Kann man wirklich alles haben?

Die ewige Frage, die mich umtreibt, seit ich Kinder habe, ist die Frage nach der Vereinbarkeit. Nicht nur der Vereinbarkeit von Kindern und Beruf, sondern auch jener von Kindern und persönlicher Weiterentwicklung, eigenen Interessen, Fortbildung, sozialen Kontakten, die nicht mit meinen Kindern zusammenhängen usw. Unterfragen sind dann: Wie viel bin ich bereit aufzugeben? Aufzuopfern? Aufzuschieben? Und wenn ja wie lange?

Ich habe immer noch keine Antworten auf diese Fragen gefunden. Was ich aber nach neun Jahren Mutterschaft und allerspätestens seit dem dritten Kind weiß, ist: Vereinbarkeit an sich ist eine Lüge. Es geht nämlich leider nicht ohne Aufgeben, Aufopfern und Aufschieben von Dingen, die ich ohne Kinder ganz sicher tun – oder liebend gern zumindest ausprobieren würde.

Das zu akzeptieren ist nicht leicht. Das überhaupt zu sehen und anzunehmen ist ja schon die erste Hürde. Und mit Blick auf andere Eltern sehe ich, dass ich damit nicht alleine bin. Ich wage mich in diesem Text daher mal an etwas besonderes, vielleicht sogar ein bisschen gefährliches heran: ich schaue mir an, wie Influencerinnen über ihre Konflikte mit der Vereinbarkeit schreiben und berichten.

Influencerinnen im Vergleich

Mein erstes Beispiel soll eine ziemlich bekannte Influencerin sein: Marie Nasemann, Model und Fair-Fashion-Influencerin, die schon so ein bisschen den kapitalistischen Traum lebt, und sich dafür gleichzeitig immer ein bisschen zu schämen scheint. Als Kontrast schaue ich mir eine weit weniger bekannte Influencerin an: die Drahtseiltänzerin, die aus einer sehr anderen Perspektive auf die Dinge schaut und den Kapitalismus am liebsten komplett ablehnen würde.

Wichtig zum Verständnis ist mir: Es geht mir nicht darum, die beiden Influencerinnen bloßstellen oder über sie zu urteilen. Ich finde einfach, dass sie so wunderbare Beispiele sind, an denen wir das große Problem um Vereinbarkeit im kapitalistischen System sehr gut nachvollziehen können. Gerade Marie Nasemann und ihr Mann sind für mich so unglaublich plakative Beispiele für ein Problem, das fast alle Eltern kennen: es geht einfach nicht alles gleichzeitig. Egal, wie sehr man es auch will.

Was Marie und ihr Mann ziemlich sehr wollten: zwei Kinder mit nahem Altersabstand. Außerdem ein eigenes Haus in Berlin. Freizeit und schöne Urlaube. Und natürlich zweimal Berufstätigkeit – jetzt nicht mehr nur zur persönlichen Verwirklichung, sondern auch, weil Hauskredit, Theaterbesuche und Urlaube sich ja nicht von Luft und Liebe bezahlen.

Das Problem vom „alles haben wollen“

Marie schreibt sehr offen darüber auf ihrem Instagram Kanal. Ich folge ihr mit einem gewissen Voyeurismus, das muss ich zugeben. Oft nicke ich im Einvernehmen. Ich kenne diesen Zwiespalt aus „meine Arbeit macht mir Spaß und außerdem brauche ich das Geld“ und „ich habe nie genug Zeit dafür, weil ständig die Kinder um mich rum sind“. Ich finde es großartig, dass Marie darüber schreibst und die Zerrissenheit „moderner Eltern“ zu einem ihrer Hauptthemen gemacht hat. Gleichzeitig merke ich, wie unterschiedlich unsere Leben sind.

Marie und ihr Mann können sich Nannys leisten, die sie sogar in den Urlaub begleiten. Sie fliegen mehrmals pro Jahr in andere Länder (an dieser Stelle darf man sich einmal wundern, tritt Marie doch öffentlich als Nachhaltigkeitsexpertin auf), nehmen sich regelmäßige Auszeiten ohne Kinder und kaufen ein mutmaßlich ziemlich teures Haus in einer der mittlerweile teuersten Städte Deutschlands.

Muss das denn alles wirklich sein?

Da kann man sich beim Zuschauen schon mal fragen: muss das denn alles wirklich sein? Die andere Influencerin, der ich ebenfalls gerne folge, die aber sicherlich eine sehr andere Zielgruppe hat als Marie Nasemann, würde hier wohl ganz klar sagen: nein, das muss nicht alles sein. Die Drahtseiltänzerin schreibt auf Instagram u.a. darüber, dass Vereinbarkeit im Grunde eine Lüge ist. Wer alles gleichzeitig will – Kinder, Haus, Vollzeitarbeit, ein Riesengehalt, vielleicht sogar noch Ruhm – kann nur scheitern. Oder völlig ausbrennen. Zumindest solange die Kinder noch klein sind.

Celsy Dehnert, so ihr richtiger Name, spricht dabei auch unbequeme Dinge an. Dass man seinen eigenen Lebensstandard und den Luxus, den man vielleicht bisher gewöhnt war, durchaus hinterfragen darf. Ob Zeit mit den Kindern nicht vielleicht wichtiger ist als Geld. Und dass die Zeitspanne, in der man sich selbst ggf. etwas zurücknimmt, womöglich gar nicht so groß ist und man sich deswegen vielleicht doch überlegen sollte, ob man das Risiko sogar eher eingehen will.

Denn klar, ein Risiko ist es allemal. Und ich möchte hier keinesfalls so tun als würden wir hier etwa über ein gleichberechtigtes Problem sprechen. Denn sind wir mal ehrlich: wenn sich jemand zurücknimmt, Kinder und Familie an erste Stelle stellt, die eigenen Bedürfnisse und den Job nach hinten, dann sind das fast immer Frauen.

Vater und Hausmann? Nein danke.

Wo wir wieder bei Marie Nasemann und ihrem Mann wären, denn die haben es sogar mal andersrum versucht: Sebastian Nasemann hat beim ersten Kind offenbar den Großteil der Elternzeit übernommen. Ich liebe solche männlichen Role Model immer sehr, weil es nach wie vor viel zu wenige davon gibt. Allerdings haben er und Marie dann öffentlich zugegeben, dass dieser Rollentausch ihre Beziehung arg belastet hat. Na sowas. Sebastian war gestresst, überfordert und unzufrieden mit der (teilweise) alleinigen Verantwortung für ein kleines Kind, während seine Frau das Geld verdient hat. Sein Ego hat gelitten.

High Five, Sebastian, wie gut kenne ich dieses Gefühl. Es ist der Grund, warum ich mich seit vielen Jahren zwischen Kinderbetreuung und Selbstständigkeit aufreibe, anstatt einfach zu sagen: scheiß drauf, lass ich halt den Mann das Geld verdienen. Wird finanziell schon passen (würde es bei uns tatsächlich, da keine teuren Kredite o.ä., aber auch wir müssten den Gürtel dann deutlich enger schnallen).

Die Angst, beruflich abgehängt zu werden

Hinzu kommt natürlich die Angst, beruflich abgehängt zu werden. Und die ist ja real! Wäre ich all die Jahre, in denen wir keine oder nur unzureichende Kinderbetreuung hatten, nur Zuhause geblieben – mir würden jetzt rund 5 Jahre Berufserfahrung fehlen. Auch die Drahtseiltänzerin Celsy argumentiert natürlich nicht dafür, dass ein Elternteil den Job für viele Jahre aufgeben soll. Schon gar nicht die Frau. Sie sagt viel mehr: wir müssen Familie und Arbeit neu denken. Weniger kapitalistisch (haha), mehr gemeinschaftlich. Eine Gesellschaft sollte es eigentlich schätzen, wenn beide Elternteile bereit sind, sich um die Familie zu kümmern und in dieser Zeit weniger zu arbeiten.

Leider tut sie das nicht. Nicht mal die Frauen glauben mehr daran, dass dies mal eintreffen wird. Glaubt mir, ich bin in der Facebook Gruppe von Madame Moneypenny. Das Ideal dort heißt ganz klar: Vollzeitarbeit für alle. Egal ob du Mutter bist, egal wie alt deine Kinder sind. Ohne Vollzeitarbeit bist du im Grunde am Arsch, so die allgemeine Meinung.

Uff. Ich setze lieber mal wieder die Celsy Brille auf und frage mich: wozu soll das gut sein? Für einen Urlaub mehr pro Jahr? Für den Kredit eines überteuerten Hauses, dessen Wohnfläche ich in 15 Jahren eh nicht mehr brauche, weil die Kinder dann ausziehen? Für einen Lifestyle, mit dem ich eher anderen etwas beweisen will als mir selbst? Für 200 Euro mehr Rente am Ende meines gestressten Lebens? Und kann ich diese 200 Euro nicht auch später aufholen, wenn die Kinder größer sind und weniger zeitaufwändig für mich?

Schätzchen, du kannst nicht alles haben

Die Einsicht ist total schmerzhaft, auch für mich, aber nach neun Jahren Mutterschaft und der mittlerweile dreifachen Verantwortung für Kinder, sage ich zu mir selbst: Schätzchen, du kannst nicht alles haben. Ich sage das übrigens auch zu meinem Mann. Wobei, der sagt das sowieso schon zu sich selbst.

Es ist eine Illusion, alles vereinbaren zu können. Klar, die Politik will, dass wir alle Vollzeit arbeiten. Gleichzeitig vernachlässigt sie aber sowohl den quantitativen als auch den qualitativen Ausbau der Kinderbetreuung. Und dann ist da ja auch noch die Frage: geht Vollzeitbetreuung denn mit jedem Kind? Und ab welchem Alter? Und wollen wir das als Familie überhaupt?

Ich habe dazu für mich eindeutige Antworten gefunden. Auch zu der Frage, ob ich es mit mir vereinbaren kann, meine berufliche Verwirklichung und große finanzielle Sprünge noch ein bisschen weiter in die Zukunft zu verschieben. Und mal ehrlich: wahrscheinlich werden gar nicht mal so wenige von uns allen locker 100 Jahre alt werden. Muss ich mich jetzt, mit 35 Jahren, also verrückt machen, weil ich beruflich nicht das leiste und das verdiene, was eine alleinstehende Frau ohne Kinder evtl. verdient? Ich finde: nein.

Wie der kapitalistische Anspruch uns fertig macht

Dieser gesellschaftliche Anspruch, der von den Sichtweisen des neoliberalen Kapitalismus herrührt, macht uns doch eigentlich alle total fertig. Warum zur Hölle sollen Eltern dieselben Leistungen erbringen wie kinderlose Menschen? Ich weiß, damit setzt man sich jetzt wieder in ein Wespennest, denn nicht alle sind freiwillig kinderlos, jaja. Trotzdem ist es Fakt – und wir sehen das an Marie Nasemann und ihrem Mann, mit ihren Nannys, ihren regelmäßigen Kinderauszeiten und Urlauben – dass selbst privilegierte Familien den Spagat zwischen kapitalistischen Ansprüchen und Realität des Familienlebens nicht hinbekommen.

Marie Nasemann selbst hat das „Momshaming“ erst kürzlich wieder auf ihrem Instagramkanal thematisiert: ihr würde regelmäßig vorgeworfen, auf sehr hohem Niveau zu jammern, wenn sie mal wieder die Anstrengungen des Familienlebens und der Vereinbarkeit mit Beruf und persönlichen Interessen anspricht. Für mich zeigt das umso mehr den Konflikt: Hat eine derart mit Talent, Geld und Babysittern gesegnete Frau etwa kein Recht, ihr Leben anstrengend zu finden? Natürlich hat sie das! Sollte es uns Sorgen machen, dass sogar eine derart privilegierte Frau an der Vereinbarkeit von Kindern und restlichem Leben scheitert? Natürlich sollte es das!

Für Privilegierte schwierig – für Normalos kaum zu schaffen

Die Frage, die sich daraus leicht ableiten lässt, ist ja: wie soll das erst eine Normalo-Familie schaffen, so eine wie wir es sind, beispielsweise? Und wie erst die Eltern, die keine Akademiker Laufbahn hinter sich haben und in schlechter bezahlten Jobs strampeln? Und wie die Alleinerziehende, die an dem Balanceakt zwischen Vollzeitarbeit und alleiniger Verantwortung nur kaputt gehen kann – der man dann aber immerhin eine dreiwöchige Mutterkindkur alle vier Jahre gönnt.

Ich finde das mittlerweile alles nur noch zynisch. Aber ich kann nur bei mir selbst anfangen und sagen: ich spiele da nicht mehr mit. Ich steige aus aus dem Höher-schneller-weiter des modernen Kapitalismus. Zumindest soweit es mir möglich ist. Wie cool würde ich es finden, wenn Marie Nasemann und ihr Mann das auch machen würden. Anstatt sich alle drei Tage öffentlich zu beklagen, wie anstrengend das Leben schon wieder ist, einfach zu sagen: So Leute, das war’s. Kein Bock mehr auf den Scheiß. Wir treten jetzt beide kürzer, arbeiten weniger, verdienen auch weniger, aber das ist es uns wert. Denn ansonsten werden wir hier noch verrückt.

Es fehlt an Vorbildern

Ja, ich verstehe total, warum Marie und ihr Mann das nicht machen. Es ist der selbe Grund, warum ich meine Selbstständigkeit nicht mal in der Elternzeit abgemeldet habe. Und bei Marie kommt natürlich noch die Gefahr oben drauf, dass sie in Jahren der partiellen Abwesenheit ihre Bekanntheit verlieren könnte. Und außerdem: es gibt ja kaum Vorbilder. Oder fällt dir jemand ein?

Gibt es Promis, die ein paar Jahre aus dem Wahnsinn ausgestiegen und irgendwann strahlend zurückgekommen sind? Hast du Arbeitskollegen, die für die Familie kürzer getreten sind und danach problemlos an ihre Karrieren anknüpfen konnten? Nee? Ich auch nicht. Das ganze Problem ist groß. Und es ist naheliegend, sich deshalb lieber unterzuordnen und sich den Stress schön zu reden. Oder gelegentlich einen Jammerpost auf Instagram zu verfassen (no offense, ich mache das ja selbst andauernd).

Tja, was ist das Ergebnis dieses Textes? Ich fürchte, es gibt keines. Das System hat uns in seinen Fängen. Wohl sind die Mutigen, die sich immerhin ein bisschen abgrenzen können, siehe Celsy und ihr Familienmodell. Bei mir selbst sehe ich definitiv noch Luft nach oben.

Wer jetzt eine antikapitalistische Kommune mit mir gründen will, möge sich bitte bei mir melden. Ich kann gärtnern, Brot backen, Yoga unterrichten und Texte schreiben. Peace.

4 Kommentare zu „Kann man wirklich alles haben?

  1. Lara

    Ich bin dabei in deiner Kommune! 🫶

  2. Gis

    Du fasst es wirklich gut zusammen: alles auf einmal geht nicht! Ich habe in 11 Jahre Mutterschaft verschiedenes ausprobiert von erwerbsjobfrei, über Teilzeit und Vollzeit. Aktuell wieder letzteres und es ist ein Kraftakt, in dem wenig Raum bleibt für mich. Noch 9 Monate, dann streben mein Mann und ich beide maximal 35 Stunden Erwerbsarbeit an. Wir können und wollen den von Politik, Wirtschaft und auch Gesellschaft postuliert Erwartungen nicht entsprechen. Wir versuchen unsere Ausgaben übersichtlich zu halten und haben kein Bedürfnis dreimal jährlich in irgendeine Touristenregion zu fahren. Unsere Autos sind beide schon 11 Jahre alt und wir hoffen, in nicht allzuferner Zukunft auf den Zweitwagen verzichten zu können. Aus der Mühle kommt man definitiv nur durch bewussten Konsum(verzicht) heraus.
    Schlussendlich hast Du aber Recht, wenn wir Familien mehr Wertschätzung und mehr Zeit zugestehen sollten. Irgendwo habe ich mal einen interessanten Essay gelesen, der die Leistungen des Staates für Familien/Kinder den tatsächlichen Aufwendungen von Eltern gegenüberstellte: wir zahlen definitiv ein großes Sümmchen drauf für die Verwirklichung unseres privaten Lebensglückes mit Kindern…

  3. Nadine

    Ich kann Kinder betreuen 🙂

    Voll der gute Text! Ich stimme dir voll zu und hab einen Buchtipp dazu:
    „Happy Family“ vom Dr. Kellner-Zotz. Das Buch ist hier und da vielleicht etwas kontrovers, aber ich finde neben einigen Schwächen steckt da viel Wahres drin.

  4. Anna

    Vielen Dank für den Text! Theoretisch hab ich die Einsicht zum Glück schon eine Weile, praktisch arbeite ich noch daran, sie auch wirklich zu akzeptieren. Ich sage das auch immer wieder zu meinem Mann, wenn er sich fragt, warum andere sich Häuser etc. leisten können. Ich will gar kein Haus. Ich habe keine Lust auf die damit verbundenen Pflichten und die Verantwortung. Zum Thema Arbeit: meine Vorstellung im Studium war natürlich eine andere. Ich wollte was erreichen, wollte einen Job haben, in dem ich all das Wissen und die Kompetenzen aus dem Studium auch wirklich sinnstiftend einbringen kann. Und der so viel Geld einbringt, dass sich die Jahre Studium quasi am Existenzminimum gelohnt haben. Das hat aus verschiedenen Gründen bisher so nicht geklappt. Manchmal ärgert es mich. Und dann sage ich mir hey, das Geld reicht auch mit Teilzeit zum Leben, ich hab eine unbefristete Stelle und wenn ich nachmittags nach Hause komme dann denke ich nicht mehr an die Arbeit. Irgendwann wird meine Chance schon noch kommen, so hoffe ich zumindest. Ich hab mich für Familie entschieden und ja, das hat meine Karriere ausgebremst. Das ist schade, denn die 6 Jahre Studium wurden ja zu einem Großteil vom Staat finanziert und außerdem hab eben ich jede Menge Lebenszeit und Geld reininvestiert (dazu zähle ich auch das nicht verdiente und gesparte Geld was ich gehabt hätte, hätte ich eine Ausbildung gemacht und noch bei den Eltern gelebt) und damit hätte ich dann gerne auch Angemessenes angefangen. Ich merke auch, dass ich weniger Möglichkeiten zur Fortbildung habe. Zb Bildungsurlaub. Finde mal einen Bildungsurlaub in Teilzeit. Für den eigentlich geplanten habe ich mit Ach und Krach organisiert, dass mein Kind nachmittags abgeholt und betreut wird. Und dann wurde er abgesagt. Stunden der Organisation verloren. An internen Veranstaltungen nehme ich oft nicht Teil, damit ich mit meinen 25 Stunden überhaupt meine Arbeit schaffe. Das ist nicht fair. Vollzeitkräfte können sich die Zeit ja auch nehmen. Aber wenn jeder Vormittag mit Terminen voll ist schafft man eben nix mehr. Ich hab heute noch mit einer Kollegin drüber geredet. Eigentlich kann es nicht sein, dass wir zu wenig Arbeitskräfte haben, dass Teilzeit Normalität sein kann. Früher ist doch Großteil der Bevölkerung mehrere Jahre bis Jahrzehnte keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen wegen der Kinderbetreuung. Jetzt arbeiten ja gefühlt alle Eltern, warum kann sich die Arbeitswelt nicht mal drauf einstellen, dass Teilzeit auch normal ist und man auch in Teilzeit verantwortungsvolle Jobs, Führungspositionen usw. schaffen kann. Soweit ich weiß sind die Niederlande da z.B.weiter und dort ist es normal, dass eine Führungsposition sich von 2 Teilzeitkräften geteilt wird. Nunja, ich bin sogar einer Partei beigetreten um das Gefühl zu haben, ein Quäntchen Einfluss nehmen zu können. Leider stelle ich fest, dass ich keine Zeit habe, mich in dieser Partei zu engagieren. Oder keine Kraft. Oder eben dann doch die Zeit mit meiner Familie verbringen möchte. Mich wundert nun nicht mehr, warum Familien keine Lobby haben. Mich regt das auch manchmal alles sehr, sehr auf. Weil wir eben auch einfach einen so verdammt wichtigen Job machen, indem wir uns den Hintern aufreißen, um auch noch gute Eltern zu sein. Um unsere Kinder so zu behandeln und zu begleiten, dass sie sich nicht zu Kriminellen und Psychopathen entwickeln, um es mal plakativ zu sagen, sondern das zu sein und zu bleiben, was sie von Grund auf sind, soziale, kooperative Wesen. Und das braucht Kraft. Viel Kraft. Und Zeit. Die einem niemand bezahlt. Das würde ich auch niemals verlangen. Ich habe mich entschieden, Kinder zu bekommen. Ich sehe es aber gleichzeitig nicht ein, dadurch so benachteiligt zu werden. Immerhin sichern wir durch unsere Kinder auch die Rente von morgen. Falls es die Welt dann noch gibt… Naja, so ärgerlich wir das alles ist. Ich denke entweder muss man sich damit abfinden oder aktiv etwas ändern. Ersteres erscheint mir aktuell der realistischere Weg. Daher versuche ich es erstmal damit. Und wünsche uns viel Erfolg dabei 🙂

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