Von „schwierigen“ Kindern | Teil 2: Erziehungsratgeber und wie sie helfen können

Was macht man als Mutter, wenn ein Kind so richtig schön aus der Reihe tanzt? Klar, man sucht die Schuld für erzieherisches Vollversagen bei sich selbst! Aber was, wenn das auch nicht zielführend ist und die Tipps aus „normalen“ Erziehungsratgebern wirkungslos verpuffen? Tja, dann ist vielleicht der Moment gekommen, sich zu fragen, ob vielleicht irgendetwas ein bisschen anders ist. Für mich war der Moment, in dem ich durch Literatur und Gespräche bestätigt bekam, dass mein Kind (und auch ich) ein bisschen anders funktionieren als der Durchschnittsmensch, ein Schlüsselmoment. Nachdem ich euch in Teil 1 meiner Reihe zum „schwierigen Kind“ davon erzählt habe, wie anstrengend es war, bis zu dieser Erkenntnis zu kommen, will ich euch in Teil 2 beschreiben, wie ich es überhaupt herausgefunden habe. Geholfen hat mir dabei nämlich vor allem ein Buch: Der „Erziehungsratgeber für besonders geforderte Eltern“ von Mary Sheedy Kurcinka. 

„Halte durch, das geht vorbei“, „Das ist nur die Autonomiephase„, „Bleib einfach entspannt, es nutzt doch nichts, wenn du dich aufregst“ – lange Zeit wollte ich gerne glauben, dass diese gut gemeinten Ratschläge der Wahrheit entsprächen. Aber mit wachsender Verzweiflung stellte ich mir eine Frage immer öfter: Was, wenn das „Schwierige“ in meinem Kind nicht einfach mit der Trotzphase vorbeiginge?

Der Austausch mit anderen Müttern über Social Media (ich bin so dankbar für diese Möglichkeit!!) war dann ausschlaggebend, um zu erkennen: Manche Kinder sind halt so – und bleiben so. Klar wird alles einfacher, wenn die Kinder älter werden, aber ganz grundsätzlich verwächst sich eben nicht jede Wut, jede Verzweiflung, jede Tendenz zum großen Drama. In einer Facebook-Gruppe las ich dann den Tipp, den Ratgeber „Wie anstrengende Kinder zu großartigen Erwachsenen werden“ zu lesen. Und der Verlag schickte mir netterweise ein Rezensionsexemplar!

Ein Ratgeber „für besonders geforderte Eltern“

Das Buch trägt den Untertitel „Der Erziehungsratgeber für besonders geforderte Eltern“ und wurde von Dr. Mary Sheedy Kurcinka geschrieben. Die US-Amerikanerin ist Therapeutin und arbeitet bereits ihr ganzes Leben im Bereich der Erziehungs- und Familienberatung. Im Original heißt das Buch „Raising your spirited child“ und ich bin wohl nicht alleine mit meiner Meinung, dass der Titel des Buchs etwas sperrig ins Deutsche übersetzt wurde. Übrigens liest man in der deutschen Übersetzung auch oft den US-amerikanischen Duktus heraus – und obwohl ich nicht vom Fach bin, habe ich an mehreren Stellen Übersetzungsfehler erkennen können. Wer also fit im Englischen ist, liest das Buch wohl besser im Original. Mich persönlich hat die teils eher maue Übersetzung aber nicht wahnsinnig gestört, es liest sich auch im Deutschen flüssig – also kein Grund, das Buch lieber gar nicht zu lesen.

Was schließlich zählt, ist der Inhalt des Buches. Und für eine „Betroffene“ wie mich wirken gerade die ersten Kapitel so erleichternd, so erhellend, dass ich es sogar in Hieroglyphen gelesen hätte, wenn es nötig gewesen wäre. Mary Kurcinka erklärt darin nämlich das naheliegende, auf das ich alleine dennoch nicht gekommen wäre: Mein Kind ist tatsächlich herausfordernder als andere Kinder. Es gehört zu den geschätzt 20% aller Menschen, die mit einem intensiveren Gefühlsleben geboren wurden. Kurcinka beschreibt das auch sehr treffend so: Diese Kinder sind einfach „mehr“ als andere. Sie fühlen mehr und fordern mehr. Eltern solcher Kinder müssen entsprechend mehr leisten, als Eltern von Durchschnitts-Kindern („Durchschnitt“ ist hier natürlich nicht negativ gemeint, sondern rein objektiv).

Durchschnitts-Tipps taugen eben nur für Durchschnitts-Kinder

Kurcinka beschreibt auch sehr genau, warum Durchschnitts-Tipps für besonders intensive Kinder nicht taugen:

„Da diese Kinder mehr sind, bleiben viele Ratschläge, die für das Aufziehen anderer Kinder funktionieren, bei temperamentvollen Kindern wirkungslos. Es wäre lächerlich, die Wutanfälle ihres temperamentvollen Kindes zu ignorieren. Es kann sich eine Stunde lang wie wild aufführen, weil Sie die Tür aufgemacht haben, während es erwartet hatte, dies selbst zu tun. Schicken Sie es für eine Auszeit in sein Zimmer, und es wird dieses auseinandernehmen. Es lässt sich nicht ablenken von etwas, was es unbedingt tun oder haben will. Selbst wenn ein Gegenstand weggesperrt ist, wird es über Hindernisse klettern, darunter durchkriechen oder diese umgehen, um es wiederzubekommen.“

Na, kommt das jemandem bekannt vor? Für mich jedenfalls ist das eine sehr treffende Beschreibung unseres täglichen Alltags. Und nicht nur, dass solche „klassischen“ Erziehungstipps wie Auszeiten beim Hübchen sowieso nicht funktionieren. Natürlich versagen auch sämtliche Ideen aus dem bindungsorientieren Spektrum. Ich sage nur: Wutanfälle geduldig spiegeln im 10-Minuten-Takt oder aufopferungsvolle Einschlafbegleitung bei einem Kind, das statt zufriedener immer fordernder wird, ist ungefähr so praktikabel wie drei Iron-Mans hintereinander zu laufen – selbst mit ganz viel gutem Willen ist es schlicht nicht leistbar!

Bindungsorientiert – aber mit viel Verständnis für die Bedürfnisse der Eltern

Wenn aber sowohl autoritäre als auch bindungsorientierte Ansätze auf den ersten Blick versagen, was macht man dann? Mary Kurcinka hält am bindungsorientierten Konzept fest. Allen ihren Ausführungen und Beispielen entnimmt man deutlich ihr großes Verständnis für Kinder der intensiveren Sorte und ihren Wunsch, Eltern und Kinder wieder näher zusammen zu führen.

Was ihren Ansatz dabei aber so wohltuend von anderen Lektüren aus dem bindungsorientierten Spektrum unterscheidet, ist ihr großes Verständnis für die elterlichen Bedürfnisse. Für mein Verständnis lese ich in vielen Blogs oder Büchern aus der AP-Szene nämlich einfach zu oft: „Das Kind funktioniert nicht? Deine Schuld!“. Denn egal, welches „Fehlverhalten“ ein Kind so zeigt – „Schuld“ ist immer die mangelnde Bindung. Und diese wiederherzustellen, liegt in der Verantwortung der Eltern. Der Schlüssel soll demnach sein, sich noch mehr zu bemühen, noch mehr aufzuopfern, die Bedürfnisse der Kinder noch mehr zu erfüllen.

Bei der Lektüre des Kurcinka-Ratgebers wird aber schnell klar: Mit einem temperamentvollen Kind ist das höchstens der direkte Weg in den Familien-Burnout. Denn die Bedürfnisse eines intensiven Kindes können so extrem sein, dass es kaum möglich ist, diese zu erfüllen. Und was meinem Verständnis von Erziehung und familiärem Zusammenleben sehr entgegenkommt, ist: Das Buch fordert sogar dazu auf, diesen Kindern ganz konkret beizubringen, sich an das Leben in der Familie anzupassen. Temperamentvolle Kinder brauchen Stabilität und Grenzen, sie benötigen Hilfe und Unterstützung in Bereichen, in denen andere Kinder dieses Alters teils schon allein entscheiden können.

Temperamentvolle Kinder brauchen viel Unterstützung

Konkret heißt das zum Beispiel, dass temperamentvolle Kinder klare Strukturen brauchen und Konzepte wie selbstbestimmtes Schlafen bei ihnen schlicht nicht funktionieren. Würde man ein intensives Kind selbst bestimmen lassen, wann es ins Bett geht, wäre es schon nach kurzer Zeit komplett übermüdet und der Familienfrieden wäre in noch größerer Gefahr. Genauso verhält es sich mit dem Verhalten bei Tisch: Temperamentvolle Kinder profitieren von festen Essenszeiten und sollten auch dazu angehalten werden, gemeinsam mit der Familie zu essen. Sie während der Mahlzeiten herumlaufen zu lassen oder sogar selbst entscheiden zu lassen, wann sie essen wollen, würde nämlich oft nur dazu führen, dass sie gar nichts oder viel zu wenig essen würden.

Dies sind nur zwei der vielen Beispiele aus dem Buch. Kurcinka beschreibt noch etliche andere ganz konkrete Situationen rund um Alltagsprobleme beim Schlafen, Essen, Anziehen, Losgehen oder Ankommen und sie geht auch auf das generelle Sozialverhalten und Herausforderungen für Schulkinder ein.

Das Beschreiben konkreter Situationen und die vielen Beispiele aus ganz unterschiedlichen Familien sind ein großer Wert des Buches, weil man daraus viele Lösungsansätze entnehmen und selbst ausprobieren kann. Am wertvollsten für mich war jedoch der erste Teil des Buches, der mir überhaupt erst ein Grundverständnis von der Besonderheit meines Kindes vermittelte. Im ersten Teil des Buches gibt die Autorin nämlich einen Überblick über die Charaktereigenschaften und typischen Verhaltensweisen eines besonders temperamentvollen Kindes, die sie im zweiten Teil noch genauer beschreibt.

Was macht (m)ein temperamentvolles Kind aus?

Praktischerweise liefert Kurcinka zu jeder Eigenschaft eine Art Checkliste mit, die man theoretisch sogar mit einem Stift ankreuzen könnte: Kann mein Kind zum Beispiel problemlos eine Aktivität beenden und mit etwas anderem beginnen oder weint es oder regt sich auf, wenn es zu einem Übergang kommt? Stört es sich nicht an kratzigen Textilien oder rastet es schon bei einer schlecht sitzenden Sockennaht aus? Bei allen Fragen kann man Punkte von 1 bis 5 vergeben, 5 wäre jeweils die extreme Reaktion.

Abgefragt werden jeweils die Eigenschaften

  1. (Hohe) Intensität
  2. (Bewundernswerte) Ausdauer
  3. (Starke) Empfindlichkeit
  4. Hohe Wahrnehmungsfähigkeit
  5. (Mangelnde) Anpassungsfähigkeit
  6. (Mangelnde) Regelmäßigkeit
  7. (Ganz viel) Energie
  8. (Starke) Erste Reaktion und
  9. (Miese) Stimmung

Es wäre jetzt zu viel, hier auf alle diese Punkte einzugehen, deswegen habe ich die Zusätze in den Klammern dazu erfunden (sorry, Mary). Vielleicht gibt euch so schon die Aufzählung eine leise Idee der Eigenschaften, die bei temperamentvollen Kindern besonders ausgeprägt sind.

Ich selbst war übrigens extrem überrascht, wie eindeutig ich meinen Sohn in vielen Beschreibungen wieder erkannte und ihm eine klare „5“ auf der Skala zuordnen konnte. Ausraster wegen schlecht sitzender Socken haben wir hier zum Beispiel so gut wie täglich. Und Übergänge sind eine Never-Ending-Drama-Story, auch wenn ich es teils schon geschafft habe, da mit viel Routine und Geduld zu deeskalieren. Teil 1 des Buches war also ein wirklicher Erweckungsmoment, weil ich merkte: Ja, mein Kind ist wirklich speziell!

Und was außerdem großartig ist: Das Buch macht nicht bei den Kindern Halt, sondern bietet ebenfalls Checklisten für die erwachsenen Eltern. Ich konnte mich also auch auf mein eigenes Temperament hin überprüfen, und siehe da: Auch ich bin ein bisschen speziell. Na so was. 😅 Da wären wir also schon zwei.

Ein Grund zu verzweifeln?

Ist diese spezielle Art zu fühlen und teils auch zu handeln nun also ein Grund zu verzweifeln? Kurcinka sagt: Ganz im Gegenteil! Denn ihr ist es ganz wichtig, immer die positiven Aspekte zu betonen. Und genau hier macht der sperrige deutsche Titel des Buches dann doch wieder Sinn, denn der Grundgedanke ist folgender: Unsere überhaupt nicht durchschnittlichen Kinder werden irgendwann zu überdurchschnittlich großartigen Erwachsenen. Denn all das, was wir im Kindesalter als so extrem herausfordernd wahrnehmen, wandelt sich im Erwachsenenalter zu genau den Eigenschaften, die selbstbewusste und erfolgreiche Menschen ausmachen.

Ein beharrliches Kind treibt uns mit seiner Unbelehrbarkeit in den Wahnsinn – Ein beharrlicher Erwachsener zieht sein Ding durch bis zum schlussendlichen Erfolg. Ein Kind mit extrem viel Energie macht uns manchmal völlig fertig, weil es uns keine Ruhepausen gönnt – Ein energetischer Erwachsener hat Kraft für drei und wuppt die anstrengendsten Projekte mit links. Ein empfindliches Kind nervt manchmal tierisch, weil es sich wegen jeder Kleinigkeit aufregt – Ein empfindsamer Erwachsener kann sich besonders gut in andere Menschen hineinversetzen und wird vielleicht mal eine spitzen Führungskraft.

Und auch bei unseren oft so anstrengenden Kindern können wir uns an den positiven Seiten ihres Temperaments erfreuen. Kurcinka beschreibt das unter anderem so:

„Tiefsinnige Äußerungen kommen aus seinem Mund, frühreif und viel zu intellektuell für ein Kind dieses Alters. Es erinnert sich an Erlebnisse, die Sie längst vergessen haben und zieht Sie ans Fenster, um Regentropfen zuzusehen, die wie Diamanten vom Himmel fallen. An den guten Tagen ist es verblüffend, überraschend, wunderbar, lustig, interessant und von großartigen Momenten durchsetzt, ein Elternteil eines temperamentvollen Kindes zu sein.“

Findet ihr euer Kind auch hier wieder? Ich meines so sehr – und auch deswegen tut die Lektüre dieses Ratgebers so wahnsinnig gut. Ich lerne die Eigenschaften meines Kindes nicht nur kennen und bekomme Handwerkszeug, um mit ihnen umzugehen – ich lerne sie auch in besonderer Weise zu schätzen. Denn mein Kind ist nicht nur eine besondere Herausforderung, sondern auch ein ganz besonderes Geschenk. Mein Sohn ist besonders empfindsam, besonders clever und alltagsklug, er nimmt besonders viel wahr und erkennt Zusammenhänge, die für mich manchmal im Verborgenen bleiben. Er hat eine wahnsinnige Ausdauer und kann extrem konzentriert an Dingen arbeiten, für die er sich interessiert. Er hat beeindruckend viel Energie und kann sich wahnsinnig für Dinge begeistern. Und nicht zuletzt ist er besonders zärtlich und liebevoll, nicht nur zu uns, sondern auch zu seiner kleinen Schwester.

Introvertiert oder extrovertiert?

Ein temperamentvolles Kind zu haben ist also beides zugleich: furchtbar anstrengend und furchtbar schön. Aber wenn man erst mal erkannt hat, was für ein spezielles Kind man sich da geangelt hat, kann man prima anfangen, damit zu arbeiten. Und was für mich besonders wichtig ist: Seit ich erkannt habe, dass auch ich einer von diesen speziell fühlenden Menschen bin, kann ich mit unserer besonderen Konstellation arbeiten. Denn einen wichtigen Punkt, der im Ratgeber von Mary Kurcinka sehr ausführlich behandelt wird, habe ich hier absichtlich ausgespart: Die Introversion und Extroversion.

Denn im Umgang mit temperamentvollen Kindern spielt es eine große Rolle, ob sie zu den introvertierten oder extrovertierten Charaktern gehören – und zu welchem Typ man selbst zählt. Denn wenn man hier sehr unterschiedlich veranlagt ist (wie zufälligerweise ich und mein intensiver Sohn), kann das zu extremen Reibungspunkten führen. Da dieses Thema mir so viel Aufschluss  über meine eigenen Verhaltensweisen und Bedürfnisse gegeben hat, möchte ich ihm gerne den nächsten Teil dieser Reihe widmen. Stay tuned!

Abschlussbemerkung zu den Begrifflichkeiten und Ausblick auf das neue Buch von Nora Imlau

Ich habe diesen 2. Teil meiner kleinen Reihe nun sehr stark an das Buch von Mary Kurcinka angelegt, weil dieser Ratgeber für mich quasi der Einstieg in die Thematik war und ich ihn wirklich empfehlen kann. In der Übersetzung des Buches ist von „temperamentvollen“ oder auch „intensiven“ Kindern die Rede, deswegen habe ich nun auch hier diese Begriffe verwendet.

Vielleicht habt ihr aber schon mitbekommen, dass es seit ganz kurzem auch endlich ein deutsches Buch gibt, dass sich mit den besonders herausfordernden Kindern beschäftigt: „So viel Freude, so viel Wut“ von Nora Imlau. Nora verwendet darin den wie ich finde tollen Begriff der „gefühlsstarken Kinder“, den ich in meiner Reihe hier sicher auch mal verwenden werde. Das brandneue Buch von Nora habe ich noch nicht gelesen, werde es aber in Kürze tun und just morgen eine ihrer Lesungen besuchen. Hier im Blog gibt es dann auch noch mal einen ausführlichen Bericht und Rezension, versprochen!

Bis dahin freue ich mich wie immer über eure Kommentare: Habt ihr auch temperamentvolle, intensive, gefühlsstarke Kinder? Wie seid ihr darauf gekommen, dass bei euch irgendwas „anders“ und besonders herausfordernd ist? Welche Literatur hat euch geholfen und habt ihr vielleicht weitere Tipps, was ich zu dem Thema noch lesen sollte? Ich bin gespannt! 🙂

<- Hier geht’s zu Teil 1 der Reihe: „Erziehungsratgeber und wie sie helfen können“
Und hier geht’s zu Teil 1 der Praxisreihe „Aus dem Leben“: Ambivalente Gefühle annehmen und aushalten“ ->

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9 Kommentare zu „Von „schwierigen“ Kindern | Teil 2: Erziehungsratgeber und wie sie helfen können

  1. Kathrin

    WI haben uns ja schon öfter darüber auf fb ausgetauscht. Ja, mein Sohn gehört auch zu der Kategorie, besonders. Besonders anstrengend, besonders schlau, besonders wütend, besonders kuschelig, usw. Manchmal möchte ich schreiend davon laufen und manchmal dahinschmelzen. Gestern erklärte er mir z. B. Heute müsse er anfangen Singen zu lernen. Tanzen könne er schon. Ab heute sei singen dran 🙂
    Und 5min später fliegt seine Brille voller Wucht durch die ganze Wohnung (die 3. Gläser, das 2. Gestell in nicht mal einem Jahr). Diese Wut ist so unberechenbar und intensiv, die Liebe, die er uns und anderen Kindern entgegenbringt (die ganz schlecht damit umgehen können) ist ebenso intensiv.
    Meine größte Angst ist nur immer, er könnte sich verletzen.

    Ach ich liebe ihn einfach und 2 seiner Schwestern waren ebenso. O-Ton Kinderkrippe: so ein Kind hatten wir noch nie! Sie hat heute vor Wut die Tische und Stühle umgeworfen…

    Sie werden erwachsen. Es wird einfacher, sie werden verständnisvoller. Begreifen, dass auch andere Menschen Bedürfnisse haben. Bleiben aber willensstarke, durchsetzungsfähige Kinder. Und das ist wichtig.

    • Ja, sie können so so so zauberhaft sein!! Und manchmal ertappe ich mich auch dabei, andere Kinder als geradezu langweilig zu empfinden (oder noch schlimmer: als dumm), einfach nur, weil meins halt immer so in die Extreme tendiert.

      Im Moment gibt es immer so Phasen: Tage oder im schlimmsten Fall Wochen, an denen ich ihm den Kopf umdrehen könnte und ihn wirklich, wirklich furchtbar finde. Und dann wieder viele Tage hintereinander, an denen ich ihn ständig küssen könnte, weil er so süß, hübsch, klug und wunderbar ist. Ich glaube, darüber muss ich auch noch mal bloggen, denn man kommt sich schon blöd vor als Mutter, mit diesen ambivalenten Gefühlen. Aber extreme Gefühle beim Kind lösen halt mitunter extreme Gefühle bei den Eltern aus, denke ich.

  2. Kathi

    Wie im ersten Teil erwähnt habe ich auch genau so ein Kind. Deshalb vielen vielen Dank für die ausführliche Rezension, ich werde das Buch nun fix bestellen

    • Freut mich, dass mein Text dir hilft! Ich habe nun auch das neue Buch von Nora Imlau fast ausgelesen und kann es zusätzlich schon mal sehr empfehlen! Die Inhalte doppeln sich natürlich teilweise, bzw. bezieht Nora sich auch auf das ältere Buch von Mary Kurcinka, legt dann aber noch mal andere Schwerpunkte und schreibt auch über Dinge, die ich bis dato noch nicht wusste. Ausführliche Rezension folgt als extra Artikel! 🙂

  3. Oh, wie finde ich mein Sirenchen und mich darin wieder. Sie ist auch so unglaublich intensiv und wild und laut und explosiv und das alles dann auch noch ausdauernd. Von Baby an forderte sie mich und so schüchtern sie sich auswärts meist zeigt, so wahnsinnig ist sie zu Hause. Alle „normalen“ Deeskalierungsmethoden kann man getrost vergessen. Ich musste ihre Ausbrüche schon mit den widersinnigsten Dingen unterbrechen oder einfach neben ihr ausharrend abwettern.

    🙂

  4. Pingback: Strenge Erziehung ist nicht ein Mangel an Liebe › vaterjahre.de

  5. Peter

    Hallo zusammen,

    unsere Tochter ist 6 Monate alt. Ist dieses Buch jetzt schon zu empfehlen?

    Danke und viele Grüße
    Peter

    • Hi Peter!

      Hm, spontan würde ich sagen „nein“ – außer, du hast ein professionelles Interesse oder liest einfach wahnsinnig gerne Ratgeber. 😉

      Jedenfalls würde ich spontan sagen, dass das Buch eher dann interessant wird, wenn die Kinder aus dem Babyalter raus sind. Am meisten mitnehmen können sogar eher Eltern von Kindern ab Schulalter, würde ich sagen. Was nicht heißen soll, dass es davor unnütz ist, im Gegenteil. Ich meine nur, dass die meisten praktischen Tipps eher auf ältere Kinder zugeschnitten sind.

      Wenn du ein recht anstrengendes und forderndes Baby hast, gibt es für das Alter andere Literatur, die passender ist: „Mein kompetentes Baby“ oder auch „Schlaf gut Baby“ von Nora Imlau z.B. Vielleicht verwächst sich das „anstrengende“ auch bei deinem Baby und das Buch von Mary Kurcinka würde dir mehr Angst machen, was da noch alles kommt. 😉

      Ich würde daher eher raten, nicht zu problematisieren (was ggf. durch die Lektüre passieren könnte), sondern eher Baby-Literatur zu wählen und zu hoffen, dass es bald entspannter wird. Ich drücke die Daumen!

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