Brigitte und Barbara

Neulich war ich mit dem Hübchen in der HNO-Praxis, das Räupchen wie immer im Schlepptau. Am Empfang saß Brigitte (Name von der Redaktion geändert). Brigitte hasst offenbar ihren Job. Und deswegen hasst sie auch mein Baby, das sich in einem unachtsamen Moment meinerseits irgendwelche mit Sicherheit höchstwichtigen Papiere krallt. Natürlich hasst sie auch mich dafür. Und das zwischen Wartezimmer und Empfang herum pesende Hübchen hasst sie sowieso. Weil sie uns so doof findet, lässt sie uns zur Anmeldung auch extra warten, bis alle anderen Patient*innen abgefrühstückt sind, die vor uns da waren. Obwohl sie weiß, dass wir den ersten Termin um 8 Uhr haben.

Weil Brigitte uns so sehr hasst, hasse auch ich Brigitte. „Mensch, hier haben heute morgen aber alle besonders gute Laune!“, sage ich laut zum Hübchen, der die Ironie daran natürlich gar nicht versteht, mich glücklich angrinst und sagt: „Ja, Mama, und du hast ja heute Geburtstag!“. Dass Brigitte mir zu ebendiesem gratuliert, damit muss ich nach meinem Spruch wohl nicht mehr rechnen. Habe ich jetzt auch wirklich nicht mehr verdient.

Beim Verlassen der Praxis denke ich darüber nach, warum ich dort immer nur auf Miesmuscheln treffe. Lauter Frauen mittleren und fortgeschrittenen Alters mit unterirdischer Laune, immer! Ganz offensichtlich machen diese Frauen ihren Job nicht gerne. Ob es an der Tätigkeit liegt, der Bezahlung, der mangelnden Wertschätzung – keine Ahnung. Ich kenne mich in diesem Berufsfeld echt nicht aus. Ich hake das Thema also ab und freue mich den Rest des Tages umso mehr über alle gut gelaunten Menschen, die uns begegnen.

Den verhassten Job einfach aufgeben

Ein paar Tage später muss ich erneut an Brigitte denken. Dann nämlich, als ich im Internet auf Barbara stoße (Name von der Redaktion geändert). Barbara hat ihren Job nach der Geburt ihrer Kinder nämlich an den Nagel gehängt. Sie ist jetzt Trageberaterin. Nee, nicht nur so Hobby. Sie ist selbstständig und verdient damit tatsächlich Geld, naja, ein bisschen zumindest. Sie verdient „dazu“, würde der Steuerberater vielleicht sagen. Barbaras Mann macht derweil den 9-to-5-Job, plus Überstunden. Irgendwie will das Reihenhaus ja abbezahlt werden.

Ob Brigitte ihren Job vielleicht auch gerne nach dem ersten Kind aufgegeben hätte?, frage ich mich. Und spinne weiter: Brigittes Mann heißt Detlef. Bis zur Geburt ihres gemeinsamen Kindes war er Controller in einem mittelständischen Betrieb. Ständig war er Schuld daran, wenn irgendwo Einsparungen angeordnet wurden. Kollegen wurden entlassen, weil Detlef zu gut gerechnet hatte. Blöder Job! Seine Elternzeit nutzte Detlef deswegen dazu, sich umzuorientieren: Er hatte nämlich schon immer den Traum, Tennislehrer zu werden. Für Kinder, insbesondere, denn zu Kindern hat er jetzt einen ganz neuen Draht bekommen, seit er selber eins hat.

Die Selbstständigkeit als Tennislehrer läuft nur langsam an. Detlef verdient dazu, Brigitte sorgt für den Broterwerb. Und auch langfristig wird die Familie durch Detlefs Tennisstunden nicht reich werden, weshalb Brigitte ihren Vollzeitjob beim HNO noch nicht mal reduzieren kann. So langsam verstehe ich also, warum Brigitte manchmal richtig schlecht gelaunt ist. Ihre Kinder hat sie nämlich auch nur abends und an den Wochenenden aufwachsen sehen.

Der Mann sichert die Familie ab, die Frau „verdient dazu“

Wie, ihr meint, das klingt unrealistisch? Ja, das finde ich auch. In den meisten Fällen wird es nämlich anders herum sein, so wie bei Barbara: Der Mann sichert die Familie ab, die Frau „verdient dazu“. Aus welchem Grund Brigitte hingegen tatsächlich immer noch in einem Job arbeitet, der ihr ganz offensichtlich keine große Freude bereitet, ist ja erst mal egal. Vermutlich gibt es auch gar keinen Detlef, für den sie mitverdienen muss. Trotzdem muss das Geld irgendwoher kommen und vielleicht gab es für Brigitte einfach wenig Möglichkeiten, sich beruflich noch mal neu zu orientieren.

Demgegenüber steht eine nicht zu unterschätzende Masse an Frauen, die die Geburt ihrer Kinder als Anlass nehmen, noch mal etwas ganz Neues zu machen. Mittlerweile gibt es ein ganzes Heer an Trage- und Stillberaterinnen, Doulas oder auch Yogalehrerinnen, Coaches und Achtsamkeitstrainerinnen, die früher vielleicht schnöde Bankkauffrauen, Erzieherinnen oder Mitarbeiterinnen im Marketing waren.

Sind das nur geänderte Interessen oder steckt mehr dahinter?

Was ich mich dabei immer frage: Sind es wirklich nur die geänderten Interessen bzw. der schlichte Fakt, dass diese Frauen in der Vergangenheit einen für sie unpassenden Beruf erlernt haben? Oder spielt auch das System eine Rolle? Unflexible Arbeitszeiten, fehlende Aufstiegschancen, unfaire Chefs oder Kolleg*innen, die es Müttern (gerade in Teilzeit) schwer machen. Ist der Weg in die Selbstständigkeit vielleicht oftmals der letzte Ausweg, überhaupt noch arbeiten zu können?

Und nicht zuletzt frage ich mich auch: Was ist mit all den Vätern, die vielleicht auch gerne Tennislehrer oder Achtsamkeitscoach werden würden? Denen aber unser altmodisches Bild sagt: Als Familienvater hast du deine Familie zu ernähren, also scheffel die Kohle ran! Detlef und Brigitte sind meiner Phantasie entsprungen, und ich vermute stark, dass sie da auch bleiben können.

Auf dem einen Geschlecht lastet die Erwartung, mit dem Gehalt eine ganze Familie ernähren zu können. Auf dem anderen Geschlecht lasten die Vorurteile, dass Mütter ja ohnehin keinen guten Job mehr machen können (zu viele Ausfallzeiten, kriegt doch eh bald das nächste etc.). Irgendwie macht mich das traurig. Im Jahr 2018.

Ich träume von einer gleichberechtigten Welt

Ich träume von einer Welt, in der beiden Geschlechtern alle Möglichkeiten offen stehen. In der Brigitte die Versichertenkarte fallen lassen kann, um endlich Finanzberaterin zu werden. Und in der Detlef sich die finanzielle Verantwortung für die Familie mit seiner Frau teilt und sich ins Abenteuer Tennislehrer stürzen kann. Ich träume auch von einer Welt, in der Barbara ihren Job als Grafikdesignerin immer noch gerne macht, weil ihr Chef die Agentur familienfreundlich ausrichtet und sogar Aufstiegsmöglichkeiten in Teilzeit bietet. Ihre Leidenschaft fürs Tragen kann sie deswegen in einer nebenberuflichen Selbstständigkeit ausleben – als Zuverdienst, aber mit Verve.

Und vielleicht, ja vielleicht träume ich auch von einer Welt, in der es männliche Trageberater gibt. Weil nämlich immer mehr Väter in der Elternzeit gemerkt haben, wie toll das Leben und die Arbeit mit Kindern ist und deswegen aus voller Leidenschaft umsatteln. Und sich das sogar leisten können, und zwar nicht nur, weil die Frau gut verdient, sondern auch, weil „typische Frauenberufe“ plötzlich viel besser bezahlt werden.

Vielleicht werden diese Träume ja irgendwann mal wahr. Zum Glück bin ich ja noch jung.

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28 Kommentare zu „Brigitte und Barbara

  1. Ich bin immer etwas fassungslos, wenn Mütter sich auf diese Weise selbstständig machen. Das ist für mich – etwas böse vielleicht – mehr eine Alibi-Tätigkeit, um den kompletten Jobausstieg zu verkaufen. Ohne wirtschaftliche Existenzsicherung, ohne soziale Absicherung, ohne die Möglichkeit, irgendwann mal wieder Stunden aufzustocken und mehr zum Familieneinkommen beizutragen, ohne Erwerb von Qualifikationen für einen eventuellen Wieder-Jobeinstieg. Abhängigkeit vom Mann und im Falle einer Trennung von den Sozialsystemen ist vorprogrammiert… Das ist für mich nicht Erwerbsarbeit, sondern Hobby.
    Dass das aus einer Unzufriedenheit mit Erwerbsarbeit und Strukturen resultiert, kann ja sein. Meiner Meinung nach wäre es da aber tatsächlich sinnvoller, die Väter mehr in die Familienarbeit zu holen, um Luft für Weiterbildungen und Bewerbungen und große Teilzeit zu haben, die viele Arbeitgeberinnen ja eher unproblematisch finden.
    Ich finde diese Tendenz zum Jobausstieg so irre kurzsichig und riskant (und zwar nur für die Frauen riskant, nicht etwa für die Vollzeit plus arbeitenden Männer), das macht mich immer ganz fuchtig. Dasselbe Problem habe ich auch mit der Diskussion um bezahlte Erziehungszeiten.

    • Kurzer Nachtrag: ich meine nicht bezahlte Erziehungszeiten im Sinne von Elternzeit, sondern auf Jahre hinaus (eine Bloggerin namens Mama streikt schlägt z.B. 12 Jahre bezahlte Jobabstinenz vor).

    • Ich finde es gar nicht so prekär, eine Selbstständigkeit aufzubauen und sich zu Beginn durch das Einkommen des Partners abzusichern. Es kommt halt auf den langfristigen Plan an. Und sicher hast du Recht, dass so Jobs wie Trageberaterin einen da oft zweifeln lassen, ob damit tatsächlich eine individuelle Absicherung inklusive Rente usw. erreicht werden kann.

      Generell finde ich es total sinnvoll, innerfamiliär umzuverteilen und es ist ja eine persönliche Entscheidung, wenn Mütter gerne hauptsächlich für die Kinder da sein wollen und nur „dazuverdienen“. Fahrlässig finde ich, wenn dann nicht für Ausgleich gesorgt wird, als der Mann z.B. mit für die Rente der Frau vorsorgt.

      Bezahlte Erziehungszeiten finde ich gar keine dumme Idee. Ich denke da z.B. in Richtung von Langzeitarbeitskonten, so dass es normal wird, eine gewisse Zeit weniger zu arbeiten, aber das gleiche zu verdienen. Mich macht vor allem ärgerlich, dass vor allem Väter sich nach wie vor gezwungen fühlen, Vollzeit zu arbeiten. Vielleicht sollte man mal an der Stelle ansetzen.

      Jahre über Jahre komplett aus dem Berufsleben auszuscheiden finde ich nicht empfehlenswert und sehe auch keinen Grund, warum das in irgendeiner Form finanziell unterstützt werden sollte.

      • Ja, da muss auch ich differenzierter sein: es geht mir um die Selbstständigkeiten, bei denen von Anfang an klar ist, dass das eben nicht existenzsichernd ist und nie sein wird und eben das Risiko der Abhängigkeit komplett bei der Frau liegt. Ich habe immer das Gefühl, dass Existenzsicherung auch nicht der Plan ist, wenn man anfängt, selbstgeklöppelte Wickeltaschen zu Selbstausbeuterinnenpreisen (diese Subvention durch den Ehepartner verdirbt ja auch noch die Preise für die Menschen, die vielleicht wirklich davon leben müssten! Argh!) auf DaWand* zu verkaufen. Das ist eher so eine allgemeine Plüschigkeit und so herrlich wenig Widerstände, viel gemütlicher als im Berufsleben. Ich erinnere mich gut an meine Elternzeit, als ich das auf einmal total gut nachvollziehen konnte, zumindest für ein paar Wochen… Aber klar, Männer sollten denselben Anspruch haben, ihren Bedarf an Plüschigkeit auszuleben.
        (Mit den „individuellen Entscheidungen“ bin ich immer etwas vorsichtig. Wenn eine in jeder Familie individuelle Entscheidung zu 95% dasselbe Ergebnis bringt – in diesem Falle Mann=Vollverdiener, Frau=für Kinder zuständig – nenne ich das eine Struktur, und die ist ja eher nicht individuell. Aber das ist dann meine Soziologinnen-Ausbildung und ein wenig Wortklauberei, das kann man auch anders sehen 🙂 )
        Sorry für die Romane, das Thema finde ich sehr spannend.

    • Doro

      Manchmal denke ich auch, dass schon alleine die Tatsache, dass die Männer meistens die älteren sind, diese Strukturen auch nicht gerade verändern. Bei ganz jungen Familien studiert die Frau evtl. noch und der Mann hat den festen Job. Später ist der Mann unabhängig vom Job weiter oben in der Karriereleiter. Das Gehalt des Mannes wird dann oft gebraucht -manchmal für die Grundsicherung, manchmal für das Reihenhäuschen oder das teure Auto. Also pausiert dann die Frau oder studiert gar nicht fertig.
      Ganz abgesehen von der miesen Bezahlung der typischen Frauenberufe, wo es zusätzlich für Führungskräfte keinerlei finaziellen Anreiz gibt. Und in diesen Berufen, die angeblich so gesucht sind, hast du dann zusätzlich noch mit der Betreuung Probleme, weil kein Arbeitgeber in der Lage ist, Betriebskindergärten mit entsprechenden Öffnungszeiten zu organisieren. Ich arbeite in der Pflege. Wenn ich Vollzeit arbeiten wollte und mein Mann Teilzeit, dann würden wir uns entweder gar nicht mehr sehen und ich hätte kein Sozialleben mehr, oder aber wir bräuchten eine Nanny. Ganz abgesehen von der riesigen Gehaltslücke, die immer weiter auseinanderklafft.

      • Ha, genau darüber habe ich sogar schon mal gebloggt: http://kinderhaben.de/vereinbarkeitsgeschichten-der-altersunterschied-killt-unsere-gleichberechtigung/

        Bei uns ist es ja auch so: Ich wäre so gerne auch mal der 9-to-5-Dad, weil mich der Alltag mit Kindern manchmal extrem stresst. Aber allein aus finanziellen Gründen wäre ein Rollentausch aktuell wahnsinn (äh, und weil das Baby immer noch nur Muttermilch säuft, aber das ist eine andere Baustelle 😉 ). Immerhin planen wir für die Zukunft jedoch, uns beruflich anzunähern, was Gehalt und Zeitaufteilung angeht. Mir ist aber klar, dass wir da aufgrund unserer Ausbildungen recht privilegiert sind. Trotzdem bleibt oft der Unmut, dass ich aufgrund meines jüngeren Alters im Vergleich mit meinem Mann weniger Möglichkeiten habe.

  2. Annika

    ja, der gedanke das manche berufe, im kindergarten und co, fairer bezahlt werden, ist leider immernoch nur ein netter gedanke.
    was mich allerdings in der debatte immer etwas stört: es werden häufig nur irgendwelche yoga, stillberater, trageberater etc berufe aufgelistet. dies sind ja meistens selbstständige, taugen daher eher schlecht zum vergleich mit festangestellten. wärend die höhe der bezahlung bei berufen wie krankenschwester, kindergärtnerin etc. durchaus von der politik zu beeinflussen ist, gewärkschaften lassen grüßen, so ist die menge an sichselbst verwirklichenden trageberaterinnen und co, die die welt wirklich braucht eher begrenzt. Der bedarf fü rstuerberaterInnen ist nunmal höher als der für den X-ten „achtsamkeits coach“ (was auch immer das wirklich sein soll) und wie viele trageberater die welt braucht sei auch mal dahin gestellt. ich weiß nichtmal wieso, aber für mich klingt das einfach nach berufen die ich nur wenig ernst nehmen kann. Auf mich wirken diese berufe wirklich wie das klischee des “ frau braucht ein hobby und verdient etwas dazu“ berufe. aber evtl unterschätze ich ja wie dringend man achtsmkeits coaches etc braucht… wenn man selber keinen braucht ist das schwer zu sagen
    allerdings: wer selbstständig ist hat meist mehr finanzielle unsicherheit als ein angestellter. in diesen bereichen könnte sich wirklcih mal etwas tun in sachen gerechtigeit. es ist immerhin schon 2018…. ich frage mich wie viele jahre wir da noch warten müssen

  3. Lisa

    Ich habe mich so selbständig gemacht weil ich ganz einfach keinen Job mehr bekommen habe. Ich konnte so tagsüber etwas Sinnvolles mit meiner Zeit machen, das war schön. Eine festanstellung in meinem Bereich in teilweise mit Kinder ? das ist utopisch da ist es wahrscheinlicher im lotto zu gewinnen. Was mich fast noch mehr kränkt als absagen auf Bewerbungen zu erhalten (nur weil ich Kinder habe) sind due anderen Frauen due sich dann über meine selbstständige Arbeit lustig machen und auf mich herabschauen. Von Männern bekomme ich hingegen anerkennung dafür dad ich nicht aufgeben und etwas aus meiner situation mache.

    • Lisa

      Sorry für die Rechtschreibung. Gerade schläft ein Baby auf meinem Arm so dad ich nicht gut tippen kann.

  4. R.

    Lisa, ich finde du hast vollkommen recht! Nicht in allen Bereichen ist es einfach so möglich wieder einzusteigen und anstatt dies zu kritisieren, anzuprangern und dagegen vorzugehen ist es immer einfacher auf die Frau zu gucken und sich lustig/abfällig zu verhalten.
    Ich selbst habe 6 Jahre studiert, arbeite in einer leitenden Funktion im pädagogischen Bereich in Teilzeit (30 Stunden). Mit meinen 1400 Euro netto kann ich leider uns 4 nicht ernähren. Mein Partner (ebenfalls in Teilzeit) verdient das dreifache. Bei. Ersten Kind konnten wir uns noch die geteilte Elternzeit leisten, Beim zweiten Kind sieht das leider nun anders aus. Bei Vorstellungsgesprächen werde am laufenden Band natürlich ich gefragt, wie ich das denn alles hinbekommen will, zwei Kinder und die Arbeitszeiten… dass es einen Vater zu den Kindern gibt scheint den meisten Menschen fern. Ich arbeite aus Überzeugung, wenn ich aber sehe was am Ende dabei übrig bleibt und wie viel Stress es bedeutet, ertappe ich mich morgens wenn ich die Kinder zur Kita Hetze schon bei dem Gedanken warum ich mir das alles antue. Ich weiß aber dass es wichtig für mich ist, obwohl ich vermutlich auch nicht viel mehr als einen Zuverdienst beitragen kann und in einer massiven finanziellen Abhängigkeit stecke… und das ist einfach ein strukturelles Problem! „Frauenarbeit“ muss besser entlohnt werden!

    • Mein Text sollte keinesfalls so rüber kommen, als würde ich auf irgendwen herabschauen. Ich finde es großartig, wenn Frauen sich trauen, das zu machen, was ihnen Spaß macht. Ich hinterfrage aber eben auch gerne, ob da nicht auch das System mit reinspielt und ihr benennt ja sogar die strukturellen Probleme. Es ist ja auf der einen Seite schön, wenn strukturell benachteiligte Mütter sich Wege suchen, um weiterhin etwas zu leisten. Nur kann es ja nicht sein, dass das dann wieder nur Beschäftigungen sind, mit denen sich z.B. keine nennenswerte Rente erwirtschaften lässt. Und deswegen habt ihr so Recht: So viele Berufe müssen endlich besser bezahlt werden!!

  5. Elli7

    Ohne auf die eigentliche Thematik des Textes einzugehen, aber um auf eine deiner Eingangsfragen zu antworten, warum du immer nur auf „Miesmuscheln“ triffst:
    Vielleicht liegt es einfach an euch?

    Ganz wertfrei.
    Aus deinen Beiträgen geht hervor, dass deine Kinder recht schwierig zu sein scheinen; das eine, weil’s einfach ein Kleinkind ist, das andere, weil es ein massives Problem mit der Gefühlsregulation und der Aufmerksamkeitsgewinnung hat.
    Wenn dann da in einer Arztpraxis, in der Ruhe angebracht ist, ein Kind aufgrund mangelnder Aufmerksamkeit wichtige Unterlagen durcheinanderbringt (was problematisch aber verzeihbar ist) und das andere lautstark durch die Praxis rennt (was problematisch ist), dann kann ich schon verstehen, dass man da ungehalten reagiert.

    Ein Gedanke noch zur Hauptthematik des Textes, den du auch schon angeschnitten hast:
    Mir kommt’s oft so vor, als seien/würden solche Frauen mit der Geburt ihrer Kinder doch eher zu Anhängerinnen des klassischen Systems: Mann verdient, Frau bleibt daheim. Nur: natürlich ist unsere Gesellschaft durchzogen vom Leistungsgedanken, der Idee der Selbstverwirklichung und Selbstständigkeit etc. Das macht so einen „Alibi“.Job quasi nötig, einerseits für die Außendarstellung, andererseits, weil man viele dieser gesellschaftlichen Maximen bestimmt auch schon internalisiert hat.

    • Du irrst dich, dein Kommentar ist kein bisschen wertfrei, da du eine Situation unter Heranziehung falscher Annahmen interpretierst, bei der du nicht dabei warst. Wenn du den Text gelesen hast, weißt du im übrigen, dass mein Junge an diesem Tag sehr gute Laune hatte. Dass Kinder sich in langweiligen Wartesituationen nicht auf Abruf ruhig verhalten, liegt in der Natur der Sache. Ich würde auch manchmal gerne einfach die Batterie rausnehmen, leider geht das aber nicht.

      Ich finde, dein Kommentar zeigt viel mehr ein Problem, dass mich so häufig an der deutschen Gesellschaft nervt: Kinder, die nicht ultra angepasst und bloß schön brav und leise sind, werden fast überall als störend empfunden. Das habe ich in anderen Ländern ganz anders erlebt, da bemühen sich andere Menschen sogar darum, die Kinder in für sie nervigen Situationen mit abzulenken, so lange zu beschäftigen usw. Diese tolle Erfahrung haben wir z.B. in Südengland gemacht, hier habe ich u.a. darüber geschrieben: http://kinderhaben.de/hello-love-ein-plaedoyer-fuer-mehr-toleranz-im-umgang-mit-kindern-und-kinderlosen/

      Übrigens finde ich auch deine Interpretation interessant, eines meiner Kinder sei schwierig, weil es ein Kleinkind sei. Erstens sind Kleinkinder nicht grundsätzlich schwierig, zweitens ist meins sogar noch ein Baby – und noch dazu ein extrem ruhiges und braves (das steht auch in meinen Texten, du darfst gerne nachlesen). Drittens hat mein älteres Kind kein „massives“ Problem mit was auch immer. Auch das ist deine Interpretation (die selbst Fachleute wohl erst nach langwieriger Anamnese treffen würden) und damit ganz schön übergriffig.

      Und zu deinem thematisch passenden Kommentar: Ich glaube, die Frauen, die ihre Selbstständigkeiten mit Leidenschaft ausführen, wären ganz schön sauer, wenn du ihnen eine Alibi-Beschäftigung vorwerfen würdest. Aber es ist bezeichnend, dass auch da die Frauen „Schuld“ sein sollen, bzw. als so blöd oder schwach dargestellt werden, ihre eigentliche Überzeugung nicht selbstbewusst leben zu können. Ich finde dieses Bild extrem befremdlich und irgendwie auch traurig.

      • Elli7

        So eine Antwort war ja zu erwarten.
        Bei der Einstellung wundert es mich aber nicht, dass ihr immer wieder aneckt.

        • Steffi

          Wenn dich Sophies Einstellung so stört, dann lies doch einfach nicht auf ihrer Seite. Ich weiß, freie Meinungsäußerung und so, aber mir als Leserin diverser Blogs geht es bis heute nicht in den Kopf, wie man andere Menschen, die netter Weise öffentlich ihre Meinung und vor allem ihr Leben teilen, so ganz und gar nicht wertfrei kommentiert, indem man sie erst indirekt beleidigt und dann nicht zu einer sachlichen Diskussion bereit ist, sondern eingeschnappt ein „war ja zu erwarten“ antwortet. Sophie ist eine offensichtlich in so vielen Bereichen so reflektierte und belesene Person, mit der sachliche Diskussionen daher nicht nur durchaus möglich sondern auch noch spannend sind, wie viele ihrer Artikel zeigen. Wer dazu nicht bereit ist, kann das Lesen hier auch einfach lassen, statt sich über ihre Aussagen aufzuregen oder über sie und ihre Kinder zu urteilen. Sorry, aber das musste Mal raus, auch wenn es unter diesem Artikel eigentlich Off topic ist.

          • Elli7

            Warum fragst du eigentlich, wenn du dir die Antwort im ersten Satz selbst schon gibst?

          • Liebe Steffi, was bei mir an dieser Stelle mal wieder raus muss, ist das hier: Ich finde es insgesamt so großartig, wie respektvoll und empathisch hier in der Regel immer kommuniziert wird! Wegen dir und den ganzen anderen Leser*innen betreibe ich diesen Blog so wahnsinnig gern! Ich liebe eure unterschiedlichen Perspektiven, Meinungen und Erfahrungen und wie wir uns dazu hier austauschen! Danke dafür! ❤

            Wenn da mal Kommentare zwischen rutschen, die so bewusst provozieren wollen, ärgert mich das deshalb fast gar nicht. 😉

          • Liebe Steffi, ja, so hatte ich deinen Kommentar auch interpretiert. Und in der Tat hast du ein bisschen recht. Ich kenne auch Bloggerinnen, die wegen einer unglaublichen Masse an respektlosen oder beleidigenden Kommentaren irgendwann sogar das Handtuch geworfen haben. So was ist natürlich extrem schade. Aber hier ist das ja zum Glück nicht so schlimm. Ich mache also sicher weiter, schon allein deshalb, weil ich so viel tolles Feedback bekomme. 🙂

      • Elli7

        Ach Gott, du wirst die Konsequenzen deiner Hybris schon noch zu spüren zu bekommen, spätestens wenn dein Goldkind in die Schule kommt, nicht mehr alles so larifari läuft und deutlich auffällt, wie defizitär es in seiner Entwicklung ist. Aber gut, dann sind ja sowieso wieder die Lehrer, die alle auf Linie bringen wollen, das System, das die „Gefühle einfach stärker spürenden“ Kinder einengt oder im Zweifelsfall einfach irgendwer schuld.

        • Liebe Elli, ich möchte dich nun doch darum bitten, dein respektloses Kommentieren einzustellen. Ich lasse mich davon nicht provozieren, da nichts von dem, was du behauptest, zutrifft. Und ehrlich gesagt verstehe ich auch nicht, was dir dieses destruktive Verhalten bringt. Für deinen Seelenfrieden ist es jedenfalls sicher auch nicht gut.

          Vielleicht fragst du dich mal, woher deine Wut kommt? Was nervt dich so an Kindern, die intensiver fühlen und reagieren? Hast du privat Kontakt zu anderen Eltern, die deiner Meinung nach „falsch“ mit ihren Kindern umgehen? Was macht dir so große Angst daran, wenn Kinder irgendwie „nicht ins System passen“? Warst du vielleicht selbst so ein „schwieriges“ Kind und hast dich damit allein gelassen gefühlt? Oft bringt es einen ja sogar weiter, sich mit den eigenen Ängsten, der eigenen Wut zu befassen.

          Hier ist jedoch nicht der richtige Platz dafür. Vor allem auch, das nur als Randnotiz, weil mir ja sogar sehr daran gelegen ist, mein gefühlsstarkes Kind fit fürs „System“ zu machen. Wenn du magst, kannst du uns ja hier weiter begleiten, dann wirst du darüber sicher noch lesen.

          Dann möchte ich dich jedoch wie gesagt bitten, respektvoller zu kommentieren. Danke dir.

          • Steffi

            Liebe Sophie, weil es oben unter deine Antwort auf mein Kommentar leider nicht möglich war zu antworten, jetzt hier: Ich lese dich und deine reflektierten und dabei dennoch humorvollen und sprachlich ansprechenden Artikel sehr gern, daher wollte ich an dieser Stelle gern kommentieren – weniger um dich zu verteidigen (ich denke du bist so professionell, das nicht zu nah an dich heranzulassen, auch wenn das sicher nicht immer einfach ist ), sondern um deutlich zu machen, dass wir als Leserin nen keine anonyme Masse sind, sonder die Diskussionen hier ebenfalls mit moderieren sozusagen. Dass auch hier gegenseitiges Eingreifen stattfindet, wenn es beleidigend wird, dass auch ich als Leserin aus eigenem Interesse den Austausch hier sachlich haben will, denn wenn zu viele Beleidigung en kommen, stellst du womöglich deine Erfahrungen nicht mehr so online und das wäre so schade! Wie gesagt, unterschiedliche Perspektiven sind toll, aber der Ton macht die Musik, denke ich.

          • Elli7

            Was „respektvoll“ oder nicht ist, legst du ja lediglich danach aus, ob dir eine Antwort in den Kram passt oder nicht.
            Aber gut, das ist dein gutes Recht; das hier ist schließlich dein Blog.
            Aber ich glaube nicht, dass dir deine reflexartige Abwehr von Kritik an dir und deinem emotional so begabten Kind auf die Dauer viel bringt – du merkst ja jetzt schon, dass es schwierig wird, in der „normalen“ Welt, in der nicht alle auf rosa Plüschpompons gebürstet sind und dem bockigen Schreikind beim Aufheben eines Sitzkissens helfen 😉
            Aber ich wünsch dir trotzdem noch Glück und Durchhaltevermögen.

        • Liebe Elli, was respektvoll ist und was nicht, beurteile ich danach, welche Kommentare beleidigend, unterstellend, auf gemeine Art wertend oder sonstwie übergriffig sind. Es erstaunt mich, dass du deine Kommentare offenbar nicht in diese Kategorie einordnest. Unsere Wahrnehmungen scheine da sehr stark auseinander zu gehen. Aber wie du auch schreibst: Das hier ist mein Blog und auf Kommentare dieser Kategorie habe ich auf Dauer keine Lust. Deswegen danke ich dir fürs zukünftige Wahren gewisser Grenzen!

  6. Katili

    Ich bin total zufrieden mit meinem (Voll)zeitjob und mit meinem zusätzlichen „Hobbyberuf“ als Trageberaterin. Ja, für mich ist diese Arbeit eher mehr aus Spaß an der Freude und weil ich eben viele Interessen habe. Bin da auch nie mit dem Gedanken des übermäßigen Zuverdienst herangegangen(reich kann man damit ja eh nicht werden). Ich bin da auch nur zu gekommen, weil ich meine Kinder viel trage/getragen habe und oft von Freunden und Bekannten um
    Hilfe und Tipps gebeten wurde und das ganze wollte ich irgendwann professioneller machen..aber bin da vielleicht auch eine Exotin?.
    In meinem Kurs waren übrigens viele Frauen, die diese Ausbildung für ihren eigentlichen Beruf zusätzlich anbieten (Hebammen, Physios etc.), d.h. sie wollten ein neues Angebot mit dieser Ausbildung schaffen, weil sie von ihren Patienten/Kunden zum Tragen gefragt wurden und somit mit dem Thema immer öfters in Berührung kommen. Einige waren auch einfach nur fasziniert vom Tragen und wollten mehr wissen als die üblichen Bindeanleitungen und youtube Videos.
    Die wenigsten(bzw. eigentlich keine) waren genervt vom Job oder wollten sich selbst verwirklichen. Also hier keine frustrierten Sprechstundenhilfen und zuarbeitende Teilzeitmuttis?

    • Danke für diesen Einblick! 🙂 Ich muss zugeben, dass die armen Trageberaterinnen hier auch nur als Beispiel herhalten mussten und weil ich zufällig tatsächlich ein paar solcher Lebensläufe kenne (alternativ Kanga-Trainerinnen, Baby-Kursleiterinnen etc.), in denen die Frauen das nicht als „Hobby“ oder Zuverdienst zum Erstjob, sondern tatsächlich als Plan B machen. Da habe ich mich sogar schon mit meiner Hebamme drüber unterhalten, die das auch problematisch fand, dass es jetzt so viele Quereinsteigerinnen gibt, die plötzlich Stillberaterinnen, Doulas usw. werden wollen, nur weil sie jetzt selbst Kinder haben.

      Lange Rede kurzer Sinn: Ich wollte natürlich gar nicht unterstellen, dass es bei allen so ist. Und selbst wenn, dann bin ich da recht wertfrei, weil hinter jeder Entscheidung ja eine Person mit einer Geschichte steht und es sicher Gründe geben wird. Selbst wenn am Ende ein Scheitern steht, kann es ja für etwas gut sein. 😉

      • Katili

        Im Prinzip ist das nicht unbedingt der klassische Quereinsteigerjob, wie es einige Hebammen vorstellen. Hebammen, die eine Ausbildung in der Trageberatung machen, lächeln anfangs drüber und sind am Ende über den Umfang überrascht ?. Es ist zwar schlecht mit einer drei jährigen Ausbildung oder gar einem Studium zu vergleichen, aber sie müssen sich doch ein wenig eingestehen, dass diese Tätigkeit schon einen Sinn hat und der Hebammenarbeit zur Unterstützung dient, da es nunmal auch nicht Steckenpferd der Hebammenausbildung(dazu ist sie wiederum viel zu umfangreich) ist. Deshalb sollten sich Hebammen schon entsprechend fortbilden um kompetent beraten zu können (gilt auch für die Stillberatung) oder gleich an eine Beraterin oder entsprechend fortgebildet Hebamme vermitteln.
        Ich habe da leider auch nicht die besten Erfahrungen gemacht..die erste Wickelkreuztrage wurde mir von meiner damaligen Hebamme gezeigt und ich glaube sie hat auch nur mal kurz in ein Heftchen eines Herstellers geschaut (hat mir doch glatt nicht gezeigt strähnchenweise festzuziehen?). Das hat mir das Tuchtragen erstmal nicht unbedingt nahe gebracht und ich war damals froh dann zur „Spezialistin“ zu gehen. Hatte bei zwei Kindern zwei unterschiedliche Hebammen. Was Mütter und Babypflege anging, alles tiptop..aber für Tragen und auch Stillen war es leider nicht die beste Beratung. Ich war froh, dass es diese Zusatzangebote gab. Sonst wäre ich abgestillt und abgetragen gewesen.
        Ach, jetzt mal genug mit der Werbung! Vielleicht solltest du auch am besten die Ausbildung machen, wäre schön ein paar Beiträge in deinem Blog darüber zu lesen und da du gerne trägst ist schonmal ein Kriterium erfüllt?.

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