Der Traum von der eigenen Tochter

Kennt ihr die Janosch-Geschichte von „Löwenzahn und Seidenpfote“? Eine Maus und ein Mauser wünschen sich darin Kinder: Der Mauser wünscht sich einen Sohn, damit der ihm beim Sägen helfen kann. Die Maus wünscht sich eine Tochter, die ihr beim Nähen helfen soll. Am Ende bekommen sie einen Sohn und eine Tochter, die den ihnen zugedachten Geschlechtsklischees jedoch so gar nicht entsprechen wollen: Die kleine Maus Seidenpfote ist eine Draufgängerin, wie sie im Buche steht. Der junge Mauser Löwenzahn hingegen ist ein kleines Sensibelchen, das am liebsten im Hintergrund die Fäden zieht.

Und die Moral von der Geschicht: Das Geschlecht spielt eigentlich keine Rolle, denn am Ende kommt es immer anders, als man denkt. Warum ist es dann trotzdem so, dass so viele Eltern sich ein bestimmtest Geschlecht wünschen? Ich nehme mich selbst da nicht aus! Hier habe ich bereits zugegeben, dass ich mir immer eine Tochter gewünscht habe. Auch wenn ich während beider Schwangerschaften das Geschlecht nicht wissen wollte, auch wenn ich nach der Hübchen-Geburt einfach glücklich mit meinem für mich perfekten kleinen Baby war – der Wunsch nach einer Tochter war immer da.

Ein bisschen komisch finde ich das schon. Weil ich Mädchen-Klischees ohnehin blöd finde. Ich selbst bin fast immer ungeschminkt, meine Lieblingsfarbe ist Grün und Zöpfe flechten kann ich auch nicht. Ich werde meiner Tochter später keine Hello-Kitty-Haarspangen in die Löckchen klemmen und ihr, wenn sie das unbedingt will, nur sehr widerwillig die singende Elsa-Puppe kaufen.

Es gibt sowohl ruhige als auch wilde Mädchen

Woher kommt also dieser Traum von der Tochter? Wenn ich mich umschaue, sehe ich in meinem Umfeld in der Tat eher ruhige Mädchen, die Rollenspiele lieben und sich für Babys interessieren (insbesondere für meins, das Räupchen ist der Hit bei Hübchens Kita-Freundinnen). Demgegenüber stehen raufende Jungs, die sich noch nach der Kita auf dem Hof mit Stöcken bekämpfen oder Unfug mit parkenden Autos anstellen. Was davon angeboren, was anerzogen ist, darüber möchte ich mir mit meinem aktuellen Wissens- oder eher Unwissensstand kein Urteil erlauben.

Gleichzeitig sehe ich jedoch bei Freunden, dass sie in der Autonomiephase mit ihren bockigen Töchtern genauso überfordert sind wie ich mit meinem Sohn. Ich höre von Mädchen, die wild und kaum zu bändigen sind, auf Bäume klettern und die Jungs in der Kita verhauen. Das gibt es also alles auch, klaro.

Man muss eh nehmen, was man kriegt

Und ich glaube auch, dass ich grundsätzlich mit allem glücklich werden könnte. Mit einem später ruhigen, eher besonnenen Räupchen. Aber auch mit einem kleinen Wildfang, der dem großen Bruder in nichts nachsteht. Außerdem ist man doch eh immer gezwungen, mit dem glücklich zu werden, was man eben kriegt. Und das ist vielleicht der einzige Zusammenhang, in dem der böseste Spruch der Elternwelt eine Berechtigung hat: „Wenn du das nicht packst, dann hättest du eben keine Kinder bekommen dürfen!“. Denn Kinder sucht man sich nun mal nicht aus. Und auch wenn ich oft über die wilde Natur des Hübchens fluche – ich muss ihn trotzdem nehmen wie er ist. Und wenn mir das zeitweise nicht gut gelingt, dann muss ich daran arbeiten.

Aber zurück zu der Gender-Thematik: Meine Vorstellungen von einer Tochter sind wie beschrieben irgendwie gar nicht auf die üblichen Klischees begrenzt. Ich brauche gar keine „typische“ Tochter. Warum war der Wunsch nach einem Mädchen dann trotzdem so groß?

Entfernen sich Söhne häufiger von der Familie?

Ich habe ein bisschen Angst, dass es insgeheim an der weit verbreiteten Tatsache liegt, dass Söhne sich häufig früh von der Familie entfernen, während Töchter eher nah dran bleiben, das trifft sogar auf meine eigene Familie zu. Und auch in meinem sonstigen Umfeld ist es fast immer so, dass die Jungs sich spätestens im Teenager-Alter innerlich von der Familie verabschieden.

Enge Beziehungen gibt es vor allem zwischen Müttern und Töchtern. Manchmal auch zwischen Vätern und Töchtern. Aber eher selten zwischen Müttern und Söhnen. Beliebt ist auch die böse Schwiegermutter, bzw. Schwiegeroma – gemeint ist natürlich immer die Schwiegermutter der Frau. Auch dieses Klischee kenne ich aus eigener Erfahrung: Während meine eigenen Eltern ein enges Verhältnis zu ihren Enkelkindern haben, sind die Großeltern väterlicherseits meinen Kindern unbekannt.

Großeltern väterlicherseits sind oft weniger engagiert

Angeblich gibt es für das vermehrte Desinteresse der Schwiegereltern sogar einen evolutionären Grund: Die Eltern des Mannes können schließlich nicht so genau wissen, ob die Kinder auch tatsächlich seine sind – oder nicht vielleicht doch eher Kuckuckskinder. Die Eltern der Frau wissen hingegen ziemlich sicher, dass es die leiblichen Kinder der Tochter sind, schließlich hat sie sie selbst geboren. Und im Sinne der Natur ist es anscheinend vor allem so, dass man sich am liebsten um jene Kinder kümmert, in denen man die eigenen Gene vermutet.

Falls an dieser Theorie für Evolutions-Anfänger tatsächlich etwas dran sein sollte (für mich klingt sie ein bisschen simpel, aber man weiß ja nie), ist es ja zum Glück trotzdem so, dass wir uns unserer Natur nicht unterwerfen müssen. Und auch wenn mein Umfeld nicht gerade aus solchen Konstellationen besteht, bin ich sehr sicher, dass es da draußen ziemlich viele Jungs-Eltern gibt, die als Großeltern die Kinder ihrer Söhne sehr lieben.

Woher kommt das Phänomen der sich entfernenden Söhne?

Trotzdem ist dieser Eindruck der Söhne, die sich von ihren Familien entfernen, für mich sehr stark. Und ich frage mich, woher dieses Phänomen kommt. Ist auch das letztlich anerzogen? Konditionieren wir unsere Töchter einfach sehr stark darauf, sich zu kümmern, Verantwortung zu übernehmen, da zu sein? Ermutigen wir unsere Söhne im Gegenteil dazu, in die weite Welt zu ziehen, uns zurück zu lassen und ihr eigenes Ding zu machen? (Ich meine das alles übrigens vor allem emotional, nicht unbedingt räumlich, auch wenn beides vielleicht häufig miteinander einhergeht.)

Leider geht auch die ansonsten wunderbare Geschichte von Löwenzahn und Seidenpfote so aus: Der Mut zum Unkonventionellen hatte Janosch am Ende seiner Geschichte wohl verlassen und er lässt die draufgängerische Seidenpfote häuslich werden, Mann und Kinder kriegen. Löwenzahn hingegen verkündet am Ende des Buches: „Adieu, ich gehe in die Stadt, berühmt werden!“. Selten habe ich mich so über das Ende eines Kinderbuches geärgert und mittlerweile lasse ich es beim Vorlesen einfach weg.

Der Wunsch nach der Tochter aus egoistischen Gründen?

Mich lässt jedenfalls seit einiger Zeit der Gedanke nicht los, dass ich mir eine Tochter auch aus eigenem Egoismus wünsche. Weil ich mir erhoffe, dass sie mir erhalten bleibt, ganz lange, bis zum Ende meines Lebens. Und ich muss mich einmal feste schütteln, um mir klar zu machen, dass ich selbst darauf doch sicher den meisten Einfluss habe. Es ist schließlich auch nicht mein Wunsch, dass das Hübchen sich mit 18 Jahren aus dem Staub macht und mich allerhöchstens noch mal an Weihnachten und zu meinem Geburtstag anruft.

Selbstverständlich ist es viel eher mein Traum, dass unsere gesamte Familie sich ein Leben lang eng verbunden fühlt. Dass meine Kinder ganz unabhängig von ihrem Geschlecht Vertrauen in uns Eltern haben und sich immer Zuhause und willkommen fühlen. Mein Traum ist auch, irgendwann mal eine tolle Schwiegermutter zu werden, für Schwiegertöchter oder Schwiegersöhne, ganz egal (und auch ganz egal, wem meiner Kinder die zuzuordnen sind). Und natürlich will ich irgendwann gerne eine coole Oma sein, für die Kinder beider Kinder, falls es die irgendwann geben sollte. (Fast genauso gerne wäre ich auch Schwiegermutter für ein tolles Pony. Vielleicht dürfte ich das dann manchmal reiten.)

Ich will mich von Geschlechterstereotypen frei machen

Ja, vielleicht muss ich mich hin und wieder selbst befreien, aus einer Welt voller Geschlechterstereotypen. Und mir häufiger klar machen, dass es am Ende doch hoffentlich eher darauf ankommt, wie wir zu unseren Kindern stehen, welche Werte wir ihnen vermitteln und welche Art von Familienleben wir ihnen vorleben. Auch deswegen denke ich, dass unser angestrebter Weg von möglichst starker Gleichberechtigung nicht der schlechteste sein kann. So sehen unsere Kinder an unserem Beispiel, dass sowohl die Frau als auch der Mann Verantwortung für die Familie übernimmt und sich vor allem auch emotional einbringt.

Ich hoffe sehr, dass ich mit meiner Annahme richtig liege und es eben nicht in der Biologie begründet liegt, wie stark der Familienzusammenhalt ist oder bleibt. Was meint ihr? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Und kennt ihr auch diese versteckte Sorge, eure Söhne könnten euch irgendwann verloren gehen? Ich freue mich auf eure Kommentare bei diesem für mich doch recht komplizierten Thema. 🙂

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22 Kommentare zu „Der Traum von der eigenen Tochter

  1. Ich habe mir immer eher einen Jungen gewünscht, war aber trotzdem kurz panisch, als sich einer angekündigt hat. Ich hatte einfach Angst, dass ich zu wenig Ahnung von Jungs hätte. Jetzt denke ich, dass ich von Mädchen keine Ahnung habe. 😉
    Ich glaube nicht, dass sich Jungs eher von der Familie abwenden. Das hängt auch immer daran, wie geborgen man sich in der Familie fühlt. Obwohl es tatsächlich häufiger die Großeltern väterlicherseits zu sein scheinen, die sich weniger für die Enkel interessieren – ich kenne aber auch mehrere Beispiele, bei denen es andersrum ist.

    • Ich sehe das eben leider in meinem Umfeld. Da sind es eher die Mädels, die engen Kontakt zu den Eltern behalten – manchmal durchaus über räumliche Distanzen hinweg. Im Gegensatz dazu kenne ich Jungs, die noch im Erwachsenenalter bei Mutti wohnten, aber hauptsächlich Hotel Mama nutzten, ohne sich irgendwie einzubringen oder eine wirkliche emotionale Verbindung herzustellen. Ich habe aber den starken Verdacht, dass das vor allem anerzogen war. Mädchen sollen sich kümmern, Jungs werden bekümmert – und lernen in der Konsequenz nicht, selbst Verantwortung zu übernehmen. Mein oberstes Ziel ist es, das anders zu machen. 😉

  2. Kathrin

    Als ich mit unserem 1. Kind schwanger war, war es für mich unvorstellbar, eine Tochter zu bekommen. Wir schwammen in einem Meer von Jungsnamen und nur ein Mädchenname, schien passend. Für jeden in meinem Umfeld war klar – es wird ein Junge. In der Familie meines Mannes, gibt es quasi gar kein Mädchengen ?
    Und dann – vor fast 23 Jahren, hatte ich eine Tochter geboren. Es war Liebe, vom ersten Atemzug an.
    Es folgten 2 weitere Kinder, 2 weitere Hoffnungen auf einen Sohn. 2 weitere, wunderbare Töchter kamen auf die Welt. Freie, selbstbewusste Mädchen, die ohne familiären Zwang ihren Weg gehen. Sie sind früh ausgezogen, für ihre Wunschschule, ihre Wunschuni oder eben, um sich auszutragen. Für sie selbst, ist der Gedanke an eine eigene Familie weit weg und es trennen uns viele km, aber wir bestärken sie auch darin, ihren Weg zu gehen.

    Nun kam vor bald 5 Jahren unser Sohn auf die Welt. Sehnlich erwartet und was passiert? Ich Wünsche mir manchmal, es wäre eine Tochter… Er ist anhänglich, tat sich extrem schwer, als ich nach 3 Jahren, nicht mehr stillen wollte und erklärte mir bereits – ich bleibe immer bei dir!

    Wir werden gespannt sein, wie es sich entwickelt und treten Klischees mit Füßen

    • Kathrin

      Nachtrag : meine Schwiegereltern sind sehr bemüht und zu meiner Mutter habe ich den Kontakt abgebrochen. Es kann also durchaus auch andersherum sein ?

    • Haha, dann lass ihn halt bleiben, Hotel Mama ist eben am allerschönsten! 😀

      Nee, im Ernst: Vermutlich gibt es solche Naturen auf Seiten beiderlei Geschlechts. Oder es ist das Nesthäkchen-Gen. 😉

      Mein Mann ist übrigens fast der einzige männliche Vertreter in einem Heer voller Schwestern und Cousinen. Trotzdem hat er einen Jungen geschafft! Aber vermutlich würden wir ab jetzt nur noch Mädels produzieren, würden wir weitermachen. ?

  3. Katharina

    Als sich bei uns der zweite Junge angekündigt hat war ich ehrlicherweise auch kurz enttäuscht. Meine Gedanken waren in etwa die gleichen wie deine. In meinem Umfeld sehe ich viele enge Mutter-Tochter-Beziehungen. Und viele Männer die den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen habe. Ich habe sogar ein wenig geweint bei dem Gedanken an alles was ich mit meiner Mama so mache. Shoppen, Brunchen, Hochzeitskleid kaufen…. Ja ich gestehe, ich hätte gern eine Tochter gehabt. Und immer höre ich meine Freundinnen über ihre schrecklichen Schwiegermütter herziehen. Und bekomme Angst, dass irgendwann ich die schreckliche Schwiegermutter sein könnte, die schon aus Prinzip alles falsch macht.
    Aber dann denke ich an meine Schwiegermama, die ich echt lieb habe. Mit der ich ins Kino gehe und die meine beiden Jungs heiß und innig liebt. Oder an die Freundin meiner Mama, die ihrer Schwiegertochter fast schon eine Ersatzmutter geworden ist. Und ich klammere mich an die Hoffnung, dass es eben nicht so sein muss dass die Söhne flüchten. Mein Mann ist ja eigentlich das beste Beispiel dafür.

    • Ich muss ehrlich zugeben, dass ich diese Gedanken auch schon hatte. Aber gerade weil ich zu meinen Schwiegereltern keinen Kontakt habe, dachte ich mir von Anfang an: Das machst du später besser! ?

      Ich nehme auch stark an, dass es in erster Linie anerzogen ist, wenn Söhne sich von der Familie abwenden. Und will es natürlich unbedingt anders machen. 😉

  4. Anke

    Haha, bei uns ist es genau umgedreht, Ich wohne im fernen Spanien und die Schwiegereltern um die Ecke, mein Freund war immer bei seinen Eltern in der Nähe und hat ein enges Verhältnis zu seiner Mama. Ich habe mir auch ein Mädchen gewünscht, ich glaube ich wünsche mir heimlich einen Mini-Clon und freue mich darauf, mich selbst in ihr wiederzufinden, was natürlich auch bei einem Sohn passieren könnte.
    Naja ich freue mich auf mein Mädchen und noch mehr Blog Posts von dir!

    Anke von Barcelonakind.de

    • Schön, dass du tolle Schwiegereltern hast! Bei dem „sich selbst wieder finden“ glaube ich, dass das eigentlich geschlechtsunabhängig ist. Und bei uns ist es ehrlich gesagt so, dass keiner von uns beiden sich im Hübchen besonders wiedererkennt. Der ist so sehr er selbst. Besser hätten wir einen neuen Menschen kaum hinkriegen können! ?

  5. Flora

    Als Tochter und Mutter einer Tochter kann ich in beide Richtungen schauen. Meine Mutter hatte nie Interesse an mir, weder als Kind noch als Erwachsene, die oben genannten Dinge, die man so mit seiner erwachsenen Tochter gerne machen würde, also Shoppen, Brunchen oder das Hochzeitskleid auswählen, habe ich nie erlebt. Gerne hätte ich es gemacht, aber es war einfach kein Interesse da. Als ich schwanger wurde, wollte ich unbedingt einen Jungen, ich hatte Angst, dass ich mich zu einer Tochter genauso verhalte wie meine Mutter zu mir. Auf dem Ultraschall zeigt sich dann ganz deutlich, dass es ein Mädchen ist, ich war zuerst verhalten, ich hatte Angst. Meine Tochter ist ein großes Geschenk und eigentlich ist sie beides, Raufbold und Prinzessin, und nein, wie meine Mutter bin ich definitiv nicht geworden.
    Was ich sagen will: die Antwort liegt auf beiden Seiten. Kein Kind distanziert sich im Normalfall ohne Grund von den Eltern, wenn eine liebevolle Bindung von Anfang an vorhanden war.

    • Oh, das ist ja keine schöne Geschichte! 🙁 Schade, dass deine Mutter nicht mehr Nähe zulassen kann. Aber es ist schön, dass du deinen eigenen Weg findest und Fehler sich nicht wiederholen müssen!

      Ich beobachte aber auch, dass Söhne sich oft scheinbar ohne Grund distanzieren, vor allem emotional. Sie wurden geliebt und umsorgt – und geben dann im Erwachsenenalter trotzdem so gut wie nichts zurück. Ich habe aber den Verdacht, dass es vielleicht manchmal eine „zu viel“ war, also nicht an Liebe, sondern an Aufopferung und Verantwortung abnehmen. Verstehst du, was ich meine? Ist irgendwie schwierig, das auszudrücken. Töchter wurden vielleicht eher so erzogen, sich zu „kümmern“, weniger egoistisch oder eigennützig zu sein.

  6. Tine

    Ein schöner Artikel. Ich gebe zu, ich habe auch diesen Wunsch nach einer Tochter und wenn mir jmd. sagen würde, dass ich mich für ein Geschlecht entscheiden müsste und dann nur von diesem Geschlecht Kinder bekommen würde, ich würde wohl das Mädchen wählen. Ich bekam einen Jungen. Und den würde ich natürlich nie wieder hergeben, dennoch – ich denke das ist einmal der Gedanke – fällt es mir manchmal schwer mich für seine Interessen zu begeistern. Wie du schon schreibst, weiß man das natürlich nicht vorher – aber ich habe es definitiv nicht gefördert und hätte auch gar nichts dagegen, wenn mein Sohn mit Puppen spielen würde – im Gegenteil! Aber er liebt Autos, Baustellen etc. Und ja, ich bin auch nicht so ein Schickimicki Mädchen bzw. Frau, aber …ich weiß es nicht. Es ist sicherlich auch die oben angesprochene evtl. andere Bindung. Ich habe zu meiner Mutter ein sehr viel engeres Verhältnis als zu meinem Papa, den ich ebenfalls aber über alles liebe. Aber intimere Sachen würde ich nur meiner Mutter erzählen. Das mit dem Entfernen von der Familie als Junge kann ich in unserer Familie nicht bestätigen (ich habe drei Geschwister, wir sind zwei Mädchen und zwei Jungen – ich und mein großer Bruder melden uns häufig bei meinen Eltern, die anderen beiden nicht so häufig), sehe es aber in anderen Familien. Davor habe ich schon Angst. Und dann ist da noch die Sache, dass Kinder bei einer Trennung meistens bei der Mutter leben und ich so ggf. später meine hoffentlich irgendwann existierenden Enkel nicht ganz so häufig sehe. So welche Gedanken habe ich. Das ist halt so.
    Nun erwarten wir Kind Nr. 2 im April und uns wurde bisher zu 65% ein zweiter Junge prophezeit (die Angabe 65% habe ich zuvor auch noch nicht gehört ^^). Ich war ganz ehrlich enttäuscht, dann dachte ich mir „Das kommt davon, wenn man sich so sehr ein Mädchen gewünscht hat. Ein bisschen Hoffnung habe ich ja noch. Aber wenn es nun ein zweiter Junge wird, dann ist es halt so – dann wird er genauso geliebt wie sein Bruder und ich versuche einfach genauso eine Bindung aufzubauen, wie ich sie mit meiner Mutter habe. In der Hoffnung, dass ich mich täusche und meine Jungs sich nicht von mir irgendwann „entfremden“ und wir eine innige Beziehung haben.

    • Ich hoffe ja sehr darauf, dass das Hübchen sich später für Fußball interessiert – zumindest passiv. Das ist ein Jungs-Interesse, das ich sehr gerne teile. ? Ehrlich gesagt ist es bei mir aber eher so, dass ich insgesamt wenig mit kleinkindlichen Interessen anfangen kann, ob das jetzt die Puppe oder der Bagger ist – ich finde alles gleich langweilig. ?

      Und ich glaube, ob man seine möglichen späteren Enkel regelmäßig sieht, hängt vor allem an einem selbst. Die Kinder und auch die Enkel merken es ja, wenn das Interesse nicht da ist. Und wenn man sich im Kontakt aufrichtig bemüht, sollte der normalerweise auch zustande kommen.

  7. Uta

    Beim ersten Kind war es mir egal. Ein Junge und ein Prachtkind. Ich war glücklich. Beim zweiten Kind hätte ich schon gern ein Mädchen gehabt, einfach, weil ich zum tollen Jungen auch gerne ein tolles Mädchen gehabt hätte. Ich wollte einfach beides erleben. Es wurde ein Junge. Ein toller Junge.
    Und diese Jungs haben mir so viel beigebracht über das Leben. Über Gender. Und „Jungesein“. Und beide waren natürlich ganz unterschiedlich. Sensibel, fröhlich, manchmal unsicher, einige Zeit auch Vorliebe für Puppen und Glitzer, fantasievoll der eine; sich gut anpassend, lautstark, unkompliziert in Kita und Schule, Vorliebe für Piraten und Dinos, fantasievoll der andere. Ich liebe die beiden sehr und erfreu(t)e mich an ihnen. Und trotzdem wuchs in mir mit der Zeit ein so mächtiger Mädchenwunsch, das es mir fast unheimlich war.
    Klar spielten da auch die üblichen Geschichten mit rein: Niedliche Kleider und Zöpfe, Bullerbü und Madita, „Unsere kleine Farm“ gucken, anderer Zugang in der Pubertät, späteres Verhältnis und Verbindung zu uns Eltern/ anderer Zugang zu Schwangerschaft und Geburt und später zu den Enkelkindern ect. Das stellte ich mir alles schön vor, aber mir war auch ganz klar, dass das Vernunftideen und Wunschträume waren. Der innige Wunsch nach einem Mädchen kam aber woanders her. Irgendwie aus dem tiefsten Innern. Und kaum zu erklären. Ganz mächtig. Und oft nur wirklich verstanden bestimmten Müttern, die auch nur Jungs hatten und dieses Sehnen fühlten. Es fühlte sich nicht ganz richtig an, so, als ob ich meine lieben Jungs verraten würde. Aber dem war nicht so. Ich hätte nur so gerne noch ein Mädchen gehabt. Nur, um zu wissen, wie es ist. Wie sie sein würde. Wie mein Mädchen wäre. Egal, ob wild oder scheu, Prinzessin oder Bauarbeiterin, Dickkopf oder Sensibelchen.
    Ich bin dann wieder schwanger geworden und bekam tatsächlich ein Mädchen. Erst hab ich mich kaum getraut mich zu freuen; wieder, weil es sich den Jungs gegenüber nicht richtig anfühlte.
    Aber dann war sie da. Sie sah so gar nicht so aus, wie ich mir mein Mädchen vorgestellt hatte. Aber dieses Sehnen, das hörte auf und bis heute finde ich es so wunderbar, dass ich erleben darf, auch eine Tochter zu haben. Und sie wird von ihren Brüdern gleichmaßen verehrt und in die harte Schule genommen. 😉
    Unser viertes Kind ist wieder ein Junge. Für mein Mädchen hätte ich mir eine Schwester in diesem Jungshaushalt gewünscht. Aber für mich ist alles gut wie es ist. Kein Sehnen. Ich genieße unseren kleinen Jungen so sehr und bin gespannt, was die Zukunft bringt…von den unterschiedlichen Charaktertypen her kann ich mir heute schon ganz gut vorstellen, wer von den Kindern sich innerlich am schnellsten entfernen und wer uns länger erhalten bleiben wird. 🙂 Und das hat mit dem Geschlecht wenig zu tun.
    Mein Mann hat übrigens zwei Brüder und keine Schwester. Und während er sich innerlich und räumlich von seinen Eltern schnell entfernte, entfernte sich der zweite vor allem räumlich, hält aber engen Kontakt und der dritten ist mit Kind und Kegel jedes zweites Wochenende bei meinen Schwiedereltern zu Besuch. 🙂

    • Danke fürs Teilen deiner Erfahrung! Und bestimmt hast du recht und es ist vor allem eine Frage des Charakters und weniger des Geschlechts, wer bleibt und wer geht. Ich stelle mir im Laufe der Diskussionen hier immer mehr die Frage, ob Jungs (früher) einfach anders erzogen worden sind, oder teils immer noch werden. Und dass es daran liegt, dass sie weniger involviert sind, was die Familie angeht.

  8. julia

    ich hab‘ mir auch ein mädchen gewünscht und einen jungen bekommen… kann aber gar nicht genau sagen, warum 😀

    in meiner familie (und auch in meinem umfeld) sind die töchter allerdings oft papakinder (ich auf jeden fall auch!) und die jungs haben einen besseren bezug zur mutter… das kann so verschieden sein und liegt am ende an eurer individuellen beziehung 🙂

  9. Christina

    Mein Mann ist ein totales Mama-Söhnchen, auch heute mit Mitte 30. Es wird nahezu täglich telefoniert, seine Mama weiß über alles Bescheid.
    Wir haben einen Sohn, wir wollten auch beide irgendwie einen. Aber ich hoffe ehrlich gesagt auf ein bisschen mehr Unabhängigkeit später, das sage ich zumindest jetzt… ?? Auch die Großeltern, also die Eltern meines Mannes, lieben und verhätscheln unseren Sohn sehr.
    Meine Mama ist leider vor 15 Jahren verstorben, aber auch mein Papa liebt seinen Enkelsohn und hat ein wunderbares Verhältnis, sowohl zu ihm, als aber auch natürlich zu mir / uns.
    Mein Schwager ist ähnlich, wenn auch deutlich weniger am Telefonieren. Am unabhängigsten von allen ist das Nesthäkchen, die kleine Schwester.
    Ich denke, es kommt echt immer auf die Art der Familie / des Aufwachsens / des Vorlebens an und nicht auf das Geschlecht.

    • Danke fürs Teilen deiner Erfahrung! Und ich kann verstehen, dass du es nicht immer so klasse findest, wenn dein Mann so an seiner Mutti hängt. 😀 Andererseits ist das ja viel schöner, als wenn Distanz bestünde. Und für die Kinder ist es immer toll, von den Großeltern verhätschelt zu werden. Wir Eltern kennen auch die Nachteile, aber wir gönnen es den Kindern doch, oder etwa nicht? 😉

      • Christina

        Ja, ich gönne das meinem Sohn und seinen Großeltern aus vollem Herzen!
        Und auch für meinen Mann freue ich mich eigentlich. Es ist nur manchmal echt anstrengend, wenn der Kleine endlich schläft, wir auf dem Sofa sitzen und dann die Mama angerufen werden muss ??

  10. ila

    Ich war erstaunt, als mir eine fremde Frau, nachdem sie während meiner Schwangerschaft nach dem Geschlecht des Kindes fragte, genau dieses Szenario als Unglück heraufbeschwor. Ich erwartete zu dem Zeitpunkt also einen Jungen, wie furchtbar *Ironie an*. Ich kann aus meiner Erfahrung her nur sagen, dass es vom Temperament des Kindes abhängt und was die Eltern in der Erziehung fordern. Ich selbst war als Mädchen und Teenager zwar eher ruhig, aber schon immer sehr stark unabhängig und habe mich gegen starre Geschlechterklischees innerhalb der Familie gewehrt. Dieses „du musst dich mehr um die Familie kümmern“ wurde subtil einfach mehr von mir als meinem Bruder verlangt. Der wiederum verhält sich klassisch sehr viel „familiärer“, wenn man das so nennen möchte – telefoniere, Nachrichten schreiben etc.. Ich denke, alles ist gut, so wie es ist und emotionale Nähe kann man nicht erzwingen, aber auch nicht mit Quantität von Kontakt bewerten, da jede Person einfach mehr oder weniger „braucht“.

  11. In meiner Familie bin ich räumlich ab Studium immer weiter weg gewesen, als mein jüngerer Bruder. Aber er war definitiv der mit mehr „Draufgängertum“. 😀 Ist aber auf seine Art auch ein totaler Familienmensch.
    Auch über das Verhalten der Familie meines Mannes gegenüber unserer Tochter kann ich mich nicht beschweren. Wenn wir nicht dann und wann einbremsen würden, würden sie die kleine Motte mit Geschenken überhäufen. Ein bisschen zu viel rosa manchmal, aber man kann ja nicht alles haben. ^^‘
    Wirkt auf mich daher alles weniger wie Biologie, sondern hat vermutlich eher was damit zu tun, wie wir aufgewachsen sind.

    Unsere Motte ist nun zwei und trägt von Latzhose bis Kleidchen alles quer, was halt da ist. Gespielt wird ebenso durch die Bank, manchmal vllt etwas von unseren Interessen geprägt (Malen, Singen, Lego), aber wenn sie Puppenmami sein will, ist das genauso gut.
    Ich war damals ein klein wenig erleichtert, als die Signale auf Mädchen standen, weil ich so einige Geschichten von einem anpieselnden Babyjungs gehört habe. *hihi*

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