Welche Betreuung für mein Kind? Teil I: Kita oder Tagesmutter?

Oh Gott, Thema Kinderbetreuung. Am liebsten würde man sich damit ja gar nicht befassen, sondern einfach eines Tages einschlafen, kleiner blauer Traum, nix gemerkt, aufgewacht, das Telefon klingelt und irgendwer am anderen Ende der Leitung sagt: „Guten Tag, ich hätte hier wohl den Betreuungsplatz Ihrer Träume, greifen Sie zu!“. Da das aber leider niemals passieren wird, bleibt nur eine Möglichkeit: Augen auf und durch. Eine gute Betreuung fürs Kind ist einfach viel zu wichtig, als dass man zu lange untätig bleiben könnte. Stimmt die Betreuung nicht, hängt der Familiensegen kräftig schief. Denn ein unglückliches Kind ist das Schlimmste, was passieren kann – und produziert obendrein noch unglücklichere Eltern. Also muss man nach der richtigen Betreuung suchen. Aber wie?

Der Mann und ich sind mittlerweile halbe Profis was die Planung von Kinderbetreuung angeht. Denn unser Hübchen hat in seinem kurzen Leben bereits zwei Mal die Betreuung gewechselt (das bedeutet, wir sind bei unserer dritten Tagesmutter angelangt). Gewünscht hätten wir uns das sicher anders. Aber vielleicht können wir unsere Erfahrungen irgendwann fürs zweite Kind nutzen. Und vielleicht nutzen unsere Erfahrungen auch anderen Eltern, also euch, bei der Suche nach einer guten und verlässlichen Kinderbetreuung. In diesem Artikel soll es nicht darum gehen, ob außerhäusliche Betreuung für Kinder eine gute Idee ist (mit den Mythen und Stereotypen rund ums Thema Kinderbetreuung habe ich mich hier bereits auseinandergesetzt). Mir geht es hier einzig und allein darum, zu fragen: Welche Betreuung wähle ich für mein Kind? Und wie finde ich die?

Vor anderthalb Jahren bin ich zugegebenermaßen ziemlich blauäugig in diese ganze Betreuungsgeschichte gestolpert. Irgendwann kurz nach Hübis Geburt hatte ich mal beim Jugendamt angerufen, das mir versicherte, es gebe definitiv genug Tagesmütter in Essen und ich sollte mir mal keine Sorgen machen. Wenn ich Bedarf hätte, sollte ich mich einfach kurz vorher bei einem der insgesamt vier Träger melden und eine Vermittlung würde prompt stattfinden.

Tagesmuttersuche: Schwieriger als gedacht

Als wir dann im Februar 2014 tatsächlich eine Tagesmutter suchten, da ich ins Vollzeitpraktikum startete und der Mann in seiner Elternzeit zehn Stunden pro Woche weiterarbeiten wollte, klang das plötzlich ein bisschen anders: Schwierig sei das, denn Plätze würden hauptsächlich zum Sommer wieder frei. Da wir nur für 15 Wochenstunden suchten, hatten wir Glück und fanden für unser kleines Baby eine großartige erste Tagesmutter.

Leider betreute unsere Tagesmutter nur in Teilzeit und als klar war, dass ich bald Vollzeit arbeiten würde, mussten wir uns erneut auf die Suche machen. Leider war die gefundene zweite Tagesmutter eine Enttäuschung (mehr dazu gibt’s in diesem Artikel), was uns in unseren Umzugsplänen bestärkte. Wir suchten also in der neuen Stadt und hatten erneut riesiges Glück. Allein unsere jetzige Tagesmutter hat den Umzug schon gelohnt und ich erlebe meinen Sohn endlich wieder glücklich und zufrieden, wenn ich ihn in die Betreuung bringe oder abhole.

Irgendwie blicke ich also auf eine ziemliche Odyssee in Sachen Kinderbetreuung zurück. Und sicherlich hätte ich so einiges anders gemacht, hätte ich damals schon gewusst, was ich erst durch teilweise sehr schmerzliche Erfahrungen lernen musste. Hier also meine Tipps für eine Kinderbetreuung, die keine schlaflosen Nächte verursacht.

Tagesmutter oder Kita?

1. Was spricht für bzw. gegen eine Kita?

Wer für sein Kleinkind einen der raren Plätze in einer Kita ergattert, der hat vor allem zwei Vorteile: Erstens muss das Kind im Idealfall den Betreuungsplatz nicht mehr wechseln, vorausgesetzt es handelt sich um eine Kita, die Kinder von 0 (oder 1 oder 2) bis 6 Jahren betreut. Zweitens bietet eine Kita mehr Zuverlässigkeit im Hinblick auf Krankheitsfälle. Eine öffentliche Kita darf in der Regel nicht einfach schließen, wenn Erzieherinnen krank werden. Hier gibt es zumeist einen Notfallplan und Vertretungskräfte springen ein. Das ist bei Tagesmüttern leider oft anders (siehe Punkt 2).

Dafür ist der Betreuungsschlüssel in einer Kita natürlich gerade im Krankheitsfall sehr schlecht. Wie oft habe ich in den letzten zwei Jahren bei Kita-Besichtigungen mit Erzieherinnen gesprochen, die sich offen über die personelle Situation in ihrer Einrichtung beklagt haben. Wird eine Erzieherin krank, liegt der Betreuungsschlüssel auch schon mal bei 1:20, in den Kleinkindgruppen dann höchstens bei 1:12 oder 1:15. Insgesamt gehört es für mich zu den Nachteilen, dass in einer Kita vergleichsweise wenige Erzieherinnen viele Kinder betreuen. Auch in den U3-Gruppen ist ein Schlüssel von 1:5, wie er bei Tagesmüttern üblich ist, eher selten. Wenn zu viele Kinder auf eine Erzieherin kommen, hätte ich Angst, dass mein Baby oder Kleinkind gewissermaßen in der Gruppe untergeht. Auch Wickeln und Füttern stelle ich mir schwer vor, wenn Erzieherinnen sich zwischen zu vielen Kindern aufteilen müssen.

Wer sich für sein Kleinkind unbedingt einen Platz in einer Kita wünscht, wird vor allem aber sehr schnell auf den deutlichsten Nachteil stoßen: Es gibt nach wie vor viel zu wenige Plätze. Gerade in den Städten deckt das Angebot nicht annähernd die Nachfrage und so bleibt den meisten Eltern ohnehin nur die Suche nach einer Tagesmutter. Und das ist nicht unbedingt die schlechtere Lösung.

2. Was spricht für bzw. gegen eine Tagesmutter?

Wie oben erwähnt, ist einer der größten Vorteile wohl der gute Betreuungsschlüssel: Eine Tagesmutter darf in der Regel höchstens fünf Kinder gleichzeitig betreuen, die normalweise zwischen wenigen Monaten und 3 Jahre alt sind. So werden die kleinen Kinder nicht damit überfordert, sich gegen zu viele andere und zum Teil deutlich ältere Kinder zu behaupten. In der kleinen Gruppe kann auch eher eine enge Bindung zur Tagesmutter entstehen, die für kleine Kinder so wichtig ist. Unsere erste Tagesmutter war für unseren Sohn fast so etwas wie eine zweite Oma und wir konnten die Zuneigung zwischen den beiden richtig spüren. Solch eine Tagesmutter ist für ein kleines Kind natürlich ideal!

Leider gibt es aber nicht nur gute Tagesmütter. Mit unserer zweiten Tagesmutter haben wir keine guten Erfahrungen gemacht und sie zeigte uns deutlich die Nachteile einer Betreuung durch Tagesmütter: Als Eltern schließt man nämlich einen privaten Vertrag mit der Tagesmutter ab und so befindet man sich, überspitzt gesagt, gewissermaßen in der Gewalt der Tagesmutter und in ihrer Abhängigkeit. Tagesmütter organisieren sich komplett selbst und bekommen nur selten Unterstützung durch ihren Träger (und auch dann nur, wenn sie sich selbst um Hilfe bemühen). Ein Beispiel: Wenn die Tagesmutter krank wird, ist die Kinderbetreuung zu, denn nur wenige Tagesmütter organisieren eine Vertretung, die die Kinder auch kennen.

Ein weiteres Beispiel: Wenn die Tagesmutter beschließt, anstatt der vertraglich vereinbarten 21 Urlaubstage auf 35 zu bestehen, kann man sich dem beugen oder mit einer Kündigung durch die Tagesmutter rechnen. Beschweren sich die Eltern beim Träger oder Jugendamt über willkürliches Verhalten der Tagesmutter, bekommen sie allzu oft zu hören: „Dann suchen Sie sich eben eine andere Tagesmutter, wenn Sie mit der jetzigen nicht zufrieden sind“. Dass das gerade in den Großstädten nicht ganz so einfach ist, muss ich wohl kaum betonen. Kurz: Was im privat geschlossenen Vertrag steht, wird von den Tagesmüttern nicht immer eingehalten und anders als in den Kitas gibt es keine Kita-Leitung oder eine andere Kontroll-Instanz, die dann für Ordnung sorgen könnte. Um eine Tagesmutter zu finden, der man tatsächlich vertrauen kann, sollte man sich daher Zeit nehmen um eine Entscheidung zu fällen. Nur wie?

3. Bauch oder Verstand? Wie finde ich eine gute Tagesmutter?

Wir sind mittlerweile bei unserer dritten Tagesmutter angekommen und für mich ist klar: Nie wieder werde ich mein Bauchgefühl ignorieren! Unsere zweite Tagesmutter suchten wir damals unter Zeitdruck und entschieden uns vor allem aus praktischen Gründen für sie: Der Platz war kurzfristig frei, die Einrichtung lag in der Parallelstraße zu unserem Zuhause, die Tagesmutter hatte langjährige Erfahrung in ihrem Job. Trotzdem hatte ich bereits in der Eingewöhnung ein schlechtes Gefühl. Die Tagesmutter wirkte oft abwesend, beschäftigte sich mehr mit ihrem Handy als mit den Kindern und beschwerte sich vor uns Eltern, wie anstrengend ihr Job sei. Als dann die Auseinandersetzungen über Krankheits- und Urlaubstage dazukamen, ärgerte ich mich sehr über unsere Entscheidung für diese Tagesmutter. Und am schlimmsten war: Ich merkte, dass mein Sohn sich bei dieser Frau nicht wohl fühlte.

Wichtig ist also: Am besten viele verschiedene Tagesmütter anschauen und auf das Bauchgefühl hören. Welche Tagesmutter strahlt Ruhe und Vertrauen aus? Beschäftigt sie sich liebevoll und aufmerksam mit den Kindern? Habe ich das Gefühl, dass sie ihre Tageskinder wirklich gern hat? Stimmt das Bauchgefühl, kann natürlich auch die erste Tagesmutter passen. Unsere dritte und aktuelle Tagesmutter haben wir genau so gefunden: Kennengelernt, Vertrauen gefasst, Vertrag unterschrieben. Und wir haben es nicht bereut! Doch auch wenn das Bauchgefühl stimmt, sollte man vor Vertragsabschluss dringend über Urlaubstage und Vertretungsregelungen sprechen und sich darauf einigen, dass das, was im Vertrag steht, auch eingehalten wird.

Und wenn man eine gute Tagesmutter gefunden hat, gibt es nur einen Tipp: Gut festhalten und schon mal für mögliche weitere Kinder einen Platz reservieren. Denn liebe- und vertrauensvolle Tagesmütter sind immer schnell ausgebucht. Daher hilft es oftmals auch nicht, übers Jugendamt oder die Träger eine Tagesmutter zu suchen, denn die Vermittlung von Plätzen läuft oft über Mund-zu-Mund. Deswegen am besten frühzeitig das gesamte Umfeld informieren, dass man auf der Suche nach einer Tagesmutter ist. Vielleicht kennt jemand jemanden, der jemanden kennt, der einen tollen Tipp hat.

Tagesmutter: Für uns die optimale Lösung

Wir sind mit unser jetzigen Tagesmutter rundum zufrieden und die Betreuung durch eine liebevolle und verantwortungsbewusste Tagesmutter stellt für mich tatsächlich die optimale Betreuung für mein Kleinkind da. In der Kleingruppe mit vier anderen Kindern, die alle im ähnlichen Alter sind, fühlt sich mein Sohn einfach wohl. All die Dinge, die unsere Tagesmutter mit den Kindern macht (Malen, Basteln, Singen, Spielen) sind sehr wichtig für mein Kind und bereichern sein Leben sehr.

Deswegen ist eine gute Tagesmutter mit Gold nicht aufzuwiegen, denn das eigene Kind verbringt schließlich einen Großteil des Tages mit ihr, gerade wenn, wie in unserem Fall, beide Eltern berufstätig sind. Und ich würde mir wünschen, dass der Beruf, genauso wie der der Erzieherinnen, in unserer Gesellschaft mehr geschätzt, und auch besser bezahlt würde. Ohne eine gute Kinderbetreuung läuft nämlich einfach nichts!

So viel zu den „Soft Skills“. Aber was ist eigentlich mit den „harten Fakten“? Wie genau finde ich eine Betreuungseinrichtung? Was ist eigentlich ein Träger? Und wann muss ich mit der Suche nach einer Kita oder Tagesmutter beginnen? Die Antworten darauf findet ihr im 2. Teil.

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