Windelfrei beim dritten Kind?!

Beim ersten Kind wusste ich noch nicht mal, dass Babys das können. Beim zweiten haben wir es irgendwie verpasst, dafür ging das Trockenwerden dann aber sowieso super schnell und problemlos. Aber dann kam das dritte Kind. Und das zeigt uns dann doch final, dass Babys nicht unbedingt immer in die Windel machen müssen (oder wollen)!

Die Methode, schon Babys regelmäßig über ein Töpfchen (oder Toilette oder Waschbecken) zu halten, ist in Deutschland unter dem Namen „Windelfrei“ bekannt. Und das finde ich eigentlich höchst verwirrend. Denn nach dem, was meine kleine nicht repräsentative Umfrage  auf Instagram ergeben hat, sind Kinder, die schon im Babyalter aufs Töpfchen gehen, alles andere als windelfrei. Die meisten Familien sehen es nämlich herrlich undogmatisch: Was außerhalb der Windel erledigt wird – super! Was rein geht – auch nicht schlimm.

Im Vordergrund steht dabei, dem Baby entgegenzukommen, seine Reaktionen zu deuten oder auch einfach regelmäßig das Angebot zu machen, sich außerhalb der Windel entleeren zu dürfen. Genau so machen wir es seit ein paar Wochen und ich bin völlig erstaunt und begeistert, wie gut das klappt!

Das Baby zeigt deutlich, wenn es muss

Angefangen hat es wirklich erst vor kurzem, da war das Baby schon gute sechs Monate alt. Und mir fiel eines auf: Unser kleiner Junge fing plötzlich und beinahe täglich an, sich kurz am ganzen Körper zu schütteln. Als er das die ersten Male machte, habe ich mir sogar kurz Sorgen gemacht. Ist ihm kalt? Wird er krank? Im schlimmsten Fall was Neurologisches! Als Mutter macht man sich ja irgendwie oft zu schnell fiese Gedanken.

Irgendwann hab ich dann aber geschaltet: Das Käferchen macht sich einmal am ganzen Körper steif und schüttelt sich dann einmal durch – wenn er kacken muss! (Sorry für die für euch vielleicht vulgäre Wortwahl. Hier bei uns benutzt man das Wort relativ neutral. 😉 ) Und dann hab ich gleich noch mal geschaltet: Wenn mein Baby so gut anzeigt, wenn es muss, dann kann ich es auch direkt aufs Töpfchen halten. Denn ich hasse Windeln wechseln!!

Hurra, Pipi geht auch ins Töpfchen!

Gesagt, getan. Bloß: Als ich den kleinen Käfer zum ersten Mal aufs Töpfchen hielt, weil ich dachte, er müsste „Groß“, musste er doch nicht. Stattdessen strullerte er fröhlich rein und grinste mich danach breit und strahlend an. Ach was?! Pipi machen geht auch schon? Ich hielt es für einen Zufall und suchte, wie so oft, Rat bei meiner Instragram Community, wo erfahrene Mütter mir sagten: Nee, das war bestimmt kein Zufall! Babys können das, probier mal weiter aus.

Seitdem sind einige Wochen vergangen und es zeigt sich ein ganz klares Muster: Mein Baby pieselt so gut wie immer ins Töpfchen, wenn ich es ihm anbiete. Ich mache das in Momenten, in denen ich ihn ohnehin wickeln würde. Zum Beispiel nach dem Aufwachen morgens früh oder aus dem Mittagsschlaf. Oder nach dem Stillen, sofern er nicht müde ist und mir beim Stillen einschlafen würde.

Wir machen uns keinen Stress

Das Beste ist aber: das große Geschäft geht sehr sehr verlässlich ins Töpfchen und landet fast gar nicht mehr in der Windel. Wenn das passiert, dann meistens aus Unachtsamkeit unsererseits. Der Käfer zeigt uns nämlich nach wie vor sehr gut mit seinen ganz eigenen Signalen an, dass er muss. Wir verpassen es bloß manchmal, weil wir zum Beispiel gerade von den Geschwistern abgelenkt und dann nicht schnell genug sind. Macht nichts.

Auch gab es erst ein paar Mal eine wirklich komplett trockene Windel, weil ich dann wohl in genau dem richtigen Moment das Töpfchen zum Pieseln angeboten hatte. Sonst ist die Windel doch noch immer leicht gefüllt. Ich glaube, der Käfer pieselt recht häufig und dafür meist eher wenig. Da müsste ich ihn wirklich sehr oft aufs Töpfchen halten. Aber wir machen uns keinen Stress. Was rein geht, geht rein. Und für den Rest trägt er einfach seine Windel.

Das Baby macht das intuitiv richtig

Ich finde es total faszinierend, wie gut das Abhalten klappt und dass mein Baby offenbar intuitiv weiß, dass es laufen lassen kann, sobald es drauf sitzt. Oft klappt das wirklich sofort – draufgesetzt und losgepieselt. Ich bin mittlerweile auch völlig überzeugt davon, dass mein kleiner Sohn mit seinen nun sieben Monaten schon eine Weile einhalten kann. Es ist zum Beispiel schon echt häufig vorgekommen, dass wir unterwegs waren und das Baby zum Schluss hin deutlich quengelig wurde. Zuhause aufs Töpfchen gesetzt, musste er dann einfach kacken. Da wäre ich unterwegs auch quengelig gewesen. 😉

Dem modernen Mythos, Babys könnten ihre Ausscheidungen noch gar nicht kontrollieren, sondern würden das erst im Kleinkindalter lernen, glaube ich nun jedenfalls überhaupt nicht mehr. Mein drittes Kind belehrt mich da eindeutig eines besseren!

Es braucht etwas Zeit – und bloß keinen Dogmatismus!

Klar ist, dass man sich schon die Zeit nehmen muss. So eine gründliche Töpfchen Session kann auch schon mal zehn Minuten dauern. Dafür spart man sich aber den Aufwand, vollgekackte Babykleidung sauber zu brausen, wenn die Windel mal wieder nicht alles halten konnte. Ansonsten muss man bedenken, dass man natürlich immer möglichst eng beim Baby sein muss, damit man seine Signale auch mitbekommt und deuten kann. Für mich und das Käferchen klappt das erstaunlich easy. Der Papa hat da zugegebenermaßen weniger gute Antennen für. Aber auch er bemüht sich und schärft seine Sinne. 😉

Und wenn es mal nicht klappt, ist das für uns auch echt kein Drama. Wir wollen beide auf keinen Fall, dass das aufs Töpfchen gehen für unser Baby irgendwie nervig oder langweilig wird und halten ihn deswegen zum Beispiel nachts nicht ab. Da mag er einfach seine Ruhe und schnell weiterschlafen, deswegen kriegt er, wenn es nötig ist, nachts einfach schnell eine neue Windel und gut ist.

Wir verfolgen das auf jeden Fall weiter!

Wir machen also definitiv weiter mit „Windelfrei“ – auch mit Windeln ist das eine gute Idee. Zum aufs Töpfchen gehen zieht man sie dann halt einfach aus. 😉 Ich erhoffe mir dadurch nicht zuletzt, dass mein drittes Kind zeitig halb oder ganz trocken wird, denn wie gesagt: Wickeln gehört absolut nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

In dieser Familie gab es schon den einen oder anderen tiefen Seufzer, dass wir das nun wieder ein paar Jahre machen müssen. Vor allem, nachdem unser Räupchen so unschlagbar früh trocken war und wir uns schon gefreut hatten, den Windelstress nie wieder durchmachen zu müssen… Tja, so kommt es manchmal anders, als man plant.

Umso glücklicher bin ich, dass unser drittes Baby das nun so super macht und wir die Wickelei vielleicht auch wieder schnell loswerden. Vielleicht ja sogar noch etwas schneller? Das wäre auf jeden Fall ein weiterer schöner Nebeneffekt! Drückt mir die Daumen, dass es klappt.

7 Kommentare zu „Windelfrei beim dritten Kind?!

  1. Karin

    Bei unserem zweiten Kind haben wir es auch mit wildelfrei versucht. Es war meistens mit Windel unterwegs und daheim im Sommer ab und an ohne. Mit etwa eineinhalb Jahren haben wir nur noch nachts Windeln benutzt. Beim großen Bruder (nicht windelfrei) war der Zeitpunkt mit viereinhalb Jahren erreicht. Tagsüber hatten wir immer Wechselklamotten dabei, diese aber selten benötigt. Außer wir hatten sie mal vergessen. Er hatte aber auch schon damals eher große Abstände von ca. 2-3 Stunden beim pinkeln.

    • Oha, das ist ja wirklich ein deutlicher Unterschied! Bei uns waren die nicht-windelfrei Kinder mit 1,5 bis 2 (Tochter) und mit 2,5 bis 3 (Sohn) tagsüber halbwegs trocken, das scheint dann schon eher früh gewesen zu sein. 2,5 bis 3 fand ich für mein Gefühl aber ehrlich gesagt echt schon spät und wäre sehr glücklich, wenn der Kleinste es etwas früher schafft.

  2. Anna

    Toll, dass das so entspannt zu klappen scheint und er offenbar auch Spaß dran hat! Das mit dem Schütteln hatten wir übrigens auch :-D. Wir haben tatsächlich mit Windelfrei und Stoffwindeln angefangen. Anfangs hat das auch ganz gut geklappt aber die Frequenz war von Anfang an enorm (beim ausschließlichen Stillen 10-15 mal ‚groß‘ täglich und Pipi natürlich noch on top). Windelfrei war da auch einfach ergänzend, wenn wir eh gewickelt haben oder nach dem Aufwachen usw. und ich hab auch auf seine Signale geachtet. Wir konnten dadurch tatsächlich einige Windeln einsparen. Irgendwann kam dann der Streik (so mit etwa 1 Jahr), er wollte gar nicht mehr abgehalten werden und als das richtige Essen anfing war es auch mit den Stoffwindeln dann nicht mehr wirklich machbar (immer noch 5-7 mal großes Geschäft pro Tag). Meine nachhaltige Seele leidet bei jeder Wegwerfwindel, aber 5 mal am Tag das Kind umziehen weil die Stoffwindel es nicht packt plus die Windeln waschen war einfach nicht mehr möglich. Ich versuche es immer wieder mit dem Töpfchen (mittlerweile ist er 2,5) aber so richtig will er noch nicht. Ich finde es total schade, dass wir es nicht weiter verfolgt haben, aber bei dem ‚Durchlauf‘, der wohl auch über dem Durchschnitt liegt, war es einfach nicht machbar. Und gleichzeitig wünsche ich mir genau deshalb, dass es bald klappt, ich bin nämlich auch kein großer Fan des Wickelns und der Sohn selbst ja auch nicht… Ich hoffe jetzt auf den Sommer mit weniger Kleidung :-). Nachts bleibt er witziger Weise seit Monaten mit wenigen Ausnahmen trocken (ich lasse ihn öfter nachts ohne Windel) . Aber er weigert sich dann morgens aufs Töpfchen oder Klo zu gehen und will dann immer eine Windel…wie stellt man es denn überhaupt an mit dem Trockenwerden? Ich hab schon Bücher besorgt, die er auch ganz toll findet und er probiert es manchmal, aber wenn er wirklich muss weigert er sich standhaft oder will sich zb nur mit Hose aufs Töpfchen setzen. Wahrscheinlich brauche ich einfach mehr Geduld…Ich glaube allerdings er merkt oft schon vorher, dass er muss, will dann aber einfach nicht aufs Töpfchen. Also können könnte er vermutlich, nur wollen müsste er noch 🙂 wie habt ihr das denn bei den anderen beiden gemacht?

    • Hallo Anna! Danke für deinen Bericht! Ich glaube, es gibt echt sooo viele unterschiedliche Erfahrungen und mal klappt es super und dann wieder nicht so. Kinder sind einfach so unterschiedlich!

      Das mit dem häufigen „müssen“ ist aber auch echt ungewöhnlich über die lange Zeit. Ich kenne das nur bei ganz kleinen Babys, deshalb wäre es mir am Anfang auch zu aufwendig gewesen. Aber seit die Verdauung sich eingespielt hat, ist es gut machbar. Stillbabys müssen in fortgeschrittenerem Alter ja teils nur alle paar Tage bis einmal die Woche „groß“, ziemlich verrückt. Aber solange es eurem Kind trotzdem gut geht, ist das sicher einfach nur eine andere Form von „normal“. 😉

      Wie das mit dem Trockenwerden geht, ist eine gute Frage. Hier hatte ich drüber geschrieben, wie das mit meinem großen Sohn war: https://kinderhaben.de/schmeiss-den-windeleimer-raus/

      Ich weiß noch, dass wir bei ihm teils seeehhhr motivierend einwirken mussten und dass auch „Notmomente“ geholfen haben. Als wir im Urlaub waren, hatten wir z.B. das Töpfchen dabei und dann gingen uns die Windeln aus. Da musste er dann aufs Töpfchen gehen, als er groß musste. Hatte er davor immer verweigert, aber als es dann nicht anders ging, hat er es gemacht und war super stolz. Da war der Knoten dann ein bisschen geplatzt. Das war so im Alter von 2,5 Jahren etwa. Es hat auch geholfen, dass er mit 3 in die Kita kam und dann einer von den „Großen“ sein wollte. Aber am Anfang gab es sehr viele Unfälle, das steht auch in meinem Text. 😉

      Bei meiner Tochter lief es irgendwie von alleine. Die ist, wenn ich mich richtig erinnere, sogar total plötzlich und eigenständig mit 1,5 Jahren das erste mal aufs Töpfchen gegangen, einfach weil es noch bei uns rumstand. Keine Ahnung, woher sie das hatte. 😀 Da mussten wir gar nichts tun, die hat das ganz von sich aus gemacht und war mit unter 2 Jahren komplett trocken, sogar nachts schon sehr verlässlich. Das war aber wahrscheinlich echt ein Glücksfall.

      • Anna

        Liebe Sophie, noch vielen Dank für deine Antwort, auch wenn es schon länger her ist! Ich kann jetzt ein kleines Update geben, ich traue mich zwar kaum es auszusprechen (Stichwort Unke), aber es sieht so aus als sei der Sohn nun mit knapp über 2,5 Jahren tatsächlich trocken! Am Ende ging es dann plötzlich auch ganz einfach und schnell. Wie erhofft, hat denke ich das warme Wetter uns in die Karten gespielt. Und der längere Besuch bei den Großeltern, wo der über ein Jahr anhaltende Töpfchen-Streik plötzlich gebrochen war. Unfälle hatten wir seitdem tatsächlich nur sehr wenige. Er weiß sehr verlässlich wann er muss und sagt auch Bescheid. Das schreibe ich jetzt einfach mal der Übung durch das erste Jahr Windelfrei zu :-). Sogar die auf mehrere Etappen verteilte sehr lange Fahrt in den Urlaub klappte problemlos. Interessanter Weise ist auch die Kack-Frequenz an den meisten Tagen spürbar gesunken. Wobei ich mich frage, ob bzw. wo da ein Zusammenhang ist. Vielleicht auch Zufall durch das andere Essverhalten auf Reisen… Ich bin auf jeden Fall auch sehr froh, dass das Wickeln nun vorerst ein Ende hat und auch für ihn ist es so deutlich angenehmer und entspannter. Bei einem eventuellen nächsten Kind hoffe ich, dass es durchgehend klappt, die Phase mit nur Wickeln hätten wir uns alle lieber erspart. Oder so eins diesen ominösen 1-Mal-die-Woche Babys wäre auch in Ordnung. Oder zumindest einmal pro Tag 😀
        Bin gespannt auf ein Update von eurem Kleinen!

        • Liebe Anna, danke dir für dein Update! Das hört sich ja super an! 🙂 2,5 Jahre war damals auch das Alter bei meinem ersten Sohn, in dem er von sich auch dann durchaus bereit war (mit etwas Motivation unsererseits, hihi).

          Der Kleinste ist hier ein bisschen ein Phänomen. Ich muss echt mal ein längeres Update schreiben. Wir sind selbst immer noch ganz erstaunt. Er ist jetzt sogar oft nachts schon trocken, mit nicht mal 1 Jahr. Ich bin echt sehr gespannt, ob das so gut weiterläuft. Den Schnuller nimmt er seit kurzem auch gar nicht mehr. Irgendwie ein sehr erwachsenes Baby was das angeht. 😀

  3. Lena

    Hallo zusammen, ich habe folgende Erfahrungen gemacht: Unser erster Sohn war ab 1,5 Jahren windelfrei, also wirklich ohne Windel. Lange davor hatte er bereits ein eindeutiges Bewusstsein für den Vorgang des Ausscheidens. Aber aufs Töpfchen wollte er nicht immer gerne. Es gab Phasen, in denen ich mit unseren Handpuppen „Räuber“ und „Kasper“ vor ihm Theater gespielt habe, während er auf dem Töpfchen saß. Das gefiel ihm dann so gut, dass er die Sitzungen am liebsten gar nicht beendet hätte.
    Nachts haben wir recht früh festgestellt, dass er unruhig wurde. Zunächst konnte ich das nicht einordnen und habe versucht zu stillen. Doch irgendwann haben wir bemerkt, dass er einfach mal musste. Von da an haben wir ihn im (Halb-)Schlaf in die offene Windel, auf einen Waschlappen o.ä. machen lassen. Danach hat er prompt weitergeschlafen. Er war dann bald nachts komplett trocken.
    Für unterwegs hatten wir ziemlich lange eine kleine Plastikflasche dabei, sie hat uns gute Dienste geleistet, vor allem im Auto, aber auch gerne mal nachts, um das halb schlafende Kind nicht aufs Töpfchen oder Waschbecken setzen zu müssen. Das ist bei Jungs echt super praktisch. Mit Mädels habe ich keine Erfahrung.

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