Ach, Trixie!

Nachdem ich ja nun offiziell zugegeben habe, eine waschechte Bloggerin zu sein, ist mir natürlich ab sofort gar nix mehr peinlich. Als Mama-Bloggerin schreibe ich von dem echten, harten Scheiß. Trotzanfälle, kotzende Kinder und so was. Aber das Geständnis, das ich euch heute mache, erfordert trotzdem besonderen Mut. Doch ich tue es, weil: wenn dann richtig. Also, hier ist es: Ja, Ich habe geweint, als Königin Beatrix abdankte!

Der 30. April 2013 war für mich ein besonders trauriger Tag. An diesem Tag übergab Beatrix, bis dato Königin der Niederlanden, ihr verantwortungsvolles Amt an ihren Sohn Willem-Alexander, der sich seinerseits mit dem Tag ihrer Abdankung König der Niederlanden nennen durfte. Königin Beatrix war exakt 33 Jahre im Amt gewesen und ich habe keine Ahnung, ob sie eine gute Königin war.

Ich habe nämlich ganz ehrlich keinen blassen Schimmer, was diese Frau geleistet hat. Ich weiß nicht mal, welche Hüte sie bevorzugt trug oder ob sie wohl auch Gast auf der Hochzeit des britischen Prinzenpaares William und Catherine war. Auch der Name ihres Ehemannes und die Namen ihrer Kinder, abgesehen von König Willem-Alexander natürlich, sind mir völlig unbekannt. Ja, ich weiß noch nicht mal, in welchem Palast, geschweige denn in welcher Stadt die alte Dame residierte. Ich schätze mal, Amsterdam, das würde doch Sinn machen, oder? Aber ich weiß es nicht und es ist mir ehrlich gesagt auch völlig egal.

Schluchzendes Bündel vor Computerbildschirm

Und trotzdem saß ich am 30. April 2013 vor meinem Macbook und schluchzte angesichts der bewegten Bilder, die mir auf meinem Bildschirm einen kleinen Eindruck über das Leben der Königin Beatrix gaben. Wie schön sie einst gewesen war! Wie nett sie stets die Hände ihrer Untertanen geschüttelt hatte! Die Tränen liefen mir nur so übers Gesicht. All das wollte Beatrix jetzt freiwillig zurücklassen?

Es rührte mich umso mehr, wie sehr die schon etwas ältere Dame ihren freiwilligen Rücktritt mit Fassung trug. Mir war sofort klar: Trixie, du bist eine von den Guten! Eine tolle Frau! Ich konnte gerade noch den Impuls unterdrücken, sofort aufzuspringen um an der nächsten Bude nicht nur die Bunte, sondern gleich noch Gala und Frau im Spiegel zu kaufen. Zu Hilfe kam mir hier der Fakt, dass ich mich damals ohnehin gerade in Frankreich aufhielt, wo es wederBunte, noch Gala oder Frau im Spiegel gab und auch sowieso kein Büdchen.

Diagnose: Schwanger und hyper-empathisch

Was war passiert? Die Antwort ist simpel: Ich war im fünften Monat schwanger. Die Übelkeit hatte ich zum Glück fast überstanden, aber was jetzt folgte, war noch schlimmer: Sentimentalität überfiel mich in den merkwürdigsten Momenten. Allein daheim vor dem Computerbildschirm konnte ich meinen hormongesteuerten Gefühlen ja noch freien Lauf lassen.

Richtig peinlich wurde es immer dann, wenn ich mich unter Menschen befand. Allein diese ständigen Arzttermine mit der großen Auswahl an Boulevardzeitschriften im Wartezimmer wurden zum Spießrutenlauf. Trennungsgerüchte um Charles und Camilla? Schluchz! Fürstin Charlène ist immer noch nicht schwanger? Die Ärmste! Die Queen hat Rheuma? Oh-gott-oh-gott!

Mein Kind hat mich weich gemacht

Seit Hübis Geburt, oder sagen wir besser, seit mein Körper hormonell wieder runtergefahren hat, also zu einem deutlich späteren Zeitpunkt, den ich nicht genau datieren kann, habe ich das Gefühl, mich wieder besser im Griff zu haben. Zumindest hat mein Interesse an Königsfamilien seither wieder deutlich nachgelassen. Trotzdem erzählte mir neulich meine Mutter, eine ihrer Freundinnen hätte mir attestiert, deutlich weicher geworden zu sein, seit ich Mutter eines Kindes sei.

Ich selbst glaube ja nicht, dass da was dran ist. Es ist doch wohl völlig normal, dass ich seit neuestem nicht nur meinem Kind die absurdesten Kosenamen gebe, sondern mittlerweile auch das Pferd „Häschen“ nenne. Ich weiß doch auch nicht, warum ich das früher nie gemacht habe. Ist doch nett, auch dem Pferd ein bisschen Wertschätzung entgegenzubringen, wenn es mich schon widerstandslos eine Stunde lang durch die Reithalle trägt. Und auch, dass meine Klickzahl auf Katzenvideos anhaltend gefährlich in die Höhe schnellt, schreibe ich dem Umstand zu, dass sich einfach die Anzahl an Katzenvideos, die sich viral verbreiten, massiv zugenommen hat. Wer soll da schon drum herum kommen? Nein, mein Kind hat mich ganz sicher nicht gefühlsduselig werden lassen.

Wobei: Vielleicht sollte ich diese Erklärung einfach annehmen. Denn die andere würde wohl einfach lauten: Ich werde alt. Denn mit dem Alter kommt zwangsläufig auch die Sentimentalität. Das war schon immer so. Aber zum Glück habe ich jetzt wenigstens ein Kind. Eine bessere Ausrede kann es gar nicht geben.

Dieser Text passt prima zur Blogparade von „2 Kind Chaos“ mit dem Titel „So hab ich mich als Mama/Papa verändert“. Hier findet ihr viele Texte anderer Blogger*innen zum Thema: www.2kindchaos.com/blogparade

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2 Kommentare zu „Ach, Trixie!

  1. Schöner Text 🙂 ich musste in der Schwangerschaft auch ständig heulen… zum Glück ist das mittlerweile nicht mehr so, das wär echt anstrengend. Aber mitleiden tu ich trotzdem enorm bei allem Möglichen 😀

    Liebe Grüße, Frida

  2. Laura

    Hihi, sehr lustig, und rührend. Mir kommen schon die Tränen, denn wie du bin ich seit Geburt der Kinder nah am Wasser gebaut. Liebe Grüße, Laura

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