NFP – Verhütung ohne Hormone. Ein Erfahrungsbericht

Wenn ich meinen Freundeskreis als Antenne für aufkommende Trends bewerte, dann scheint eines klar zu sein: Hormonelle Verhütung ist von Gestern – und natürliche Verhütung ist stark im Kommen. Meine Freundinnen und ich sind Ende Zwanzig bis Anfang Dreißig und fast alle von uns haben viele Jahre lang hormonell verhütet, mit der Pille, dem Nuva-Ring oder Hormonimplantaten. Aber mit dem Alter kommt auch die Vernunft: Wir wollen keine künstlichen Hormone mehr – weil das unseren Körpern eben auch schadet.

Mittlerweile haben wir die Nase voll von den Nebenwirkungen und den Gefahren der hormonellen Verhütung. Wir wollen unsere Körper wieder mehr spüren und die Kontrolle über unsere eigene Fruchtbarkeit wiedererlangen. Und vielen von uns gelingt das mittlerweile ganz leicht mittels NFP. Nach Schwangerschaft und Stillzeit habe auch ich wieder mit der „natürlichen Familienplanung“ angefangen und nehme euch mal mit auf einen Rückblick auf etliche Jahre natürliche Verhütung.

Die Pille hat viele Nebenwirkungen

In letzter Zeit häuften sich Medienberichte über Frauen, die durch die Pille schwere Embolien erlitten haben und nun sogar den großen Pharmakonzern Bayer verklagen. In diesem Artikel habe ich bereits über das nach wie vor unterschätzte Risiko der hormonellen Verhütung geschrieben. Viele Frauen entscheiden sich aber aus weniger dramatischen Gründen fürs Absetzen der Pille: Den meisten geht es nämlich einfach nicht so richtig gut mit den Hormonen. Eine häufige Nebenwirkung ist z.B. eine schwächere Libido. Vielen Frauen kommt es nach etlichen Jahren wie eine Erlösung vor, wenn ihr Körper endlich wieder unbeeinflusst von künstlichen Hormonen funktionieren kann. Und viele merken erst dann, wie sehr die Pille ihr natürliches Körpergefühl über Jahre hinweg getrübt hat. 

Meine Geschichte ist im Vergleich dazu eher untypisch. Nachdem ich mit 17 Jahren angefangen hatte, die Pille zu nehmen, hörte ich mit 19 bereits wieder damit auf. Die Entscheidung war rein praktischer Art: Ich war während meines Au Pair Jahres weit weg von meinem damaligen Freund und sah schlicht keinen Grund, trotzdem dauerhaft Hormone zu nehmen (die für mich noch dazu recht teuer waren). Und danach blieb es dann dabei.

NFP während meiner Studienjahre: Schwierig

Meine ersten Erfahrungen mit NFP waren jedoch etwas holprig. Denn die natürliche Familienplanung basiert auf der genauen Beobachtung des eigenen Körpers, wobei immer mindestens zwei Körpersignale beobachtet und bewertet werden müssen. Eines davon ist die Körpertemperatur. In der ersten Zyklushälfte, der Zeit vor dem Eisprung, ist die Körpertemperatur niedriger. Nach dem Eisprung, also in der zweiten Zyklushälfte, steigt sie dann um mindestens 0,2 °C an. Damit die Temperatur zuverlässig ausgewertet werden kann, muss sie morgens gleich nach dem Aufwachen gemessen werden. Unterschiedliche Aufwachzeiten, Alkohol oder Stress können diese sogenannte Basaltemperatur jedoch beeinflussen.

Meine ersten Versuche mit NFP kollidierten dann auch in der Tat mit meinem (mehr oder weniger) wilden Studentenleben: Manchmal musste ich um 8 Uhr in der Uni sein, manchmal erst um 12 Uhr. Dem einen oder anderen Gläschen Wein war ich auch nicht abgeneigt und Klausuren, Praktika und Hausarbeiten gingen auch nicht spurlos an mir vorbei. Das sorgte für ständige Ausreißer in meiner Temperaturkurve. Die Temperatur war oft viel zu hoch und ich musste sie ausklammern, konnte sie also nicht in die Auswertung einfließen lassen.

Mit dem zweiten Körpersignal kam ich hingegen schon damals besser zurecht. Für die Schleimbeobachtung trägt man täglich die Qualität des Vaginalschleims ein, der aus dem Muttermund austritt. Rund um den Eisprung wird der Schleim nämlich flüssiger, klarer und dehnbar. Verdickt er sich wieder, ist das ein Zeichen dafür, dass die fruchtbaren Tage vorbei sind. Werden in der Auswertung sowohl die Körpertemperatur als auch die Schleimqualität beachtet, kann man sehr sicher sagen, wann der Eisprung vorbei und, bis zum Beginn des neuen Zyklus, keine Verhütung mehr notwendig ist.

NFP bei halbwegs regelmäßigem Alltag: Super!

Meine ersten NFP-Erfahrungen waren also tatsächlich etwas schwierig. Nach der Geburt und Stillzeit meines Sohnes fing ich daher mit gemischten Gefühlen wieder an. Und merkte schnell: Dafür gab es gar keinen Grund, weil es einfach super klappt! NFP mit Kind hat den Vorteil, dass man als Mutter ohnehin morgens ungefähr zur selben Zeit geweckt wird. Meine Temperaturverläufe sind daher relativ konstant, auch wenn ich aufgrund eines regelrechten Langschläfer-Kindes oft einen Ferien- oder Wochenendknick in meiner Kurve habe. Denn eine Stunde Differenz in der Aufwachzeit wirkt sich bei mir schon deutlich aus: Gegen 7 Uhr messe ich meist eine Temperatur unter 36,5 °C, gegen 8 Uhr sind es dagegen schon ca. 36,7 °C.

Den Temperaturanstieg nach dem Eisprung kann ich aber trotzdem immer zweifelsfrei bestimmen, da die Temperatur dann auf mindestens 36,9 °C ansteigt. Ausreißer wegen sehr später Aufwachzeiten, z.B. wenn wir mal kinderfrei haben und ausschlafen können, klammere ich nach wie vor aus. Meistens hatte ich am Vorabend dann aber ohnehin das ein oder andere Gläschen intus und die Temperatur schlägt auch alkoholbedingt nach oben aus.

Bei einem halbwegs regelmäßigen Alltag ist NFP also wirklich völlig problemlos möglich. Und solch einen Alltag haben wir mittlerweile ja eh alle, ob mit oder ohne Kind. Denn ja, mittlerweile mussten wir ja alle mal im Erwachsenenleben ankommen – und mit festen Jobs und vielen Verpflichtungen gehen die wenigsten noch jeden dritten Abend auf Kneipentour oder schlafen alle zwei Tage bis mittags.

Auch bei unregelmäßigen Zyklen sicher

Auch unregelmäßige Zyklen sind kein Problem. Meine Aufzeichnungen sagen zum Beispiel folgendes:

Kürzester Zyklus: 24 Tage
Längster Zyklus: 33 Tage

Das ist eine Differenz von 9 Tagen! Und auch der Eisprung fand dementsprechend jeweils an ganz unterschiedlichen Zyklustagen statt. Da ich aber immer alle meine Körpersignale beobachte, konnte ich genau eingrenzen, wann der Eisprung jeweils stattgefunden hatte. Also alles kein Problem!

Nach meiner ersten durchwachsenen Erfahrung in meinen Studentenjahren bin ich jetzt tatsächlich richtig bei der natürlichen Verhütung angekommen. Ganz wunderbar sind jetzt übrigens die ganzen neuen Möglichkeiten: Smartphones und Apps gab es damals, als ich das erste Mal mit NFP experimentierte, ja einfach noch nicht (Oh Mann, wenn ich das später meiner Schwiegertochter erzähle…).

Ich benutze nun seit einiger Zeit die App Lily und finde es super, keine Papiertabellen mehr ausfüllen oder mit krakeligen Strichen einen halbwegs ansehnlichen Graphen malen zu müssen. Die App rechnet anhand meiner Eingaben dann selbst aus, an welchen Tagen ich fruchtbar und an welchen ich unfruchtbar bin. Ich muss also noch nicht mal mehr selbst mitdenken – sehr praktisch. Es gibt noch einige andere Apps und je nach Design gefällt mal die eine und mal die andere besser – am besten einfach mal googeln und ausprobieren. 

Keine Nebenwirkungen und besseres Körpergefühl

Nebenwirkungen gibt es bei NFP keine. Außer der Nebenwirkungen, die der normale Hormonhaushalt einer Frau schon mal mit sich bringt. Bei mir sind die zum Glück extrem gering, ich fühle mich eigentlich immer gleich gut und habe auch nie besonders starke Regelschmerzen. Wer unter extremen Unterleibsschmerzen leidet sollte seine Ärztin übrigens mal auf Endometriose ansprechen, eine Erkrankung, die recht häufig vorkommt, aber noch allzu oft als „normale Regelbeschwerden“ abgetan wird.

Der weibliche Körper ist tatsächlich etwas Großartiges – das habe ich nicht zuletzt durch natürliche Verhütung erfahren. Künstliche Hormone sind gar nicht nötig, um ungeplante Schwangerschaften zu vermeiden. Es reicht schon, sich mit den natürlichen Hormonen vertraut zu machen, die jeden Monat aufs Neue Einfluss auf unsere Körper haben. Das einzige was wir tun müssen, ist, die Körpersignale, die durch unsere körpereigenen Hormone ausgelöst werden, richtig zu deuten. Und das ist gerade mithilfe der neuen Apps wirklich gar nicht so schwer!

Mehr Informationen gibt es zum Beispiel unter www.mynfp.de.

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10 Kommentare zu „NFP – Verhütung ohne Hormone. Ein Erfahrungsbericht

  1. Röm

    Danke für den Beitrag! Ich wollte dich schon gefragt haben.
    Kannst du Literatur zum Thema empfehlen? Hatte in einem Blog gelesen, dass man sich unbedingt vorher einlesen muss.

  2. Janine

    Ich habe auch recht gute Erfahrung mit NFP gemacht, obwohl ich es eher zum Bestimmen meines Eisprungs wegen Kinderwunsch gemacht habe. Jetzt bin ich aber schwanger und danach muss ich mich auf wieder mit dem Thema beschäftigen. Doch wieder Hormone zu nehmen, ist irgendwie eine sehr seltsame Vorstellung.
    Ich habe übrigens mit dem ibutton Tempi gemessen. Sehr praktisch und die Langschläfer-Ausreißer sind damit Vergangenheit. Ist aber eben eine einmalige Aufwendung (nicht ganz günstig).
    Würde dann gerne mal ein Diaphragma ausprobieren. Kondome können ja auch irgendwie ’ne Spaßbremse sein. 😉

    • Kondome finde ich nicht so schlimm, geht ja auch nur um einige Tage die man zur Not damit überbrücken muss. 😉

      Den iButton kannte ich noch gar nicht, danke für den Hinweis! Klingt interessant, z.B. für Frauen, die stillen und deswegen total unregelmäßig schlafen. Momentan komme ich mit meinem normalen analogen Thermometer zum Glück gut zurecht. 🙂

  3. Lena Sophia

    Ich mache schon sehr lange NFP und kam auch während des unregelmäßigen Studienlebens sehr gut mit dem Auswerten zurecht. Im Zweifel wird einfach öfter ein Wert geklammert und dann später frei gegeben. Dennoch vielen Dank für diesen Artikel 🙂 .

    • Dass man auch später wieder freigeben kann, habe ich erst spät gecheckt. 😉 Aber meine Studenten-Kurven waren tatsächlich oft derart zackig, da war dann gar keine vernünftige Hochlage mehr zu erkennen. Meine Körpertemperatur ist echt empfindlich. Aber jetzt mit Kind klappt es prima. Schon super so ein natürlicher Wecker. 😀

  4. Nanne

    Spannend! Ich will das nach der Stillzeit auch ausprobieren und dein Bericht macht total Mut. Wo misst du die Temperatur? Ohr?

    Ich konnte früher meinen Eisprung auch spüren und hab bezüglich des Schwangerwerdens gute Erfahrungen damit gemacht, hat gleich beim zweiten Zyklus geklappt 🙂

    • Hey Nanne! Bei mir war es so, dass ich nach der Schwangerschaft plötzlich angefangen habe, meinen Mittelschmerz sehr deutlich zu spüren (manchmal zu deutlich, aua!). Das ist ein super Zeichen!

      Ohrthermometer eignen sich für NFP gar nicht. Man sollte schon mindestens 3 Minuten messen, besser 5, am besten rektal weil das am zuverlässigsten ist. Ich nutze ein analoges Thermometer (gibt es heutzutage ohne Quecksilber also unbedenklich). Es gibt auch digitale für NFP zugelassene Thermometer. Viele davon piepen aber schon nach einigen Sekunden und das ist natürlich nervig wenn man dann über das Piepen drüber messen muss bis die 3 bis 5 Minuten voll sind. Kann aber sein, dass man bei manchen das Piepen ausschalten kann, da kenne ich mich nicht aus. Am besten einfach mal googeln!

  5. Ich mache gerade sehr gute Erfahrungen damit. Ich kann genau sehen, wann der Eisprung stattgefunden hat und ob der Zyklus ein bis zwei Tage länger oder kürzer wird. Pünktlich mit der Periode saust die Temperatur in den Keller. Außerdem lassen sich die anderen Körpermerkmale auch gut beobachten.

    Ich hatte nämlich auch die Nase voll von den Hormonen. Ich habe nach dem dritten Kind zwar die Hormonspirale ausprobiert, aber das ist komplett nach hinten losgegangen (fast 1,5 Jahren Dauerblutung) und hat mich nochmal bestätigt es mit NFP zu versuchen.

    Klappt wunderbar!

    • Das ist auch spannend wie unterschiedlich die Körper funktionieren. Bei mir bleibt die Temperatur noch leicht erhöht und sinkt erst nach der Periode wieder auf Tiefstwerte.

      Ich finde ja auch besonders die Schleimbeobachtung spannend. Früher habe ich darauf so gar nicht geachtet. Aber schon toll, wenn man merkt, dass einfach alles einen Sinn ergibt!

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