Mein gefühlsstarkes Kind | Das Besondere erkennen

Ich habe ein schwieriges Kind. Dieser Satz klingt ein bisschen gemein, oder? Schließlich will niemand ein schwieriges Kind haben. Schwierige Kinder nerven, sie fügen sich nicht gut ein in unseren durchgeplanten, durchgetakteten Alltag, mit schwierigen Kindern lebt es sich schwer. Doch was bedeutet eigentlich „schwierig“? Und warum tut es mir plötzlich so gut, zu erkennen, dass mein Kind zu den „schwierigen“ Kindern gehört? Wieso zähle auch ich mich zu den eher schwierigen Menschen? Und wie gedenke ich nun mit diesen neuen Erkenntnissen umzugehen, um mir und meiner Familie das Leben ein bisschen leichter zu machen? Darum soll es in dieser kleinen Reihe gehen. Los geht es mit Teil 1, in dem ich euch erzähle, wie ich erst begreifen musste, dass mein Sohn und ich manchmal ein bisschen aus der Reihe tanzen.

Mein Kind ist ein bisschen anders, ein bisschen „mehr“ als andere Kinder. Was viele erstaunt: Damit steht es gar nicht so alleine da! Man schätzt, dass bis zu 20% aller Kinder, und damit auch Erwachsenen, ein ausgeprägteres Gefühlsleben haben als die Mehrheit. Sie sind besonders impulsiv, besonders sensibel, besonders intensiv. Das kann wunderbar sein – und hölleanstrengend.

Wie sehr mich das Leben mit meinem Sohn im letzten Jahr angestrengt hat, habt ihr hier im Blog bereits verfolgen können. Das Hübchen fordert uns ganz besonders heraus – und vom Alter her passte es bisher prima, zu sagen: Ganz normal, das ist die Autonomiephase, das geht vorbei. Oder in unserem Fall auch: Ganz normal, er hat ein Geschwisterchen bekommen, das geht vorbei. Aber irgendwas in mir war immer skeptisch: Was, wenn es nicht vorbei ginge? Was, wenn es sogar immer schlimmer würde? Was, wenn wir unser Kind die ganze Zeit falsch behandelten oder irgendetwas versäumten, um ihm und uns das Leben etwas leichter zu machen?

Unser Gang zur Erziehungsberatung war dann so ein bisschen die Initialzündung, die Sache mal aktiv anzugehen und nicht mehr allein darauf zu hoffen, dass es irgendwann von alleine besser würde. Seitdem haben nicht nur die Gespräche mit der Beraterin geholfen, sondern auch schlaue Bücher und viele Gespräche von Elternteil zu Elternteil (mit dem eigenen Mann und anderen Müttern bzw. Vätern).

Ich habe ein „schwieriges“ Kind!

Heute bin ich an dem Punkt, glücklich zu sagen: Mein Kind ist ein „schwieriges Kind“ – jedenfalls ist es ein Kind, dass wir in unserem Alltag, der durchaus von vielen Zwängen und Erwartungen bestimmt ist, oft als schwierig empfinden. Mein Kind hat mich insbesondere im vergangenen Jahr oft isoliert: Ich spürte die Blicke, wenn andere (auch Freunde!) sich dachten, was denn mit diesem Kind nicht stimme. Ob ich mein Kind denn gar nicht erziehen würde. Was denn jetzt schon wieder los sei.

Was los ist? Ich weiß es ja in den meisten Fällen auch nicht. Bei meinem Kind reichen Kleinigkeiten und es explodiert. Es fühlt einfach stärker, ist viel sensibler und dadurch auch reizbarer als andere Kinder. Die starken Gefühle müssen raus, und es ist extrem schwer, die Ausbrüche vorauszusehen oder gezielt abzuschwächen.

Durch dieses oft unvorhersehbare und unkontrollierbare Verhalten wurde auch ich noch sensibler und allgemein reizbarer. Sätze wie „Das ist normal, das geht vorbei“ wurden von anderen bald mit noch weniger geliebten Sätzen kombiniert: „Mach dich mal locker!“, „Nur entspannte Eltern haben entspannte Kinder!“, „Bleib einfach gelassen, es bringt doch nichts, wenn du dich aufregst!“.

Ach was! Dass es kontraproduktiv ist, wenn ich mich zusätzlich aufrege, war mir immer klar. Allein: Ich konnte nicht mehr. Irgendwann hatte ich selbst meine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle. Es gab tatsächlich den Punkt, an dem ich mir wünschte, dieses Kind niemals bekommen zu haben. Ich hatte als Mutter auf voller Linie versagt. Ich hatte gestillt, getragen, jahrelang einschlafbegleitet. Ich hatte mir die Grundlagen bindungsorientierter Elternschaft nicht mühsam beibringen müssen, sondern sie als selbstverständlich vorausgesetzt. Ich wollte keine mütterliche Alleinherrscherin sein, sondern mit meinem Kind auf Augenhöhe leben. Fürsorge, Liebe, Respekt, Vertrauen, das sollte es bei uns geben.

Ist wirklich alles meine Schuld?

Wenn ich mich doch so bemühte, warum kam von meinem Kind dann trotzdem so viel Widerstand? Warum funktionierte es nicht so wie andere Kinder? Die Lektüre in diversen Blogs aus der Attachment Parenting Ecke ließen mich ziemlich hilflos zurück. Denn sie forderten von mir immer ein „noch mehr“. Noch mehr Liebe, noch mehr Geduld, noch mehr Achtsamkeit, noch mehr Hingabe, noch mehr Aufopferungsbereitschaft. Natürlich nicht, ohne immer wieder zu betonen, wie wichtig auch die Bedürfnisse der Eltern seien.

Wie genau ich meine Bedürfnisse mit dem ständigen „noch mehr“, das ein anspruchsvolles Kind beansprucht, aber in Einklang bringen sollte, stand nirgendwo. Stattdessen begleitete mich schon bald das schlechte Gewissen, wenn ich mal wieder nicht in der Lage gewesen war, „noch mehr“ zu geben. Schließlich leidet angeblich sofort die Beziehung, bekommt die so wichtige Bindung zwischen Mutter und Kind Risse – mit jedem harten Wort, mit jedem „Lass mich jetzt endlich in Ruhe!“.

Ich bemühte mich also weiter. Dumm war nur: Strategien, die bei anderen Kindern offenbar gut funktionierten, klappen bei uns oft einfach gar nicht. Wie oft dachte ich beim hundertsten Tipp, den ich zum tausendsten Mal las: Ja, mit einfacheren Kindern mag das klappen. Wenn mein Kind drei Wutanfälle pro Tag hätte, könnte ich das auch total geduldig spiegeln und liebevoll begleiten. Aber bei Ausnahmesituationen, die an manchen Tagen im 10-Minuten-Takt eintreten, reicht meine Kraft einfach nicht aus, um auch nur einen einzigen ganzen Tag ohne eigene Wutanfälle zu überstehen. Vielleicht gibt es ultra-achtsame Hardcore-AP-Mütter, die das können. Ich kann es nicht. (Ich gehöre nämlich selbst zu den 20% Menschen, die alles ein bisschen intensiver erleben. Aber dazu im nächsten Teil mehr.)

Was ich in „normalen“ Ratgebern und in diversen Blogs also immer wieder las, war: Es liegt an dir. Du bist nicht gut genug. Und ganz ehrlich: Das hat mich verdammt fertig gemacht. Und auch wütend. Wütend auf dieses meine Kind, das mir täglich meine Unzulänglichkeit vorhielt. In meiner Wut sagte ich mir irgendwann oft: Das ist aber doch auch nicht mehr normal! Dieses Kind ist nicht normal! Es liegt nicht nur an mir! Und auch, wenn das ziemlich eindimensional gedacht ist, war ich damit der Sache tatsächlich auf der Spur.

Die Herausforderung annehmen

Denn heute kann ich mir zweierlei eingestehen: Ich bin zwar nicht immer eine gute Mutter, ich habe viele Fehler gemacht und werde sicher noch viele machen. Aber dass es mit meinem Kind oft besonders anstrengend ist, ist nicht allein meine Schuld. Denn leider ist die Sache ein bisschen komplizierter: Auf Grundlage dessen, was ich mir angelesen habe, was ich aus Gesprächen und der Erziehungsberatung weiß, zähle ich meinen Sohn nun ganz sicher zu den 20% Menschen, die von der intensiveren Sorte sind. Das Leben mit ihm ist ein bisschen (und an manchen Tagen auch viel, viel, viel) anstrengender als mit Kindern, die über ein durchschnittliches Gefühlsleben verfügen.

Seit ich das verstanden habe, geht es mir viel besser. Und ich habe das Gefühl, dass ich seitdem nicht nur mit mir selbst nachsichtiger sein kann, sondern auch mit meinem Kind. Jetzt, wo ich eingesehen habe, dass er ein bisschen anders tickt, dass auch ich ein bisschen anders ticke, und dass unsere Uhren dabei leider nicht immer parallel laufen, kann ich nach und nach lernen, damit umzugehen. Das erklärte Ziel lautet: Mein Kind (und auch mich selbst) so anzunehmen, wie es ist (und wie ich bin) und ihm zu helfen, seine Gefühle in Zukunft selbst zu verstehen und gesellschafts- und familienkonform in den Griff zu kriegen.

Und demnächst:

Im nächsten Teil dieser Reihe will ich euch erzählen, warum ich so sicher bin, dass das Hübchen und ich zu den 20% gehören, die ein besonders intensives Gefühlsleben haben und warum wir trotz dieser Gemeinsamkeit leider auch extrem verschieden sind. Und ich will darauf eingehen, warum es eigentlich ein Geschenk ist, ein überdurchschnittlich temperamentvoller Mensch zu sein – und erst recht, ein solches Kind zu haben. Ihr seht: Es wird positiv! Also bleibt dran!

Hier geht es zu Teil 2: Mein gefühlsstarkes Kind | Erziehungsratgeber und wie sie helfen können

Und jetzt ihr:

Habt ihr auch intensive Kinder? Und habt ihr vielleicht auch lange in dem Dilemma gesteckt, diese Besonderheit nicht anzuerkennen, euch mit anderen Kindern/Eltern zu vergleichen und die Schuld nur bei euch selbst zu suchen? Ich freue mich sehr, wenn ihr davon in den Kommentaren erzählt!

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15 Kommentare zu „Mein gefühlsstarkes Kind | Das Besondere erkennen

  1. Kathi

    Ich habe auch so ein Kind. Vieles was du erzählst läuft bei uns genauso.
    Die Schwierigkeit für mich ist, dass der Sohnemann das vom Papa hat. Es ist für mich teils extrem schwierig bis unmöglich dieses Kind zu verstehen. Das macht den Alltag manchmal fast unerträglich. Zum Glück erklärt mein Mann mir immer wieder geduldig wie unser Sohn tickt.
    Besonders muss ich aber darauf achten ihn nicht zu sehr mit dem kleinen Bruder zu vergleichen, der so viel unkomplizierter ist. Zumindest für mich, weil er eben mir ähnlicher ist. Mein Mann empfindet das etwas anders als ich. Was vermutlich ein Glück für die Kinder ist.

    • Ach, von der Seite hatte ich es noch nie betrachtet. Für mich lag es zuletzt nahe, das erwähnte auch die Erziehungsberaterin, dass ich es vielleicht besonders schwer habe, weil ich mich selbst gespiegelt sehe. Sprich, das Verhalten des Kindes triggert mich so, weil ich in vielerlei Hinsicht ähnlich bin. Aber klar, andersrum kann es genauso schwer sein.

      Im Moment hilft es mir nämlich sogar, die Parallelen zwischen meinem Gefühlsleben und seinem zu sehen, weil es mir tatsächlich hilft, ihn besser zu verstehen. Dazu schreibe ich im nächsten Teil ausführlich!

      Und zur Unterschiedlichkeit der Geschwister: Ich finde das ja eigentlich toll. Bestimmt muss man oft aufpassen, gerecht zu bleiben. Aber unterm Strich ist es doch super, sehr unterschiedliche Charaktere in einer Familie zu haben! Das finde ich zumindest. ?

  2. Nadine

    Ein sonniges Hallo,

    wir haben auch so einen kleinen, intensiven Mann, der immer sehr stark fühlt – in alle Richtungen. Schimpft man mit ihm, nimmt er sich das sehr zu Herzen, sein Gebrüll bei Wut geht mitten in mein Gesicht und er zeigt allen, was explodieren eigentlich wirklich heißt. Seine Standardantwort ist oft „Nein, will ich nicht/mach ich nicht.“ Gleichzeitig bin ich auch ein sehr sensitiver, emotionaler, fühlender Mensch. Allerdings war mir das lange Zeit nicht so bewusst. Das habe ich erst durch mein Kind gelernt und verstanden. Die gleichen Fragen, die du dir gestellt hast, schwirrten auch in meinem Kopf. Wieso ist er immer direkt auf der Palme? Wieso ist da gleich die Verweigerung? Warum ist seine Frustrationstoleranz so niedrig? Wieso muss ich ganz behutsam meine Worte wählen? Geht das nicht einfacher?!
    Nach und nach habe ich gelernt, dass er ein sehr sensibles Wesen ist und das ganz sicher von seiner Mutter geerbt hat, denn er spiegelt mich. Ganz unbewusst, aber ganz gezielt und treffsicher. Ich bin mir sicher, dass hinter all der Wut und Zorn, all die unverstandenen Gefühle stehen, die ihn so intensiv packen.
    Dabei werde ich in den meisten Fällen noch nicht mal laut, dafür aber sehr schnell ungeduldig. Ich habe (oder besser gesagt hatte) wirklich gar keine Geduld und das hat er gemerkt. Unbewusst.

    Mittlerweile bin ich auch einen großen Schritt weiter. Bin dankbar, um mein sensibles Kind, das mir ein wahrer Lehrmeister in Sachen Geduld, Empathie und Sanftmut ist. NIcht er muss da so viel lernen. Das bin ganz allein ich, die diese neue empathische, geduldige Sprache neu lernen muss. Denn, wenn ich es ihm vorlebe, wird er es imitieren. Da bin ich mir ganz sicher. Wenn ich der sichere Hafen bin, der Verständnis zeigt, empathisch reagiert und die Ruhe bewahrt, dann wird er das auch. Nur so kann es funktionieren. Dabei ist mir Gerald Hüther – wie immer – ein guter Ratgeber und sein Mantra „bedingungslose Liebe, ganz ohne Erwartungen an unsere Kinder“ hilft mir ungemein an explosiven Tagen.

    Alles Liebe euch und einen hoffentlich gelassenen Tag

    • Ohhh ja, wem sagst du das. Die liebe Geduld. Das ist auch mein größtes Problem und es wird immer mal besser und wieder schlechter. Und auch der Gedanke „Geht das nicht einfacher?!“ ist mir sehr bekannt.

      Es ist so anstrengend, immer wieder wegen der geringsten Kleinigkeiten trösten zu müssen, die Wut auszuhalten, für die es doch eigentlich keinen Grund gibt.

      Aktuell fahre ich ganz gut damit, einfach zu kommunizieren, dass ich für ihn da bin. „Ich bin da“, „Alles ist gut“, „Ich helfe dir, damit es dir gleich besser geht“, so in diese Richtung. Keine Ahnung ob das Verbalisieren dem Kind hilft, mir hilft es auf jeden Fall, die Situation besser zu ertragen und insgesamt ruhiger zu bleiben.

  3. Katrin

    Jetzt bin ich ganz gespannt auf den nächsten Teil:-)! Bei meiner größeren Tochter (jetzt 7) empfand ich es lange Zeit ähnlich wie Du. Ich weiß nicht, ob sie zu den von Dir genannten 20% gehört, aber ich fand es auf jeden Fall immer auffällig und erstaunlich, dass sie, obwohl sie eigentlich wahnsinnig feinfühlig und sensibel war und sich in der Kita den anderen Kindern gegenüber immer vorbildlich verhalten hat (einfühlsam, sozial, ausgleichend, jeden Konflikt und jedes Problem bei anderen sofort spürend und helfend eingreifend), sie auch mehrmals täglich, morgens eigentlich ununterbrochen solche Explosionen hatte, in denen sie schrie und völlig austickte. Es hat mich auch total erschöpft. Irgendwann bin ich aber auch für mich zu dem Ergebnis gekommen, dass dies wahrscheinlich genau zwei Seiten derselben Medaille sind. Denn eigentlich folgte auf einen Schrei- und Wutanfall bei ihr immer Weinen und das Bedürfnis, getröstet zu werden, und ich merkte, dass sie sich einfach unverstanden gefühlt hatte und dies zu dem Gefühlsausbruch geführt hatte, eben weil sie sich irgendeine Kleinigkeit (aus meiner Sicht) total zu Herzen genommen hatte. Und dass es am besten half, wenn ich versuchte, das Geschrei irgendwie an mir abperlen zu lassen, es auf keinen Fall persönlich zu nehmen, und hinzunehmen, dass ich in dem Moment nichts daran ändern konnte. Und danach verständnisvoll trösten.
    Und obwohl ich als Kind wohl nicht so war, wie meine Eltern übereinstimmend berichten, war ich auch immer sehr sensibel und nehme mir auch jetzt noch zwischenmenschliche Kleinigkeiten oft sehr zu Herzen, ertrage wenig Trubel und Lärm, Menschenmengen und volle Discos waren mir immer ein Graus, ebenso laute und gruselige Filme, stattdessen grübele ich wochenlang über schöne Filme und Bücher nach und lasse mich darin geradezu aufsaugen… m.a.W., ich glaube, meine Tochter hat das im Grunde auch von mir. Und tatsächlich sind die Schreiattacken und Explosionen bei meiner Tochter im letzten Jahr deutlich weniger geworden. Es war wohl auch ein Reifeprozess. Mittlerweile genieße ich die schöne Seite ihrer Sensibilität, und die anstrengende Seite ist wirklich wenig genommen, sie kommt einfach besser mit ihren Gefühlen zurecht. Und das ist doch schön!

    • Da gibt es echt viele Parallelen! Beim Hübchen ist es auch so, dass er in der Kita und generell in sozialen Situationen sehr vorbildlich ist. Er hat jede Menge Freunde, mit anderen Kindern spielen geht ihm über alles, er teilt gerne (sogar Süßigkeiten! ??) und ist normalerweise freundlich und respektvoll gegenüber anderen Erwachsenen. Und Mama und Papa gegenüber sieht es dann oft ganz anders aus. ?

      Ich habe ja die Vermutung, dass die Zeit in der Kita ihn umso mehr anstrengt, da er eben ein sehr sensibles Gemüt hat. Nachmittags sucht er sich dann sein Ventil – und wir müssen dran glauben. ?

      Ich selbst kann das eigentlich sehr gut nachempfinden, weil es mich auch sehr anstrengt, mich in größeren sozialen Kontexten anzupassen – heute noch. Was das also für ein intensiv fühlendes kleines Kind bedeutet, ist eigentlich klar. Und doch ist es so schwer, diese intensiven Gefühle immer wieder aushalten und abfedern zu müssen!

      Schön, dass du schreibst, dass es mit den Jahren besser wird! Das macht Mut für die Zukunft. Und ich glaube auch, dass ich die sensible Seite an meinem Sohn später ganz anders zu schätzen lernen werde. ?

  4. Katrin

    Korrektur: es sollte natürlich heißen „weniger geworden“ in der vorletzten Zeile.

  5. Liebe Sophie, du sprichst ein wichtiges, oft missverstandenes Thema an und deine positive Einstellung ist sehr inspirierend! Wir sind schon auf den zweiten Teil gespannt 🙂

  6. Doreen

    Hallo,
    ich bin immer wieder überrascht, wie ähnlich unsere beiden Jungs sind abgesehen vom gleichen geburtsdatum 😉
    Ja, mein Gott, der Große ist SO sensibel – wir kommen klar indem wir unseren Alltag e x t r e m entschlackt haben. Solche Aktionen wir: Ach, wir kommen einfac mal 19:30 Uhr am WOE nach Hause und snacken irgendwas geht leider einfach nicht auch wenn wir Erwachsene das wollen. Wir kommen also vor 18:00 Uhr wieder, essen wie immer gegen 18:30 Uhr und haben früh schlafende, weil sehr erschöpfte Kinder. Der Große ist SO schnell müde. Meine These ist, dass er seine Eergie einfach viel viel schneller als andere Kinder verpulvert und somit eben mehr Schlaf braucht.
    Gleichzeitig geht er SO toll auf seinen kleinen Bruder (07(16 geboren) ein und sagt ganz ähnliche Sachen zu ihm wie wir zu ihm wenn der Kleine wütend oder traurig ist. Das macht mich stolz.
    Und ja, dann gibt es auch diese dunklen Momenten, wenn ich soso müde bin und dann auch soso wütend/traurig/explosiv.. Dann tut es mir meist direkt danach so leid und ich entschuldige mich und hoffe einfach, dass wir trotz viel Reibung nah beieinander bleiben.
    Ich lese gerne weiter von euch.

    • Haha, ja, vielleicht sollten wir uns mal in echt kennenlernen! Aber ich glaube, wir wohnen recht weit entfernt voneinander, oder?

      Gewohnte Strukturen helfen hier auch ungemein. Mittlerweile klappt es aber auch oft ganz gut, mal Ausnahmen zu wagen und z.B. mal länger auf einer Party zu bleiben. Letzten Herbst hatten wir ein sehr schönes Erlebnis bei Freunden im Garten, wo alle Kinder bis fast 10 Uhr super schön draußen gespielt haben und das Hübchen sich zwischen ausschließlich älteren Jungs so toll integriert hat. In solchen Fällen haben wir dann immer den Schlafanzug dabei, sorgen dafür, dass das Kind satt ist, putzen noch vor Ort die Zähne und dann kann er im Auto einschlafen. Zuhause geht’s dann ohne Wutanfälle ins Bett… meistens. ?

      Was die Energie angeht, denke ich auch oft, dass seine Speicher irgendwie oft schneller leer sind. Dadurch, dass er alles immer so intensiv fühlt und erlebt, ist dann irgendwie schnell Sense. Aber irgendwie kommt mir das doch bekannt vor – von mir selbst nämlich. ?

  7. Caro

    Danke für diesen Akrikel… und dass ich auf ihn gestoßen bin… an so einen beschi*** Tag wie heute. Ich weiß nicht, ob ich auch ein schwieriges Kind habe. Ich weiß nur, dass ich es heute nicht mehr aushalte. Es macht mich fertig. Ich bin erschöpft vom bedürfnisorientierten begleiten. Ich kann nicht mehr. Wutanfälle sind nicht das Problem. Eher das unkooperative, verletzende Verhalten in der Familie. Das absichtliche nicht beachten der Grenzen der anderen Familienmitglieder. Ich bin ratlos und hin und hergerissen zwischen ich bin das Problem und mache was falsch oder das Kind ist vielleicht doch anders. Kein anderes Kind bringt mich so auf die Palme, es triggert mich extrem. Es ist so wie du schreibst. Ich denke an Erziehungsberatung und an psychologische Hilfe für mich.
    Ich bin gespannt auf den nächsten Teil.
    Liebe Grüße, Caro

    • Liebe Caro,

      ja, es gibt diese beschissenen Tage. Aber vielleicht macht es dir Mut, dass die hier bei uns viel weniger geworden sind, seit wir uns den Probleme aktiv gestellt und nach Lösungen und Antworten gesucht haben. Ich glaube, sich einzugestehen, dass man das angehen muss, ist der erste und wichtigste Schritt!

      Du schreibst jetzt nicht, wie alt dein Kind ist, aber bei Kindern kleiner als Grundschulalter würde ich nach allem, was ich jetzt gelernt habe, immer davon ausgehen, dass sie nicht absichtlich nicht kooperieren. Heißt also, sie können in diesen Situationen einfach nicht anders, selbst wenn sie es eigentlich wollten. Ich kenne das auch, dass man sich angegriffen fühlt und oft wirkt es ja wirklich so, als wollten unsere Kinder uns ganz gezielt weh tun oder ärgern. Die Grenzüberschreitungen passieren aber bei kleinen Kindern nicht mit der Absicht, andere zu ärgern. Es gibt stattdessen immer einen tieferen Grund dafür. Was nicht heißt, dass man die Grenzüberschreitungen hinnehmen muss. Aber man darf sie nicht persönlich nehmen, sondern muss schauen, woher sie rühren.

      Das klingt jetzt alles ein bisschen, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen, was natürlich Quatsch ist, weil in der Umsetzung bin auch ich immer noch alles andere als ein Profi. Aber mir tat es gut, die Mechanismen zu durchschauen und mein Kind wieder aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wenn du den Verdacht hast, dein Kind könnte auch zu den intensiveren Naturen gehören, dann lies mal dieses Buch: https://www.m-vg.de/mvg/shop/article/13354-wie-anstrengende-kinder-zu-grossartigen-erwachsenen-werden/. Ich fand das extrem hilfreich!

      • Caro

        Danke für die Worte und die Buchempfehlung.
        Das Kind wird im Sommer 6. Ich weiß um die Kooperation der Kinder und um die negative Aufmerksamkeit… ich habe darauf so oft rumgedacht. Ich glaube ich sehe es einfach nicht, das ganze Problem. Sie kommt oft zu kurz ( es gibt noch 3 jüngere Geschwister, 1 älteres Geschwister) und will gesehen werden. Die Grenzüberschreitungen gehen an die Geschwister. Das macht mich wütend und ich bin erschöpft vom Begleiten und frage mich, ob das Kind den Perspektivwechsel noch nicht kann oder es einfach nicht will…
        Ich fühle mich ratlos, schlecht, wie ein kleines wütendes Kind…

        • Sich selbst wie ein wütendes Kind fühlen, ist in der Tat nicht gut. An der Stelle war ich ja auch vor kurzem und das fühlte sich wie die totale Ohnmacht an. Mir hat geholfen, dann aktiv zu werden, die Kontrolle zurückzuerlangen, indem ich mich mit den Schwierigkeiten beschäftigt habe. Durch Gespräche, Literatur und eben auch professionelle Beratung.

          Mit fast 6 sollte deine Tochter den Perspektivwechsel eigentlich langsam können, glaube ich. Aber es kann auch so viele Gründe geben, weshalb es ihr zumindest temporär nicht möglich ist. Wenn sie tatsächlich zu den intensiv fühlenden Kindern gehört, wird sie vielleicht von anderen Dingen, Gefühlen überschwemmt, ist völlig überfordert oder überreizt und sucht sich dann ihre Ventile. Ist halt echt blöd für die Geschwister, wenn das Ventil dann immer das Ärgern ist.

          Ich drücke euch die Daumen, dass ihr gemeinsame Wege findet!

        • Gaby Hammer

          Liebe Caro,
          egal wie, aber ich bin hier gerade auf Deinen Kommentar gestoßen und ich lese echte Verzweiflung in Deinen Zeilen. Ist ja schon ein paar Tage her und vielleicht ist es heute oder in den letzten Tagen wieder besser gewesen. Ich bin Mutter von 3 Kinder (8,10,14) und auch Familienberaterin und deshalb möchte ich Dich in Deinem Gedanken, Dir Hilfe und Beratung zu nehmen, gerne unterstützen. Wir müssen nicht alles alleine stemmen und bewältigen. Wir haben nur einen – unseren Blick auf die Dinge. Ein vertrauensvolles Gespräch mit einem Berater bringt oft andere Sichtweisen und können Dich dabei unterstützen und dann auch entlasten. Bei einer Sache bin ich mir ganz sicher: Du machst nichts falsch! Das erkennst Du schon alleine daran, dass Du über die Dinge reflektierst und schon viele Möglichkeiten herausgearbeitet hast: es triggert Dich, es sucht Aufmerksamkeit u.s.w. Und jetzt wäre es wichtig, den nächsten Schritt zu gehen und zu fragen: Welche Wege kann ich gehen, damit es besser wird – für Euch beide – für alle Mitglieder der Familie. Und dafür ist ein vertrauensvolles Gespräch mit einem Berater echt sinnvoll. Ich wünsche Dir, dass Du die Kraft und auch den Mut aufbringen kannst, diesen Schritt zu gehen! Es wird besser! Alles Liebe und auch ich drücke Dir die Daumen!

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