Go, Räupchen, Go! (Das Räupchen 7-Monats-Update)

Passend zur bald beginnenden Wintersport-Olympiade habe ich meinen mütterlichen Staffelstab gegen den einer Hochleistungs-Trainerin eingetauscht. Jedenfalls erwische ich mich in letzter Zeit andauernd dabei, wie ich mein Töchterlein wie eine halb blöd gewordene Biathlon-Trainerin anfeuere: „Go, Räupchen, Go!“. Denn das kleine Raupenbaby hat den Bewegungsdrang für sich entdeckt! Wo sie hin will? Nach vorne! Ob das schon klappt? Nö!

Das Räupchen verhält sich dabei wie der wahre Traum eines jeden Leistungssporttrainers: Sie lässt sich einfach nicht demotivieren! Nicht, wenn es anstatt vorwärts mal wieder nur rückwärts geht. Nicht, wenn die Krabbelposition mal wieder völlig in sich zusammenkracht. Und auch nicht, wenn sie sich aus Versehen zur falschen Seite gerollt hat und das Spielzeug damit in noch unerreichbarere Weiten gerückt ist.

Das ist mein Mädchen!! 100% Ehrgeiz und Disziplin! So wie eben bei fast allen Babys in diesem Alter. 😉  Was ist das nur für eine traumhafte Zeit! Babys in diesem Alter sind einfach ganz besonders bezaubernd, finde ich. Und das sage ich, die ich doch mit Babys und kleinen Kindern eigentlich gar nicht so viel anfangen kann. Aber klar, dem eigenen Baby bei all diesen grundsätzlichen Entwicklungsschritten zuzugucken, ist vermutlich eine der schönsten Erfahrungen, die man im Leben so machen kann. Falls hier also meine kinderlosen Freund*innen mitlesen: Legt schon los! Es lohnt sich! 😉

Das Baby lebt gefährlich, das aber gerne

Gut, besonders entspannend ist so ein Baby natürlich nicht. Das Räupchen können wir jedenfalls so langsam nicht mehr unbeobachtet lassen, jedenfalls nicht, wenn wir uns nicht andauernd fragen wollen: „Wie ist sie denn jetzt schon wieder an mein Ladekabel gekommen?!“. Ich weiß auch nicht, woher diese Begeisterung für Stromkabel und alles, was Plastik in Tütenform ist, kommt. Babys scheinen da so eine Art Warnsignal zu haben, aber in die verkehrte Richtung: „Es ist aus Holz und hat runde Kanten? Nimm es weg! Es ist gefährlich oder kann mich ersticken? Ich muss es haben!“

Wir sind also permanent dabei, dem Räupchen Dinge aus den stets fein angesabberten Händchen zu klauen – und das Wutgebrüll auszuhalten, das der Entwendung umgehend folgt. Ablenkung ist dabei das Maß aller Dinge. Und ja, Taschentuchverpackungen sind bestimmt voller schädlicher Weichmacher, aber mensch, wenn das nun mal das einzige beim Wickeln akzeptierte „Spielzeug“ ist?!

Das Räupchen will das Fläschchen immer noch nicht

Ein ebenfalls wenig akzeptiertes Spielzeug ist übrigens nach wie vor das Fläschchen. Es ist nicht so, dass wir es nicht probiert hätten. Andere Flasche gekauft, andere Sorte Pre-Milch. Aber: Keine Chance. Letzten Samstag war ich also mit einer anderen Bekannten, die gerade schwanger ist, die einzige Nüchterne auf einem Junggesellenabschied. Und der Mann brachte mir das Räupchen zwei Mal zum Stillen. Einmal auf die Kegelbahn und einmal in die Rockerkneipe. Das Räupchen machte große Augen – und verheulte. Denn dass Mama nicht sofort verfügbar ist, wenn sie aufwacht und Hunger hat, ist sie ja dummerweise gar nicht gewohnt.

Tja. Mein Freiheitsdrang wird gerade nicht unbedingt kleiner durch den Fakt, dass ich mich nach wie vor nicht länger als drei Stunden vom Räupchen entfernen kann. Immerhin hat das Räupchen vor einigen Tagen die ersten homöopathischen Mengen Brei gegessen. Selber. Mit zwei Löffeln. Und einer riesigen Sauerei. Aber sich füttern zu lassen hat ja auch irgendwie was Demütigendes. Ich kann das schon verstehen und bin ohnehin einfach froh, dass überhaupt mal ein bisschen Brei im Räupchen bleibt und nicht postwendend von der kleinen Räupchenzunge nach draußen befördert wird.

Brei heißt hier übrigens: Getreidebrei. Das mit dem Gemüsebrei haben wir ganz wie damals beim Hübchen relativ schnell wieder drangegeben. Schmeckt halt auch einfach nicht, finde ich ja auch. Dafür gibt es jetzt immer mal was in die Hand zum Ablutschen. Gurken sind gerade hoch im Kurs. Und wenn ich es jetzt noch schaffe, meine panische Angst vor sich verschluckenden Kindern zu besiegen, sind wir auf dem besten Wege zu einem sehr entspannten Beikoststart.

The Räupchen – aka Chewbacca

Alles was ihr schmeckt oder sonstwie gefällt, kommentiert das Räupchen übrigens mit einem kehligen Krähen, das sich ziemlich genau wie der Chewbacca-Ruf anhört. Ihr wisst schon, dieses haarige Monster, Han Solos bester Freund. Ich finde ja, es gibt deutlich uncoolere Babygeräusche und freue mich immer sehr über jedwedes Gesprächsangebot meines kleinen Ewoks (so nennt mein Papa das Räupchen, wenn sie ihren Ganzkörper-Wollfleece-Anzug anhat).

Der kleine Ewok wird auch in der Tat immer haariger, zum Glück aber nur auf dem Kopf. Da wachsen jetzt tatsächlich die Geheimratsecken zu und ich habe auch den Verdacht, dass unser Räupchen doch was die Haar- und Augenfarbe angeht eher nach dem Papa kommt. Damit hätten wir dann wirklich alles, was das Herz begehrt: Einen helläugigen und -haarigen Sohn und ein dunkeläugiges und -haariges Töchterlein. 😉

Besser kann’s eigentlich nicht werden. Daran muss ich mich manchmal selbst erinnern, wenn ich nach vier Stillunterbrechungen in der Nacht am nächsten Morgen eigentlich nur noch weiterschlafen will, aber zwei wache Kinder in meinem Bett rumrollen. Glücklicherweise scheinen die Stillhormone ihren Job aber noch ganz gut zu machen und ich bin den Tag über meist doch wacher als gedacht. Grundsätzlich ist das Räupchen auch nach wie vor eine dankbare Schläferin, die nach dem Stillen schnell wieder einschläft – natürlich nur, wenn sie auch vernünftig gekuschelt wird. Aber das sollte hier auch zukünftig wirklich gar kein Problem sein! 🙂

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2 Kommentare zu „Go, Räupchen, Go! (Das Räupchen 7-Monats-Update)

  1. Gis

    Liebe Sophie,
    Dein Räupchen erinnert mich an meinen 2. Sohn… Der hat auch 10 Monate voll gestillt, keine Flasche, kein Schnuller, kein Brei. Sein erstes Essen war der Rand meiner Pizza, das aber dann mit Begeisterung. Danach ging es recht zügig, aber immer recht selbständig, bloß nicht füttern 😉 Das wird schon noch, auch wenn es sich manchmal anfühlt als sei man die persönliche Leibeigene des Kindes… Alles Liebe!

    • Ach ich kenne das ja noch vom Hübchen. 😀 Und der ist mir auch nicht verhungert. Nur dass er eben problemlos die Flasche genommen hat und ich dadurch schnell wieder etwas freier war, wenn ich wollte.

      Das Räupchen wird wohl vom Stillen direkt auf feste Nahrung umsteigen. Aber sie ist ja jetzt schon sieben Monate, da wird das immerhin nicht mehr lange dauern. 🙂

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