Sommerurlaub nach Klischee: Nordseeküste mit Kind

Näää, wat war dat schön: 10 Tage Urlaub liegen hinter uns und es handelte sich in der Tat um unseren allerersten stereotyp-maßstabsgerecht-spießigen Familienurlaub, was in unserem Fall hieß: Ferienwohnung, Bauernhof, Nordseeküste. Durften es im letzten Jahr noch Cornwall und Wales mit immer mal wechselnden Unterkünften und etlichen Strecken im Mietwagen sein, entschieden wir uns in diesem Jahr für den Nordsee-Klassiker. Das hatte zwei Gründe: 1. Die Finanzen, denn ein dicker fetter Urlaub ist nun mal nicht jedes Jahr drin, dafür verdiene ich als Volontärin einfach noch zu schlecht. 2. Ein bewegungsfanatisches Kleinkind, das viel Zeit in Auto und/oder Manduca einfach nicht mehr akzeptiert. Weil so ein günstiger Nordseeurlaub mit viel Bewegung für Kind und Eltern aber richtig schön sein kann, will ich euch das Ergebnis natürlich nicht vorenthalten und vielleicht auch den einen oder anderen Tipp für euren ersten oder nächsten Nordseeurlaub mit euch teilen. Et voilà: Unser Urlaub in Farbe: 

Los ging’s mit einem wahnsinnig vollgepackten Auto. Das Dilemma kennen die meisten: Je mehr Platz man hat, desto eher ist man geneigt noch dies und das und jenes mitzunehmen. Wobei ich irgendwie sagen muss: Wir haben auch (fast) alles benutzt, was wir mithatten. Man gönnt sich eben ein kleines bisschen Luxus, wenn man schon so viel mitnehmen kann. Nur die Jacken und Regenjacken, festen Schuhe und Gummistiefel hätten wir einfach mal Zuhause lassen können, denn wir sind einfach Sonnenkinder und haben fast immer Glück mit unserem Urlausbwetter! Nach 10 Tagen Sandalen tragen habe ich sogar einen Bräunungs-Abdruck auf meinen Füßen. Wer muss schon in den Süden, wenn das Wetter im Norden auch super ist? So bepackt ging es dann also auf die Autobahn:

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Unsere Urlaubsunterkunft befand sich auf einem ehemaligen Bauernhof, so richtig mit großer Scheune, echtem Traktor und dem ganzen Landleben-Gedöns, das unser Stadtkind ja sonst nur aus Michel-aus-Lönneberga-Büchern kennt. Die Besitzer des ostfriesischen Anwesens halten zum Spaß und für die Feriengäste noch einige Tiere und in seinem Herzen ist unser Sohn wohl doch ein Landkind. Schon ab dem zweiten Tag kommandierte er den Hofhund herum (”Maja, Ditz!”, was die brave Hündin sicher nicht zum Hinsetzen veranlasste, sondern eher zum Schmunzeln) und jeden Morgen mussten also die Ziegen, Enten, Hühner und Pferde begrüßt werden und jeden Abend wurde sich gründlichst verabschiedet (”Tschüß Zizi, Äntä, Ühner, Beiten”). Angst vor Tieren hat das Kind jedenfalls sicher nicht und wenn das Pony mal unsanft nach der Möhre schnappt und die kleine Hand dazwischen ist, ist das kein großes Drama für den tierverrückten Jungen. Alles ganz wie ich es mir immer gewünscht habe!

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Kurz vor dem Urlaub war mir noch die Idee gekommen, einen Fahrradanhänger auszuleihen und das war in der Tat eine meiner besseren Ideen. Allerdings waren wir wahrlich spät dran und mussten daher recht weit fahren um das gute Stück abzuholen. Merkwürdigerweise haben nämlich noch nicht alle Fahrradverleiher verstanden, dass Kinderanhänger ein lohnendes Geschäft sind. Anhänger für Hunde kriegt man dafür zuhauf. Der Fahrradanhänger fürs Kind war jedenfalls ein Segen, weil Hübilein auf längeren Touren einfach gemütlich drin schlafen konnte und die Fahrt auch spannend fand, solange er wach war. So haben wir fast täglich schöne Touren unternommen. Die 10 bis 15 Kilometer von unserer Unterkunft bis an die Küste haben wir natürlich in gemütlichen 1 ½ bis 2 Stunden zurückgelegt, aber wir waren ja auch im Urlaubsmodus, da darf es mal entspannter zugehen. Leider ergab sich am Ende des Urlaubs ein Problem: Ich will jetzt eigentlich ganz dringend auch einen Fahrradanhänger für Zuhause. Es ist nämlich wirklich angenehmer und fühlt sich sicherer an, mit Anhänger zu fahren als mit Kindersitz über dem Gepäckträger. Leider sind die Teile echt teuer in der Anschaffung. Die Miete von 10 Euro am Tag haben wir uns dagegen gerne geleistet. Aber wer weiß, vielleicht finden wir mal einen günstigen gebrauchten.

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Aus meinem festen Vorsatz, mich im Urlaub mal wieder im Yoga zu üben, wurde leider nichts, weil mit Kind einfach immer irgendwas los ist. Wenn wir nicht gerade unterwegs waren, habe ich gekocht, den Sohn geduscht, umgezogen, mit ihm gespielt, ihn ins Bett gebracht usw. Und am Abend war es dann schön, einfach mal mit dem Mann auf der Couch zu liegen, Fußball zu gucken oder nichts zu tun. Oder eine Gutenacht-Zigarette im Hof zu rauchen und sich vorzustellen, wir wären ganz allein hier und könnten jetzt zu dieser Dorfparty in Stedesdorf mit DJ Fluppy und DJ Hauke gehen, deren Ankündigung uns seit Tagen so verführerisch auf Plakatwänden an der Landstraße anlächelte. Im Hintergrund wummerten leise die Beats von Helene Fischers “Atemlos”, wir rauchten unsere Zigaretten zu Ende und fragten uns, wie viel Schnaps wir wohl trinken müssten, um solch eine Party zu ertragen. Das ins-Bett-gehen fühlte sich dann nicht ganz so schlimm an.

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Ein kleines bisschen Sport war neben dem Fahrradfahren dann aber doch drin. Und nebenbei ist Trampolinspringen ein guter Test, ob der Beckenboden fast zwei Jahre nach der Geburt wieder frisch und straff ist wie bei einer trainierten Teenagerin. Lasst es mich so sagen: er hält. Aber dass ich keine 16 mehr bin, merke ich trotzdem. Yoga hilft dabei und daher ist es Zeit, dass ich mir in der neuen Stadt eine neue Yogaschule suche.

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Weil das Wetter so super war, musste natürlich ein Ausflug auf eine Insel sein. Wegen der tideunabhängigen Fahrtzeiten wurde es eine Tagestour nach Langeoog. Hier war alles wie in meinen Kindheitserinnerungen: Endlos langer Sandstrand, keine Autos, dafür Pferdekutschen und alles voller Touristen. Zum Glück verläuft sich das aber gut und wir hatten einen schönen Strandtag mit kurzer Pizza-Unterbrechung, bei der immer abwechselnd einer hinter dem Hübi her rennen musste, der wie immer alles wollte, nur nicht still sitzen. Am Strand durfte er sich aber im Sand und im Wasser austoben.

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Auch wenn zuerst das Wasser noch gruselig war. Da wollte das 13 Kilo Baby lieber erst mal getragen werden.

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Und auf dem Rückweg mit der Inselbahn zum Fährhafen hatte ich schon wieder ein müdes und kuscheliges Hübchen auf dem Arm (das auf der Fähre dann natürlich wieder putzmunter herumsprang, sodass erneut immer einer von uns hinterher sein musste).

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Nach so einem Tag und den anderen Tagen mit vielen Ausflügen und Strandbesuchen, ist es dann irgendwie fast wie Zuhause: Berge von Wäsche wollen gewaschen werden. So viele Klamotten und Handtücher hätten wir gar nicht mitnehmen können, daher waren wir froh um die Münzwaschmaschine an unserer Unterkunft. Richtigen Urlaub hat man wohl nur, wenn man Herzogin Catherine heißt und immer eine Nanny und eine Zugehfrau dabei hat.

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Zwischendurch war das Wetter dann doch mal als weniger schön angekündigt und deswegen entschieden wir uns für einen Ausflug zur Seehundaufzuchtstation, wo sich schon eine ungeheure Masse anderer Besucher die Nasen an den Scheiben vor den Seehundbecken plattdrückte. Die Seehunde sind wirklich wahnsinnig süß, aber mit einem so kleinen (und aktiven) Kind wie Hübi macht so ein Ausflug eigentlich keinen Sinn. Für seine Verhältnisse interessierte er sich zwar ziemlich lange für die puscheligen Seehunde, dann versuchter er jedoch den Rücken eines ausgestopften Exemplars zu erklimmen (nicht ohne zuvor akrobatisch die Absperrung zu überwinden) und warf fast eine Schaufensterpuppe mit Robbenfellmantel um. Stress für die Mutter und geringer Spaß fürs Kind. Das hatte nämlich später auf dem Spielplatz vor der Station mehr Spaß. Und dafür hätten wir nicht so weit fahren müssen.

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Als es wieder sonnig-heiß war, besuchten wir noch das kleine Örtchen Werdum mit seiner Windmühle, an der an vielen Tagen in den Ferien frisch im Holzofen gebacken wird. Lecker war das!

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Und der Haustierpark dort ist auch einen Besuch wert, gerade wenn man ein tierverrücktes Kleinkind dabei hat (und selbst auch etwas tierverrückt ist).

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Etwas weniger kindertauglich war unser Besuch beim Hafenfest in Carolinensiel. Aber mit Pommes Schranke und geräucherter Makrele als Hübi-Fütterung lies sich der Aufenthalt gut ausdehnen.

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Und die vielen historischen und bunt geschmückten Boote fand auch das Kleinkind toll. Der Krabbenpuhl-Wettbewerb war dann eher was für die Eltern. Der Bürgermeister von Carolinensiel hat übrigens nicht gewonnen.

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Und mit einer letzten Radtour, auf der wir durch kreuzende Kühe aufgehalten wurden, ging dann auch schon der Urlaub zu Ende.

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Zu Hause wartete dann unsere tolle neue Wohnung auf uns. Leider hatten sich die letzten Regalbretter während unserer Abwesenheit nicht wie von Zauberhand allein aufgehängt. Damit machen wir jetzt also weiter. Und freuen uns über die große Stadt, die uns umgibt, weil wir ja doch eher Stadtkinder sind. Nur das kleinste Familienmitglied fragt jeden Morgen “Zizi füttern?” und vermisst seine “Beiten” und “Monys”. Zum Glück geht der nächste Urlaub mit unseren Freunden schon in wenigen Monaten auf einen richtigen Reiterhof. Ich weiß schon, wem’s gefallen wird!

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