To Do Liste

Einfach mal den scheiß Mental Load teilen!

Kürzlich wurde ich auf Facebook von einer Leserin gefragt, ob ich nicht mal genauer beschreiben könnte, wer bei uns Zuhause eigentlich für was verantwortlich ist – also kurz gesagt: Was mache ich und was macht der Mann? Und warum teilen wir uns so auf? Für mich war es ehrlich gesagt nie ein Thema, über das ich bloggen wollte, weil unsere Aufgabenverteilung in Haushalt und Kinderbetreuung für mich selbst so natürlich und selbstverständlich geworden ist, dass ich den Spannungsgrad eines Textes darüber eher gering eingeschätzt hätte. Aber je mehr ich drüber nachdenke, desto erzählenswerter scheint es mir doch. Denn ganz so selbstverständlich ist das alles eben doch nicht!

Auch bei uns gibt es nämlich immer wieder Momente, in denen wir plötzlich und wie aus heiterem Himmel Krisengespräche führen. Meist, weil mir von jetzt auf gleich alles zu viel wird. Weil ich mal wieder das Gefühl habe: Muss man hier eigentlich alles alleine machen?! Die Falle, in die ich dann mal wieder getappt bin, hat heute auch einen Namen: Mental Load. Mit Mental Load kann man all das beschreiben, was einen an offenen To Do’s belastet: Woran muss ich alles denken? Was muss noch dringend erledigt werden? Wofür bin ich noch verantwortlich?

Patricia von dasnuf.de bringt es schön auf den Punkt:

Im Grunde sagt der Begriff nichts anderes, als dass es neben den sichtbaren Aufgaben im Alltagsleben sehr, sehr viele unsichtbare Aufgaben gibt, die nie explizit genannt werden, dennoch alle so nebenher identifiziert, bedacht, geplant und dann erledigt werden.

Und in so einer durchschnittlichen Familie mit einem oder mehreren Kindern kann da eine ganze Menge zusammenkommen! Dummerweise passiert es in Familien offenbar schnell, dass es die Frau ist, die all diese unsichtbaren Dinge übernimmt. Eine schöne Illustration einer solchen Situation ist der Comic „You should have asked“, den hier euch hier anschauen könnt.

Hier „hilft“ keiner – hier packen alle selbstverständlich an!

Nun ist es bei uns glücklicherweise so, dass ich meinen besten Ehegatten eigentlich nie fragen muss, irgendetwas im Haushalt zu tun – und er mich nicht. Schließlich haben wir beide jeweils zwei gesunde Augen im Kopf und sehen somit ganz genau, wo was getan werden muss (ich hätte da mit minus vier Dioptrien sogar etwas mehr Nachsicht verdient) . Jedenfalls ist es so: Bei mir in der Familie „hilft“ mir kein Mann im Haushalt – allein diese Ausdrucksweise macht mich schon ganz fuchsig!

Denn selbstverständlich sorgen hier alle Bewohnerinnen und Bewohner dafür, dass es halbwegs ordentlich bleibt (und ich freue mich auf den Tag, an dem wir auch die Kinder ordentlich einbeziehen können und so die Last des Haushalts auf noch mehr Schultern verteilt werden kann).

Wieso wird mir trotzdem manchmal alles zu viel?

Wieso kommt es dann aber trotzdem immer mal wieder vor, dass mir alles zu viel wird? Nun, das liegt vermutlich daran, dass ich derzeit dummerweise doch (noch) mehr Zeit Zuhause und mit den Kindern verbringe. Dadurch übernehme ich manchmal eben doch automatisch mehr Aufgaben, bzw. fühle mich automatisch für sehr viel mehr verantwortlich.

Bei Lisa von StadtLandMama habe ich irgendwann mal gelesen, dass sie, wenn sie im Home Office arbeitet, wirklich jegliche Hausarbeit liegen lässt. Wäsche, Geschirr und verdrecktes Klo sind erst dann wieder dran, wenn die Arbeitszeit beendet ist – und die Kinder wieder Zuhause sind. Ich selbst bin offenbar noch nicht so weit oder meine Kinder sind noch zu klein, damit ich mich neben ihrer Betreuung noch der Hausarbeit widmen könnte. Jedenfalls ertappe ich mich verdammt oft dabei, den Trockner zu befüllen oder die Spülmaschine anzuschmeißen, während beide Kinder andernorts betreut sind und meine Arbeits-To-Do-Liste eigentlich noch viel zu lang für hausarbeitliche Unterbrechungen ist.

Das einzige was immer hilft: Reden und neu aushandeln

Das Gefühl, das ganze Chaos sonst nicht in den Griff zu bekommen, beherrscht mich anscheinend einfach zu stark. An guten Tagen bin ich am Ende stolz auf meinen Spagat und was ich heute alles geschafft habe. An schlechten  Tagen denke ich neidisch-miesepetrig an den Liebsten, der unbehelligt von Waschmaschine und Kochtöpfen im Büro sitzen und sich sogar noch mit echten Kollegen unterhalten kann. Wenn dann zusätzlich noch tausend andere kleine Dinge anfallen, die Kita nach Kuchenspenden ruft und das Hübchen noch ein Geburtstagsgeschenk für den Freund braucht, möchte ich manchmal einfach nur noch streiken.

Das einzige, was dann immer hilft, ist: Reden! Aufgaben neu verteilen, Verantwortlichkeiten abgeben und einfach miteinander im Gespräch bleiben darüber, wer hier eigentlich gerade was leistet und warum. Ich gebe zu, dass diese Gespräche nicht immer einen angenehmen Start haben. Oft bin ich einfach nur wütend über dieses „Zu viel“ an Dingen, die mich so nerven und belasten und der arme Mann kriegt das erst mal richtig schön dicke ab. Aber danach geht es dann wieder und wir können darüber sprechen, wer jetzt was auf seinen Zettel nimmt und nach und nach abarbeitet.

Unsere Lösung: Aufgaben halbwegs fest verteilen

Der Grund, warum es bei uns aber gar nicht so häufig zu solchen Situationen kommt, ist folgender: Wir haben eine recht klare Verteilung aller Aufgaben, die regelmäßig anfallen. Ich weiß nicht, wie praktikabel das für andere Familien ist, aber bei uns funktioniert das ziemlich natürlich und hat sich über die Jahre fast von selbst so ergeben. Bei uns sieht das dann u.a. so aus:

  • Ich: Mahlzeiten planen, Biokiste bestellen und kochen
  • Er: Küche aufräumen
  • Ich: Badezimmer putzen
  • Er: Saugen
  • Ich: Wäsche waschen und trocknen
  • Er: Wäsche wegräumen
  • Ich: Kinderkleidung im Auge behalten (Neues kaufen, Altes verkaufen/spenden)
  • Er: Sich ums Auto kümmern (Waschen, Saugen, Reifenwechsel, Reparaturen etc.)
  • Ich: Kuchenspenden für Kita (und überhaupt: Kuchen backen. Ist ja wichtig, auch für die eigene Familie)
  • Er: Verabredungen fürs Hübchen organisieren, Geschenke für Kindergeburtstage besorgen
  • Steuer, Versicherungskram usw. machen wir gemeinsam

Bestimmt habe ich viele Dinge vergessen, die sonst noch anfallen, aber für einen kleinen Einblick sollte das ausreichen. Das meiste davon erledigt sich tatsächlich aufgrund unserer Talente und Präferenzen: Ich z.B. koche gerne, dem Liebsten fehlt da leider sämtliches Talent. Oder wir entscheiden auf Grundlage unserer größten Abneigungen: Ich hasse Staubsaugen, der Liebste hasst es, das Badezimmer zu putzen.

Andere Dinge entscheiden sich erst mit der Zeit und nach Gesprächen. Die Wäsche war z.B. lange Zeit so ein fieser Punkt, weil das Waschen und Trocknen meist an mir hängen bleibt – einfach dadurch, dass ich wie gesagt aktuell mehr Zeit im Home Office oder Zuhause mit den Kindern verbringe. Das Wäsche wegräumen war mir dann immer extrem verhasst und blieb oft liegen. Deshalb habe ich das jetzt an den Mann delegiert, der das auch nicht wahnsinnig gern macht, aber schon sieht, dass es nur fair ist, wenn er das übernimmt.

Einfach die Hausarbeit und den scheiß Mental Load durch zwei teilen!

Tja, so ist es, unser Familienleben. Unterm Strich bin ich sehr zufrieden mit unserer Arbeitsaufteilung. Der blöde „Mental Load“ belastet oft uns beide. Und dann kann es auch immer mal gut tun, einfach „nein“ zu sagen. Nein zur Mithilfe beim Kita-Trödel, nein zur hundertsten Waffelteigspende oder leider auch mal nein zum Feierabendbier mit den Kollegen. Und wenn das Auto immer noch mit Winterreifen da steht, wird halt einfach Fahrrad gefahren! 😉

Klar ist jedenfalls, dass jegliche Last kleiner wird, je besser man sie mit anderen teilt. Und um gegenseitige Unterstützung und Entlastung sollte es in einer Familie doch unter anderem gehen. Oder etwa nicht?

4 Kommentare zu „Einfach mal den scheiß Mental Load teilen!

  1. Ach, der Mental Load… Gestern kam mein Mann nach Hause und ich habe ausgesprochen, was alles so in meinem Kopf war: Unter anderem: „Morgen ist Waldtag; da müssen wir noch den Rucksack packen“… Da sagt mein Mann plötzlich: „Na toll. Das hätte ich gerne mal eher gewusst!“ o.O…….. Er ist jeden Tag im Kindergarten und sieht die Aushänge. Lacht man oder weint man da? Für die Verteilung des Mental Load haben wir jedenfalls noch keine Lösung gefunden. (Als er alleine für den Kindergarten zuständig war, hat er übrigens trotzdem alles vergessen.)

  2. Schick, eure Aufteilung! Hier ist es ähnlich, wir teilen auch Zuständigkeiten auf. Da ich aber gerade in Elternzeit bin, mache ich aktuell schon mehr… Allerdings versuche ich das auf die Dinge zu beschränken, die ich sowieso gerne mache, z.b. kochen. Baby kuscheln ist wichtiger.

    Besonders gut an den Zuständigkeiten bei uns gefällt mir übrigens aktuell, dass der Mann für die Nächte mit dem Baby zuständig ist! 🙂 weil er Vollzeit arbeitet, sagt er, er möchte wenigstens die Nächte mit dem Baby verbringen. <3

  3. egro

    Für mich hat sich viel ML reduziert, seit ich kein Whatsapp mehr habe – ich weiß, dass ist für viele keine Alternative ;), ist auch aus der Not entstanden: Handy kaputt, Ersatzhandy war kein Smartphone, sondern „nur“ zum telefonieren und simsen… nach ein paar Tagen spürte ich eine lange vermisste Entspannung – privat und auch beruflich. Daher mein Entschluss, ich lasse es erstmal ganz, mein Mann hat jetzt die ganzen Kindergruppen, aber er geht damit schon immer weniger exessiv um 😉 Aber er weiß jetzt einfach besser Bescheid und denk schon mal über bestimme Dinge nach, wie wir es organisieren, was die Kinder brauchen etc, ehe ich es überhaupt davon weiß und

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