Babybauchzeit: Nora Imlau & Sabine Pfützner im Interview

Es ist schon wieder viel zu viele Wochen her, dass ich Nora Imlau und Sabine Pfützner zum Interview getroffen habe. Die beiden haben einen richtig umfangreichen Schwangerschaftsratgeber mit dem Titel „Babybauchzeit“ geschrieben. Auf ihrer  Lesereise haben sie einen Stopp in Essen eingelegt und ich durfte nicht nur zuhören, sondern im Anschluss auch ein paar Fragen stellen. Nun schiebe ich die Veröffentlichung schon eine Weile vor mir her, weil ich erstens das Interview noch kürzen wollte und zweitens eine Rezension mit Verlosung von „Babybauchzeit“ anschließen wollte, mir aber an allen Ecken und Enden die Zeit dazu fehlte. Aber irgendwann dachte ich mir: Bist du eigentlich verrückt? Das hier ist doch mein Blog und ich mache alles, wie ich es will! Daher lest ihr nun das ganze Interview, so gut wie ungekürzt und die Rezension + Verlosung folgt im Laufe der Woche. OK? Dann viel Spaß beim Lesen!

Als ich Nora und Sabine zu Lesung und Interview traf, hatte ich noch keinen einzigen Blick ins neue Buch geworfen. Aber das machte gar nichts! Die Lesung, die eher einem Vortrag und Dialog glich, war so prima strukturiert und unterhaltsam, dass man ihr auch ohne Vorwissen sehr gut folgen konnte. Nach dem Vortrag durfte ich die beiden Autorinnen dann noch mit meinen Fragen löchern und die beiden sind wirklich so locker und sympathisch, wie man sie sich vorstellt, wenn man ihr Buch liest (was ich in der Zwischenzeit ja zumindest zur Hälfte geschafft habe).

Natürlich hatte ich mir auch einige kritische Fragen überlegt und war gespannt auf die Antworten. Und ihr seid es bestimmt auch, deswegen geht’s auch gleich los. Vorher allerdings noch der Hinweis: Ich habe hier ein dickes fettes Exemplar von „Babybauchzeit“ herumliegen (es ist wirklich ein stattliches Buch!) – und da ich nicht vorhabe, in nächster Zeit schwanger zu werden, wäre es doch schade, wenn es hier Staub ansetzte. Daher werde ich das Buch hier im Blog verlosen! Ich sage einfach mal, dass ich es diese Woche noch schaffe und ihr so noch vor Weihnachten „Babybauchzeit“ gewinnen (und damit z.B. auch an eine schwangere Freundin verschenken) könnt. Klingt gut? Dann tragt euch am besten für meinen Newsletter ein, ich informiere euch dann, sobald die Verlosung online ist!

Aber jetzt erst mal viel Spaß mit den Antworten von Nora und Sabine zu ihrem Schwangerschaftsbuch „Babybauchzeit“!

Liebe Nora, liebe Sabine. Ihr habt zusammen das Buch „Babybauchzeit“ geschrieben und ich habe bereits erfahren, dass ihr euch schon lange kennt. Sabine, du warst nämlich Noras Hebamme, als sie ihr erstes Kind bekommen hat.

Sabine: Ja, ich habe das Geschenkt gehabt, Nora begleiten zu dürfen. Ich empfinde Betreuung während Schwangerschaft und Geburt wirklich als Geschenk mir gegenüber. Nora und mich bewegen dieselben Themen, die dann gemeinsam in ein Buch zu packen, lag dann irgendwann wie auf einem Silbertablett da.

Nora: Es ist auch über die Jahre gewachsen. Als wir uns kennengelernt haben, war ich noch Studentin, da habe ich noch gar nicht als Journalistin und Autorin gearbeitet. Sabine war meine Hebamme und ich habe von ihr unendlich viel gelernt und bin von ihr auch auf diesen ganz respektvollen, wertschätzenden Weg gesetzt worden, an einem ganz frühen Punkt meiner Schwangerschaft – wofür ich so dankbar bin! Was ich durch Sabine erfahren habe, habe ich auch vorhin im Vortrag gesagt: Wenn man lernt, mit sich selber fürsorglich zu sein, kann man das auch seinen Kindern weitergeben.

Ich habe von Sabine viel Fürsorge erfahren, ich habe aber von ihr auch immer den Appell bekommen, mich gut um mich zu kümmern und dass mein Mann und ich uns auch als Paar um uns kümmern sollen. Das hat für uns den Grundstein gelegt zu unserem eigenen bindungsorientierten Leben mit unseren Kindern und für mich dann auch bei der Berufstätigkeit die Richtung vorgegeben.

Sabine und ich haben über die Jahre immer den Kontakt gehalten, z.B. hat sie mir auch bei meinem Geburtsbuch geholfen. Und dann hatten wir irgendwann das Gefühl: Ey, das nächste Buch, das machen wir zusammen!

In eurem gemeinsamen Buch geht es um Schwangerschaft. Jetzt kennt man dich, Nora, ja aus dem Bereich der bindungsorientierten Elternschaft. Und da wäre die erste Annahme ja erst mal: Gut, das Thema beginnt dann, wenn das Kind erst mal da ist. Warum ist euch auch die Schwangerschaft schon so ein wichtiges Anliegen?

Sabine: Bindung beginnt in dem Moment, in dem eine Frau schwanger ist, wenn sie es dann schon zulassen kann. Und selbst, wenn sie es nicht so gut zulassen kann, entsteht eine Verbindung und auch eine Bindung. Im Laufe der ganzen Schwangerschaft ist es eine Aufgabe von Hebammen und anderen Begleiter*innen, diese Bindung zu fördern, wenn Frauen von sich aus das nicht so erspüren können.

Nora: Für mich war bindungsorientierte Elternschaft, wie ich sie vertrete, etwas, was schon in der Schwangerschaft und mit der Geburt beginnt. Schon in meinem allerersten Buch habe ich geschrieben, wie wichtig das für den Aufbau einer guten Bindung ist. Das Thema sensible Schwangerschaftsbegleitung und gewaltfreie Geburtsbegleitung liegt mir seit vielen vielen Jahren am Herzen. Ich halte seit langem zu diesem Thema Vorträge, engagiere mich z.B. auch bei Mother Hood e.V. Für mich war das also kein neues Thema.

Sabine: Im Grunde genommen kommt dieses Buch thematisch jetzt hinterhergeschoben. Aber Entwicklungen sind nicht immer linear. Wir haben das Buch jetzt geschrieben, da wir beide Zeit dazu gefunden haben. Ich arbeite ja sonst als Hebamme. „Babybauchzeit“ ist in meinem Sabbatjahr entstanden.

Ihr habt gerade gesagt, dass Schwangerschaft und Geburt schon die Weichen stellen für eine sichere Bindung zwischen Mutter und Kind. Darin sehe ich aber leider auch das Potential, Druck auszuüben. Ich will mal mich als Beispiel nehmen: Meine erste Schwangerschaft war nicht besonders entspannend, weil ich von schwiegerfamiliären Konflikten belastet wurde. Ich habe damals sehr lange gebraucht, um mich bewusst abzugrenzen und lag dann zwischenzeitlich auch mit vorzeitigen Wehen im Krankenhaus. Dann mit der Sicht darauf zu blicken, dass die Bindung leidet, wenn die Schwangerschaft stressig oder unrund läuft, macht mir das in so einer Situation nicht nur noch mehr Sorgen?

Sabine: Druck aufzubauen in Beziehungsfragen hilft ja nicht. Für mich würde es in so einer Situation dann darum gehen, dir als Frau wieder Kraft zu geben und mit kleinen Ideen zu helfen. Zum Beispiel zu sagen: Leg doch mal die Hand auf den Bauch. Aber auch zu sagen: „Es ist OK, wenn du jetzt gerade keine Lust auf Bindung hast!“ Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, dass man die Frau immer so nimmt, wie sie jetzt gerade ist, aber auch ganz sachte kleine Impulse setzt und sagt: „Wenn du möchtest, wenn du bereit bist… Aber du musst gar nichts!“. Die Bindung kommt auch von alleine!

Wenn in der Schwangerschaft ganz viel schief läuft, dann heißt das also nicht: Jetzt ist alles verloren!

Sabine: Nein, das ist OK, so wie es ist!

Nora: Wir schreiben das im Buch an verschiedenen Stellen, weil uns natürlich auch bewusst war, dass es manchmal passieren kann, dass man sagt: „Das ist wichtig für dein Baby“. Und dann sagt die Schwangere: Oh, und wenn ich das nicht mache, dann ist es verkehrt, dann fehlt was. Und dieser Satz, den wir beim Vortrag vorhin im Zusammenhang mit dem Wochenbett an der Wand hatten: „Es gibt keine falschen Gefühle!“ – der gilt nicht nur im Wochenbett, der gilt auch schon in der Schwangerschaft.

Und wir schreiben explizit: Wenn du gerade keine besondere Freude empfinden kannst, wenn du Schwierigkeiten hast, weil du einfach ganz viel Stress hast, diese Schwangerschaft in irgendeiner Form zu genießen, hab kein schlechtes Gewissen, das schadet deinem Baby nicht! Aber eine Idee könnte sein, dem Baby von diesen Gefühlen zu erzählen, auch von den dunklen. Auch Bauchbabys dürfen mitbekommen, dass es auf der Welt nicht immer rosig zugeht. Aber selbst Stress zu teilen, dem Baby vielleicht den Gedanken zu schicken „Ich hab gerade Stress, aber das liegt nicht an dir“, kann helfen, eine Verbindung zu spüren, ein „Uns beiden geht’s trotzdem gut miteinander“.

Sabine: Ich kann es an einem Beispiel festmachen. Wenn eine Frau zum Beispiel darüber nachdenkt: „Will ich diese Schwangerschaft oder will ich die nicht?“. Dann darf sie auch in diesem Entscheidungsprozess ihr Kind daran teilhaben lassen. Das ist ein ganz schweres Thema, aber ich nehme jede Frau genau so, wie sie jetzt gerade ist und kann ihr dadurch auch vermitteln: Sprich mit deinem Kind darüber. Wenn sie sich dann für das Kind entscheidet, kann sie dem Kind später auch sagen: „Ich habe mich ganz bewusst für dich entschieden“.

Was ihr sagt, beruhigt mich ja enorm. Ich habe von mir selbst oft gesagt „Ich bin die schlechteste Schwangere der Welt“. Leider habe ich nämlich zu den Schwangeren gehört, die sich einfach nicht wohl in ihrem Körper gefühlt haben. Was mich dann immer genervt hat, waren diese überromantisierten Vorstellungen von Schwangerschaft, denn für mich war es vor allem eins: anstrengend! Bücher über Schwangerschaft sind mir persönlich deswegen auch einfach oft zu klischeebelastet oder fast schon kitschig. Wie habt ihr das in eurem Buch geschafft, nicht ins Romantische abzugleiten?

Sabine: Ich fand das gar nicht schwierig, weil der Alltag gar nicht so ist. Der Alltag ist nicht das Romantische und Verklärte. Der Alltag ist durchaus harte Arbeit als Schwangere. Und dazwischen gibt es diese wunderschönen romantischen Momente, die man ja durchaus auch hat, auch wenn es vielleicht insgesamt nicht so toll ist. Und wir schreiben sehr viel darüber.

[Nora klappt das Kapitel „Ungern schwanger“ auf]

Haha, ja, das ist genau mein Kapitel!

Sabine: „Ungern schwanger“ auf Seite 172!

Nora: Wir nehmen da gar kein Blatt vor den Mund. Wir haben extra dieses Kapitel drin, wo wir genau auf dieses Gefühl eingehen. Es gibt Frauen, die finden die ganze Schwangerschaft im Grunde genommen nervig und sind froh, wenn’s vorbei ist. Und das ist okay! Und wir schreiben immer wieder von diesen überromantisierten Vorstellungen, wie sehr die unter Druck setzen können und wie wenig die mit der Lebenswirklichkeit zu tun haben.

Es gibt Frauen, die sind nie glücklicher als wenn sie schwanger sind, die genießen das mit jeder Pore – und das ist okay. Und es gibt ganz viele Frauen – du bist da überhaupt nicht alleine mit! – die das eher anstrengend bis doof finden. Das sagt aber nichts über deine Liebe zu deinem Kind aus! Das sagt auch nichts darüber aus, ob du eine „gute“ oder eine „schlechte“ Schwangere bist, weil wir in solchen Kategorien nicht denken. Jede Schwangere ist „gut“ auf ihre Weise.

Ein Element im Buch, mit dem wir versuchen, das noch mal zu bekräftigen, sind die sogenannten „Es ist okay“-Seiten. Wir haben für jedes Trimester so eine Seite drin, wo lauter solche Aussagen stehen: Es ist okay, wenn du total glücklich bist – es ist aber auch okay, wenn du es gerad nur noch doof findest. Es ist okay, wenn du allen gerade freudestrahlend von deiner Schwangerschaft erzählen willst – es ist aber auch okay, wenn du eurer Geheimnis erst mal beschützen willst.

Das finde ich ja total charmant! Es ist okay – das finde ich gut. Die undogmatische Herangehensweise hebt eurer Buch sowieso wohltuend von anderen Ratgebern ab, finde ich. Meine Wahrnehmung, was grundsätzlich den Umgang mit dem Thema Schwangerschaft angeht, ist ja, dass es grundsätzlich zwei Extreme gibt: Auf der einen Seite das Romantische und „Alles ist gut“, auf der anderen dann eine eher medizinische Sicht auf die Schwangerschaft. Ich beobachte das auch bei Freundinnen oder Bekannten: Da wird die Ultraschall-Flatrate gebucht und die Vorsorgeuntersuchungen sind die Highlights der gesamten Schwangerschaft. Würdet ihr sagen, dass euer Buch sich auch eignet, um solche Frauen wieder etwas zu erden?

Sabine: Die Medizin hat ja absolut ihre Berechtigung während einer Schwangerschaft! Und dieses Gefühl von „Ich muss so viel kontrollieren“ kommt ja aus einer großen Verunsicherung heraus. Genau diese Frauen holen wir ab. Diesen Frauen geben wir eine Idee an die Hand, was sie tatsächlich für sich brauchen, ohne dem Konsumdruck zu erliegen oder dem Geschäft mit der Angst.

Nora: Ich glaube, dass unser Buch sich tatsächlich sehr gut als Geschenk für Schwangere eignet. Weil es nicht so eine heimliche Agenda hat – also es ist kein Buch, wo man sagt „Meine Freundin ist so medizinisch drauf und mit dem Buch kriege ich sie jetzt in die Richtung, die ich besser finde“. Aber das Buch kann die Freundin an die Hand nehmen, die eigenen Entscheidungen noch mal zu reflektieren und zu schauen: Sind die für mich stimmig?

Wenn eine Frau das Gefühl hat „Ich brauche eine Ultraschall-Flatrate“, dann werden wir ihr das in unserem Buch nicht ausreden! Aber wir werden aufzeigen, dass es auch anders geht. Wir scheuen auch nicht davor zurück, eine gewisse Widersprüchlichkeit abzubilden. Wir sprechen z.B. ganz faktenbasiert darüber, dass ein sehr früher Ultraschall nicht besonders aussagekräftig ist. Der allererste Ultraschall würde z.B. in der 12./13. Woche völlig ausreichen. Aber ich sage selber: In zwei von drei Schwangerschaften hatte ich mir das so vorgenommen, saß da aber in der fünften Woche und wollte mein Baby sehen! Weil ich das einfach gebraucht hab!

Manchmal kann man Anspruch und Wirklichkeit eben nicht zusammenbringen und das ist völlig in Ordnung! Ich muss da nicht hart mit mir selbst sein, wie es in manchen Schwangerschaftsbüchern suggeriert wird. Da stehen ja manchmal ganz schlimme Dinge drin, wie „Die Frauen von heute wollen alle nur Ultraschall und das liegt daran, dass sie gar keine Intuition mehr haben“.

So was steht in Büchern?!

Nora: Ja, leider tatsächlich! Da gibt es solche Meinungen, dass die wirklich bewussten Schwangeren ja gar keinen Ultraschall brauchen, denn die wissen immer, wie es ihrem Baby geht. Und da sagt Sabine zu mir: Das ist doch überhaupt kein Widerspruch! Ich kann doch eine Verbindung zu meinem Baby haben und trotzdem ein Foto haben wollen. Wir wollen in unserem Buch den Druck nehmen, damit die Frauen aus diesem „entweder – oder“ aussteigen können.

Sabine: Es gibt kein „richtig oder falsch“!

Sich von manchen Vorstellungen zu verabschieden gehört ja auch dazu, wenn es z.B. zu Komplikationen kommt. In meiner zweiten Schwangerschaft wollte ich unbedingt nur die drei vorgesehenen Ultraschall-Untersuchungen. Tja, dann hatte ich leider ein Hämatom und war im dritten und vierten Monat ständig zur Kontrolle bei der Ärztin. Aber das war dann auch genau so gut und richtig!

Sabine: Das behandeln wir im Buch auch ausführlich, dass es Dinge gibt, da ist es medizinisch sinnvoll, gewisse Untersuchungen oder Behandlungen zu machen.

Nora: Und auch Pläne über Bord zu werfen, flexibel zu bleiben. Was mir aber auch wichtig ist, und da sind wir wieder bei einer scheinbaren Widersprüchlichkeit: Wir sagen in unserem Buch immer wieder „Es gibt kein richtig oder falsch“. Gleichzeitig sagen wir aber nicht „Anything goes“. Beim Thema Alkohol z.B. sagen wir ganz klar: Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass kleine Mengen Alkohol im zweiten Schwangerschaftsdrittel vermutlich nicht schädlich sind. Da aber niemand den Grenzwert kennt und niemand weiß, wo die kritische Menge beginnt, schließen wir uns der Empfehlung der medizinischen Fachgesellschaft an, die lautet: Null Promille!

Sabine: Gleichzeitig geben wir auch noch mal die Idee mit, dass z.B. in Früchten und anderen Lebensmitteln natürlich vorkommende Alkohole nicht gefährlich sind. Damit beugen wir vor, dass Frauen richtige Ängste entwickeln.

Nora: Frauen fragen z.B. in Schwangerschaftsforen, ob sie jetzt gar keine Bananen mehr essen dürfen, denn da ist schließlich auch Alkohol drin. Das klingt für Außenstehende vielleicht absurd, aber das sind ja Ängste, die manche Schwangere haben und wir gehen darauf ein und sagen: Keinen Alkohol zu trinken ist wichtig, aber natürlich vorkommender Alkohol in Nahrungsmitteln gab es schon immer und da müsst ihr euch keine Sorgen machen.

Was für mich persönlich immer ein großes Thema ist, ist die selbstbestimmte Schwangerschaft. In meiner ersten Schwangerschaft habe ich mich beim Arzt z.B. ständig ans CTG schnallen lassen und mein Sohn hat es gehasst. Der hat immer nur dagegen getreten und eine vernünftige Aufzeichnung der Herztöne war kaum möglich. Ich wusste aber nicht, dass so ein CTG in der Schwangerschaft gar nicht notwendig ist und dass ich auch einfach hätte nein sagen können. Klärt ihr auch über solche Dinge auf und ermutigt Frauen, eigene Entscheidungen zu treffen und gegenüber Ärzten oder Hebammen auch klar zu kommunizieren?

Sabine: Es gibt ein sehr breit gefächertes Informationspotential in unserem Buch. Das fängt beim Mutterpass an und geht dann weiter: Wir erklären, welche Untersuchungen alle möglich sind und welche ggf. auch nicht gemacht werden müssen. Wir erklären auch, was überhaupt die Empfehlungen sind. Wie kommt eine Ärztin oder eine Hebamme zu ihren Empfehlungen? Wir schauen auch auf die Leitlinien und helfen dabei, dass Frauen einordnen können: Was bedeutet diese Empfehlung für mich? Brauche ich das Wissen und ist die Untersuchung medizinisch sinnvoll?

Nora: Wir haben für jedes Trimester eine Übersicht über die Untersuchungen, die Schwangeren in diesem Trimester angeraten werden. Über jeder dieser Tabellen steht drüber „Untersuchungen im 1./2./3. Trimester: Du hast die Wahl“. Wir betonen ganz stark: Das sind alles Angebote und du kannst entscheiden, was für dich richtig ist. Wir helfen mit unserem Buch auch bei der Entscheidung, sagen z.B. klar, welche Untersuchungen auch wir für sehr wichtig halten und welche eher verzichtbar sind.

Beim Thema CTG schreiben wir z.B. ganz klar, was die Leitlinien sagen: Dass es nämlich erst ab Geburtstermin medizinisch sinnvoll ist, ein CTG zu schreiben. Wenn Frauenärzte das CTG dann schon viel früher anbieten, können die Frauen selbst entscheiden, ob sie es machen wollen oder nicht. Es gibt ja auch Frauen, die beruhigt ein CTG und die genießen das. Anderen Frauen oder Babys macht das Stress und dann darf diese Untersuchung natürlich auch abgelehnt werden.

Da hätte ich eurer Buch vor sechs Jahren schon gebraucht!

Sabine: CTG ist wirklich ein gutes Beispiel. Wir verweisen z.B. auch auf die neuen WHO-Richtlinien zur natürlichen Geburt, wo ganz klar gesagt wird: Selbst unter der Geburt sollte nicht dauernd ein CTG geschrieben werden. Diese Richtlinien sind erst einen Monat vor Drucklegung überhaupt rausgekommen, wir haben sie als erstes deutschsprachiges Medium aufgenommen.

Ich hätte sehr gerne noch ein Abschluss-Statement von euch: Was würdet ihr euch am meisten von anderen Menschen, von der Gesellschaft wünschen, wenn es um den Umgang mit Schwangeren geht?

Nora: Mein erster Impuls wäre, zu sagen: Hört auf, Schwangere zu entmündigen! Nur weil eine Frau ein Kind bekommt, verliert sie nicht ihren gesunden Menschenverstand, ihre Entscheidungskompetenz oder ihr Recht, selbstbestimmt zu leben.

Sabine: Und auch: Hört auf, Frauen Angst zu machen. Wir schreiben im Buch ganz klar, dass Mutter Natur auch grausam sein kann. Und dann wird es so sein. Aber auch da braucht man keine Angst zu haben, weil wir Menschen nicht tatenlos zusehen werden, sondern versuchen, einzugreifen. Die Grundtendenz in der Schwangerschaft sollte niemals Angst sein.

Nora: Wir schreiben auch darüber, dass die Angst oft instrumentalisiert wird, um Frauen zu Konsumentscheidungen zu nötigen oder zu medizinischen Maßnahmen zu überreden, die ihnen nicht unbedingt gut tun. Und damit müssen wir aufhören! Wenn Frauen aus sich selbst heraus Angst haben, dann muss man sich die Angst angucken und dann muss man damit arbeiten. Aber Frauen die Vorfreude auf ihr Baby zu vermiesen, indem man ständig Angst und Zweifel säht um dann irgendein technisches Equipment zu verkaufen, die diese Angst wieder nehmen soll, das ist zynisch!

Sabine: Zu behaupten, dass durch eine Untersuchung eine Schwangerschaft sicherer wird, das ist ja an sich ein Irrglaube! Wenn eine Frau aus eigenem Wunsch eine Untersuchung machen möchte, ist das wunderbar. Aber es darf kein Druck durch die Angst der Anderen entstehen. Entscheidungen sollten immer informiert getroffen werden, dann ist es der richtige Weg!

Und die Informationen stehen ja jetzt alle in eurem Buch! Ich danke euch für das ausführliche Gespräch und bin mir sicher, dass sehr viele Schwangere in Zukunft wunderbar informierte und selbstbestimmte Entscheidungen treffen und ihre Schwangerschaft so noch ein bisschen mehr genießen können.

Hat euch das Interview schon überzeugt? Dann könnt ihr das Buch schon jetzt im Buchladen eures Vertrauens kaufen oder übers Internet bestellen (ich empfehle immer gerne Buch7, eine faire und soziale Online-Alternative zu Amazon). Oder ihr wartet auf meine Rezension und versucht euer Glück bei der Verlosung! Über meinen Newsletter bleibt ihr informiert, wann es so weit ist!

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