Sieben Fakten über mein fünfjähriges Kind

Fünf Jahre alt – das ist das Hübchen schon seit letztem Herbst. Aber ich bin froh, erst jetzt die Zeit zu finden, in Ruhe über meinen fünfjährigen Jungen zu bloggen. Denn erst in den letzten Monate konnte ich richtig erfassen, wie das Leben so ist mit einem großen fünfjährigen Kind. Denn es hat sich einiges getan! Hier ist er also, in alter Tradition: Der Faktencheck, diesmal, eines fünfjährigen Kindes!

1. Was genau ist das? Etwa VERNUNFT?

Kurz nach seinem fünften Geburtstag hatten wir den Termin bei unserer Kinderärztin zur U8. Meine Lust hielt sich in Grenzen, denn im letzten Jahr hatte das Hübchen die Vorsorgeuntersuchung mit allen ihm möglichen Mitteln sabotiert. Als ich ihn diesmal fragte, ob er kooperieren würde, sagte er nur sehr sachlich: „Klar, ich bin doch jetzt fünf“. Und dabei blieb es: Das Kind kooperiert mittlerweile in erstaunlich vielen Situationen, nicht nur bei der Kinderärztin. „Ja Mama, ich bin ja jetzt fünf“ ist mir nun ein bekannter Satz geworden. Und wisst ihr was? Ich finde sie sau angenehm, diese Fünfjährigen-Vernunft!

2. Schüchtern? Doch nicht mein Kind!

In der Vergangenheit lebte das Hübchen seinen extrovertierten Charakter vor allem auf bekanntem Terrain aus: Bei uns Zuhause, bei den Großellis, in der Kita. Seit er fünf ist, stellen wir aber erstaunliches fest: Unser Sohn geht mit wachsendem Selbstvertrauen auch auf fremde Menschen zu, bestellt im Café sein Getränk selbst, ordert beim Bäcker die Familienbestellung und quatscht sogar den Paketboten zu. Für uns ist das immer wieder amüsant – und auch ein bisschen frustrierend, denn natürlich ist das Hübchen zu anderen Menschen so unglaublich viel höflicher, als zu uns Eltern!

3. Gutes Benehmen – schlechtes Benehmen

Womit wir gleich beim nächsten Punkt wären: Das Hübchen beherrscht die Klaviatur des guten Benehmens mittlerweile bis zur Vollendung – und leider auch andersherum. An manchen Tagen werde ich schon gleich nach dem Aufwachen mit Komplimenten überschüttet: „Mama, diese Farbe steht dir ausgesprochen gut!“ („Äh, danke mein Herz, das ist mein Schlaf-T-Shirt“). An anderen kann ich mich entscheiden, ob ich lieber die Kack-Mama, die Rumpelbirne oder das Pupsgerät sein will. Glücklicherweise liefert das Hübchen mir das beste Gegenmittel gleich mit: „Was man sagt, ist man selber!“. Ätschbätsch.

4. Es wird poetisch – und analytisch

Nach und nach entdeckt das Hübchen auch seine Liebe zur Musik. Dabei bleibt es natürlich nicht beim reinen Hören. Stattdessen fängt der Sohn an, Songs zu vergleichen, Texte zu rezitieren, Rhythmen zu erspüren. Das kann sehr witzig sein, z.B. wenn das Hübchen im Wohnzimmer der Großeltern sitzt und rappt: „Der Thomas der Thomas, ich bin der Thomas“, und die Oma erschreckt aufhorcht – ist das Kind etwa schizophren?! Manchmal ist es auch erhellend, denn das Hübchen findet Begriffe, um Musik, die ihm gefällt, plastisch zu beschreiben: Da klingt ein Lied plötzlich rund, ein anderes überzeugt ihn wegen der vielen Wiederholungen. Seine besondere Begeisterung gilt im Moment der deutschen Rapmusik, ja, inklusive aller Kraftausdrücke. Aber meine Güte, so ein bisschen Street Credibility hat noch keinem Stadtkind geschadet.

5. Schreiben, Lesen, Rechnen

Was mit fünf Jahren fast wie von alleine anfing, war das wachsende Interesse an Buchstaben und Zahlen. Das Hübchen hat sich mittlerweile selbst das Lesen beigebracht. Er kennt halt schon alle Buchstaben, weil er uns nach und nach danach fragte. Und nun liest er einzelne Wörter schon sehr flüssig – allerdings nur in Großbuchstaben. Mir macht das natürlich viel Freude, weil ich als Kind genauso viel Spaß am Lesen lernen hatte. Gleichzeitig frage ich mich, wo das enden soll, schließlich ist das Hübchen noch nicht mal Vorschulkind und kommt erst in gut anderthalb Jahren in die Schule. Ihm die Freude am Lesen und Schreiben zu verwehren kommt aber natürlich auch nicht in Frage. Wir lassen ihm also den Spaß und vertrauen einfach auf das, was das Hübchen uns sagt und signalisiert. Und das ist, dass er nach wie vor gerne in die Kita geht und noch nicht zwingend ein Schulkind sein will.

6. Mein unverwechselbares Kind

Was mir in den letzten Monaten aber am meisten Spaß gemacht hat, war, mein Hübchen zu beobachten, wie er immer mehr und immer mehr zu etwas ganz tollem wurde: Zu ihm selbst. Von Tag zu Tag werden seine Charaktereigenschaften stärker, seine Interessen größer und auch seine Abneigungen klarer. Das führt auch dazu, dass ich mich mittlerweile oft sehr stark in meinem Sohn wiederfinde. Und das tut so gut! So unterschiedlich wir in mancherlei Hinsicht auch sind, so sehr ähneln wir uns in anderen Dingen.

7. Große Kinder machen so viel Spaß!

Das wichtigste aber kommt zum Schluss: Große fünfjährige Kinder machen einfach Spaß! Im Schwimmbad, wo ich endlich ein Alibi-Kind habe, das mit mir die langen Rutschen runter saust. Im Kino, in das wir heimlich unsere Lieblingsschokolade schummeln und kein Räupchen uns alles wegfuttern kann. Und auch in der Bibliothek, wo wir gemeinsam die schönsten Kinderbücher aussuchen. Exklusiv-Zeit mit meinem großen Jungen ist ohnehin so wichtig und ein großer Vorsatz für 2019 ist, die Termine immer direkt fest in den Kalender einzutragen. Weil die möglichen Unternehmungen mittlerweile auch mir so viel Spaß machen, ist das zum Glück auch alles andere als eine Pflichtveranstaltung!

Fünfjährig, groß, vernünftig – und immer noch gefühlsstark

Vielleicht fragt ihr euch beim Lesen, wo mein gefühlsstarkes Kind hin ist, über das ich im letzten Jahr viel geschrieben habe, und das mich mindestens genauso oft sehr stark herausgefordert hat. Natürlich gibt es dieses Kind immer noch, denn ein derart dominantes Persönlichkeitsmerkmal verliert sich ja nicht über Nacht, nur weil das Kind plötzlich fünf geworden ist. Aber für uns Eltern ist vieles viel leichter geworden, seit das Hübchen seinen letzten großen Entwicklungssprung gemacht hat.

Vielleicht, weil die Wut des Kindes sich tatsächlich nicht mehr ganz so irrational, ausdauernd und häufig ihren Bann bricht, wie noch einige Monate zuvor. Vielleicht auch, weil ich gelernt habe, besser damit umzugehen. Am ausschlaggebendsten ist aber vermutlich, dass so viele tolle Eigenschaften und Fähigkeiten hinzukamen, dass es nun einfach ein neues Gleichgewicht gibt. Klar ist da noch oft ganz viel Wut, sind da Gefühle, die ungefiltert raus müssen und die mich immer noch oft in den Wahnsinn treiben. Aber diese Momente sind nicht mehr in der Überzahl und werden von vielen schönen Momenten mit meinem großen Sohn ausgeglichen. Und das macht mich gerade sehr glücklich!

Was mir noch wichtig ist…

Was mir noch wichtig ist, zu sagen: In den letzten Jahren habe ich über zweijährige, dreijährige und vierjährige Kinder geschrieben und diese „Faktenchecks“ waren eher allgemein gehalten, so in dem Duktus „So ist das Leben mit einem vierjährigen Kind“. Dieser Überblick über meinen Fünfjährigen ist nun sehr viel persönlicher ausgefallen.

Kinder entwickeln sich allgemein sehr individuell und diesmal hatte ich wirklich das Gefühl, hier nur für das Hübchen sprechen zu können und auf keinen Fall mehr für andere Kinder im selben Alter. Die Interessen, Stärken und Schwächen prägen sich jetzt einfach besonders aus. Und nur weil das Hübchen mit fünf Jahren schon lesen lernt, heißt das nicht, dass auch euer fünfjähriges Kind sich schon für Buchstaben interessieren muss! Jedes Kind hat sein eigenes Tempo!

Es gibt so viele Wege, so viele Talente, so viele Eigenschaften. Das ist ja genau das Schöne! Deswegen freue ich mich auch, wenn ihr mir in den Kommentaren von euren eigenen Fünfjährigen berichten mögt! Was können eure Jungs und Mädchen derzeit am besten? Was fällt ihnen vielleicht noch schwer? Was liebt ihr gerade besonders an ihnen?

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2 Kommentare zu „Sieben Fakten über mein fünfjähriges Kind

  1. Daniela

    Na dann will ich mal von unserem „anspruchsvollen“ 5jährigen berichten 🙂
    1) Auf die Kooperationen warte ich noch .. bin gespannt was bei unserer U nächste Woche passiert. Die letzte hat er auch zum Teil heftigst boykottiert
    2) Schüchtern ? Das kennt mein Kind auch nicht – aber das war schon immer so. Dass er schon alleine zum Bäcker wollte, kam bei uns schon mit 4. Gut, er kennt es schon von seinem großen Bruder …
    Und mit seinem unerbitterlichen, penetrant hartnäckigem Charme erreicht er bei anderen so ziemlich alles. Was natürlich für uns Eltern mehr als frustierend ist, weil er sich zu Hause benimmt wie die Axt im Wald und jegliche Grenzen und Regeln ignoriert.
    3) Was das Benehmen anbelangt, hab ich ja bereits geschrieben. Nach aussen hin ist er personifizierte Sonnenschein, aber zu Hause … OHNE Worte 🙁
    4) Was die Musikauswahl anbelagt, da orientiert er sich sehr an seinem großen Bruder. Desweiteren intoniert er lauthals die Fangesänge aus dem Eisstadion. Wobei er vor Ort dann schon immer wieder mir sagt „sch*** sagt man nicht“ 🙂
    5) Der Punkt Schreiben, Lesen, Rechnen kommt bei uns noch überhaupt nicht vor. OK, er erkennt Zahlen und wenn wir jemand anrufen, dann will er auf dem Telefon die Nummern tippen, aber das war es auch schon.
    Ansonsten hadere ich mit meiner Situation, da bei uns der zweite der anspruchsvollere Part ist und der Große sehr zurückstecken muss. Der Kleine ist der Extrovertierte, der Große der Introvertierte Part.
    Dem allen gerecht zu werden, fällt mir meistens ziemlich schwer.
    Vor kurzen bin ich mal wieder auf der Suche nach Hilfe auf das Buch „wie aus anspruchsvollen Kinder ….“ gestoßen und hab es in kürzester Zeit verschlungen.
    Seitdem versuche ich, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel heraus zu sehen und auch umzusetzen.
    Das wird noch ein hartes Stück Arbeit – aber ich werde diese Lektüre auch meinem Mann geben. Denn die Reibereien zwischen meinen männlichen Familienmitgliedern sind auch nicht ohne …
    Ich freue mich auch, dass ich deinen Blog entdeckt habe und weiß, dass ich nicht alleine bin.

  2. Liebe Daniela, danke für die Einblicke in das Leben deines fünfjährigen! 🙂 Ich finde, in dem Alter merkt man jetzt so richtig extrem die unterschiedlichen Charaktere. Also klar, vorher hat man das auch schon gemerkt, aber so ab fünf geht es dann noch mal mehr in die eine oder andere Richtung.

    Eigentlich ist es doch toll, dass deine Jungs so verschieden sind. Bestimmt schafft ihr es, dass sie beide ihre Unterschiedlichkeiten zu schätzen lernen. Das stelle ich mir jedenfalls auch später toll vor, wenn sie älter werden. Und ansonsten hilft immer Exklusivzeit sehr! Da kann der Große dann mal bestimmten und Mama oder Papa nur für sich haben. Macht ihr so was regelmäßig?

    Die Ratgeber zu temperamentvollen bzw. gefühlsstarken Kindern haben mir auch total geholfen. Allerdings müsste ich eigentlich wöchentlich immer mal wieder darin lesen, um mich immer wieder zu erinnern. 😆

    Viel Spaß noch mit deinen beiden und ich freue mich, wenn du hier weiter mitliest!

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