„Nur Mut“ oder „Vorsicht Risiko“?

Als ich im 5. Monat schwanger war, schrieb ich zugegebenermaßen einen etwas genervt klingenden Text über all die medizinisch angeblich notwendigen Untersuchungen, die man nun an mir durchführen musste oder wollte. Und das, obwohl das wirklich Nervige, der Krankenhausaufenthalt wegen vorzeitiger Wehen, mir erst noch bevorstehen sollte. 1 ½ Jahre später kann ich Bilanz ziehen und für mich festlegen, welche Untersuchungen während Schwangerschaft und Geburt mir sinnvoll erscheinen und welche ich zukünftig freundlich ablehnen werde.

Rückblick-Post: Mai 2013

(und ich im 5. Monat schwanger)

Ein Einblick in die französische und die deutsche Art, mit medizinischer Technik umzugehen. Am Ende hilft weder das eine noch das andere weiter, um als Vegetarierin ein gesundes Kind zu gebären. Da hilft nur Schokoladeneis.

Ziemlich viele Ärzte haben sich bisher meine Gebärmutter von innen angeguckt. Die Schwangerschaft wurde zunächst von einer Vertretungsärztin festgestellt. Anschließend schaute mal die Praxispartnerin meines eigentlichen Arztes drauf, bis der schließlich aus dem Urlaub wieder da war und es sich selbst ansah. Und schließlich ging ich zu einer netten jungen Ärztin in Nizza.

Diese Dame fiel weniger durch ihre Berufserfahrung als durch ihr wirklich gutes Ultraschallgerät auf, das mir schon tolle Schnappschüsse im frühen Föten-Stadium bescherte. Wir verstanden uns wirklich gut, solange, bis sie mich fragte, ob ich denn die Nackenfaltenmessung zur Risikoabwägung der Trisomie-21-Fehlbildung bei ihr in Frankreich oder daheim in Deutschland durchführen lassen wolle. Mit meinem deutschen Arzt hatte ich bereits abgeklärt, dass ich nicht gedenke, dies überhaupt zu tun.

Technisierte Schwangerschaftsvorsorge in Frankreich

Aus einer Arte-Dokumentation wusste ich bereits, dass Frankreich, was Schwangerschaft und Geburt angeht, wesentlich medizinisch-technischer orientiert ist als Deutschland. Hier hatte ich den Beweis. Alles, was an Mitteln zur Verfügung steht, sollte auch genutzt werden. Für meine französische Ärztin war es gar keine Frage ob ich die Untersuchung zum Down-Syndrom-Risiko machen lassen wollte, sondern lediglich wann und wo ich dies zu tun gedenke. Ich zog mich aus der Affäre, indem ich einfach vorgab, dies in Deutschland untersuchen zu lassen. Damit war die Ärztin zufriedengestellt.

Um einen kurzen Einblick in die Risikoabwägung zu geben: Ist die Nackenfalte des Fötus verdickt, soll das wohl in ca. 70% der Fälle darauf hindeuten, dass ein genetischer Fehler vorliegt. In 30% der Fälle ist das Kind aber kerngesund und die Nackenfalte hatte einfach einen schlechten Tag. Zusätzlich wird das Risiko aber noch prozentual am Alter und Gesundheitszustand der Mutter herunter gerechnet. Erst dann kann man entscheiden, ob man noch eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen will, die letztlich Gewissheit über einen etwaigen Chromosomdefekt bringen soll. Hierbei wird, soweit ich das als Nicht-Medizinerin verstanden habe, eine lange Nadel durch den Bauch der Mutter bis in die Gebärmutter gestochen. Das Fehlgeburtsrisiko ist nach solch einer Untersuchung deutlich erhöht.

Warum soll ich immer vom schlimmsten ausgehen?

Mein Alter beträgt 26 Jahre, ich bin kerngesund, in meiner Familie gibt es, soweit ich das zurückverfolgen kann, keinerlei Behinderungen. Warum also sollte ich Nackenfalten vermessen und Fruchtwasser entnehmen lassen anstatt darauf zu vertrauen, dass die Natur das schon alles ganz richtig eingefädelt hat? Die meisten deutschen Ärzte sehen das zum Glück ähnlich entspannt und raten jungen Frauen gar nicht erst zu solch verunsichernden Untersuchungen, da das Risiko bei jungen, gesunden Frauen wirklich sehr gering ist. Diese Einstellung kommt mir sehr entgegen.

Trotzdem macht es mich seit Beginn der Schwangerschaft wahnsinnig, auf was ich ansonsten alles achten soll. Toxoplasmose? Bitte halte dieses Kätzchen von mir fern! Folsäure? Immer her mit dem praktischen Tablettenspender (solange er funktioniert und niemand Tee drüber kippt, wie natürlich schnell passiert)! Jod? Wie, Sie essen keinen Fisch?! Eisen? Und auch kein Fleisch??!!

Ich wende mich gegen den Trend!

Immer wenn ich Nachrichten schaue und in Berichten über Bangladesh, Zentralafrika oder Nordkorea ziemlich viele recht fidel herumspringende Kinder sehe (auch wenn so etwas zu schreiben jetzt natürlich völlig un-pc, also nicht political correct oder was-auch-immer ist), freue ich mich, dass auch an abgelegenen Flecken der Welt, wo werdende Mütter sich wohl hauptsächlich von Reis oder Hirse ernähren, gesunde Kinder zur Welt kommen. Glaubt man der Angstmacherei der Ärzte und Schwangerschaftsratgeber in der westlichen Welt, müssten diese Kinder doch alle zumindest mit einem offenen Rücken geboren werden. Werden sie aber nicht!

Mein erklärtes Ziel ist es nun, mich den Rest der Schwangerschaft nur noch von Nudeln mit Pesto, Schokoladeneis und hin und wieder einem schönen Stücksken Bienenstich zu ernähren um dann ein gesundes Kind zu gebären. Das wird ein Statement an die Wissenschaft!

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