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Shut up, 25-jähriges Ich! Wie ich zur Feministin wurde

Ich möchte heute über eine Wandlung schreiben. Über meine Wandlung. Dieser Text wird vermutlich bruchstückhaft und unvollständig, weil es so viel zum Thema zu sagen gäbe, und ich gar nicht so recht weiß, wo ich anfangen soll. Aber geschrieben werden muss er trotzdem. Und dann lesen ihn hoffentlich sehr viele Frauen – besonders die jungen.

Warum ich das hoffe? Weil ich auch mal eine junge Frau war. Also, ich meine, eine sehr junge Frau. Eine Abiturientin, Studentin, Berufsanfängerin. Und – natürlich – war ich eine von der Sorte, wie es sie massenhaft gibt: Prima Schulnoten (v.a. wenn man sie mit denen der männlichen Mitschülern verglich), gute Motivation (ebenfalls ausgeprägter als die von den Jungs in meiner Umgebung) und Fleiß und Disziplin in ansehnlichen Mengen (wovon ja viele junge Männer nur träumen können, sorry).

Als diese junge Frau war ich natürlich überzeugt davon, alles schaffen zu können. Also, alles im Rahmen dessen, was ich mir so vorstellte. Bundeskanzlerin stand jetzt nicht unbedingt auf meiner Bucket-List. Aber spätestens als ich noch sehr jung, mit 26 Jahren, das erste Mal Mutter wurde, stand das hier drauf: Ich wollte eine erfolgreiche berufstätige Mutter sein, die Job und Kind im Handumdrehen gleichzeitig balanciert – natürlich mit einem Mann an meiner Seite, der absolut gleichberechtigt Haushalt und Kinderbetreuung mit mir teilt.

Aussagen zum Schämen

Mit Mitte 20 sagte ich Dinge wie diese: „Die anderen Muttis machen mir doch nur die Zukunft kaputt! Ist doch klar, dass kein Arbeitgeber mir einen Job geben will, wenn sie ansonsten nur Frauen gewohnt sind, die jahrelang wegen der Kinder aussteigen. Das ist doch auch die totale Unsicherheit für die Unternehmen!“

Findet ihr krass? Fanden zwei damalige Freundinnen auch, die mir solche Aussagen echt übel genommen haben, weil sie bekannte oder verwandte Frauen kannten, die just für zwei Jahre oder länger Elternzeit angemeldet hatten. Leider haben meine Freundinnen nicht mit mir drüber geredet, sondern stattdessen über mich gelästert. Deshalb sind sie heute auch keine Freundinnen mehr. Aber gut, wer weiß – vielleicht hätte ich damals sowieso nichts begriffen.

Heute begreife ich umso mehr und kann mich nur für die merkwürdigen Schlussfolgerungen meines früheres Ichs schämen. Denn heute verstehe ich so ein paar größere Zusammenhänge, die mir damals offenbar irgendwie noch nicht so ganz aufgefallen waren.

Was ich erst lernen musste

Mit Mitte 20 war für mich klar: Ich bin jung, ich bin klug, ich will einen guten Job – warum sollte es irgendein Problem geben, nur weil ich weiblich bin und Kinder habe? Also gesagt, getan: Mein Abschlusspraktikum machte ich, als mein Baby 6 Monate alt war, in Vollzeit natürlich. Nach 14 Monaten begann ich ein Volontariat, Vollzeit plus Pendelstrecke. Wir zogen um, damit ich näher am Job war.

Aber komisch, glücklich wurde ich trotzdem nicht. Ich schob es auf den Job: Das Volontariat unterforderte mich, ich kündigte und wechselte in die Selbstständigkeit. Und seitdem geht wirklich alles besser! Auch der Ehemann hat seine Arbeitszeit mittlerweile reduziert und wir nähern uns tatsächlich der angestrebten Gleichberechtigung.

9-to-5-Jobs sind die elterliche Vollkatastrophe

Was ich vor allem gelernt habe: Dass Zeit wertvoller ist als Geld. Dass es mich unglücklich macht, wenn ich meine Kinder nur morgens und abends für ein knappes Stündchen sehe – an fünf Tagen die Woche. Dass es wahnsinnig stresst, immer auf lückenlose Kinderbetreuung angewiesen zu sein. Dass es ohne Flexibilität nicht geht. Dass 9-to-5-Jobs für Eltern quasi die Vollkatastrophe bedeuten.

Und ja, genau da sind wir am entscheidenden Punkt angekommen: In einer Welt, in der 9-to-5-Jobs noch das Normalste des Normalen sind, in der du dir Karriere in Teilzeit mal getrost von der Backe putzen kannst – in dieser Welt kannst du als Frau, sobald du Kinder hast, noch so klug, motiviert und diszipliniert sein. Du wirst es nicht schaffen!

Der Grund, warum so viele Frauen zwei Jahre oder länger mit ihren Kindern Zuhause bleiben, ist wohl in den seltensten Fällen ein egoistischer. Weder wollen diese Frauen mich (als 26-jährige, junge, karriereorientierte Mutter) noch ihre Chefs ärgern. Sie sehen einfach nicht den Sinn dahinter, sich in Teilzeit den Arsch für eine Firma aufzureißen, die am Ende doch sagen wird: „Glückwunsch, unser toller Thomas bekommt den Abteilungsleiter-Posten!“.

Warum eh immer Thomas den Posten kriegt

Den Namen Thomas habe ich nicht zufällig gewählt, denn da gibt es eine lustige Anekdote, die eigentlich eher traurig ist. Laut Allbright-Stiftung gibt es nämlich pro Jahr ähnlich viele neue Frauen in den Vorständen der 160 deutschen Börsenunternehmen, wie es neue Männer gibt, die Thomas heißen. Also noch mal zum leichter kapieren: Anzahl der Thomasse = Anzahl der Frauen in den genannten Vorständen gesamt. So nett diese ganzen Thomasse auch sein mögen, so gruselig ist das trotzdem.

Der Tagesspiegel zitiert in einem Artikel dazu die Albright-Stiftung, die den Ursprung dieses Phänomens so beschreibt:  „Thomas rekrutiert Thomas, und der wiederum einen Thomas, der ihm sehr ähnlich ist“. Gut, würde mein 25-jähriges Ich sagen, da sind die Frauen dann aber auch wieder selber Schuld, wenn sie jahrelang in Elternzeit gehen! Dann hat der Thomas ja nur den Thomas auf dem Schirm und nicht die Steffi.

Die Steffi war aber vorher schon da – und sie war gut!

Aber haha, schaut euch doch mal die Zahlen an! Die durchschnittliche Akademikerin bekommt ihr erstes Kind mit 34 Jahren! In dem Alter sollte sie also schon einige sinnvolle Karriereschritte hinter sich gebracht haben. Der Thomas hat die Steffi also durchaus auf dem Schirm, lange bevor sie überhaupt zum ersten Mal schwanger wird. Das Problem ist ja aber: Mit der Karriere ist es spätestens vorbei, sobald das erste Kind kommt (oder vorher, denn Chefs setzen Frauen im gebärfähigen Alter nicht so gerne auf wichtige Posten. Witzig oder? Da wird allein der Umstand, eine Gebärmutter zu haben, zum Ausschlusskriterium).

Viele Frauen wissen übrigens schon vor der Geburt, dass die Karriere bald zu Ende ist, weil ihnen bereits in der Schwangerschaft das Leben schwer gemacht wird. Kein Wunder also, dass sie sich dann für mehrere Jahre Elternzeit entscheiden und am besten nie in dieses Unternehmen zurückkehren. Andere ahnen nichts Böses, kommen hochmotiviert nach einem Jahr oder weniger zurück ins Büro und sehen – einen Mann – der hochzufrieden auf ihrem Bürostuhl thront. Und nein, das denke ich mir nicht aus, sondern habe ich selbst mehrfach so mitbekommen und auch von Freundinnen und Bekannten erzählt bekommen. Die Steffi kommt halt nur in Teilzeit zurück, da geben wir den verantwortungsvollen Job mal lieber dem Thomas.

Ich glaube auch nicht mehr an Kinderbetreuung

Der Thomas freut sich dann. Denn er hat Zuhause auch eine Steffi, die wegen der drei Kinder jetzt ihren Job gekündigt hat. Die Tagesmutter fürs Jüngste fiel nämlich immer wieder krankheitsbedingt aus und so ging es wirklich nicht mehr weiter. Wo wir bei einem anderen Punkt wären, der meinen Wandel unterstützt: Ich glaube nicht mehr an Kinderbetreuung.

Oder anders: Ich glaube immer noch, dass es gute Kinderbetreuung gibt, und auch verlässliche. Ich glaube nur nicht mehr daran, dass sie die goldene Gans ist, die doch sicher total einfach zu finden ist, wenn man sich nur gut genug anstrengt. Gute Kinderbetreuung zu finden, ist wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen. Und ich kann aus heutiger Sicht sehr gut verstehen, dass Frauen sich diese Suche nicht antun wollen und lieber länger mit ihren Kindern Zuhause bleiben.

Aber warum bleiben eigentlich immer die Frauen Zuhause?, fragt mein 25-jähriges Ich. Können die Scheißmänner nicht auch mal ihren Job machen oder wer hat das Kind eigentlich gezeugt? Guter Punkt, möchte ich sagen. Und denke wehmütig an unseren früheren Anspruch zurück, schnellstmöglich alles 50:50 aufzuteilen. Warum das bei so wenigen Familien klappt, hat sicher unterschiedliche Gründe. Da ich aber glaube, dass unser Grund schon einen hohen Repräsentativitätswert hat, will ich ihn hier kurz skizzieren.

Es geht um Geld.

Ja, leider geht es fast immer nur um Geld. Bei uns ist es z.B. so, dass der Gatte älter ist als ich, damit mehr Berufserfahrung hat und mir einige Karriereschritte voraus ist. Und das schlägt sich leider deutlich im Portemonnaie nieder – sei es bei der Berechnung des Elterngeldes oder danach. Bei vielen anderen Paaren kommt noch hinzu, dass er eher einem gut bezahlten Job nachgeht (Vertriebler, Ingenieur, usw.) und sie eher einem schlecht bezahlten (Krankenschwester, Grundschullehrerin, usw.).

Hätten die doofen Frauen halt was gelernt, für das es auch vernünftiges Geld gibt!, hätte mein 25-jähriges Ich nun gesagt. Haha, sage ich heute. Woher kommt es denn wohl, dass so viele Frauen „soziale“ und damit schlecht bezahlte Berufe erlernen? Doch nicht etwa davon, dass man sie seit ihrer frühesten Kindheit darauf prägt, besonders hilfsbereit und lieblich zu sein? Ach, ja, da war ja was. Aber sich einzugestehen, dass man selbst vielleicht auch ein bisschen zu rosa-niedlich-lieb erzogen worden ist, das ist gar nicht so leicht. Weiß ich auch.

Schlecht bezahlte „Frauenberufe“

Aber noch mal zurück zum Berufe-Dilemma. Da gibt es nämlich noch eine andere interessante Frage, die man sich stellen kann, nämlich: Woher kommt es eigentlich, dass insbesondere die sozialen Berufe so besonders schlecht bezahlt werden? Etwa, weil es nun mal „Frauenberufe“ sind? Auch hier gibt es eine lustige Anekdote, die gar nicht mehr so lustig ist, wenn sie einen selbst betrifft.

Das ist nämlich der Sachstand, dass Berufe, sobald sie zur Frauendomäne werden, einen Statusverlust erleiden – und damit einhergehend natürlich deutlich schlechter bezahlt werden. Das betrifft z.B. so schöne Berufe wie Kellner, Friseur, Apotheker oder auch Grundschullehrer (vgl. Zeit-Artikel). Früher alles durchaus angesehene Berufe von Männern (daher oben auch in der männlichen Version) – heute Frauensache. Und entsprechend viel schlechter bezahlt als noch zu vergangenen Zeiten.

Der Wille allein ist zwar ganz schön – hilft aber nicht

Ja, puh, ganz schön viele Gründe dafür, dass es die Steffis sind, die Zuhause bleiben, sobald die Kinder kommen – und nicht die Thomasse. Irgendwie scheint es also doch so zu sein, dass der Wille allein zwar ganz schön ist, aber lange nicht ausreicht. Als Frau renne ich leider immer noch gegen ziemlich viele knallharte Widerstände und muss eine ganz schöne Ausdauer und Frustrationstoleranz mitbringen, um das auszuhalten.

Wie unsere Bekannte aus der Schweiz zum Beispiel, die die ersten Jahre mit Kind allein für die schweineteure Kinderbetreuung arbeiten ging – einfach, weil sie unbedingt im Beruf bleiben wollte. Oder wie die Freundin der Freundin, die sich nach der Elternzeit gegen ihren arroganten Kollegen durchsetzen muss, der ihr plötzlich als Abteilungsleiter vor die Nase gesetzt wurde, obwohl sie ihren Job immer super gemacht und etliche Jahre mehr Berufserfahrung hat als er.

Hört euch mal in eurem Umfeld um, solche und ähnliche Geschichten gibt es tausende! Und deswegen kann ich nur bitter grinsen, wenn ich mal wieder irgendwo höre, Frauen sollten sich halt einfach ein bisschen besser durchsetzen, damit nicht immer nur Männer auf den Podien sitzen (erst kürzlich wieder in einer Podiumsdiskussion gehört – von einem Mann unter weiteren drei Männern, keine Frau, keine Pointe).

Patriarchat bedeutet: Thomas wird’s

Ich jedenfalls, so viel habe ich diesem Mann auf dem Podium (der vermutlich Thomas hieß, ich weiß es nicht mehr genau) und meinem 25-jährigen Ich voraus, glaube nicht mehr daran, dass ein paar starke Ellenbogen und ein kleiner Haufen Grips ausreichen, um sich als Frau (und Mutter) in unserer patriarchalen Gesellschaft durchzusetzen.

Denn Patriarchat bedeutet genau das, was oben skizziert wurde: Dass Thomas den Thomas den Thomas den Thomas fördert. Und keiner die Steffi, weil die nun mal schwanger wird, dann Kinder kriegt, dann in Elternzeit geht und dann – oh Schreck – auch noch auf Zeit mit ihren Kindern besteht, anstatt schön brav den Großteil ihres Lebens im Großraumbüro abzusitzen.

Ich mach da nicht mehr mit

Ich für meinen Teil habe keinen Bock mehr auf 9-to-5. Ich will Spaß mit meinen Kindern haben, sie zu kleinen Menschen erziehen, die ihre Ellenbogen gut zu benutzen wissen – egal ob Junge oder Mädchen. Die Unternehmen, für die ich zukünftig noch arbeiten werde, werde ich mir sehr genau danach aussuchen, ob sie mich als gleichwertige Mitarbeiterin behandeln – und nicht als Mutti, die eh zu nichts zu gebrauchen ist. Und ich rate euch allen, egal ob Frau oder Mann, egal ob Mitte 20 oder Ende 50, es mir gleich zu tun!

Denn die Veränderung wird sicher nicht von oben kommen. Sie kommt erst, wenn immer mehr Menschen sie einfordern. Sie kommt dann, wenn auch Männer halbe oder ganze Jahre in Elternzeit gehen, wenn auch Männer Teilzeitjobs einfordern. Und sogar dann, wenn Kolleginnen und Kollegen ohne Kinder ebenfalls weniger oder flexibler arbeiten wollen – weil es nämlich uns allen gut tut!

Klar kann man viel schaffen, wenn man sich richtig reinhängt. Aber zu welchem Preis? Spätestens wenn man Kinder hat, wird der Preis halt schnell viel zu hoch. Und wenn man dann als Frau erst mal fünf Thomasse wegtackeln muss, bevor überhaupt der Endgegner kommt, hat man eh schon früh keinen Bock mehr. Und das finde ich verdammt gerechtfertigt.

Shut up, 25-jähriges Ich!

Also: Shut up, 25-jähriges Ich! Zum Glück ist aus dir noch eine stramme Feministin geworden. Und wer jetzt denkt, das sei doch nur so ein veraltetes Schimpfwort, das BH-verbrennende Frauen mit Namen Alice beschreibt, dem empfehle ich die Definition, die Margarete Stokowski gerne bemüht: Feminismus bedeutet nämlich nichts anderes, als „dass alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Sexualität und ihrem Körper dieselben Rechte und Freiheiten haben sollen“.* Und das kann nun wirklich nichts schlechtes sein, oder?

*aus „Untentrum frei“, einem Buch, dass ich erst vorgestern unserer 20-jährigen Babysitterin geschenkt habe, weil alle 20-jährigen Frauen das lesen sollten. Und alle Frauen anderen Alters. Und alle Männer.

Auf dem Foto oben bin ich übrigens stattliche 31 Jahre alt. Den Gesichtsausdruck hätte ich mit 25 aber auch schon ganz gut hingekriegt. Irgendwo muss man ja anfangen. 

5 Kommentare zu „Shut up, 25-jähriges Ich! Wie ich zur Feministin wurde

  1. Sophie

    Hallo Sophie,

    vielen Dank für das Teilen deiner Gedanken.
    Die geänderte Sichtweise auf die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten innerhalb der „Arbeitswelt“ – ich kenne das leider auch nur zu gut.
    Mit dem Frust, der sich entwickelt, wenn man ganz selbstverständlich nicht mehr in die Projekte eingebunden wird, die einen tatsächlich interessieren… Dafür aber immer mit Rat und Tat der neuen Kollegin (ja, mein Chef war so mutig, wieder eine Frau einzustellen) im Rahmen der Teilzeit zur Seite zu stehen und dann dem Zeitplan für die eigenen Aufgaben doch wieder hinterhinken.
    Dabei immer im Kopf, dass man eigentlich gerade zu Hause auch genauso gut 1000 andere Sachen machen müsste, weil sonst alles wieder in den Abend verschoben wird, denn dem besten Papa der Tochter fehlt leider trotz all seiner Bemühungen das Auge für die „jetzt notwendigen“ Zusatzaufgaben – das geht nur nach Aufgabenliste.

    Naja, es lässt sich nicht ändern.
    Ich bin gespannt, wie ich es dann beim zweiten Kind handhaben werde. Dann gibt es für das große Kind vielleicht endlich den verlässlichen Kitaplatz, aber ob das dann der Weisheit letzter Schluss ist? Wir werden sehen.

    Wohltuend zu lesen, dass es anderen – an dieser Stelle dir – mit der Veränderung der Sichtweise auf unsere „Karriereaussichten“ (leider) ähnlich geht.
    Das nimmt mit tatsächlich einen Teil der Selbstzweifel, nicht aber den Willen etwas zu ändern.

    Danke dir!
    Sophie

  2. Furiosa

    Guten Abend Sophie,

    bin ich sonst nur eine stille Mitleserin Ihres Blogs, habe ich nun das Bedürfnis mich zu diesem Artikel zu äußern. Das liegt daran, dass ich zwar viele Argumente richtig und wichtig finde, ich einiges aber durchaus anders sehe.

    1. Aussagen zum Schämen

    Über Ihre „Aussagen zum Schämen“ wundere ich mich tatsächlich. Natürlich kann man mit 25 Jahren noch nicht wissen wie der Arbeitsmarkt tatsächlich aussieht, wenn man in den Endzügen seines Studiums ist. Aber von einer Frau, die sich selbst als klug bezeichnet kann man doch erwarten, dass diese durch regelmäßige Zeitungslektüre bemerkt, dass es eventuell Schwierigkeiten für berufstätige Mütter geben kann. Auch vom schlecht ausgebauten Betreuungsnetz insbesondere in Westdeutschland wurde doch schon vor zehn Jahren ausführlich berichtet. Ihre zwei ehemaligen Freundinnen kann ich deshalb ein wenig verstehen.

    2. Es geht ums Geld

    Diesen Abschnitt kann ich tatsächlich schwer nachvollziehen. Dass Ihr Mann älter ist als Sie und sich schon im Beruf etabliert hat, ist doch ein Vorteil. Das bedeutet, dass er nach einigen Jahren Berufserfahrung aussteigen kann und im Rahmen der Elternzeit in Ruhe zu Hause bleiben kann, da er anschließend einen Anspruch hat auf seine alte Arbeitsstelle zurückzukehren.

    Auch die Berechnung hinsichtlich des Elterngeldes halte ich für nicht stichhaltig. In den meisten akademischen Berufen ist die Berechnung des Elterngeldes vollkommen unerheblich, da die Obergrenze sowieso bei 1800,- € liegt. Selbst die von dir genannte schlecht verdienende (verbeamtete) Grundschullehrerin kommt auf die Obergrenze. Aus diesem Grund halte ich es auch für unerheblich wer dann zu Hause bleibt und wer arbeiten geht. Insbesondere wenn man nicht die teure Eigentumswohnung in der Münchener Innenstadt abbezahlen muss, sondern in einer kleinen Mietwohnung in Essen wohnt.

    3. Schlecht bezahlte „Frauenberufe“

    Grundsätzlich sehe ich das so wie du und auch der Zeit Artikel dazu war mir bereits bekannt. Allerdings verstehe ich unter den typischen sozialen Berufen nicht die Apothekerin (die neuerdings am Hungertuch nagt !?), sondern insbesondere den Beruf der Erzieherin und der Altenpflegerin. Hintergrund ist, dass diese Berufe früher eben keine Berufe waren, sondern selbstverständlich von den Hausfrauen übernommen wurden. Dies ist nicht mehr der Fall. Trotzdem scheinen Frauen, die in diesen Berufen arbeiten leider immer noch nicht genug dafür zu kämpfen, dass ihre Arbeit endlich angemessen bezahlt wird. Wahrscheinlich leider auch eine Sozialisationsfrage.

    Ergänzen möchte ich aber, dass ich gerade Ihre Tätigkeit (Literaturstudium?) nicht zu den sozialen Berufen zähle und deshalb auch die o. g. Argumentation obsolet ist. Deshalb stellt sich durchaus die Frage, weshalb Sie als Abiturientin nicht über das Studium und die beruflichen Aussichten nachgedacht hat. Andere Frauen (z. B. ich) haben dies durchaus getan. Ein Studium der Literaturwissenschaften und/oder Geschichte hätten mich im Übrigen durchaus gereizt. Ich bin diesbezüglich der Überzeugung, dass auch ein Literaturwissenschaftler schwerere Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt hat als ein Ingenieur oder sogar eine Ingenieurin.

    4. Abschließend

    Ich bin radikale Feministin. Schon als ich Abitur gemacht habe war ich das (ich bin Jahrgang ’85). Aus diesem Grund habe ich mir gleich mit meiner Studienwahl überlegt einen Beruf zu ergreifen mit dem ich ein lohnenswertes Einkommen habe (sehr langweilig ich weiß und 100 % Sicherheit gibt es sowieso nicht). Später war mir klar, dass ich nur dann mit einem Mann Kinder haben möchte, wenn dieser bereit ist paritätisch geteilt in Elternzeit zu gehen und anschließend Teilzeit zu arbeiten (so wie ich). Hätte mein Partner diesen Wunsch abgelehnt, hätte ich auf ein Kind verzichtet. Meines Erachtens gehört das auch für einige Frauen zur bitteren Wahrheit. Wenn der Partner nicht mitziehen möchte, dann sollte man auf Kinder verzichten oder zumindest einen guten Ehevertrag ausarbeiten lassen.

    Ihre Ansätze auch in Ihren anderen Artikeln finde ich durchaus spannend und vieles auch richtig. Trotzdem war es mir hier wichtig nochmal Stellung zu beziehen.

    Ich hoffe noch weitere Artikel zu diesem Thema von Ihnen zu lesen.

    Gruß

    Furiosa

    • Liebe Furiosa,

      ich bleibe mal beim „Du“, weil das hier in meinem Blog so üblich ist. Ich hoffe, das ist OK für dich. Danke für deinen Kommentar, der mir deine Sichtweise gut näher bringt. Ich finde es super, dass du dich schon so früh im Leben ohne eigene Betroffenheit mit feministischen Themen auseinandergesetzt hast. Mein Text zeigt, dass es mir und vielen, vielen anderen Frauen leider nicht so ging. Das Credo, mit dem wir aufgewachsen sind, war quasi einfach Leistung: Wenn du dich anstrengst, kannst du alles schaffen. Die spezifisch weiblichen Hindernisse wurden uns nie näher gebracht. Und ich finde auch nicht, dass man das vom Zeitungslesen lernt.

      Das wäre also Punkt 1 gewesen. 😉 Kommen wir zu
      2. Da freue ich mich für dich, dass dein Einstiegsgehalt offenbar so hoch war, dass du leichthin die 1.800 € Elterngeld bekommen hättest. Für mich und viele andere bedeutet der Berufseinstieg aber oft Volontariat oder ähnlich schlecht bezahlte Einstiegsjobs. Ich selbst war beim ersten Kind übrigens noch Studentin, das gab 300€ Elterngeld. Wenn es darum geht, dass tatsächlich beide so gut verdienen, dass sie beide 1.800 bekommen würde, kenne ich aus meinem Umfeld das Problem, dass das Leben eben wirklich so teuer ist, dass das größere Gehalt nicht lange ausfallen darf. Klar sind das Lebensentscheidungen (z.B. Hauskauf oder Leben in der Großstadt) und ich ermutige meine Freundinnen immer, sich für Zeit statt Geld zu entscheiden. Aber es bleiben halt persönliche Entscheidungen.

      Zu 3 muss ich erst mal klarstellen, dass ich da nicht von mir spreche. Ich habe übrigens auch nicht Literatur studiert. 😉 Und ich stimme dir völlig zu, dass man sich schon vor und während des Studiums beruflich orientieren sollte. Ich habe das ganz gut geschafft, was aber nichts daran änderte, dass der Berufseinstieg mit Kind nicht leicht und vor allem schlecht bezahlt war.
      Den Vorwurf, Frauen in „Frauenberufen“ würden nicht genug kämpfen, kann ich nicht nachvollziehen. Verfolgst du die Proteste in der Pflege oder auch von Hebammen? Die Politik ist einfach verdammt gut im Ignorieren – aber wer kann es den überwiegend männlichen Politikern verübeln? So sind sie halt aufgewachsen.

      Womit wir bei Punkt 4 wären: Respekt für so viel Weitsicht und frühe Einsicht! Ich habe leider den Eindruck, dass die wenigsten Frauen in Kindheit und Jugend gelernt haben, ihre eigenen Ziele und Ideale durchzusetzen. Bleibt für mich also das Fazit: Als neue Vorbilder und Erziehende können wir für unsere Kinder ganz viel bewirken! Es wäre also super, wenn du in Zukunft noch jede Menge Kinder bekommen würdest. 😉 Mich würde dann auch sehr interessieren, ob du dann doch noch einige Punkte in meinem Text nachvollziehen kannst, z.B. die Diskriminierung von Schwangeren und Müttern in vielen Unternehmen.

      Danke für den Austausch! Viele liebe Grüße!

      • Nicole

        …und noch eine Anmerkung zu 3. : als „Betroffene“ in eben solchem Frauenberuf (Pflege) musste ich bereits mehrfach beim Thema *mehr Geld* mir anhören: „aber Sie machen es doch wohl nicht nur des Geldes wegen!?!“… als wäre es verwerflich, dafür auch noch (angemessen) Geld zu verlangen….der Punkt ist,dass es Menschen in sozialen Berufen teils wirklich schwer fällt für die eigenen Rechte einzustehen, weil zwar die Öffentlichkeit oberflächlich sagt: ja,die sollten mehr Lohn bekommen… in der Realität soll aber Pflege niemanden etwas kosten… und jeglicher Versuch daran was zu ändern wird gerne mit der umgekehrten Moralkeule im Ansatz erschlagen…aber in einer Zeit,in der Krankenkassen nur Pauschalpreise für Erkrankungen zahlen,sparen die Krankenhäuser eben dort,wo es am besten geht – Personal… teils offen in niedrigen Löhnen,teils verdeckt mit nicht mehr nachbesetzten Stellen… und vielleicht macht uns das ja „zu träge“ dazu genügend für unsere Rechte zu kämpfen!?Weil man am nach dem 5. Tag in Wechselschicht und unterbesetzt einfach keine Kraft mehr hat, an seinem einzigen freien Tag zu kämpfen…!?!

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