„Quatsch mit Soße!“ – Die erste Kita-Woche

Was ist denn das da auf dem Foto? Richtig! Ein richtiger, echter Kindergarten-Rucksack! Heute startet schon die zweite volle Kitawoche und meine Sorgen waren natürlich völlig überflüssig. Denn es ist, wie ich es mir eigentlich schon dachte: Schon nach wenigen Tagen tut das Hübchen so, als hätte es gar nichts anderes gekannt. Trotzdem war die erste Kitawoche herausfordernd. Ich erzähle euch, warum.

Mit der Eingewöhnung ist es ja immer so eine Sache. Manche Kitas würden die neuen Kinder am liebsten in Luftpolsterfolie verpacken und minutenweise in die bestehende Gruppe eingliedern. Da darf man dann in der ersten Woche für eine Stunde täglich kommen, in der zweiten für zwei usw. Bis das Kind dann nach schlappen 4 bis 6 Wochen komplett eingewöhnt ist. Alles mit elterlicher Begleitung, versteht sich. Womit der Jahresurlaub futsch wäre.

Unsere Kita sieht das zum Glück nicht so streng. Womit ich dann aber auch nicht gerechnet hatte, war die doch sehr läpp’sche Eingewöhnungskultur à la „Schmeiß dein Kind rein, es kommt schon zurecht“. Nee, dachte ich mir, nicht mit uns. Und blieb ein bisschen. Am ersten, zweiten, dritten und auch noch am vierten Tag. Schmerzhafte Abschiede müssen nicht sein, finde ich. Und wenn das Hübchen es am Anfang noch braucht, dass ich ihm ein halbes Stündchen beim Spielen zugucke, dann finde ich das völlig OK. Spätestens beim Frühstück ließ das Hübchen mich dann gehen. Ganz ohne Weinen und mit einem dicken Abschiedskuss. Geht doch auch so!

Die Eltern werden „rausgeschmissen“

Um den Kindern den Abschied zu erleichtern, gibt es in unserer Kita den „Brauch“, dass die Kinder ihre Eltern buchstäblich rausschmeißen. Die Erzieherinnen fordern die Kinder tatsächlich dazu auf: Sie sollen ihrer Mama oder ihrem Papa an der Tür einen ordentlichen Schubs geben, damit die endlich abhauen. Das Hübchen weigerte sich aber standhaft, mich rauszuschubsen. Und irgendwie bin ich da auch nicht böse drum. Viele andere Kinder finden das aber ganz super und naja, wenn’s hilft. 😉

Personell ist unsere Kita natürlich genauso schlecht aufgestellt wie fast alle Kitas in unserer Stadt. Es gibt da ja Vorgaben. Und die lauten: 12,5 Kinder auf eine Erzieherin (betrifft Gruppen mit Kindern über 3 Jahren). Mehr Stellen werden nicht finanziert und dann ist das eben so. Bei einem derart miesen Betreuungsschlüssel ist ganz klar, dass die Erzieherinnen nicht viel Zeit haben, sich mal gezielt mit einem einzelnen Kind zu beschäftigen. Eine ähnliche Beziehung wie die zu unserer alten Tagesmutter wird das Hübchen deshalb sicher nie zu seinen Erzieherinnen aufbauen.

Von 0 auf 100 in Sachen Selbstständigkeit

Stattdessen lernt er jetzt, möglichst selbstständig zu sein. Ich sehe schon, dass die Erzieherinnen im Moment versuchen, möglichst gut auf die vielen neuen Kinder einzugehen. Das Hübchen wird regelmäßig zur Toilette begleitet und auch sonst wird ihm momentan sicher mehr Aufmerksamkeit zuteil als den älteren Kindern. Aber bei 25 Kindern in einer Gruppe muss er sich trotzdem schnell daran gewöhnen, auch gut allein zurechtzukommen oder sich Hilfe bei anderen Kindern zu suchen.

Und generell ist das ja nicht das schlechteste. Mein großer Junge wird in zwei Monaten drei Jahre alt und natürlich kann er sich das Geschirr selbst aus dem Schrank holen. Und natürlich kann er seine Sandalen selbst anziehen. Er macht das alles wirklich prima. Und trotzdem bin ich froh, dass ich ihn um 14 Uhr abholen kann und ihn dann den Rest des Tages behandeln darf, wie meinen zweijährigen Sohn, der ja auch einfach immer noch ganz schön klein ist.

Betreuungszeiten für Teilzeit-Eltern

Für einen Ganztagsplatz stehen wir auf der Warteliste und rutschen vielleicht im nächsten Jahr nach. „Ganztag“ bedeutet in dieser kleinen Kita jedoch auch nur: Betreuung bis 16 Uhr. Die Betreuungszeiten gehen wie so oft an der Lebensrealität vieler Eltern vorbei. Zwar ist die Kita 9 Stunden geöffnet, das jedoch von 7 bis 16 Uhr. Und welcher vollzeitarbeitende Mensch hat schon solche Arbeitszeiten? Wer alleinerziehend ist, sollte bei solchen Betreuungszeiten vermutlich am besten Lehrer*in oder Beamte*r sein. Oder eben selbstständig arbeiten, so wie ich.

Das Hübchen ist aber vermutlich ganz froh darüber, dass wir ihm im Moment den Luxus gönnen können, schon um 14 Uhr abgeholt zu werden. Während so eines Kitatages geht es für ihn Schlag auf Schlag: Morgenkreis, Frühstück, Spielen, Raus gehen, Mittagessen, abgeholt werden. Keine Zeit für ein Nickerchen, kaum Möglichkeiten, sich zurückzuziehen. Eine Ganztagsbetreuung wäre in diesem Jahr auch schon deswegen kaum möglich, weil das Hübchen, nachdem ich ihn abgeholt habe, meist in einen komatösen Schlaf fällt, sobald er im Buggy oder Kindersitz sitzt. Und in der Kita für große über Dreijährige ist ein Snoozle-Raum nicht mehr vorgesehen.

Die gute alte Kita-Sozialisation

So läuft das nun also mit der Kita. Und ich muss mich langsam damit anfreunden, dass das Baby erwachsen wird. Ein großes Kind, das plötzlich alles „Quatsch mit Soße“ findet und laut „Müllabfuhr!“ skandiert, wenn draußen ein lauter Lastwagen vorbei fährt. Dabei kann ich mich selbst sogar noch dran erinnern, als ich als Kitakind genau so war. Bin ich wirklich so schnell so alt geworden?

Die gute alte Kita-Sozialisation. Ich bin der Überzeugung, dass sie mir sehr gut getan hat. Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen an meine eigene Kitazeit. Und ich hoffe sehr, dass es dem Hübchen später ähnlich gehen wird.

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