Runterkommen!

Ich liebe es, dieses Internet! Manchmal spielt es mir in genau den richtigen Momenten die genau richtigen Texte zu. Die müssen nicht intellektuell sein, tiefschürfende Erklärungen oder sonst was enthalten, sondern mir, wie im heutigen Fall, einfach mal eine total einfache Botschaft mitgeben: Entspannen ’se sisch, Schätzelein! So ähnlich steht es jedenfalls hier drin, und das zu lesen hat mir heute ein bisschen bessere Laune gemacht. Weil ich nämlich eigentlich gerade tagtäglich dabei bin, auszurasten vor lauter Anstrengung, Erschöpfung und Druck. Also Schluss damit. Und entspannen.

Im oben verlinkten Text wird ein Paradoxon beschrieben, das ich sehr gut kenne: Von außen wird man häufig als gar nicht so verspannt wahrgenommen, wie man selbst sich oftmals fühlt und erlebt. Mir wurde schon oft eine bewundernswerte Entspannung attestiert. Wie ich mit Vollzeit-Volontariat, Kind, Hobbys, Umzug usw. umgehe – einfach toll! Wie liebevoll und selbstverständlich ich mit meinem Sohn umgehe – wow! Dem Mann und mir wurde sogar schon von einigen Freunden mitgeteilt, wir seien so eine Art Vorbild in Bezug auf „einfach mal ein Kind kriegen“, selbst wenn die Doktorarbeit noch nicht geschrieben, der Traumjob noch nicht in der Tasche oder der Bausparvertrag noch nicht abgeschlossen ist.

Klar macht es uns glücklich so etwas zu hören, und auch ein kleines bisschen stolz. Vielleicht geben wir uns zumindest unbewusst sogar ein bisschen Mühe, nach außen so zu wirken, als wäre alles immer tippi-toppi? Und auch hier in meinem Blog möchte ich es natürlich vermeiden, rumzujammern oder Artikel zu schreiben, die nur um meine persönlichen Befindlichkeiten kreisen. So etwas will doch wirklich keiner lesen! Oder?

Nein, es ist nicht immer alles super!

Oder ist es vielleicht auch einfach mal nötig, zu schreiben: Nein, es ist nicht immer alles super! Manchmal ist einfach alles so richtig doof! Zu wenig Zeit, sei es fürs Kind, für den Mann, für Hobbys, um die neue Stadt zu erkunden oder einfach mal ein paar Bilder an die nackten Wände unserer neuen Wohnung zu hängen. Allgemeine „Was-kann-ich-überhaupt?“-Gedanken, Frustration auf allen Seiten, und dann auch noch Regenwetter und die erste dicke fette Herbsterkältung.

Hinzu kommt, dass der Sohn gerade in der „alleineselber“-Phase ist, die leider beinhaltet, gar nichts mehr zu wollen, was seine mittlerweile wahrlich schnell genervten Eltern von ihm verlangen – was in allen erdenklichen Situationen zu noch mehr Zeitdruck führt. Wenn meine Dünnhäutigkeit dazu führt, ungeduldig und laut zu reagieren, fühle ich mich danach natürlich noch schlechter. Als die schwärzeste Rabenmutter unter den Rabenmüttern, die ihr Kind in ein Korsett aus Erwartungen zwängen will, in die es doch gerade gar nicht hineinpassen kann. Wenn ich danach mein Kind entschuldigend in die Arme nehme und am liebsten weinen will, möchte ich mich manchmal gleich selbst in die nächste Klappse einliefern.

Ich lasse mich fertigmachen – oder eben nicht

Nein, so fühlt sich das alles nicht gut an. Und während ich schon fast anfange, die ganze Welt um mich herum zu verfluchen, die mir armem kleinen Ding doch gerade so gemein zusetzt, dass ich doch eigentlich gar nicht anders kann als zu fluchen und zu jammern, zu weinen und zu klagen, lese ich ein paar salopp geschriebene Zeilen über entspannte Frauen und finde endlich wieder zu einer Grundauffassung zurück, von der ich doch eigentlich dachte, dass sie mir schon längst in Fleisch und Blut übergegangen wäre: Ob ich etwas mit mir geschehen lasse oder nicht, liegt ja an mir! Ich bin zu einem großen Teil allein für mich und mein Glück verantwortlich! Ich allein entscheide darüber, ob mich bestimmte Umstände fertig machen – oder eben nicht!

Und deswegen entscheide ich jetzt eben, dass sie mich nicht mehr fertig machen, und zwar ab sofort. Und ich halte mich an das Motto „Ja, und jetzt?“, von dem es im Artikel heißt, dass es hilft, alles mal wieder etwas entspannter zu betrachten. Wenn mir mal wieder alles zu viel wird und mir tausend Gedanken durch den Kopf gehen, die darum kreisen, was ich mir gerade eigentlich alles ganz und gar anders wünschen würde, dann hilft eine kleine, einfache Frage ziemlich schnell weiter: „Ja, und jetzt?“.

Ist ja ganz schön blöd, wenn alles gerade so doof ist. Aber was soll schon passieren? Meine Güte, es geht schon weiter. Und zwar deutlich entspannter, wenn man sich mal selbst entspannt. Der Wutanfall des Sohnes an der Aldikasse wird nicht besser, wenn ich zusätzlich wütend werde. Mein Fieber wird nicht dadurch gesenkt, dass ich mich besonders darüber ärgere. Und meine berufliche Zukunft baue ich nicht dadurch auf, dass ich mir pausenlos darüber den Kopf zerbreche.

Mit Geduld nach neuen Wegen suchen

Einfach wieder lockerer mit allem umgehen, Fehlentscheidungen akzeptieren, mit Ruhe und Geduld nach neuen Wegen suchen, entspannt bleiben, vor allem im Umgang mit einem Kleinkind in der Autonomiephase – weil es doch eh nichts bringt, jetzt alles hochzukochen, sich aufzuregen, zu ärgern oder traurig zu sein. Weil das vielleicht 10 Minuten hilft, oder auch mal eine halbe Stunde, wenn der Mann oder Freunde sich die Zeit nehmen, mir zuzuhören, damit ich mich mal ordentlich auskotzen kann. Und dann ist auch gut.

Nicht ärgern, sondern gelassen mit blöden Umständen umgehen. Am Montag einen Krankenschein holen, denn wenn ich krank bin, bin ich eben krank. Weniger grübeln und wieder mehr machen. Dabei nichts überstürzen, sondern mit Bedacht entscheiden. Dem Sohn mit meinen Erwartungen nicht zusetzen, weil er die doch oftmals noch nicht erfüllen kann (in diesem Punkt hat mir dieser Artikel vom Gewünschtesten Wunschkind Blog übrigens geholfen). Insgesamt also: Entspannen. Locker bleiben. Sich fragen: „Ja, und jetzt?“. Nix und jetzt! Passiert nichts schlimmes! Wird nur schlimmer, wenn du dich aufregst!

OK, habe ich verstanden. Und ruhe nun wieder in mir selbst. Im Selbstversuch. Fragt doch bald mal den Mann, ob es klappt!

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