Warum ich meine Kinder gerne vergleiche

Wenn man mehr als ein Kind hat, ist die oberste Goldregel ganz klar: Bloß nicht vergleichen! Schließlich ist jedes Kind anders und das ist auch gut so. Alle Kinder sollen doch bitteschön so akzeptiert und geliebt werden, wie sie eben sind. Beim Wort „Vergleichen“ schwingt auch sofort so ein negativer Aspekt mit: Ist das eine Kind besser als das andere? Was kann das eine Kind in dem Alter noch nicht, obwohl das andere es im selben Alter schon konnte? Ist ein Kind braver, lieber, einfacher als das andere? Antworten auf diese Fragen können ganz sicher heikel sein. Ich finde aber auch: Vergleiche machen Spaß und können helfen, das eigene Glück noch ein bisschen mehr zu schätzen.

Ich persönlich liebe es, meine Kinder zu vergleichen. Es macht mir und dem Mann einen Riesenspaß, uns an längst vergangene Zeiten zu erinnern, damals, als das Hübchen so klein war wie das Räupchen heute. Unsere Kinder sind recht unterschiedlich, das merken wir schon jetzt, knapp 10 Monate nach der Geburt des zweiten. Und durch das Vergleichen, oder eher: das Erinnern, lernen wir diese Unterschiedlichkeit sehr zu schätzen, freuen uns über die Merkmale und Charaktereigenschaften beider Kinder – und zwar gleichermaßen.

Wie so ein Vergleichen aussehen kann, das uns vor allem lehrt, unser Glück zu schätzen? Zum Beispiel so:

Sich an die Babyzeit erinnern: Hübchen

Das Hübchen war ein großartiges Baby: Hellwach, sofort da, an allem interessiert und von Anfang an mit einer guten Portion Energie ausgestattet. Wir haben uns über ihn beömmelt, weil er so lustige Verrenkungen mit seinem Körper anstellen konnte und schon mit 5 Monaten überall hin kam, wo er hin wollte – er kugelte sich einfach durch die ganze Wohnung (und nicht selten unter die Küchenschränke, wo er dann doch nicht mehr ohne Hilfe raus kam).

Schlaf schien allgemein überberwertet, vor allem tagsüber. Kurze Power-Naps reichten dem Hübchen völlig aus, dann ging es weiter. Dabei hatte das Baby aber trotzdem immer so gute Laune, dass das unterm Strich völlig OK war – auch wenn natürlich alles andere auf der Strecke blieb: Die Wäsche nicht gewaschen, das Geschirr nicht gespült, die Suppe nicht gekocht. Zumindest dann nicht, wenn einer von uns mit dem Baby alleine war. Denn klar, dass so ein anspruchsvolles Kind beschäftigt werden wollte!

Bevor das Räupchen geboren wurde, hatten wir uns gesagt: Wenn das zweite so wird, wie das erste, dann sind wir glücklich! So ein fittes und gut gelauntes Baby hätten wir durchaus noch mal genommen, auch wenn es durchaus anspruchsvolle Erwartungen an uns gestellt hatte. Es kam dann jedoch etwas anders…

Die Babyzeit vergleichen: Das Räupchen

Das Räupchen wurde nämlich geboren … und schlief erst mal ein paar Wochen. Nicht am Stück, natürlich, aber es fühlte sich an, als würde dieses Baby ständig ratzen. Der Milcheinschuss war eine Katastrophe, weil das kleine Mädchen beim Trinken einfach immer wieder wegpennte und ich sie andauernd wecken musste. Was ich eigentlich ja gar nicht wollte, weil es im Grunde ja einfach herrlich war, so ruhig und entspannt in die Babyzeit zu starten! Ich kannte das ja gar nicht!

Hatte das Hübchen gleich nach seiner Geburt erst mal eine Stunde lang empört gebrüllt, war das Räupchen sofort recht zufrieden. Robbte an die Brust, nahm ein paar erste Schlucke, und schlief dann auch bald erst mal wieder ein. Gelegentlich fragte ich mich in den ersten Wochen sogar, ob das überhaupt alles noch normal ist. Meine Hebamme und andere Eltern beruhigten mich jedoch: Die meisten Babys würden in den ersten Wochen erst mal sehr viel schlafen. Von da an konnte ich genießen.

Bis heute ist das Räupchen eine entspannte Zeitgenossin. Sie schläft immer noch recht viel, mit knapp 10 Monaten braucht sie tagsüber entweder zwei lange Schläfchen oder drei kürzere und in der Nacht kommt sie locker auf ihre 12 Stunden. Vor allem aber ist sie meist extrem leicht zum einschlafen zu bewegen, wenn sie müde ist. Endloses Dauergeschuckel und ewiges Tragen, wie es oft beim Hübchen nötig war, damit er runterfahren konnte, sind beim Räupchen nur in Ausnahmefällen nötig, z.B. wenn der Tag extrem aufregend war.

Ihre Gemütlichkeit zeigte sich dann aber auch in ihrer sonstigen Entwicklung: Bis heute will sie nichts essen (wobei wir in den letzten Tagen große Erfolge feiern: Winzige Kartoffelstücke wurden akzeptiert und sogar heruntergeschluckt!). Und auch wenn sie mittlerweile robbt und sich alleine hinsetzt, ist ihre Bewegungsfreude deutlich weniger ausgeprägt als beim Hübchen damals.

Die beiden vergleichen: Jedes Kind macht so viel Spaß!

Wenn ich mich also ans Babyhübchen zurückerinnere und mir das Räupchen heute oder vor einigen Monaten anschaue, sehe ich ihre Unterschiedlichkeit, und kann mich daran extrem erfreuen. Wenn ich die gemütliche Raupe angucke, die lieber quengelt, als allein die drei Meter bis zu ihrem weggekullerten Spielzeug zu robben, denke ich lächelnd ans Hübchen, der mit einem Wahnsinnsehrgeiz hinterhergekugelt wäre – und da wäre er erst knapp halb so alt gewesen wie das Räupchen jetzt.

Wenn ich mit dem Räupchen schäker, die eher verbal kommuniziert und nicht so sehr körperlich, denke ich an all die herrlichen Momente zurück, in denen das Hübchen seine Begeisterung mit Armen und Beinen ausdrückte, wild strampelnd oder bei einem unserer Lieblingsspiele: Wir hielten ihm unsere Hände ihn und er trommelte mit seinen kleinen Händchen darauf, was ihm niemals langweilig wurde und kaum mal müde machte.

Andersherum kann ich den ruhigen Charakter des Räupchens extrem schätzen, denn mit dem Hübchen habe ich es anders erlebt. Jedes Mal, wenn ich sie ins Bett bringe, freue ich mich darüber, wie sie sich relativ schnell ruhig in meinen Arm kuschelt und sich sanft in den Schlaf wiegen lässt. Kaum Gegenwehr, ganz viel Ruhe. Was wir im Vergleich beim Hübchen teilweise für Spökes gemacht haben, um ihn überhaupt zum Einschlafen zu bewegen, mein Gott!

Man kriegt, was man kriegt

Was man an letztem Fakt auch erkennen kann, ist: Der Einfluss von uns Eltern ist unterm Strich vermutlich eher gering. Schlaue Sätze wie „entspannte Eltern, entspannte Kinder“ haben wir ja alle schon mal gehört. Ich bin mir jedoch heute sicher: Ist gößtenteils einfach großer Quatsch! Bei uns hatten beide Kinder nahezu dieselben Bedingungen, waren komplikationslose Hausgeburten, wurden gestillt, getragen, durften bei uns im Bett schlafen. Das Hübchen hatte es eigentlich sogar noch ruhiger, da er das erste Kind war. Obwohl das Räupchen also eine deutlich lautere Geräuschkulisse und allgemein mehr Trubel zu ertragen hat, ist sie bis zum jetzigen Zeitpunkt das entspanntere Baby. Man kriegt also, was man eben kriegt. Und dann muss man sich nur noch dran erfreuen! 😉

Das tue ich nun also jeden Tag, auch, indem ich mich an frühere Zeiten zurückerinnere, indem ich meine beiden Kinder vergleiche und ihre Unterschiedlichkeiten umso mehr schätzen lerne. Für mich dreht es sich nicht darum, welches Kind „besser“ oder „einfacher“ ist, sondern vielmehr darum, an welchen Merkmalen ich mich jetzt oder in der Vergangenheit besonders freuen konnte, welche Eigenschaften das Leben mit meinen Kindern einfach schön machen. Nicht immer einfach, durchaus auch herausfordernd oder anstrengend, aber immer, immer schön.

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