich selbst und meine Ungeduld und dass ich nicht adäquat pädagogisch korrekt handeln konnte und geschimpft habe oder einfach wie Rumpelstilzchen vor meinem Kind wüten musste.

    Ich arbeite mit geistig behinderten Menschen, sein 17 Jahren. Es ist eine schwierige und fordernde Arbeit. Auf Arbeit bin ich die Ruhe und Geduld selbst.

    Ich muss dazu sagen, ich bin alleinerziehend und manchmal fehlt dieser Partner im Hintergrund, zu dem ich sagen kann, „mach du mal“.

    Doch die Liebe zu meinem Kind könnte größer nicht sein.

    Danke!

  17. Jenny

    Hallo
    Ich bin gerade auf diesen blog gestossen, über google (habe mit blogs null Erfahrung). Mir sind die Tränen gekommen. Jedoch habe ich eine kritische Anmerkung/Frage:
    Ist es im Sinne eines blogs, die Dinge doch möglichst nicht allzukrass zu formulieren, resp. lieber etwas zu beschönigen oder offen zu lassen, oder ist das der schlussendlich doch fehlende Mut, die Dinge beim Namen zu nennen?
    Oder ist das bei euch eben auch nicht so?
    Warum finde ich nirgends das Adjektiv „aggressiv“? Was beinhaltet schwierig, ein für mich sehr weiter Begriff.
    Mein Sohn entspricht deinen Beschreibungen, in Allem, aber am allermeisten leide ich unter seiner verbalen Aggressivität. Oder meinst du damit die Wut? Mit seinen sechs Jahren kann er mich an vielen Tagen von morgens bis abends beschimpfen.
    Auch die offensichtliche Liebe eures Sohnes zu seiner Schwester wirkt in eurem Fall entschärfend; ist bei uns nicht gegeben, im Gegenteil, der junge Hund (die kleine Schwester gibt es nicht) und sein um einiges älterer Bruder bekommen seine Stimmungen auch deutlich zu spüren, obwohl man die Liebe zu seinem Bruder im Grunde, tief drinnen, sehr deutlich spürt.
    Nun, fällt mein Sohn jetzt eben doch aus dem Raster der „besonders anstrengenden Kinder“ und es gilt sich ernsthaft Sorgen zu machen? Oder eben, um auf meine anfängliche Frage zurückzukommen, ist die Hemmschwelle, im Bezug auf das eigene, liebende Kind, wirklich unverblümt ehrlich zu sein eben doch zu schwierig? Resp. macht sich einfach nicht gut in einem Blog?
    Auf jeden Fall werde ich mir das von dir empfohlene Buch kaufen, mal sehen …

    • Liebe Jenny, schön dass du hergefunden hast und danke fürs kritische Nachfragen. Gerade bei Blogs finde ich es auch wichtig, immer mal zu hinterfragen, wie viel davon eigentlich wahr und wie viel nur schöner Schein ist.

      Für diesen Blog hier kann ich dir versichern, dass ich normalerweise sehr ehrlich bin. Bei witzigen Texten kommt es vor, dass ich manche Vorkommnisse im Sinne der Story überspitze. Aber die Texte zum gefühlsstarken Kind beschreiben ziemlich realistisch unsere (damalige) Situation.

      Was alles ins Raster „gefühlsstark“ fällt und ab wann man sich über z.B. Auffälligkeiten aus dem autistischen Spektrum Gedanken machen sollte, das kann ich leider gar nicht beurteilen. Ich bin nicht vom Fach und beschreibe hier einfach nur unsere eigene individuelle Situation. Verbale Aggression hat mein Sohn z.B. noch nie gezeigt.

      Die Bücher von Nora Imlau und auch von Mary Kurcinka beschreiben ganz gut das große Spektrum, das gefühlsstarke Kinder zeigen können. Wie immer gilt: Kein Kind ist wie das andere. Ich kann dir die Lektüre sehr empfehlen!

  18. Claudia

    Danke für diese worte. Du triffst mich mitten im herz und ich könnte einfach nur weinen. So gut zu wissen, es gibt noch andere auf dieser welt, denen es gleich geht. Danke dir vielmals für diesen blogeintrag.

  19. Marisa

    Hallo,
    Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. Unser Sohn ist schon 15 , und war von Geburt an anders.Das merkten wir aber erst, als sein Bruder 2 jahre, und seine schwester 5 Jahre später dazu kamen.Am Anfang , als Baby waren es kleinigkeiten.Er weinte , und 2 sekunden später weinte er, dann lachte er wieder.Er wollte keine Schuhe anziehen (bis zu schreikrämpfen) Keinen Helm, oder Handschuhe.Später bekam er wutanfälle, wenn ich ihn aus dem Kindergarten abholen wollte…In der Schule wurde es dann erst besser, anderen Menschen gegenüber Vorbildlich, höflich und charmant. Ab der fünften Klasse begann er, in der Schule nichts mehr zu machen ( Vorher ein super schüler) Keine Hausaufgaben, kein lernen für eine Prüfung.Das zieht sich bis heute, Er besucht die Bildungstiefste Oberstufe, und hat grottenschlechte Noten. Wenn wir das Gespräch mit ihm suchen, heisst es, er will nicht mit uns reden, nichts mit uns zu tun haben, und am liebsten ausziehen. Das klingt bestimmt, als wären wir böse, oder würden ihn misshandeln…aber das tun wir nicht.Er zeigt uns liebe, wenn es ihm zugute kommt.Wenn ich ihm eine „Strafe „gebe, wie zum bsp, Handyverbot, kann er mir auch mal sagen, ich sei eine fette Kuh, oder ein Arschloch.
    Wir machen uns sorgen um seine Zukunft, aber er lässt sich von uns nicht helfen.Wir waren schon bei einer Familientherapeutin, aber wir mussten alleine gehen, er wollte nicht mitkommen.Ich weiss mir nicht mehr zu helfen, ich weiss auch nicht, ob man das noch als schwierig bezeichnen kann….Die anderen beiden Kinder sind „normal“ aber leiden sehr unter ihrem grossen Bruder.
    Liebe Grüsse
    Marisa

    • Hallo liebe Marisa und danke für das Vertrauen, hier zu kommentieren. Das klingt gerade wirklich nach einem anstrengenden Familienleben. Hast du Freundinnen oder Bekannte mit Kindern in ähnlichem Alter wie dein Sohn? Ich selbst habe ja noch recht kleine Kinder und kann mir vorstellen, dass mit der Pubertät einfach noch mal andere Herausforderungen dazu kommen. Vielleicht kannst du im Gespräch mit anderen Eltern sogar merken, dass es anderen ähnlich geht?

      Soweit ich das von anderen mitkriege, ist es wohl nicht selten, dass Kinder im Teenie-Alter sich sehr zurückziehen, sich „undankbar“ verhalten und Eltern das Gefühl kriegen, den Kontakt zu ihnen zu verlieren. Verständnis für die vielen Prozesse, die sich gerade in diesem Alter im Gehirn abspielen, kann bestimmt helfen. Bestimmt gibt es dazu auch gute Literatur? Da kenne ich mich leider noch nicht aus, aber vielleicht googelst du einfach mal.

      Und Familientherapie hilft vielleicht auch euch Eltern allein, selbst wenn euer Sohn nicht mitkommt? Dann könnt ihr ggf. da gemeinsam Strategien entwickeln, wie ihr mit seinem Verhalten umgehen könnt. Ich wünsche euch alles Gute!

  20. Sarah

    Hallo liebe Schreiber und Kommentatoren!
    Nach einem schwierigen Abend sowie Morgen zwischen mir und meiner Tochter (die wir vermutlich ebenfalls zu den 20%) hat es mir so gut getan, eure Beiträge zu lesen.
    Ich habe in all euren Wort viel Wertschätzung, Liebe, Engagement und Respekt herausgelesen. Dafür möchte ich hiermit ein Dankeschön hinterlassen!
    Und ganz sicher gehöre ich ab jetzt zu den regelmäßigen Besuchern dieser Seite!
    Herzliche Grüße von Sarah

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