6 Tipps fürs Arbeiten Zuhause mit Kindern (Corona-Krisen-Home-Office)

Gestern ereilte mich die Nachricht einer Freundin mit dem Inhalt: „Ich habe eine Serviceanfrage: könntest du nicht einen Beitrag schreiben, wie man am besten mit Kindern zu Hause arbeitet und sich mit dem Partner aufteilt? Uns ereilt das Schicksal nächste Woche und ich will vorbereitet sein“. Ich habe erst mal drei Lachsmiley zurück geschickt: 😂😂😂.

Denn ehrlich: Uns erwischt diese neuartige Situation genauso eiskalt wie euch alle. Soziale Kontakte zu vermeiden heißt nämlich auch: Keine Oma-Opa-Betreuung, keine Babysitterin, keine Hilfe von Freunden annehmen. Trotzdem haben wir in dieser Familie natürlich viel Erfahrung damit, auch ohne feste Kinderbetreuung täglich zu arbeiten. Also will ich mal nicht so sein und haue in die Tasten um meine Super-Top-Tipps fürs Arbeiten im Home Office mit euch zu teilen. Und sollte da doch nur Blödsinn bei rauskommen, werde ich in einem weiteren Artikel noch gute Tipps von anderen sammeln. Also bleibt dran!

Zunächst aber noch eine kleine Einleitung: Ich gehe davon aus, dass wir alle eine Meinung teilen: Es ist jetzt sehr wichtig, soziale Kontakte auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Warum genau, das erklärt Claus Kleber hier sehr anschaulich. Und wer dann immer noch zynisch genug ist, zu sagen: „Ach was, dann sterben halt alle über 80, natürliche Auslese und so“ – lest mal rein, wer noch so alles zur Risikogruppe gehört.

Gut, da wir jetzt alle auf demselben Stand sind, kann’s ja losgehen. Wir sind Zuhause, unsere Kinder auch. Und unsere Arbeitgeber oder Kunden erwarten trotzdem von uns, halbwegs was Vernünftiges zustande zu bringen. Welch absurde Situationen das hervorbringen kann, habe ich direkt gestern morgen erleben dürfen: Ich im Badezimmer, zwei nackte planschende Kinder in der Wanne, da ruft ein Kunde an und gibt Korrekturen für eine wichtige Pressemeldung durch (Thema, natürlich: Corona). Womit wir auch schon beim ersten Punkt wären:

1. Akzeptiere das Chaos

Mit Kindern im Haus kann einfach niemand entspannt arbeiten. Es ist einfach verdammt chaotisch, alle Bedürfnisse irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Daher ist der wichtigste Punkt: Das Chaos akzeptieren, sich von Ruhe und Perfektion verabschieden und sich abends dreimal auf die Schulter klopfen, wenn man halbwegs was geschafft hat.

Die Corona-Pause hat in dieser Hinsicht übrigens einen Vorteil: Unsere Arbeitgeber und Kunden wissen, dass unser Arbeitsalltag gerade massiv erschwert ist. Die Bringschuld, zum Beispiel endlich nach einer ausreichenden Kinderbetreuung zu suchen, liegt nicht bei uns. Jetzt sind die Kinder halt da. Und manchmal brüllen sie, während wir versuchen, wichtige Telefonate zu führen. Oder setzen währenddessen das Badezimmer unter Wasser. Cool ist, wer dabei cool bleibt – auch am Telefon mit dem wichtigsten Geschäftspartner.

2. Den Arbeitgeber in die Pflicht nehmen

Dass unsere Arbeitgeber und Kunden wissen, dass wir gerade gleichzeitig arbeiten UND Kinder betreuen müssen, heißt jedoch leider nicht in allen Fällen, dass deshalb das Verständnis wächst. Deswegen ist dieser Punkt mir sehr wichtig: Nehmt eure Arbeitgeber in die Pflicht, erklärt ihnen im Zweifel mehrfach und anschaulich, was Home Office mit Kind bedeutet: Man wird immer mal gestört, es gibt dringende Notfälle (Hunger, Durst, Pipi, umgefallener Duplo-Turm) – und nicht immer kann ein Elternteil das alleine stemmen, während der andere superdiszipliniert arbeiten kann. Alleinerziehende werden über diesen Absatz jetzt eh nur trocken lachen.

Ich finde: Kein Mensch kann von uns verlangen, Zuhause mit Kindern und ohne externe Betreuung und Entlastung genau das Pensum zu bringen, was wir sonst in konzentrierter Büro-Arbeit schaffen. Wenn ihr von euren gewohnten 25, 30, 35 oder 40 Arbeitsstunden also nur die Hälfte schafft, dann ist das halt so! Also: Klopft euch auf die Schulter, wenn ihr prima Arbeitsergebnisse trotz Corona-Krise zustande bringt. Aber zählt nicht die Stunden und vergesst die Rechenschaftsansprüche, die ihr sonst meint, erbringen zu müssen.

3. Zeiten sinnvoll (und fair!) aufteilen

Dieser Punkt ist in vielen Fällen gar nicht so leicht. In unserem zum Beispiel. Denn ich habe vor ganz kurzer Zeit meine Festanstellung gekündigt, um wieder eigene Pläne zu verfolgen. Aktuell ist es also der Liebste, der mit seinem Gehalt für unser Auskommen sorgt. Würden wir unsere Jobs nur nach dem finanziellen Output bewerten, würde ich mir irgendwo ein bisschen Zeit für meinen Mini-Job abzwacken und ansonsten dem Mann „den Rücken frei halten“.

Zum Glück sehen wir das aber beide ein bisschen anders. Denn ich wollte die kommenden Wochen und Monate dazu nutzen, verschiedene Projekte voranzutreiben, die sich später natürlich ebenfalls finanziell auszahlen sollen. Dafür brauche ich Zeit. Und zwar jetzt. Wir machen also das, was wir die ganzen letzten Jahre gemacht haben, in denen wir keine keine reguläre Kinderbetreuung fürs Räupchen hatten: Wir teilen uns auf.

Dabei richten wir uns nach unseren Vorlieben. Der Liebste kann zum Beispiel sehr gut am späten Nachmittag, abends und nachts arbeiten. Ich kann das gar nicht und ziehe den Vormittag vor. Insofern werden wir in den kommenden Wochen wohl oft Schichtdienst machen: Ich morgens bis mittags. Danach dann der Liebste.

4. Flexibel bleiben und nicht beleidigt sein

Punkt vier klingt von der Kombination her komisch, ist aus meiner Erfahrung aber leider wahr. Flexibel bleiben, heißt in unserem Fall nämlich auch: Von meiner Vormittagsarbeitszeit werde ich täglich ein bisschen abknapsen müssen, weil der Liebste auch Besprechungen am Vormittag hat. Diese Zeit werde ich bestimmt häufig nicht aufholen können. Es wird auch ansonsten oft passieren, dass unsere Pläne nicht aufgehen – und leider sucht man die Schuld dann oft beim anderen („Ach, jetzt ist mein Job plötzlich doch nicht so wichtig, nur weil der Chef anruft?!“).

Manchmal stimmt das auch und der andere ist gerade doof und egoistisch. Beleidigt sein nutzt in der ohnehin angespannten Lage aber auch nix (Ich lege mir diesen Satz mal auf Wiedervorlage, den kann ich bestimmt noch häufiger gebrauchen 😆).

5. Pausen machen für gemeinsame Familienzeit

Ihr ahnt schon, worauf dieses ganze Programm da oben hinauslaufen wird? Genau: Auf ganz viel Mama-Kind-Zeit und Papa-Kind-Zeit, aber keine Mama-Papa-Kind-Zeit. Das ist echt der größte Nachteil an dieser Geschichte. Also plant genügend Pausen ein, die ihr dann auch wirklich zusammen nutzt.

Wir haben heute zum Beispiel zusammen Mittag gegessen. Danach waren trotzdem noch 10 Minuten für mich allein drin, die ich mich mal kurz aufs Sofa hauen konnte, bevor ich wieder die Kinder alleine bespaßen musste.

6. Ohropax. Ausreichend Ohropax

Mein sechster und letzter Punkt ist vielleicht nicht für alle Familien gleich wichtig – aber ich befürchte, die Mehrheit wird von diesem Super-Pro-Tipp profitieren: Benutzt einfach gelegentlich Ohropax. Und zwar nicht nur wenn ihr arbeitet und den Kinderlärm ausblenden wollt. Sondern auch, wenn ihr es den ganzen Tag mit lauten Kindern zu tun habt, um die ihr euch selbst kümmern müsst.

OK, vielleicht ist das nicht so richtig BO, wenn man seine Kinder einfach mal richtig ignorant auf Schalldämpfer setzt, aber ganz ehrlich: bedürfnisorientiert meint auch, die Bedürfnisse der Eltern zu beachten! Und ich persönlich habe ein ziemlich großes Bedürfnis nach etwas mehr Ruhe, wenn ich den lieben langen Tag lang vollgeschwallt werde – und bei Eltern von mehreren Kindern kommen ja noch die lautstarken Geschwisterstreitigkeiten dazu.

Ich persönlich habe jedenfalls gemerkt, wie krass mein Stresspegel über den Tag ansteigt, wenn ich konstant starkem Lärm ausgesetzt bin. Die Kinder merken ja selbst gar nicht, wie laut sie eigentlich sind. Und praktischerweise merken sie dann oft auch nicht, wenn Mama Ohropax trägt. Ich verstehe sie ja trotzdem noch, so laut wie sie sind. Also: ich erteile euch hiermit die ultimative Erlaubnis, einfach mal die Ohren zu versiegeln. Sollen sie halt noch lauter schreien, damit ihr sie hört.

Und jetzt ihr: Was sind eure Pro-Tipps fürs CKHO (Corona-Krisen-Home-Office)?

Jetzt bin ich gespannt, ob ihr mit meinen Tipps was anfangen könnt – und welche weiteren Ideen ihr für diese besondere Zeit habt, die nun bis auf Weiteres vor uns liegt. Teilt auch gerne Links zu anderen Texten hier mit mir, ich würde gerne einen weiteren Artikel mit einer hilfreichen Linksammlung fertig machen. Gerne auch alles, was mit sinnvoller Mediennutzung zu tun hat!

Haltet durch, bleibt gesund und #flattenthecurve!

10 Kommentare zu „6 Tipps fürs Arbeiten Zuhause mit Kindern (Corona-Krisen-Home-Office)

  1. Es ist immer spannend, wie es anderen damit geht. Ich hocke gerade mit drei Kindern und Homeoffice zu Hause (mein Mann ist als Erzieher noch arbeiten) und weiß kaum, wo mir der Kopf steht. Mein Arbeitgeber fordert eine Kernarbeitzeit von 9-15 Uhr und bietet als Alternative unbezahlten Urlaub … also meinen Arbeitgeber kann ich leider nicht in die Pflicht nehmen.

    • Das ist zu krass! Hast du das mal arbeitsrechtlich prüfen lassen? Kann doch in dieser besonderen Notsituation nicht sein, vor allem nicht mit Kernarbeitszeit. Wie soll das denn gehen, wenn man gleichzeitig gezwungenermaßen die Kinder Zuhause hat? Manche Arbeitgeber sind echt witzig.

      • Gis

        Das is arbeitsrechtlich absolut in Ordnung. Die Betreuung Deiner Kinder ist Dein Problem. Es ist toll, menschlich und wertschätzend, wenn Arbeitgeber in der aktuellen Situation Verständnis für ihre Arbeitnehmer mit Kindern haben, verpflichtet sind sie dazu nicht. Ich kenne auch einen Fall, wo der AG Emails mit dem Inhalt verschickt hat, dass Homeoffice nicht Kinderbetreuung bedeutet…
        Ich muss für die 2 ersten Aprilwochen auch in Minusstunden gehen, damit wir die Betreuung aufrecht erhalten können… Ist halt so… Haltet gut durch und bleibt gesund!

  2. Sabrinabarbara

    Wunderbar, ich danke dir für den Artikel!!! Meine Idee (mit 2 GS Kinder daheim, 😉 Lautstärke, Geschwisterstreit und Null-Me-Time lässt grüßen) ist nur, dass ich an den Tagen, an denen ich komplett mit den Kindern alleine bin, dürfen die Kinder nach dem auspowern am vormittag viel Hörspiel hören und mittags TV gucken. das reicht dann für das wichtigste und den Rest mache ich abends. mehr geht nicht … euch alles liebe, sabrina

    • Oh ja, die Lautstärke macht mir auch am meisten zu schaffen. Ich habe auch das eindeutige Gefühl, dass das Räupchen immer lauter wird, je mehr Zeit sie mit ihrem lauten Bruder verbringt. 🙉😆 Deswegen auch der Tipp mit dem Ohropax. 😅

  3. Danke für den Beitrag. Nehme einige Aspekte mit. Es ist aktuell echt schwer alles unter einen Hut zu bekommen. Der Beitrag macht an der Stelle Mut.

  4. Karl

    Herzlichen Dank für den Artikel. Ich hocke als Selbstständiger auch Zuhause mit meinem Sohn. Habe meine Kernarbeitszeit aber in die Abendstunden verlegt. Ist einfach ruhiger. Lg Karl

  5. Normalerweise wird fur das Home Office ein fester Arbeitsplatz empfohlen. Da fur die meisten die Sache mit dem Zuhause arbeiten wohl ziemlich uberraschend gekommen ist, werden wohl viele keinen extra Arbeitsplatz oder -zimmer haben. Dann wird es vielleicht der Kuchentisch. Oder auch mal die Couch. Mach das, was dir gut tut und was mit deinem Kind am besten klappt! Kann es sich besser auf einen festen Platz einstellen, auf dem Mama oder Papa dann nicht ansprechbar sind? Bist du auf dem Sofa einfach produktiver? Ich zum Beispiel sitze lieber am Kuchentisch, der Ehefrosch bekommt da die Krise und arbeitet viel lieber mit dem Laptop auf dem Sofa. Denk auch mal an den Garten, die Terrasse oder den Balkon! Was spricht dagegen, bei gutem Wetter dort den Laptop aufzuklappen? Vielleicht hast du hier auch einen Sandkasten stehen oder irgendwas anderes, und dein Kind ist sofort beschaftigt? Du solltest aber darauf achten, deine Arbeitsmaterialien immer gut beisammen zu halten und nicht uber die komplette Wohnung zu verstreuen.

  6. Hallo,

    danke für die guten Tipps. Auch uns belastet die Situation momentan sehr. Glücklicherweise haben wir einen großen Garten und wenn das Wetter entsprechend ist, lassen wir die Kinder sich dort austoben und einer von uns sitzt auf der Terrasse und arbeitet. Ansonsten versuchen wir einfach, der Situation so viel Positives wie möglich abzugewinnen. Wann hat man schonmal die Gelegenheit, so viel vom Tag mit den Kindern zu verbringen 🙂

  7. Zur fairen Aufteilung der Zeiten: Ich arbeite nachmittags eigentlich besser, a b e r die Aufteilung vormittags/nachmittags klappt bei uns null. Wir kommen so einfach nie in einen richtigen flow. Manchmal ist man ja mit Denken grad mal fertig, hat aber noch nichts zu Papier gebracht. Also wechseln wir uns tageweise ab und Sonntag ist unser Familientag. So können wir uns nach „Feierabend“ auch wie geplant den Haushalt teilen 😉 Seitdem wir das so machen haben wir beide bessere Laune und ich hab sogar ein bisschen Bock auf Handpuppenquatsch mit dem Sohn (ok nur ein bisschen mehr, aber immerhin).

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