Geburt No. 3

Zwei ganze Monate ist unser kleines Käferchen nun schon alt. Zeit für einen Geburtsbericht! Denn wir Frauen wissen: Man (frau) vergisst so schnell! Und ganz ehrlich: Diese Geburt vergesse ich vermutlich noch schneller als die anderen. Denn diesmal war es vom Gefühl her so viel heftiger als die anderen beiden Male, dass ich die Erinnerung an die Schmerzen nicht unbedingt in Ehren halten muss. Ein Glück also, dass es definitiv meine letzte Geburt war! Ich hab’s jetzt endgültig überstanden. Und das ist auch sehr gut so.

Aber von Anfang: Es fing nämlich schon völlig anders an als bei den anderen beiden. Erstaunlicherweise trat nämlich das ein, was ich meiner Hebamme gegenüber großspurig behauptet hatte, ganz sicher nicht eintreten würde: Ein Blasensprung vor Wehenstart. Bei den beiden Großen hatte ich zweimal sehr durchhaltestarke Fruchtblasen, die wirklich erst zum Beginn der Austreibungsphase platzten. Diesmal aber machte es plötzlich und unerwartet Plopp und das Wasser lief.

Und zwar genau in dem Moment, in dem ich mir eigentlich gerade eine zweite Portion Spaghetti auf den Teller laden wollte. Beste Mittagessenszeit, 14 Uhr. Ich stehe also vom Tisch auf und merke: es läuft. Uppsi. Ich renne schnell aufs Klo und lasse es plätschern. Und wie das plätschert! Scheint wohl mehr als ein kleiner Riss zu sein. Das Ganze acht Tage vor Termin – wir demnach noch maximal unvorbereitet. Wo sind meine Vorlagen, um das nasse Schlamassel ein bisschen einzugrenzen?

Kinder, helft mir!

Ich rufe das Hübchen in der Küche. Die Geschwister unterhalten sich aber gerade angeregt beim Essen und hören mich gar nicht. Hmpf. Ich sitze weiter auf dem Klo und grinse in mich rein. Was für eine verrückte Situation. Unter mir plätschert es und plätschert. Irgendwie ganz beruhigend. Dann hört der Große mich doch und kommt ins Badezimmer. Was denn sei, er wolle noch essen? Ich erkläre ihm kurz, was passiert ist und in seinem Gesicht macht sich blanke Panik breit. Was? Das Baby wird geboren? Jetzt?! Papa ist nicht Zuhause!!

Ich muss wirklich lachen und beruhige erst mal den armen Sohn, dass es so schnell sicher nicht geht und dass ich jetzt erst mal ein paar Vorlagen brauche, um das Fruchtwasser aufzufangen. Das Hübchen bringt mir das Paket mit den riesigen Binden, das noch in der Küche rumlag, und geht dann weiter Mittagessen. Alles klar, erste Challenge bestanden.

Und dann stellt sich die Frage: Was als nächstes tun? Ich entscheide mich dafür, ein Glas zu holen und etwas Fruchtwasser aufzufangen, um den Zustand zu überprüfen. Ich komme mir sehr professionell vor. Gleichzeitig ist die Situation immer noch völlig irreal. Das Baby kommt! Und zwar richtig bald! Im aufgefangenen Fruchtwasser schwimmen richtig viele Haare, ansonsten ist es klar und riecht auch nicht unangenehm. Diese Haare machen mich ganz glücklich. Mein Baby hat Haare, wie schön ist das denn!

Erst mal ein paar Anrufe tätigen

Nächste Handlung: Den werdenden Dreifachpapa anrufen. Der geht nicht dran, also eine Nachricht: „Es wird ein Julibaby!“. Kurz darauf der aufgeregte Rückruf: „Wie, was, warum? Soll ich sofort kommen?!“, „Ja, vielleicht, ich weiß nicht. Nein, noch keine Wehen. Mach mal in Ruhe, aber bleib auch nicht mehr zu lange im Büro.“

Noch keine Wehen, da hab ich noch gut lachen.

Next call: Die Oma. Die beiden Großen sollen nämlich diesmal nicht bei der Geburt dabei sein, sondern bei den Großeltern übernachten. Oma ist auch noch auf der Arbeit, will aber nach Feierabend direkt die Kinder abholen. Dann erst mache ich den wichtigsten Anruf: den bei meiner Hebamme.

Auf ihre Fragen weiß ich nur leider keine richtige Antworten. Soll sie schon kommen? Oder dauert das alles noch? Eine knappe Stunde nach Blasensprung merke ich ein leichtes Ziehen im Unterleib, das ein bisschen in die Beine ausstrahlt. Aber richtige Wehen sind das noch nicht. Zu diesem Zeitpunkt denke ich noch, dass die Geburt sicher wieder nachts vonstatten gehen wird und rechne mir einiges an Zeit aus. Am Ende kam es dann doch etwas anders…

Dann noch das Badezimmer putzen…

Für den Moment fühle ich mich sehr beschwingt und habe das Gefühl, alle Zeit der Welt zu haben. Schon ganz cool, so ein Geburtsstart mit Blasensprung. Was man da alles noch geschafft kriegt! Während die Kinder spielen, putze ich noch schnell das Badezimmer. Denn wenn das Baby geboren wird, soll es ja schön sauber sein. Der dicke Bauch stört mich dabei kaum noch, weil ich weiß: Jetzt ist sowieso bald Schluss damit, yeah!

Kurz danach kommt auch der Liebste nach Hause und ich springe unter die Dusche. Auch ich will schließlich sauber sein. Als ich aus der Dusche steige, ist fast 16 Uhr, also zwei Stunden nach Blasensprung, und die erste richtige Wehe kündigt sich an. Aha! Sollte das jetzt doch schneller gehen? Ich rufe noch mal meine Hebamme an, bin aber weiterhin unentschlossen. Geht es jetzt richtig los oder bleiben die Wehen erst mal sanft?

Das sind doch Geburtswehen!

Eine halbe Stunde später habe ich Gewissheit: Das sind Geburtswehen – und zwar ordentliche! Der Liebste ruft erneut die Hebamme an, die sich bald auf den Weg machen will. Um 17 Uhr ist dann auch meine Mama da, um die Kinder abzuholen. Das wird auch Zeit, denn die Wehen werden nun schon so stark, dass ich ein großes Bedürfnis nach Ruhe habe. Noch kann ich aber auf dem Bett liegen und den Schmerz gut wegatmen.

Um die Kinder zu verabschieden, stehe ich dann aber auf und direkt passiert auch was mit der Intensität der Wehen. Also fange ich an zu laufen. Wenn eine Wehe kommt, stelle ich mich in den Türrahmen und veratme kräftig. Türrahmen sind überhaupt die beste Erfindung, seit es Geburten gibt! Hinten drücke ich mein Kreuzbein an den Rahmen, vorne stütze ich mich mit den Händen ab und kann meinen Oberkörper entspannt nach vorne fallen lassen. So ist es gut auszuhalten.

Gute Laune in den Wehenpausen

Noch sind die Wehen gut auszuhalten.

In den Wehenpausen bin ich entspannt und guter Laune. Das setzt sich noch eine Weile so fort, auch als meine Hebammen ankommen. Die zweite Hebamme kommt schon kurz nach der ersten an. Bei dritten Geburten zögern sie wohl nicht lange, denke ich. Gleichzeitig kann ich mir immer noch nicht vorstellen, dass das Ganze hier schon bald überstanden sein soll.

Zunächst bleiben wir viel in der Küche. In den Wehenpausen können wir noch über Olympia und andere Themen schnattern. Aber irgendwann zieht es mich in den hinteren Teil der Wohnung und Richtung Schlafzimmer. Da hat der Liebste auch endlich den Teppich eingerollt und das war es dann auch quasi an Vorbereitung für die nahende Geburt.

So langsam wird es heftig

Die Wehen werden jetzt wirklich heftig und in den Wehenpausen ist mir nicht mehr nach Reden. Die Konzentration auf meinen Körper kommt von alleine. Gleichzeitig habe ich aber leider nicht das Gefühl, so in mir zu ruhen wie während der anderen beiden Geburten. Irgendwie bin ich viel präsenter, schaue mir selbst teilweise wie von außen zu und bemitleide mich auch ein bisschen selbst. Was für eine Scheißsituation so eine Geburt einfach ist! Dieses Ausgeliefertsein, das Gefühl, hier jetzt nicht mehr raus zu kommen, ist jedes Mal aufs Neue wieder richtig mies.

Da hilft nur die Flucht nach vorne. Je schneller das Baby draußen ist, desto schneller ist es draußen, oder so ähnlich. Also sportlich voran, nutzt ja nix. In den Wehenpausen reibe ich über meinen Bauch, schicke meinem Baby ein paar aufmunternde Gedanken. Wir sind doch ein Team! Also los jetzt, bringen wir es zu Ende! Immer wieder geht mein Blick zum Wecker. 18.30 Uhr, 19 Uhr, 19.30 Uhr. Nein, acht Uhr schaffe ich nicht mehr. Aber vielleicht neun? Ich will es jetzt einfach nur noch hinter mich bringen.

Der Muttermund ist fast vollständig geöffnet

Zwischendurch bitte ich meine Hebamme, nach dem Muttermund zu tasten. Die Untersuchung erfolgt tatsächlich nur auf meinen Wunsch – ein super Vorteil bei einer Hausgeburt. Der Muttermund ist bis auf einen kleinen Saum vollständig geöffnet. Es läuft also alles nach Plan.

Die Erschöpfung ist groß.

Gleichzeitig bin ich wahnsinnig erschöpft von den intensiven Wehen. Ich denke an die letzte Geburt vor vier Jahren, als das Räupchen raus wollte. Da hat es mir geholfen, mich kurz hinzulegen und ein Mininickerchen zu machen. Nach dem Aufwachen kam das Baby dann mit einer rasanten Presswehe raus, trotz Sternenguckerlage. Diesmal will es mir aber nicht so gut gelingen, völlig abzutauchen. Aber das Liegen tut trotzdem kurz gut. Meine Hebamme zieht mir Wollsocken an, weil meine Füße wohl eiskalt geworden sind. Ich spüre außer dem Wehenschmerz eigentlich gar nichts mehr.

Positionswechsel sind hilfreich

Immerhin habe ich immer noch Wehenpausen, in denen der Schmerz nachlässt. Die Pausen sind auch glaube ich gar nicht so kurz, sondern dauern durchaus noch mehrere Minuten. Erholsam finde ich sie trotzdem nicht mehr. Ich positioniere mich wieder vor dem Bett und meine Hebamme gibt mir ein paar Tipps, welche Positionen ich mal ausprobieren könnte. Mal das eine Bein aufgestellt, mal das andere. Mal im Knien, mal im Hocken.

Und dann habe ich plötzlich das Gefühl, mitschieben zu wollen. Ich bin ein bisschen irritiert, weil das dann jetzt doch sehr schnell geht. Auf der einen Seite kann es mir nicht schnell genug gehen, weil ich einfach nur will, dass die Geburt vorbei geht. Auf der anderen Seite überrollt mich die Geschwindigkeit ganz schön, die Wehen sind extrem schmerzhaft und werden auch jetzt nicht angenehmer.

Wie unglaublich unterschiedlich Geburten sein können! Während meiner ersten Geburt war der Beginn der Austreibungsphase die totale Erleichterung und die Presswehen waren für mich vor allem kräftig, aber wenig schmerzhaft. Bei der zweiten Geburt reichte im Grunde eine kräftige Presswehe und das Baby war draußen. Diesmal aber haut mich der Schmerz, haut mich diese Urgewalt der Wehen fast um.

Mein Mann ist mir die größte Stütze

Ich werde wirklich laut und der Liebste muss mich stützen, weil ich sonst jeglichen Halt verlieren würde. Er sitzt auf dem Bett, ich in der tiefen Hocke davor und er hält mich von hinten. In den Wehenpausen muss ich meine Arme entspannen, weil sie mir durch das Festhalten und Abstützen extrem einschlafen. Hätte ich in diesem Moment noch klar denken können, so hätte ich mich sicherlich vor dem Muskelkater an den Tagen danach gefürchtet. Aber denken kann ich jetzt gar nicht mehr.

Entspannung in der Wehenpause.

Atmen und tönen geht aber noch. Oder ist das schon brüllen? Jetzt kontrolliere ich nichts mehr. Meine Geräusche während der Presswehen liegen wohl irgendwo zwischen Jammern, Ächzen, Stöhnen und Schreien. Aber irgendwie hilft es mir. Die Kraft muss irgendwo hin und ich kanalisiere sie nicht nur im Pressen, sondern auch in meiner Stimme.

Die Urgewalt der Geburt haut mich fast um

Ich leide wirklich sehr – viel viel mehr als bei den anderen Geburten. Eine so gewaltige Austreibungsphase hatte ich bisher noch nie. Aber dafür geht es dann am Ende doch relativ schnell. Zwischen den Wehen sind relativ lange Pausen, in denen ich kurz verschnaufen kann und mit einer Mischung aus Angst und Ungeduld auf die nächste warte. Ich will nur noch, dass das Baby jetzt raus kommt. Gleichzeitig fürchte ich mich, dass da irgendwas hakt und ich diese heftigen Wehen noch ewig ertragen muss.

Meine Hebamme ermuntert mich, mal die Position zu wechseln und aus der tiefen Hocke rauszukommen, weil ich wohl sehr angestrengt und leidend wirke. Ich will das aber gar nicht, weil ich Sorge habe, dass das Baby dann wieder zurück rutscht. „Ach was“, sagt die Hebamme, „dann kommt es mit der nächsten Wehe wieder tiefer“. Aber ich will nicht. Ich will das jetzt endlich zu Ende bringen.

Da ist der Babykopf!

Und dann kann man ihn sehen, den Kopf. Was für eine Erleichterung! Ich soll selbst mal fühlen, sagen die Hebammen. Offenbar wirkt das oft motivierend auf gebärende Frauen, wenn sie den Kopf in die eigenen Hände gebären. Ich will aber eigentlich nicht fühlen. Ich will einfach nur das Baby rauspressen. Aber dann fühle ich doch mal. OK, alles klar, raus damit jetzt!

Mit der dritten oder vierten richtig heftigen Presswehe schiebe ich das Baby einfach raus. In mir ist ein Gefühl von Verzweiflung, von „Kann-nicht-mehr-will-nicht-mehr“ und deswegen höre ich nicht auf, mitzuschieben, selbst als die Wehe schwächer wird und schon fast wieder nachlässt. Irgendwie habe ich aber gute Kontrolle über meinen Körper und als hätte er meine Verzweiflung gespürt, arbeitet er noch mal richtig gut mit. Die Wehe ist zwar nicht mehr stark, aber hält lang genug an, um das ganze Kind zu gebären. Es ist kurz vor halb neun, nur viereinhalb Stunden sind seit der ersten Wehe vergangen.

Ein kleiner Junge

Da liegt das Baby zwischen meinen Beinen, ich tief hockend über ihm. Ein kleiner Junge, der noch völlig erschlagen von dieser Anstrengung ist. Er behält seine Augen geschlossen, selbst als ich ihn hoch nehme und zum ersten Mal im Arm halte. Kein Laut von ihm, kein Schreien, nur ganz viel Ruhe. Komischerweise macht mich das gar nicht nervös. Ich betrachte ihn einfach und streichle ihn sanft.

Noch nicht ganz angekommen in dieser Welt.

Die Hebammen haben auch einen Blick auf alles und bemerken, dass er atmet und gut Luft bekommt. Irgendwie scheint mein kleines Baby einfach noch nicht so ganz angekommen zu sein. Wir wickeln ihn in warme Handtücher und lassen ihn angenabelt, damit er noch das ganze Blut aus der Nabelschnur bekommt. Und irgendwann macht er dann auch die Augen auf und guckt uns skeptisch an.

Die Placenta muss noch geboren werden

Ich würde gerne einfach so in Ruhe sitzen bleiben und genießen, dass der große Schmerz vorbei ist und das Baby endlich in meinen Armen liegt. Aber die Hebammen machen mich nervös, weil sie wollen, dass die Placenta jetzt auch bald kommt. Da ich weiß, dass das nach den anderen beiden Geburten immer eine Weile gedauert hat (einmal 45 Minuten, einmal knapp 30 Minuten), mache ich mich da eigentlich nicht verrückt. Die Hebammen allerdings offenbar schon und das wirkt leider ansteckend.

Meine Aufmerksamkeit geht deswegen vom Baby weg und auf meinen Körper. „Ist alles OK?“, frage ich die Hebammen, „Gibt es Grund zur Sorge?“. Nein, nein, es sei alles in Ordnung, aber ob ich mal pressen könnte, damit die Placenta kommt. Ohne Wehe ist das allerdings schwierig und ich verstehe die Eile nicht so recht. Offenbar blute ich etwas mehr als den Hebammen lieb wäre. Die Kommunikation in meine Richtung finde ich aber problematisch, weil sie mich ziemlich alarmiert.

Unangenehme Kommentare

Auch die anschließende Untersuchung auf Geburtsverletzungen ist für mich unangenehm. Nicht, weil es weh getan hätte, sondern aufgrund der Aussage der Hebammen, ich müsse dann bald „dringend etwas für meinen Beckenboden tun“. Verletzungen habe ich zum Glück keine, aber ich weiß schon seit der Schwangerschaft, dass mein Bindegewebe (nicht meine Muskulatur!) nicht so glücklich über ein drittes Mal krasse Belastung war. Diese Info ist für mich also nicht neu, aber in dieser Situation so explizit ausgesprochen – eine halbe Stunde nach der anstrengenden Geburt meines dritten Kindes – trifft sie mich ins Mark.

Ich merke einmal mehr, was für eine verletzliche Situation so eine Geburt ist. Und ich vermisse meine gewohnten Hebammen, die leider in Sommerpause sind, weshalb ich diesmal auf eine andere Betreuung ausweichen musste. Rückblickend und insgesamt war es trotzdem eine für mich passende Geburtsbegleitung, aber es sind eben oftmals die kleinen Dinge, die den großen Unterschied machen.

So viel Blut!

Dann kommt doch noch die eine ordentliche Nachwehe und die Placenta wird problemlos und vollständig geboren. Alles wird gut. Nachdem wir abgenabelt haben, gehe ich unter die Dusche und dort kommt noch ganz schön viel Blut. Mammamia, gut dass ich in der Schwangerschaft die Eiseninfusion hatte und meine Eisenspeicher nun randvoll sind. Das hier ist definitiv meine blutigste Geburt. Die Badewanne sieht aus wie in einem Splatterfilm – und das, wo ich am Nachmittag extra noch alles geputzt hatte. Aber daran denke ich in dem Moment wirklich nicht. 😉

Mit dicken Vorlagen und wasserfesten Unterlagen geht es zurück ins Bett, wo der Liebste schon mit dem Baby kuschelt. Ich übernehme den Kleinen wieder und lasse ihn an die Brust, wo er schon prima saugt.

Mein kleinstes und leichtestes Baby

Erste Stillversuche

Mir kommt dieses Baby echt leicht vor, aber vielleicht liegt das nur daran, dass ich einfach keine Babys mehr gewohnt bin? Die Waage zeigt dann aber: Der kleine Junge ist wirklich klein! Mit 3440 Gramm und 52 Zentimetern ist er mit Abstand das zierlichste meiner drei Kinder. Das überrascht uns alle. Auch meine Hebamme hatte mein Baby auf über 4 Kilo geschätzt.

So kurz nach der Geburt freue ich mich über so ein „richtiges“ Baby. Das fand ich schon beim 3,7-Kilo-Räupchen so schön, nachdem das Hübchen mit seinen 4700 Gramm Geburtsgewicht auf 56 cm irgendwie von Anfang an größer, schwerer und weiter entwickelt war als ein typisches Neugeborenes. Hätte ich in dem Moment schon gewusst, was noch auf uns zu kommt, hätte ich mir wohl etwas mehr Babyspeck am Söhnchen gewünscht. Aber zu dem Zeitpunkt, wenige Stunden nach der Geburt, war es alles genau richtig so.

Die zweite Hebamme verlässt uns schon eine Stunde nach der Geburt. Die andere bleibt noch fast bis Mitternacht, um sicher zu gehen, dass es mir und dem Baby gut geht. Es fühlt sich merkwürdig an, jetzt gemeinsam mit Baby in die Nacht zu gehen und irgendwie sogar schlafen zu müssen. Nach den anderen Geburten fing immer der Tag an, diesmal wird es dunkel, nachdem das Baby geboren ist.

Alles auf Anfang

Müde und erschöpft, aber erleichtert in die Nacht.

Hinzu kommt: Selbst beim dritten Baby fühle ich mich wie die totale Anfängerin. Wie hält man so ein kleines Würmchen noch mal? Wie warm müssen wir es anziehen? Wie oft will es wohl trinken? Aber da kommen wir bestimmt wieder schnell rein. Unser kleiner Sohn macht es uns jedenfalls erst mal leicht, weil er ganz ruhig und entspannt ist und auch gut an der Brust saugt.

Jetzt geht also alles wieder von vorne los, was immer noch eine völlig verrückte Vorstellung ist. Ich bin unglaublich froh und dankbar, noch eine dritte Geburt überstanden zu haben – auch wenn sie für mich sehr viel heftiger war als die anderen Geburten. Auf dem Papier ist diese dritte Geburt vermutlich die unkomplizierteste: Es gab keine ungewöhnlichen Vorkommnisse wie bei meiner ersten (sehr lange Austreibungsphase) oder meiner zweiten Geburt (Sternenguckerlage), stattdessen verlief alles schnell und wie im Lehrbuch.

Aber da zeigt sich: Das eigene Gefühl korreliert nicht unbedingt mit der Faktenlage. Für mein Empfinden war das eine richtig krasse anstrengende Geburt, die Geschwindigkeit und die Schmerzen haben mich ganz schön überrollt. Auch merke ich jetzt, zwei Monate später, dass mein Körper sehr viel länger braucht, um sich von Schwangerschaft und Geburt zu erholen als nach den ersten beiden. Aber die Zeit muss ich ihm wohl geben.

Das Ergebnis dieser Anstrengung ist jedenfalls mal wieder ganz besonders süß, kuschelig und nach warmer Babyhaut duftend. Auch wenn es diesmal nicht ganz freiwillig war: Ich bin sehr stolz auf meinen Körper und mein Baby. Wir haben es geschafft. Und ab jetzt geht es nur noch bergauf.

6 Kommentare zu „Geburt No. 3

  1. Lisa

    Danke für deinen Bericht. Ich schaue immer etwas neidisch auf so kurze Geburten, weil ich ganz andere Zeiträume (einmal eher so 30 Stunden und einmal 14, selbst die Fehlgeburten gingen 12 Stunden) hinter mir habe. Dass das auch irgendwie heftig und überrollend sein kann, sieht man dabei nicht. Wobei ich mir bei der letzten Geburt ganz am Ende auch nur dachte „Nie wieder mach ich den Scheiß!“ 😉
    Den Kommentar zum Beckenboden finde ich echt fies direkt nach der Geburt. Das ist einfach ein sehr unglücklicher Moment das mitzuteilen. Dafür gibt es doch immer noch spätere Kontrolluntersuchungen.

    • Ha, ja, letztlich wünscht man sich wohl immer das, was man selbst nicht hatte. 😉 Ich hatte ja drei recht schnelle Geburten, aber die dritte hat mich echt überrollt. Am Ende hat wohl alles seine Vor- und Nachteile.

      Den Kommentar zum Beckenboden fand ich auch deswegen so blöd, weil die Hebamme eigentlich weiß, dass ich da ein gutes Auge drauf habe. Ich habe in diesem Jahr eine Ausbildung für Beckenbodenyoga gemacht und weiß selbst am besten, was ich für eine gute Rückbildung zu tun habe. Daher weiß ich aber auch, dass es erst mal Schonung und Ruhe braucht. Also ist es so oder so völlig unangemessen, kurz nach der Geburt von Training für den Beckenboden zu sprechen. Aber die Hebammenbetreuung war eh etwas unglücklich diesmal…

  2. Kathrin

    Ja, Geburten überraschen immer wieder 🙂
    Mir erging es bei Nr.5 wie dir bei Nr.3.
    Zu früh und mit Blasensprung am Anfang. Aber 4h danach war die Maus da. Das erste Mal ohne Verletzung. Völlig entspannt. Bis auf meine Hebamme, da wir eigentlich noch nicht damit gerechnet hatten 😀 Wer wird schon gern Montag früh um halb 1 geweckt? Wiederum merkte ich, wie schön eine Hausgeburt ist. Ich bin mein eigener Geburtsmanager und erst ganz am Ende,
    bat ich die Hebamme zu mir. Traumhaft.
    Ich wünsche euch alles Gute und dass ihr alle Schreckensmomente hinter euch habt!

    • Danke dir! <3 Es war echt eine anstrengende Zeit. Aber dafür wird die kalte Jahreszeit jetzt bestimmt ganz kuschelig und entspannt. 😉

      Für mich war es auch sehr ungewohnt, das Baby tagsüber zu kriegen anstatt nachts. Nachts fand ich deutlich schöner. Aber man sucht es sich halt nicht aus...

  3. Lisa

    Bei mir brauchte die erste Geburt die meisten Kräfte, aber bei der zweiten Presswehen, wenn auch nur ein paar waren wirklich auch heftiger.
    Türrahmen zum Reinhängen kann ich auch empfehlen.

  4. Sandra

    Danke, dass Du dieses kraftvolle Ereignis mit uns teilst. Da bekomme ich – ehrlich gesagt – gleich wieder Lust, auch noch ein drittes Mal zu gebären. Für mich waren die Geburten meiner zwei Süssen die mächtigsten und magischten Erlebnisse meines Lebens!

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