Schmeiß den Windeleimer raus!

In all dem Umzugs- und Urlaubsbrimborium habe ich völlig verdaddelt, eine wahnsinnig wichtige Entwicklung zu verbloggen. Und das, obwohl es sich dabei tatsächlich um etwas handelt, was mich extrem glücklich und zufrieden macht. Ja, es geht ums Kind. Und nein, die Trotzanfälle sind nicht besser geworden. Aber das verzeihe ich dem Hübchen momentan gerne, denn es geht um etwas viel wichtigeres: Das Kind geht endlich aufs Klo!

Oder immerhin aufs Töpfchen. Und wenn wir unterwegs sind, dann auch auf die „große Toilette“, wie der Sohn mit ehrfürchtig weit aufgerissenen Augen selbst verkündet. Und mich macht das zur glücklichsten Mutter der Welt. Denn Wickeln war noch nie mein Ding.

Und das ist noch euphemistisch ausgedrückt. Denn wenn ich ehrlich bin: Ich habe es gehasst. Ich mag keinen Aa-Geruch und finde vollgepinkelte Windeln eklig. Ganz zu schweigen von den vielen Windelkatastrophen, die einem so in zweieinhalb Kinderjahren widerfahren. Jedes Elternteil, das diese Phase mit Langmut meistert, hat meinen absoluten Respekt. Mir lag Langmut fern, ich wünschte mir immer nur, dass es endlich vorbei sei – und hätte ich schon früher von Windelfrei erfahren, so hätte ich es sicher ausprobiert. Aber der Zug war leider irgendwann abgefahren.

Stattdessen probierten der Mann und ich immer mal wieder, das Hübchen zu ermuntern, einfach mal auf dem Töpfchen zu machen. Der Sohn fand es lustig, auf dem Töpfchen zu sitzen und anschließend auf den Kinderzimmerteppich zu pinkeln. Und wir fanden uns damit ab, dass es wohl noch zu früh war. Bis der Tag kam, an dem ich das Hübchen mal wieder fragte, ob er sich nicht mal aufs Töpfchen setzen wolle – und schwups war Pipi drin. Die Hose ließ ich ihm aus und am selben Tag ging er ganz allein und stolz wie Bolle noch drei Mal aufs Töpfchen.

Ein halbtrockenes Kind

Ende gut, alles gut? Naja, sagen wir fast. Denn auch gute zwei Monate später ist das Kind alles, aber nicht „trocken“. Nachts sowieso nicht, denn so eine Nacht ist einfach zu lang und der Schlaf zu tief. Und ganz ehrlich? Ich selbst würde auch manchmal einfach gerne laufen lassen, anstatt mir dauernd im Halbschlaf die Schläfe am Türrahmen anzuhauen wenn ich nachts zwischen 2 und 3 zum Klo schleiche.

Aber auch tagsüber ist es bei uns manchmal eher nass als trocken. Auf dem Teppich, im Bett, auf einem 50 Meter hohen Kirchturm hoch über den Dächern von Bordeaux – wir hatten schon alles. Weil auf Phasen, in denen das Hübchen völlig zuverlässig meldet, dass er gleich mal muss und tapfer einhält bis er gehen kann, ganz sicher eine Phase folgt, in der auf „Muss nicht, muss nicht, muss nicht“ ein erschrockenes „Pipi gemacht!“ folgt.

Weil alles andere einfach so viel interessanter ist als aufs Klo zu gehen. Und auch, und das habe ich erst spät begriffen, weil der Sohn in den letzten Wochen gelernt hat, richtig lange einzuhalten und das wohl jetzt erst mal vernünftig testen will. Und mit richtig lange meine ich richtig lange! Nach fünf Stunden ohne Pinkeln wird das Töpfchen dann randvoll gemacht – oder eben, naja…

Für den Zweijährigen ist es ein Lernprozess

Geschichten wie „Mein Kind war von heute auf morgen völlig trocken – auch nachts“ höre ich also mit Erstaunen. Und kann mir nur vorstellen, dass es sich dabei um ältere Kinder handelt. Denn ein Drei- oder Vierjähriger entschließt sich vielleicht tatsächlich ganz bewusst von heute auf morgen, nun einfach keine Lust mehr auf Windeln zu haben. Bei meinem zweijährigen Hübchen kommt mir das Ganze aber eher wie ein Lernprozess vor.

Windelfrei-Profis würden vielleicht sagen: Ich muss dem Kind nun wieder etwas „anerziehen“, was ich ihm vorher aberzogen habe. Oder vermutlich ist es besser, zu sagen: Das Hübchen muss sich selbst wieder einer Natürlichkeit bewusst werden, die er lange verdrängt hatte. Und das dauert jetzt seine Zeit, was durchaus anstrengend ist. Aber nicht so anstrengend, wie ständig Windeln zu wechseln, finde ich.

Und solange es nur Pipi ist, das manchmal noch daneben geht, ist alles gut, finde ich. Und der stinkende Windeleimer, der fliegt jetzt in den Müll!

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4 Kommentare zu „Schmeiß den Windeleimer raus!

  1. Ich weiß gar nicht so recht, ob das hier in diesen Artikel reinpasst, ich schreib schreibe es einfach mal hier rein. An dieser Stelle erst mal vielen Dank für die vielen wertvollen Informationen, die man in diesem Beitrag / Blog finden kann. Das Internet ist ja voll mit Informationen zum Thema Schwangerschaft bzw. Leben mit Kindern und leider lassen sich viele werdende oder gerade gewordene Mütter gerade beim ersten Kind total irre machen. Da ich selber einen Sohn habe, weiß ich nur zu gut, wie ein Kind das Leben schlagartig verändert, bzw. auf was man jetzt zusätzlich noch alles achten muss, gerade was das Leben in der Familie angeht. Wie gesagt, Daumen hoch für den Blogbetreiber / Blogbetreiberin, für die Zeit bzw. Arbeit, die hier investiert wird. Gerade wenn man Kinder hat, ist es schon ein Kunststück sich für sowas Zeit zu nehmen. Liebe Grüße

    • Liebe Madeleine, vielen Dank für dein nettes Lob! Mir macht das Schreiben einfach Spaß, deswegen ist es gerne investierte Zeit. 🙂 Und so nettes Feedback, das ich immer mal wieder kriege, motiviert natürlich zusätzlich. 😉 Freut mich sehr, dass es dir hier gefällt und ich hoffe, du bleibst dabei. LG!

  2. Spannender Erfahrungsbericht. Wir beobachten bei unserem Sohn momentan, dass er ganz von selbst die Windel nicht mehr tragen will. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Er ist jetzt 20 Monate alt das heißt irgendwie schon komisch bzw. früh, dass er von sich von den Windeln wegkommen will. Wir versuchen jetzt momentan ihn möglichst viel nackt in der Wohnung herumlaufen zu lassen. Topf und Toilettenaufsatz sind allzeit bereit. Ist zwar teilweise ein „Krampf“ weil er zwar erstaunlicherweise schon eine durchaus gute Schließmuskelkontrolle hat aber es streckenweise einfach viel zu lustig findet irgendwo hinzupinkeln. Na wie auch immer ich gratuliere dir – durchaus etwas neidvoll – zu diesen Erfolgen. Ich denke nicht nur für die Eltern ist es ein Freiheitsgewinn wenn die Kinder langsam „trocken“ werden. Mit Ermutigung und Förderung vom Selbstständigkeitsdrang funktioniert es sicherlich besser als wenn die Eltern von einem Tag auf den anderen beschließen, dass das Kind nun trocken zu sein hat.
    LG

  3. Liebe Sophie,
    ich bin gerade erst durch Google auf deinen Blog gelandet und bin begeistert. Du schreibst wirklich toll und da macht es viel Spaß immer weiter zu lesen.

    Den Windeleimer endlich zu verbannen ist ein super Gefühl, das weiß ich aus eigener Erfahrung 🙂
    Liebe Grüße
    Niels

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