Schall, Schall, Ultraschall (SSW 12)

Andere Frauen gönnen sich teure Ultraschall-Flatrates. Ich gönne mir einfach ein paar Komplikationen. Obwohl ich das eigentlich vermeiden wollte, werde ich wohl auch in dieser Schwangerschaft engmaschig von meiner Ärztin betreut werden – die zum Glück sehr nett und kompetent ist. Trotzdem bleibt ein bisschen Wehmut.

Aus meinen letzten zwei Texten wisst ihr es ja: Ein Hämatom in der Gebärmutter bescherte mir letzte Woche Blutungen und macht meine zweite Schwangerschaft schon so früh zu einer Problem-Schwangerschaft. Es ist zum Glück nicht super dramatisch und mit großer Wahrscheinlichkeit geht alles gut. Trotzdem raten mir sowohl Ärztin als auch Hebamme, das Hämatom nun häufiger kontrollieren zu lassen. Und weil ich selbst ja auch nicht im Unwissen bleiben will, werde ich die zusätzlichen Untersuchungen natürlich machen. Morgen steht schon mein nächster Arztbesuch an.

Eigentlich bin ich ja gar kein Fan von häufigen Untersuchungen und erst recht nicht von häufigem Ultraschall. Warum Frauen extra Geld für Ultraschall-Flatrates zahlen, ist mir persönlich ein Rätsel. In der Frühschwangerschaft, wenn man sein Baby noch nicht spürt, kann ich das ja noch ein bisschen verstehen. Insgesamt würde ich jedoch immer Nutzen und Risiko abwägen – und nach wie vor sind Wissenschaftler sich ja nicht so ganz einig, ob Ultraschallwellen nicht doch auch Schaden anrichten können. Wenn es nicht unbedingt sein muss, ist weniger darum mehr, denke ich mir.

Ganz zu schweigen von den vielen falsch-positiven Befunde, die bei häufigen Untersuchungen auftreten können. In Hübchens Schwangerschaft haben Ärzte mich halb verrückt gemacht, weil mein Gebärmutterhals sich ab der 28. Woche enorm verkürzte. In der Klinik wurde jeden Tag geschallt und jeder Millimeter weniger wurde mit sorgenvollem Gesicht kommentiert. Mir selbst haben diese Untersuchungen nicht geholfen – nur meine Ängste vergrößert.

Welche Untersuchungen halte ich für nötig?

Deswegen stand diesmal für mich fest: Ich lasse nur die Untersuchungen machen, die für mein Verständnis auch Sinn ergeben. Und dazu gehören im Grunde nur vier, höchstens fünf Arzttermine:

6./7. Schwangerschaftswoche: Ein erster Arzttermin ist mir wichtig, um zu schauen, ob der Embryo an der richtigen Stelle sitzt und ob er einen Herzschlag hat. So können eine Eileiterschwangerschaft oder eine Missed Abortion ausgeschlossen werden, die sonst zu größeren Komplikationen führen können. Vor dieser Absicherung kann ich mich nur schlecht über meine Schwangerschaft freuen. Ich muss erst wissen, dass wirklich alles in Ordnung ist und bin wirklich dankbar für die technischen Möglichkeiten!

12. Schwangerschaftswoche: Im ersten Trimester der Schwangerschaft spürt man das Baby noch nicht und die ersten 3 Monate sind ja auch die risikoreichsten. Wenn ein Baby im Mutterleib stirbt oder sich der Fötus oder die Plazenta nicht richtig entwickeln, kriegt man das nicht unbedingt mit. Deswegen habe ich den Vorschlag meiner Ärztin gerne angenommen, in der 12. Woche noch mal nachzuschauen. Der Termin wäre eigentlich erst diese Woche gewesen und damit hätte ich kurz vor Weihnachten noch mal mein gesundes Baby betrachten können und mich noch mal über die intakte Schwangerschaft freuen können. Wegen des Hämatoms war ich jetzt natürlich schon früher wieder in der Praxis und so habe ich das Zappelbaby schon etwas früher bewundern dürfen. 🙂

Um die 20. Schwangerschaftswoche: Hier wird der große Ultraschall gemacht, bei dem die Ärztin die Organe des Babys anschaut. Gibt es Hinweise auf einen Herzfehler oder sonstige Dysfunktionen? Wird das Baby gut über die Placenta versorgt? Sieht insgesamt alles nach einem gesunden Kind aus? Diese Untersuchung ist mir besonders wichtig, weil ich eine Hausgeburt plane. Sollte das Baby nicht ganz gesund sein, müsste ich zur Geburt natürlich in eine (Spezial-) Klinik gehen, damit das Kind sofort medizinisch versorgt werden kann.

Nach der 36. Schwangerschaftswoche: Am Ende der Schwangerschaft lasse ich gerne noch mal nachschauen ob das Baby nach wie vor gut versorgt ist, wie die Placenta liegt und ob das Baby schon in Startstellung ist (das kann natürlich auch die Hebamme tasten).

3 Tage nach errechnetem (erratenem) Termin: Diese Untersuchung wird seit einem Jahr vom Krankenkassenverband vorgeschrieben, wenn man eine Hausgeburt anstrebt. Beim Hübchen damals gab es diese Pflicht noch nicht, ich war jedoch freiwillig vier Tage nach ET bei meinem damaligen Arzt, weil ich wissen wollte, ob die Placenta noch gut arbeitet. Tat sie, ich durfte wieder nach Hause und das Hübchen wurde in der darauffolgenden Nacht geboren. Ich finde es nicht gut, Frauen die ET+3-Untersuchung vorzuschreiben, bin jedoch guter Dinge, dass mir auch nach ET eine Hausgeburt möglich sein wird. Meine Ärztin respektiert ihrer Aussage nach die Wünsche ihrer Patientinnen und würde keine Risiken erfinden, nur um mir meine Hausgeburt auszureden.

Immer diese blöden Komplikationen

Diese vier bzw. fünf Untersuchungen bei meiner Ärztin hätten mir eigentlich vollkommen ausgereicht. Damit hätte ich für mich die größten Risiken ausgeschlossen und alles gewusst, was ich wissen will. Aber schon wieder kommen mir Komplikationen dazwischen! Mich nervt das natürlich kolossal und ehrlich gesagt kann ich manchmal den Neid auf andere Schwangere nicht unterdrücken, die ohne jegliche Probleme und Beschwerden volle 9 Monate Glückseligkeit erleben. Ich möchte auch so gerne Yoga machen und schwimmen gehen, mich normal bewegen und mich nicht dauernd schonen müssen! Und ich habe auch keine Lust auf die ständigen Arzttermine.

Andererseits bin ich aber natürlich froh um die medizinischen Möglichkeiten. Meine Ärztin will nun engmaschig per Ultraschall das Hämatom in meiner Gebärmutter kontrollieren. So weiß ich immer, was los ist. Muss ich mich weiter schonen? Oder darf ich wieder etwas aktiver sein, weil die Blutansammlung stetig kleiner wird? Die Kontrolle ist mir deutlich lieber als die Unwissenheit. Meine Ärztin schallt auch sicher nicht länger als nötig und gehört auch nicht zu der angstverbreitenden Sorte, die unter Medizinern ja leider weit verbreitet ist. Genau wie ich geht sie optimistisch an die ganze Sache heran und hofft mit mir, dass ich bald doch noch eine ganz normale Schwangerschaft erleben kann.

Ich habe mich trotzdem mittlerweile ein bisschen von dem Gedanken an eine problemlose Schwangerschaft verabschiedet und freunde mich mit den häufigeren Arztbesuchen an. Meine Hausgeburtshebammen werde ich trotzdem regelmäßig sehen und damit auch einen Ausgleich zu den medizinisch-technischen Kontrollterminen schaffen.

Letztlich bin ich nach dem großen Schock auch einfach froh, dass das kleine Baby in mir zappelt und sich offenbar ordentlich fest gebissen hat. Und in jeder schwangeren Frau steckt ja eine kleine Märtyrerin. Was tut man nicht alles für die Brut. Und das nächste Kind muss dann der Mann austragen. Ich versuche schon mal, Arnold Schwarzenegger zu erreichen, der hat da bestimmt ein paar Ratschläge.

Hier geht es zur 13. Schwangerschaftswoche.

Und hier geht es zur Übersicht über alle veröffentlichten Schwangerschafts-Wochenberichte: Klick.

Ein Kommentar zu „Schall, Schall, Ultraschall (SSW 12)

  1. Katinka aus LE

    Ich hatte bei meinen beiden Schwangerschaften jeweils 3 x Ultraschall und das war völlig ausreichend!

Schreibe einen Kommentar

Datenschutzhinweise: Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht und du kannst Pseudonyme oder anonyme Angaben nutzen. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Deine Kommentarangaben werden zur Spamprüfung an die Wordpress-Entwickler Auttomatic, USA und deine E-Mail-Adresse an den Auttomatic-Dienst Gravatar übermittelt, um das ggf. von dir dort gespeicherte Profilbild zu verwenden. Mehr Details zur Verarbeitung deiner Daten und den Widerrufsmöglichkeiten liest du in meiner Datenschutzerklärung.