Schlaf endlich, verdammt!

Neulich habe ich mal wieder über das Thema Babyschlaf geschrieben und vor allem darüber, dass ich Schlaflernprogramme bei Babys vollkommen unangebracht finde. Aber wie ist das eigentlich bei größeren Kindern? Darf ich von meinem dreieinhalbjährigen großen Jungen so langsam mal verlangen, alleine einzuschlafen? Ich hoffe, die Antwort darauf ist „ja“. Denn meine Nerven liegen blank.

Das Hübchen war ja noch nie ein „guter Schläfer“, wie man das so schön sagt. Ich bin also einiges gewohnt und daher schon recht dankbar, dass das Kind mittlerweile überhaupt halbwegs schläft. Seit der Mittagsschlaf an fast allen Tagen nicht mehr nötig ist, nächtigt das Hübchen von ca. 20 Uhr bis ca. 8 Uhr morgens und das finde ich an sich schon ganz wunderbar.

Das Problem ist also nicht die Menge an Schlaf, sondern die Art des Einschlafens und auch das nächtliche Aufwachen. Insbesondere letzteres wird nämlich von mal zu mal unerträglicher. Durchgeschlafen hat das Hübchen ja überhaupt noch nie (zumindest erinnere ich mich jetzt gerade an keine einzige Nacht, aber vielleicht gab es zufällig doch irgendwann mal eine). Früher kam das Hübchen dann einfach irgendwann in der Nacht zu uns ins Bett, kuschelte sich ein und schlief weiter. Wunderbar!

Der nächtliche Tyrann

Seit einiger Zeit wacht das Hübchen jedoch pünktlich nachts gegen 2 Uhr auf und rastet völlig aus. Es geht damit los, dass er befiehlt, welches seiner beiden Elternteile ihn an seinem Bett abholen soll. Obwohl dieser Befehl eh sinnlos ist, weil es dann trotzdem immer das falsche Elternteil ist und das andere kommen soll. Im großen Bett angekommen liegt sein Kissen falsch, es ist ihm zu eng, wir sind alle im Weg und außerdem hat er sowieso Durst. Er tritt und schlägt um sich, schreit und brüllt und heult.

Zuletzt steigerten sich seine nächtlichen Attacken auf bis zu einstündige Wutanfälle. Mitten in der Nacht! Und diese Wut überträgt sich, Überraschung, eins zu eins auf mich. Der Mann übernimmt glücklicherweise die Rolle des besonnenen „Good Cop“, während ich jede Nacht kurz davor bin, das Kind an seinem Arm zurück in sein eigenes Bett zu schleifen. Wie kann dieses Geschöpf nur derart undankbar sein? Hatten wir es nicht immer kuschelig zusammen? Geht es uns nicht eigentlich wunderbar? Und überhaupt: Manche Kinder dürfen nie im Elternbett schlafen!!

Das Kind stellt die Regeln auf?

Das weiß das Hübchen nur leider nicht und führt sich völlig selbstverständlich auf wie der schnauzbärtige Diktator von Matratzenhausen. Und nicht nur mitten in der Nacht gibt das Kind Befehle zur aktuellen Schlafsituation. Jeden Abend nimmt das Drama schon vor dem Einschlafen seinen Lauf. Denn seit einigen Monaten besteht der Sohn darauf, im Bett nicht alleine sein zu wollen. Der Mann und ich wechseln uns also ab mit liebevoller Einschlafbegleitung aka stundenlangem Danebenliegen, während das Hübchen noch mal richtig schön aufdreht. Obwohl er eigentlich totmüde ist, natürlich.

Wir haben alles versucht: Geduldiges Erklären, denn natürlich versteht ein dreieinhalbjähriges Kind, dass Mama und Papa nicht weg sind, sondern nur nebenan die Küche aufräumen wollen, im Wohnzimmer auf dem Sofa lesen oder manchmal auch am Schreibtisch noch was arbeiten müssen. Wir haben sanfte Drohungen probiert: „Ich bleibe nur bei dir, wenn du ruhig liegst und die Augen zu machst“. Und immer wieder haben wir es auf die harte Tour versucht: Einfach rausgehen und das Kind brüllen lassen.

Das Problem ist: Auf wütendes Rufen folgt noch wütenderes Trotzgeschrei. Dann kommt das bitterliche Weinen. Und das ertrage ich einfach nicht. Alles, was das Hübchen also bisher gelernt hat, ist: Ich muss nur lange genug durchhalten, dann kommt die Alte eh. Ganz super also.

Ich habe keine Lust mehr!

Ich frage mich daher jetzt, ob ich einfach zu weich bin. Braucht ein dreieinhalbjähriges Kind wirklich jeden Abend ein Elternteil am Bett? Trotz sanft leuchtendem Globus, extra Nachtlicht und der Erkenntnis, dass die Eltern nicht weg sind, sondern nur nebenan? Breche ich die zarte Kinderseele, wenn ich ihm seinen Willen nach Nähe verwehre? Oder setze ich erst Recht die falschen Weichen, wenn ich ständig dem Willen meines Kindes nachgebe?

Aktuell bin ich wirklich an dem Punkt, an dem ich notfalls mit „Gewalt“ meine eigenen Bedürfnisse durchsetzen werde. Weil es mich einfach in den Wahnsinn treibt, jeden Abend und jede Nacht herumkommandiert zu werden wie eine Leibeigene. Ich möchte nicht, dass mein Kind so mit mir umgeht. Ich möchte, dass das Hübchen versteht, dass es Grenzen gibt. Dass er nachts gerne in unserem Bett weiterschlafen kann, wenn er sich an unsere Regeln hält: nicht treten, nicht hauen, nicht über alles und jeden meckern. Und auch, dass er nach dem abendlichen Buchvorlesen und dem Geschichteerzählen sehr wohl alleine einschlafen kann.

Ohne Gebrüll und bitterliches Weinen wird es wohl nicht gehen. Aber vermutlich müssen wir da jetzt einfach mal durch. Oder was meint ihr? Wie war das bei euch? Hat das Hübchen nur eine „Phase“ und die geht von alleine wieder weg? Sollte ich ruhig und liebevoll bleiben oder auch mal die Grenzen klar machen?

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15 Kommentare zu „Schlaf endlich, verdammt!

  1. Uta

    Oh man – wir sitzen irgendwie im ähnlichen Boot! Meine 3,5-Jährige schläft zwar super ein, wacht dafür aber seit Wochen jede Nacht 2-4 Mal auf, sitzt dann heulend und schreiend im Bett, faselt unverständliches Zeug und ist sehr schwer zu beruhigen.

    Das zehrt auch bei uns sehr an den Nerven und wir finden weder den Grund, warum sie aufwacht, noch einen Weg, wie wir das abschalten können!

    Hoffentlich nur eine schlechte Schlafphase von 3,5-Jährigen (sie war allerdings ebenso noch nie ein guter Durchschläfer)…

    Drücke die Daumen, dass ihr einen Weg da rauszukommen findet!
    Liebe Grüße,
    Uta

    • Es kann echt gut sein, dass das einfach eine Phase ist. Oft wacht das Hübchen auch auf, weint bitterlich und lässt sich sehr schnell durch Kuscheln beruhigen. Albträume, anstrengender Kita-Tag usw., da gibt es ja viele Dinge, die verarbeitet werden müssen. Mich stören nur diese massiven und langanhaltenden Wutanfälle so sehr! Gleichzeitig will ich ja aber nicht grob werden, weil ich ja immer im Hinterkopf hab, dass er nachts so viel verarbeiten muss. Es ist verzwickt!

  2. Katrin

    Ich verstehe dich total. Bedürfnisorientiert heißt ja immer auch, auch die eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren. Unsere große (wird bald vier) hatte jetzt auch eine Phase mit tierisch schlechter Laune nachts, Geheul und Gezeter. Das Geheimnis war dann, sie muss aufs Klo, kriegt das aber nicht so mit. Wenn wir sie dann auch gegen ihren protest aufs Klo setzen, pieselt sie ausgiebig und kann danach ganz schnell und ruhig einschlafen. Aber bis wir da hinter gekommen sind, das hat gedauert. Ich drücke euch die Daumen für bessere Nächte.

    • Vielleicht ist das der Master-Tipp, danke dir!! Wir hatten neulich nämlich die erste Nacht ohne nasse Windel. Das war am Wochenende, das Hübchen wegen Mittagsschlaf erst nach 22 Uhr im Bett, dementsprechend spät gepinkelt. Und nachts wollte er plötzlich auch aufs Klo. Und da gab es kein Gezeter, keinen Wutanfall. Ich fürchte nur, dass es, wenn das Hübchen nur so halbwach und mies gelaunt ist, erst recht zum Ausrasten führt, wenn wir ihn zum aufs Klo gehen bewegen wollen. Aber ausprobieren werden wir es!

      • Katrin

        Das haben wir schon auch noch, also Wut beim aufs Klo bringen. Aber sie ist da einfach nicht wirklich wach und bei sich und kann dann glaube ich das Gefühl des unwohl seins nicht Einordnen. Tagsüber haben wir das auch manchmal, wenn sie lange nicht war. Dann geht die Laune den Bach runter. Wenn wir sie dann aufs Klo bringen, kommt meist echt viel und die Laune steigt sofort. Aber ich glaube, sie traut da ihrem Körper nicht so richtig. Aber es gibt in der Regel keine Unfälle,weder Tags noch nachts . Im Prinzip kann sie das ja.

  3. Ui, das kommt mir vor, als wenn du von meiner kleinen Tochter (2) schreibst. Die Große (7) hatte selten Probleme mit dem Schlafen. Natürlich konnte sie auch immer zu uns ins Bett kommen aber bis auf wenige Ausnahmen hat sie zuverlässig im eigenen Bett im Kinderzimmer geschlafen und ist nach Buch lesen und Hörspiel auch alleine eingeschlafen ohne Probleme. Ganz anders bei Nummer 2: dreht abends trotz Müdigkeit noch mal richtig auf, springt im Bett, tritt, stenkert und braucht EWIG bis sie einschläft. Ich muss im Bett daneben liegen und kann die Abende, an denen ich nach Einschlafbegleitung selber noch wach bin und ein paar Stunden am Abend ein Erwachsener sein darf, an einer Hand abzählen… ich weiß auch nicht, was richtig ist. Aber geteiltes Leid ist halbes Leid, sagt man ja. Ich drück dich! <3

  4. Katharina

    Merkt er vielleicht dass was ansteht? Unser großer hatte das auch als ich schwanger war und noch eine Zeit lang nach der Geburt des Babys.
    Es steigerte sich dann so sehr dass ich tatsächlich irgendwann auf die harte Tour gehandelt habe.
    Nach dem gute Nacht Lied gehe ich raus, ich schaue aber nochmal nach dir wenn du eingeschlafen bist.
    Wenn du nachts wach wirst darfst du zu uns kommen. Selber, ich trage dich nicht, das kann ich leider gerade nicht.
    Du darfst bei uns schlafen wenn du ruhig liegst. Wenn du rumturnst geht es zurück in dein Zimmer.
    Also ganz klare Regeln, die wir dann auch konsequent so umgesetzt haben.
    Es hat etwa eine Woche gedauert, dann klappte es wunderbar. Er versucht es manchmal noch wenn Papa Spätschicht hat. Anfangs tat er mir auch so leid weil ich dachte ich entziehe ihm Nähe die er vielleicht gerade braucht. Aber die bekommt er ja trotzdem. Ich denke mit dreieinhalb kann ein Kind schon verstehen dass Mama und Papa auch Bedürfnisse haben, und halbwegs entspannt zu schlafen gehört für mich einfach dazu.
    Jetzt wo das Baby da ist bleibt er übrigens freiwillig in seinem bett, es ist ihm zu unruhig bei uns 😉

    • Ja bestimmt merkt er auch, dass sich was verändert. Aber bis auf die nächtlichen Attacken ist er durch meine Schwangerschaft eigentlich eher noch ein bisschen kuscheliger geworden. Aber klar kanalisiert sich da bestimmt einiges und muss nachts verarbeitet werden. Vermutlich werden wir nun auch versuchen, etwas klarere Regeln aufzustellen und die dann auch durchzuziehen. Z.B.: Wer tritt und haut, muss raus aus dem Elternbett! Das wird mir eh zu gefährlich mit dem wachsenden Bauch. Und Liebe und Nähe bekommt er ohne Ende. Nur an ein paar Regeln muss er sich schon halten.

  5. Eds

    Uns war stundenlanges Liegen neben wachem Kind auch zuviel. Daher nahmen wir im Sommer beim Sohn 4,5 Jahre den Druck raus. Ab 20 Uhr ist Feierabend bei uns. Wir räumen auf gucken fern machen Dinge die wir wollen,langweilige Erwachsenen Sachen. Kind soll sich allein in seinem Zimmer beschäftigen und sich melden wenn er müde ist. (Auf Körper achten, wie fühlt es sich an,…)Jegliches „ich schaffe das nicht zu bauen.(Lego) Hilfe.“ wird mit Hinweis auf Feierabend auf den nächsten Tag geschoben. Gegen 9 wird Hörbuch ausgemacht. Meist kommt er gegen 21:15 und will noch eine Runde kuscheln. Wir kuscheln 12 Minuten, danach gucken wir in Abständen nach ihm.(wünscht er sich) Falls es zuuuu spät wird kommt die Ansage „ich bin müde und gehe jetzt gleich ins Bett.wenn du noch kuscheln möchtest ist jetzt die Zeit dafür ansonsten fällt es aus.“ das klappt dann meist.
    Baby krabbelt meist auch bis 21:30 durch die Gegend. Wir fahren damit entspannter.
    Viel Glück

  6. Verena

    Ich finde, du beschreibst das selbst schon am allerbesten! Ich verstehe dich soo gut, das weinen auszuhalten ist furchtbar. Aber ich glaube auch, dass unsere kinder stabiler sind als man manchmal denkt 😉 ihr seid ja 100% für ihn da, und jetzt darfst du von deinem kleinen großen ruhig fordern, dass er nachts schläft. Vor allem wenn er müde ist, du legst ihn ja nicht einfach zwischendurch weg, um zu entspannen. Also hab kein schlechtes gewissen, du brauchst doch jetzt auch ein bisschen mehr ruhe und entspannung. Aber warum sind die papas nachts eigentlich imner good cop? Ist bei uns auch so, ich mutiere zur wutmuddi und er ist ganz ruhig.. ich wünsche dir,dass es schnell klappt. Man sagt doch immer, nach 3,4 Tagen wird es besser. Fühl dich gedrückt und ermuntert. Ohne schlaf gehr echr nicht.

    • Ach, eigentlich wechseln der Mann und ich uns immer ganz gut mit dem „Good Cop“ „Bad Cop“ ab. 😉 Aber nächtliche Wutanfälle sind echt nicht so mein Ding. Ich glaube, wir versuchen einfach mal ein bisschen klarere Regeln durchzusetzen, vor allem: nicht hauen, nicht treten. Ein weinendes Kind kann ich immerhin in den Arm nehmen, aber dieses Grobe ertrage ich echt nicht.

  7. Carola

    Puh. . .klingt wirklich anstrengend. Aber wie du sicher weist..Kinder wollen uns nicht ärgern. Er braucht euch, vielleicht will er damit was ausdrücken… Wer weiß.
    Aber vielleicht bin ich da auch die falsche…mein Mann und ich begleiten unseren sechsjährigen noch immer in den schlaf und auch er schläft noch im Familien Bett…wir sehen uns wenig am Tage und Genüssen die gemeinsame kuschelzeit. Auch wir haben schon Phasen gehabt wo es nerviger war und dann mit ihm darüber gesprochen. ..er sagte, er findet es unfair. Wir können schließlich auch kuscheln beim einschlafen. Dem gab es nix mehr hinzuzufügen….Geschrei und kämpfe hatten wir allerdings nie….von daher wünsche ich euch, dass ihr für alle einen guten weg findet. LG Carola

    • Ja, das weiß ich ja auch. Und ein weinendes Hübchen will ich in den Arm nehmen. Nur treten und hauen kann ich nicht mehr ertragen. Klar kann er seine Wut dann gerade nicht kontrollieren, aber irgendwie muss er trotzdem verstehen, dass das nicht geht. Ich liege ja mit Baby im Bauch direkt neben ihm. Wenn er sich dann beruhigt hat, ist auch alles wieder kuschelig und ich mag es sehr mit den zwei Jungs in einem Bett zu schlafen. 🙂 Wir werden wohl erst mal versuchen, die Gewaltattacken abzugewöhnen und dann sehen wir weiter.

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