Ein boxender Orang

Vor 1 ½ Jahren war ich nicht unbedingt eine von diesen seligen, sich über den dicken Bauch streichenden Schwangeren. So manches Mal wünschte ich mir, dass die Biotechnologie schon etwas weiter wäre und mein Kind nicht in mir, sondern stattdessen vielleicht in einer schönen, mit ordentlich Rotlicht gewärmten Petrischale heranwachsen könnte. Eine Schwangerschaft ist nicht immer ein völlig romantisches Zusammenwachsen von Mutter und Kind sondern häufig auch einfach nur: Gewöhnungsbedürftig. Schmerzhaft. Verunsichernd. Die gute Nachricht: Auch unromantische Schwangere lieben am Ende ihre Babys

Rückblick-Post: Juni 2013

(und ich im 6. Monat schwanger)

Eine Enttäuschung für alle, die überromantisierten Vorstellungen von innigen Mutter-Kind-Bindungen schon während der Schwangerschaft anhängen. Es ist ganz wunderbar, endlich zu realisieren, dass man ein Baby bekommt. Aber Dr. Ellen Ripley hätte ihr Alienbaby sicher auch lieber in einer heimeligen Petrischale mit leckerer Nährlösung aufgezogen, als in ihrem eigenen Bauch.

Seit einigen Wochen wünsche ich mir, niemals Alien 3 gesehen zu haben. Das ist der Film, in dem eine wirklich attraktive und noch junge Sigourney Weaver ein Alien gebiert. Es ist eine arg fiese Szene, Ellen Ripley bettelt noch darum, von den Ärzten getötet zu werden, aber da ist es schon zu spät. Das Alienbaby hat nicht die besten Manieren, es beult Ellens Bauch aus und sucht sich seinen Weg nach draußen.

Das Baby im Bauch spüren: Schön und beängstigend

Ganz zu Beginn meiner Schwangerschaft habe ich Witze darüber gemacht, dass ich mich dann bald wohl auch so fühlen werde wie Dr. Ripley in Alien 3. Nun ist es soweit. Ich fühle mich tatsächlich unterminiert. Der Orang-Utan ist erwacht. Und er scheint ein durchaus aktives Kind zu sein. In Anlehnung an das berühmteste Gedicht eines meiner ersten Deutschlehrer dichtete ich folgenden Poem:

Der Orang hat Fäuste
der Orang, der boxt
der Orang, der tralala
der Orang der hopst.

Es ist absurd, ich wusste zu Beginn nicht, ob ich lachen oder weinen sollte – der Mann attestierte mir eine schauspielreife Palette an Emotionen, die ich wohl in der Lage war, rein mimisch auszudrücken. War aber alles echt. Nix gespielt. Mittlerweile lache ich tatsächlich meist laut auf, wenn der Orang zu seinen gewohnten Zeiten (morgens, mittags, abends und ganz besonders vorm einschlafen) aktiv wird, man gewöhnt sich ja irgendwie an alles. Aber die Tatsache, dass da jemand in mir lebt, sich vollkommen unabhängig von meinem Körper bewegt, ist nach wie vor gewöhnungsbedürftig.

Gruselig: Mein Bauch führt ein Eigenleben!

Ich kann mir vorstellen, dass die Erwähnung dieses Faktums allgemeines Raunen provozieren könnte. Sollten werdende Mütter nicht glücklich-euphorisch auf die ersten Kindsbewegungen reagieren? Nun, ich tue mein Bestes, diese Erwartungen in Kürze zu erfüllen. Es macht mich durchaus glücklich, mein Kind nun zu spüren und so endlich zu realisieren, dass der Mann und ich bald ein Baby haben. Andererseits wäre es mir auch nicht unrecht, wenn mein Kind in einer Petrischale herangezogen würde und ich es mir hin und wieder anschauen könnte. Das würde mich ebenso glücklich machen und ja genauso gut die Tatsache, bald wirklich ein Baby zu haben, realer erscheinen lassen.

Zudem könnte ich dann besser schlafen. Denn logisch, dass ein charakterstarker fünf Monate alter Fötus es nicht akzeptiert, wenn die Mutti mal auf der rechten Seite liegen will. Links ist ihm aber auch nicht angenehm, verständlich. Morgens wecke ich ihn nun auch immer liebevoll auf, indem ich fest auf meinen Bauch drücke, was prompt mit einem ordentlichen Tritt von innen beantwortet wird. Wer mich in der Nacht durch Tritte weckt, sollte wenigstens morgens auch mit mir aufstehen. So ärgern wir uns beide gegenseitig, was ja aber vielleicht sogar die beste Art ist, sich aneinander zu gewöhnen. Denn ich bin mir sicher, dass wir uns in den nächsten 18 Jahren noch ziemlich viel miteinander herumärgern werden.

Richtig gruselig wird es mir jedoch, wenn man tatsächlich hopsende Bewegungen an der Bauchdecke beobachten kann, was bei mir schon relativ früh Fall war (zu wenig Bauchspeck, den sollte ich mir vor einer etwaigen zweiten Schwangerschaft unbedingt noch zulegen). Dann fühle ich mich eins zu eins wie Ellen Ripley in Alien und hoffe nur, dass meine Gebärmutter schön fest ist und den Orang ordentlich an Ort und Stelle hält. Einen Bauchdeckendurchbruch kann ich mir gerade nicht erlauben, wir wollen vor der Geburt noch umziehen.

Der Mann freut sich dagegen sehr, dass der Orang auch für ihn schon so früh fühl- und sogar sichtbar ist. Mit mir tauschen würde er aber auch nicht wollen. War ja klar.

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