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Räupchen-Kita: Schon wieder gekündigt

„Kommt doch am Mittwoch einfach vorbei!“, sagt sie. „Wir kriegen das schon hin.“ Und ich lege den Telefonhörer auf und fange hemmungslos an zu heulen. Fünf Minuten schluchze ich in meine Hände, dann denke ich, mich gefangen zu haben. Ich koche Tee und rufe den Liebsten an. Aber kaum dass er dran geht, fange ich wieder an zu weinen. „Sie arbeitet noch!“, rufe ich zwischen den Tränen, „Und sie will das Räupchen nehmen!“. Vier Wochen erfolglose Kita-Eingewöhnung liegen hinter uns – und ein Neuanfang liegt vor uns. Mit einer Tagesmutter, der wir absolut vertrauen.

Der Anruf bei unserer alten, unserer allerersten Tagesmutter war so etwas wie eine Verzweiflungstat. Eigentlich hatte sie mir vor zwei Jahren, als das Räupchen gerade geboren war, mitgeteilt, dass sie in Rente geht, dass sie ein für allemal aufhört. Deswegen hatten wir uns überhaupt nach etwas anderem umgesehen, einen Krippenplatz angenommen und kurz darauf wieder gekündigt.

Jetzt mit zwei Jahren wollten wir es mit einer Kita versuchen. Scheinbar alles sprach für diese Kita: Nur einen Steinwurf von unserem Zuhause entfernt, gute Erfahrungen von Freunden und Bekannten und vor allem: Unser Wunsch, es beim zweiten Kind besser zu machen und ihm viele Betreuungswechsel zu ersparen. Das Hübchen, unser Erstgeborener, kommt nämlich insgesamt auf drei Tagesmütter und eine Kita. Die Gründe für die Wechsel hätten wir selbst gerne geändert, aber damals ging es nicht anders. Fürs Räupchen wollten wir das jedoch anders haben. Am liebsten ein und dieselbe Kita, von zwei Jahren bis zur Einschulung – das war dieses Mal unser Ideal. Nur hatten wir da die Rechnung ohne unser Räupchen gemacht.

Helikoptermutter? Den Schuh ziehe ich mir nicht an

Nach dieser zweiten abgebrochenen Eingewöhnung und vielen Vormittagen, an denen das Räupchen wie Kaugummi an mir klebte, kann ich mir gut vorstellen, was die Kita über uns denkt: Helikoptereltern, die ihre Tochter nicht los lassen können. Überanspruchsvoll, anstrengend und irgendwie ein bisschen gaga. Aber den Schuh ziehe ich mir nicht an. Weil ich ja weiß, wie es beim Hübchen war. Weil ich bereits ein Kind habe, dass selbstbewusst in die verschiedensten Betreuungssettings spaziert ist und sich innerhalb von fünf Minuten das passende Spielzeug und die passenden Spielkameraden zu suchen wusste.

Meine Kleine ist anders. Andere Kinder interessieren sie auch mit zwei Jahren noch nicht groß. Was sie sucht, ist Schutz, Rückhalt bei einer erwachsenen Vertrauensperson. Und das Vertrauen muss sich diese Person erst mal erarbeiten! Es hat fast ein Jahr gedauert, bis das Hübchen schwesterliche Gesellschaft beim allwöchentlichen Großelternfreitag bekam. Meine Mama, was Räupchens Oma ist, war schon drauf und dran traurig zu werden, weil ihre süße Enkeltochter so gar keine Anstalten machte, die Oma auch mal Mama oder Papa vorzuziehen.

Zu wenig Bindungsangebot in der Kita

Aber der Tag kam. Genauso wie der Tag, da sie sich schon am Vorabend auf ihre Babysitterin freut, die uns seit einem Jahr einmal die Woche unterstützt. Dieses, mein zweites Kind braucht Halt und feste Bezugspersonen. Und das konnte ihr die Kita einfach nicht bieten. Überhaupt verliere ich gerade mehr und mehr den Glauben an institutionelle Kinderbetreuung. In Hübchens Kita hatten wir die letzten Jahre leider auch viel Stress (zum Glück nicht in Hübchens Gruppe) – da hat der Elternbeirat (in dem wir uns engagiert haben) nun zum Glück eine neue Leitung erzwungen und seitdem sieht es viel besser aus.

Aber irgendwie bekomme ich das Gefühl, dass es in den wenigsten Kitas so richtig kinderfreundlich zugeht. Bindungs- und bedürfnisorientiert schon gar nicht. Ist ja auch klar: Wie sollen zwei bis drei Erwachsene die Bedürfnisse von bis zu 25 Kindern gleichzeitig erfüllen? Ich habe in den letzten Wochen mal wieder Situationen beobachten dürfen können müssen, die ich gar nicht so klasse fand. Von akuter Kindeswohlgefährdung war das alles noch weit entfernt. Viel eher gehörten diese Situationen wohl in die Kategorie „total normal in einer durchschnittlichen Kita“. Aber liebevoll, zugewandt und respektvoll war das eben nicht. Und das macht mich nachträglich ganz schön traurig.

Das Vertrauen in die Kita fehlte völlig

Mir ist klar, dass eine Kita nicht genau das leisten kann, was ich in 1:1-Betreuung Zuhause bereit bin, für mein Kind zu tun. Aber das, was ich zuletzt gesehen habe, ist mir dann eben doch eindeutig zu wenig. Und dann macht es mich traurig, dass es solche optimalen Plan-B-Lösungen wie unsere Tagesmutter, die zum Glück doch noch nicht in Rente gegangen ist, leider nicht wie Sand am Meer gibt. Wenn ich das Räupchen ab November zur Tagesmutter und ihrem Mann gebe, tue ich das mit vollem Vertrauen. Das Vertrauen hat mir in der Kita völlig gefehlt – und das nicht ohne Grund.

In dieser Woche sind mir also tausend Tonnen Steine vom Herzen gekullert. Mir ist klar geworden, dass ich insbesondere mein zweites, anhängliches, sehr auf Einzelpersonen fixierte Kind noch nicht mal für wenige Stunden an einem Ort abgeben kann, an dem ich es nicht gut aufgehoben fühle. Der Gedanke an die familiäre, warmherzige Tagesmutterbetreuung erfüllt mich dagegen mit Wärme und Hoffnung, auch wenn sich das kitschig anhört. Jetzt stimmt das Gefühl einfach wieder, das in vier Wochen Kita immer wieder gesagt hat: Nein. Nein. Nein.

Der einzige Haken: Die Kündigungsfrist

Es könnte also alles super sein, wenn da nicht doch mal wieder ein Haken wäre – und das ist die Kündigungsfrist. Denn solange wir aus dem einen Vertrag nicht raus sind, können wir über die Stadt keinen neuen schließen – und müssten die Tagesmutter im Notfall privat bezahlen. Der Betreuungsvertrag der Kita schreibt drei Monate vor, das wären dann knapp 3.000 €, die wir selbst berappen müssten, wenn das Räupchen ab November zur Tagesmutter wechseln soll (was sie unbedingt soll). Die Stadt zahlt halt immer nur einen Platz pro Kind und Räupchens Kitaplatz müsste schnell nachbesetzt werden, damit uns die Tagesmutter subventioniert werden kann.

Aber während in ganz Essen 2.600 unversorgte Kinder auf einen Betreuungsplatz warten, erzählt mir die Kitaleiterin eiskalt, dass sie nun wirklich nicht versprechen könne, dass sie den Platz schnell nachbesetzen wird. Retourkutsche? Geschenkt. Was mich aber wirklich wütend macht: Auch beim Familienpunkt der Stadt Essen erklärt mir eine Mitarbeiterin nüchtern, wir hätten den Vertrag nun mal mit der Kita geschlossen, da habe die Stadt keinen Einfluss. Im krassesten Fall subventioniert die Stadt nun also die nächsten drei Monate einen nicht genutzten Kitaplatz, während wir aus eigener Tasche einen anderen Betreuungsplatz zahlen. Völlig sinnlos? Ja, das finde ich auch.

In Zeiten des andauernden Kitaplatzmangels sollte es m.M.n. im Falle eines Wechsels überhaupt gar keine Kündigungsfrist geben – oder höchstens eine besonders kurze von zwei Wochen oder so. Einen Betreuungswechsel unternimmt man ja nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil in der Betreuung erstens etwas nicht stimmt und weil man zweitens ganz ohne Betreuung aufgeschmissen wäre. Klar könnte auch ich mein Kind jetzt einfach bis Ende Januar Zuhause betreuen – so lange eben, bis die Kita mich aus dem Vertrag entlässt. In dieser Zeit würde mein zukünftiger Arbeitgeber bloß leider meinen Arbeitsvertrag durchreißen und sich jemand anderen suchen. Wäre für mich jetzt auch nicht die optimale Lösung…

Aber gut, jetzt hoffe ich erst mal, dass die Kita den Platz zeitnah nachbesetzt und wir vielleicht doch schon zu November alles in geregelte Bahnen kriegen. Und wenn nicht, hätte ich da vielleicht noch ein paar Ideen, wie ich der Kitaleitung ein kleines bisschen Feuer unterm Hintern machen kann…

Platz für eure Erfahrungen!

Und jetzt ihr: Welche Erfahrungen habt ihr mit Kita- oder Tagesmutterbetreuung gemacht? Habt ihr auch schon Wechsel oder Kündigungen hinter euch, weil ihr nicht zufrieden wart? Wie sieht die ideale Kinderbetreuung für euch aus und was kann man von Erzieherinnen und Tagesmüttern verlangen – was aber vielleicht auch nicht? Ich freue mich auf eure Kommentare!

9 Kommentare zu „Räupchen-Kita: Schon wieder gekündigt

  1. Dass man nicht mal eine Probezeit bekommt, ist schon ziemlich hart… Ich wünsche euch alles Gute mit der vertrauten Tagesmutter.

    • Probezeit ist überhaupt DIE Idee! Die Dame vom Träger meinte, dass eine Probezeit in Tagesmutter-Verträgen durchaus üblich ist – aber eher auf Initiative der Tagesmütter, da die gerne selbst entscheiden, welche Kinder sie sich aufbürden. 😉 Aber auch aus Elternsicht finde ich das gar nicht verkehrt.

  2. mimi

    Das ist furchtbar, wenn man sein Kind in einer Einrichtung lassen muss, der man nicht vertraut. bei unserem ersten Kind habe ich das ganz schweren herzens noch gemacht, es tut mir bis heute furchtbar leid und ich frage mich immernoch, ob das Kind langfristig Schaden davongetragen hat (typ Räupchen von der Bindungsorientierung her…). bei kind 2 und kind 3 ebenfalls diese bindungsform (klar liegt eh an mir als Mutter…), aber eine Einrichtung, der ich total vertraue, mit ganz tollen Erzieherinnen und Erziehern, die schon die ganz kleinen voll respektieren (es wird zB nicht gewickelt wenn das kind nicht will, und wenn es nicht anders geht, wird gsprochen und sanft gewickelt, und noch ein paar tolle Punkte mehr). Da kann man auch bei einer nicht einfach verlaufenden eingewöhnung sagen ok, wir machen das miteinander, wir geben dem Kind die Zeit, die es braucht. Von einer Freundin habe ich gehört, dass ihre kita nach der iengewöhnung gesagt hat wir können das kind so nicht behalten, sie fühlt sich hier nicht wohl, kommt in zwei monaten nochmal. das fand ich mega, und beim zweiten mal war es kein problem mehr. es gibt also auch wirklich gute betreuung, allerdings steht und fällt das mit den leuten selbst und auch mit der situation, in der erzieherInnen arbeiten (müssen). Es ist so schade, dass oft keine Zeit für respektvolle kommunikation und das wahrnehmen der kinder ist. und damit meine ich nicht, dass man es wie zu hause bei mama haben sollte, gar nicht. aber ich kenne auch keine erzieherInnen, die nicht darunter leiden, aufgrund der äußeren Umstände den Kindern nicht gerecht werden zu können. Wir brauchen einfach mehr qualifiziertes Personal, das gut ausgebildet und angemessen entlohnt wird, in Gruppengrößen, die angemessen sind. unser jüngstes kind wird in einer Gruppe von 9 kindern betreut mit 3 erzieherInnen und 1-2 Praktikantinnen (die ein Jahr bleiben), das finde ich schon sehr gut. ach, ein so schwieriges wie emotionales Thema, das auch oft nur die Eltern verstehen, die ein Kind haben, das sich eben nicht so einfach eingewöhnen lässt bzw. sich schwer tut damit…ich drücke euch von herzen die Daumen, das mit der Tagesmutter hört sich gut an!

    • Ich stimme allem zu, was du schreibst! Ich glaube, einerseits haben wir Pech mit der Gruppe gehabt – die Erzieherinnen waren weder mein, noch Räupchens Fall. Gleichzeitig kann ich den Erzieherinnen auch keine riesigen Vorwürfe machen, weil sie eben verdammt noch mal zu zweit (teils zu dritt) mit 22 Kindern sind! Dieser Schlüssel ist einfach unterirdisch. Im Rückblick hätte mir vielleicht klar sein können, dass das für eine Zweijährige nicht funktioniert. Aber ich war auch geprägt durch die Zeit mit dem Hübchen und wollte viele Wechsel einfach vermeiden. Jetzt freuen wir uns auf den Schutzraum bei der Tagesmutter und machen nächstes Jahr einen neuen Versuch in Hübchens Kita.

  3. „Aber während in ganz Essen 2.600 unversorgte Kinder auf einen Betreuungsplatz warten, erzählt mir die Kitaleiterin eiskalt, dass sie nun wirklich nicht versprechen könne, dass sie den Platz schnell nachbesetzen wird. Retourkutsche? Geschenkt. Was mich aber wirklich wütend macht: Auch beim Familienpunkt der Stadt Essen erklärt mir eine Mitarbeiterin nüchtern, wir hätten den Vertrag nun mal mit der Kita geschlossen, da habe die Stadt keinen Einfluss…“ Same here, beim Kitawechsel von Köln in die Vorstadt. As if!!!! Aber die Erzieherinnen fluktuieren, was das Zeug hält, aber als Kind/Eltern muss man ausharren, weil man ja eh nicht genug Probleme hat. Ich drück euch die Daumen, das jetzt alles besser wird!

    • Habt ihr kein Sonderkündigungsrecht wegen Umzugs gekriegt?! Ich glaube, das gibt es hier immerhin. Danke fürs Daumendrücken, mein Gefühl ist sehr gut. Ums Geld ist es am Ende bisschen schade, ist echt so sinnlos, dass da jetzt ein Kitaplatz subventioniert wird, den kein Kind nutzt. Aber Hauptsache, es kehrt jetzt erst mal Ruhe ein.

  4. Lisa

    Ich bin auch großer Fan von Tageseltern für so kleine Kinder. Und das obwohl unsere uns den letzten Nerv gekostet hat, weil sie oft ausgefallen ist. Aber für unser Kind war es toll dort.
    Inzwischen ist er in einen wunderbaren (Wald) Kindergarten gewechselt. Die Eingewöhnung war absolut unproblematisch und das ganze Team ist einfach super, warmherzig und an den Kindern orientiert. Über die Betreuungszeiten lege ich im konservativen Süddeutschland lieber den Mantel des Schweigens…

    Die Aussaugen von Kita und Stadt bei euch sind ja schon fast zynisch, wenn man den Mangel an Kita-Plätzen bedenkt. Mich wundert allerdings, dass es keine Probezeit im Vertrag gibt. Das ist hier üblich und in der Zeit kann man dann innerhalb von ein paar Wochen kündigen. Eben auch für solche nicht funktionierenden Eingewöhnungen.

    • Probezeit fände ich super. Ich spiele die Idee mal an den Jugendamtselternbeirat. In Tagesmutter-Verträgen scheint das recht üblich zu sein, aber da eher, weil die Tagesmütter sich absichern wollen. Für Kitas sollte es das auch geben!

  5. sehr guter Artikel! Du hast immer eine einzigartige Perspektive. Danke dass du es geteilt hast!

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