Nur ein blauer Fleck (SSW 11)

Gestern war ich im völligen Ausnahmezustand: Blutungen in der 11. Schwangerschaftswoche, das fühlte sich gar nicht gut an! Heute gab es den erlösenden Ultraschall: Die Blutung kommt von einem Hämatom und dem Baby geht es gut.

Über meine Ängste zu schreiben, hat mir gestern sehr gut getan. Es ist vielleicht ein bisschen merkwürdig, etwas derart privates ins Internet zu schreiben – erst recht, weil auch meine Freundinnen aus dem echten Leben erst so über mein Problem erfahren haben und sich daraufhin bei mir meldeten. Für mich war es aber leichter, meine Angst erst mal allgemein in Worte zu fassen, anstatt einzelne Freundinnen zu kontaktieren, die sich ja vermutlich ähnlich hilflos gefühlt hätten wie ich.

So tat es mir sehr gut, hier im Blog die für mich passenden Worte zu finden und so viel Zuspruch und liebe Worte von realen und Online-Freundinnen, Bekannten und nicht zuletzt meinen Blog-Leserinnen zu bekommen. Ich danke euch von Herzen für eure Reaktionen, die mir sehr, sehr gut getan haben!

Viel zu oft sind wir ansonsten alle mit unseren Sorgen alleine und auch aus diesem Grund mag ich das Bloggen so gern: Auch wenn es „nur“ die Online-Welt ist, kommen wir hier oft alle ganz nah zusammen, teilen dieselben Ängste und Sorgen oder auch dieselben Freuden und Glücksmomente und es tut so gut, sich darüber auszutauschen und einen gemeinsamen Raum zu finden.

Warum Schwangerschaften verheimlichen?

Nicht zuletzt ist es mir außerdem immer ein Anliegen, auch über Themen zu schreiben, die sonst eher im Verborgenen gehalten werden. Und (mögliche) Fehlgeburten sind leider immer noch ein Thema, über das nur Wenige sprechen oder schreiben. Im Nachhinein finde ich es vielleicht sogar falsch, nicht schon eher über meine Schwangerschaft geschrieben zu haben.

Denn warum genau verheimlichen wir unsere Schwangerschaften eigentlich bis zur 12. Woche? Damit Freund*innen oder Leser*innen bloß nicht davon erfahren, falls etwas schief geht? Wäre es nicht im Gegenteil viel schöner, man könnte seine Freude von Anfang an teilen und würde im Ernstfall auch von anderen aufgefangen?

Eigentlich würde ich mir wünschen, dass wir Schwangerschaften und Familie allgemein wieder mehr aus der Privatheit befreien und sie wieder zu einem gemeinsamen Thema machen, an dem alle bis zu einem gewissen Punkt teilhaben dürfen – und im Zweifel auch mitleiden und trösten. Natürlich ist das immer eine individuelle Entscheidung, aber für mich habe ich jetzt vielleicht noch mehr gelernt, dass es mir gut tut, Dinge auszusprechen, mich auszutauschen und mit anderen in Kontakt zu bleiben.

Woher kommt die Blutung?

Jetzt aber genug vom Wort zum Freitag. 😉 Natürlich will ich euch auch noch schnell erzählen, was denn nun in der Lage war, bei mir derartige Ängste auszulösen: Ein dickes, fettes Hämatom! Ich liege also vorhin in banger Erwartung und entwürdigender Lage vor meiner Ärztin (Vaginal-Schall, ihr kennt das) und richte mich vorsorglich auf das schlimmste vor. Dabei sagte mir mein Gefühl heute Morgen, ich solle optimistisch sein. Die Schmerzen waren weg, die Blutung auch fast und ich fühlte mich wieder halbwegs normal. Aber ich wollte nicht zu sehr hoffen.

Und dann sehe ich ein zappelndes Baby auf dem Bildschirm! Natürlich bin ich gar nicht in der Lage, sofort zu verstehen, was das bedeutet und suche als allererstes nach dem Herzschlag. Das Herz schlägt!, rufe ich der Ärztin zu und checke erst im nächsten Moment, dass das logisch ist, bei einem wild zappelnden Baby. Weil das eine ja das andere bedingt. Aber klare Gedanken sind in so einem Moment eh schwierig.

Der Mann steht hinter mir und nimmt meine Hand. Unser Sommerbaby zappelt, ist das zu glauben? 4,5 cm misst die Ärztin und damit ist das Baby rasant gewachsen und sieht auch bestens entwickelt aus. Bestens entwickelt sieht allerdings leider auch ein dickes, fettes Hämatom aus, das nah am Muttermund liegt und wovon gestern wohl Teile abgeblutet sind. Mit 5×2 cm hat es eine stattliche Größe. Zum Glück liegt es aber in maximaler Entfernung zur Placenta und stellt damit keine akute Gefahr für die Versorgung des Babys dar.

Immer mal was Neues

Trotzdem ist so ein Hämatom natürlich eine blöde Sache und nach der ersten Erleichterung, dass es nichts schlimmeres ist, bin ich trotzdem kurz sauer, dass in meinen Schwangerschaften einfach immer irgendwas sein muss. Meine Ärztin macht mir aber Mut und fasst die Sachlage optimistisch zusammen: Hämatome entstehen häufiger als man so denkt und haben in den allerwenigsten Fällen einen gefährlichen Hintergrund (angeblich stehen Hämatome in seltenen Fällen mit Gendefekten beim Kind in Zusammenhang).

Normalerweise bilden sich Hämatome in der Gebärmutter von ganz allein zurück, wie man das z.B. auch von normalen blauen Flecken unter der Haut kennt. Meine Hebamme erklärt mir später am Telefon, dass das Hämatom zum Zeitpunkt der Blutung normalerweise die maximale Größe erreicht hat. Der Körper stößt damit den Teil ab, den er meint, nicht selbst abbauen zu können. Was nun an Blutansammlung verblieben ist, sollte mein Körper also von allein regeln können.

Für alle Fälle soll ich nun Progesteron und Magnesium nehmen, um die Schwangerschaft noch zusätzlich zu stabilisieren. An sich ist ja aber alles OK, bis auf das Hämatom, das nächste Woche erneut beim Ultraschall vermessen wird und dann bestenfalls schon etwas geschrumpft ist. Bis es ganz verschwunden sein wird, kann es jedoch viele Wochen dauern.

Ruhe, Ruhe, Ruhe

Natürlich soll ich mich schonen, keinen Sport machen und generell Anstrengungen vermeiden. Und ehrlich gesagt bin ich plötzlich ganz begeistert von meinem Körper, der mir diese gesamte Schwangerschaft lang schon signalisiert, dass ich langsam machen soll. Ich war seit vielen Wochen nicht mehr beim Yoga und habe das Hübchen nur ganz selten mit dem Fahrrad aus der Kita abgeholt. Dabei kam ich mir oft blöd vor und dachte, ich müsste mich endlich mal wieder aufraffen. Jetzt weiß ich, dass meine Intuition total richtig war und ich mich ganz unbewusst geschont habe, was absolut wichtig war.

Ein Hämatom also. Und ich denke: Immer mal was Neues. Ich bin glücklich, dass es nichts schlimmeres ist. Und ich habe das Bild von meinem zappelnden Baby ganz tief in mir gespeichert. Was so wild und aktiv aussieht, lässt sich den Spaß doch bestimmt nicht von einem gewöhnlichen blauen Fleck vermiesen!

Hämatome scheinen in Schwangerschaften ja tatsächlich relativ häufig vorzukommen. Habt ihr ähnliches erlebt? Wie schnell ging das Hämatom bei euch weg? Oder hatten die Blutungen bei euch andere Ursachen? Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen mit mir und anderen interessierten oder betroffenen Leserinnen teilt!

Hier geht es zur 12. Schwangerschaftswoche.

Und hier geht es zur Übersicht über alle bisher veröffentlichten Schwangerschafts-Wochenberichte: Klick.

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17 Kommentare zu „Nur ein blauer Fleck (SSW 11)

  1. Nadine

    Was für eine Erleichterung!
    Ich freue mich für euch, dass alles gut ist.

  2. Ein fürchterlicher Schreck! Zum Glück ist alles gut. Ein Hämatom in diesem Zusammenhang hatte ich noch nicht, allerdings konnte ich meine beiden Schwangerschaften nie lange verheimlivhen, da ich immer sehr mit Übelkeit und Erbrechen zu tun hatte. Alles Gute!!!

  3. Puh. Freut mich, dass es dem Baby gut geht. Ich hatte auch ein Hämatom und lange leichte Blutungen. Meine Heilpraktikerin hat mich dann homöopathisch und dann stoppte die Blutung und bei der nächsten Untersuchung beim FA war auch das Hämatom weg. Es war ein doofes Gefühl, dennoch wusste ich tief in mir drin, dass alles gut gehen wird.
    Wünsche dir alles Gute für den weiteren Verlauf Deiner Schwangerschaft!
    LG Janine

  4. Doreen

    Wow, alles Gute dir. Vor einem Jahr war ich in der 11. Woche und jetzt kugelt und robbt das Julibaby neben mir auf dem Bett. Euch eine wunderbare Reise zum Sommerbaby

  5. Aisha

    Was für ein Schreck! Hoffentlich bleibt ab jetzt alles ruhig.
    In der ersten Schwangerschaft hatte ich ganz am Anfang, so 7./8. Woche auch ein dickes Hämatom, direkt neben der Fruchthöhle. In der 10. Woche hat es kurz mal ein bisschen geblutet und dann war es weg. Die Fruchhöhle ist jetzt gut 3-ein-Halb und putzmunter. War mir auch nicht klar, wie häufig so was ist. Nur Mut, das wird schon!

  6. Kathi

    Puh, ich weiß genau wie es dir geht.
    In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich genau das gleiche in der zehnten Woche.
    Und ich war ehrlich froh dass ich schon früh meiner Familie und meinem Chef davon erzählt hatte, mein Chef hat mich nämlich höchstpersönlich ins Krankenhaus gefahren als die Blutungen in der Mittagspause anfingen.
    Und auch bei mir ging alles gut, der große ist jetzt dreieinhalb 🙂

  7. Lena

    Ich freue mich sehr für euch. Herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft.

  8. Emi

    Omg, ich wäre gestorben!! Zum Glück ist alles gut! Bei meiner zweiten Schwangerschaft ist zum Glück alles gut gegangen und nun ist der Kleine da! Falls du uns kennenlernen möchtest: https://youtu.be/H5lMCo75oko

    Euch noch alles alles Gute! 🙂
    LG
    Emi

  9. Bianca

    Das ist furchtbar! Ich hatte auch ein Hämatom während meiner zweiten Schwangerschaft! Blutung in der 13. Woche, eine Woche nachdem wir dem Großen erzählt haben, dass er ein großer Bruder wird… und es war viel Blut, richtig viel… für mich war es ein Zeichen dass ich das Baby verloren hatte… aber dann die Erleichterung-beim Ultraschall am Abend-das Baby ist gänzlich unbeeindruckt und zappelt…
    Heute ist sie 5 Jahre alt und hält uns als auch ihren großen Bruder auf Trab!
    Alles, alles Liebe euch!

  10. Daniela

    Zum Glück ist alles gut ! 😘
    Ich hatte auch in meiner zweiten Schwangerschaft in der 16. Woche ein Hämatom ! Lag zwei Wochen im Krankenhaus und es war nicht sicher ob ich meinen Sohn verlieren würde ! Aber es ist alles gut gegangen zum Glück ! Jetzt ist er 2 1/2 Jahre und putzmunter ! 😉 Dir noch alles gute ! 😘

  11. Barbara

    Ja ich hatte das auch, in meiner ersten schwangerschaft. allerdings war ich erst in der 7. Woche. Bei mir waren die Blutungen nur ganz leicht, ich wollte gerade von meiner Freundin wieder mit der Bahn 500km weit nach Hause fahren. Stattdessen brachte sie mich ins Krankenhaus und mein Mann wurde herbeordert. Ich war total panisch. Ich bekam auch magnesium. Und es hat 2 monate gedauert, bis die blutungen aufhörten, selbst als das hämatom schon nicht mehr zu sehen war. Aber sie waren halt immer nur ganz leicht. Es ist alles gut gegangen! Dir auch alles gute!!

    • Barbara

      …im Krankenhaus lag ich aber nur 2 Tage! Dann bin ich heimgefahren und war noch 2 Wochen krankgeschrieben. 😉

  12. Oh man, ich weiß genau, wie es Dir ging! Ich hatte auch Blutungen, etwas früher als Du (also vom Schwangerschaftsverlauf her) und war am Boden zerstört, bis dann die erlösenden Worte kamen „Ihrem Kind geht es gut“.
    Jetzt sind schon fast 3 Wochen vergangen und es blutet immer wieder ganz leicht nach, aber schon viel viel weniger. Ich glaube inzwischen, dass das mehr Frauen haben, als man denkt aber keiner redet drüber, deshalb bin ich sehr froh, dass Du darüber schreibst!

    Alles Liebe für Deine weitere Schwangerschaft 🙂
    Viele Grüße
    Andrea

  13. Anna

    Liebe Sophie,

    ich verfolge deinen Blog schon länger und möchte mich heute einfach Mal für deine Offenheit bedanken. Bei mir war die Blutung von gestern leider eine frühe Fehlgeburt (7. Woche). Es hat mir aber trotzdem geholfen, noch mal bei dir nachzulesen, dass auch sowas wie ein Hämatom häufig vorkommt. Ich finde es auch schade, dass darüber so wenig geredet wird und die meisten deshalb denken, es wäre etwas ganz seltenes. Ich hab auch einigen schon ganz früh von der Schwangerschaft erzählt und bin jetzt auch froh darüber, dass ich es so gemacht habe. So ist man nicht alleine mit der Situation und wenn man es dann erzählt, hört man plötzlich auch, wie oft so etwas doch vorkommt und auch, dass es danach meist trotzdem mit einer ganz normalen Schwangerschaft klappt, was sehr beruhigend ist. Ich fände es auch schön, wenn damit allgemein offener umgegangen würde, ich glaube das würde vielen Frauen und Familien helfen, auch mit einer schlechten Nachricht umzugehen. Ich frage mich auch, woher dieser „gesellschaftliche Zwang“ zum Verheimlichen kommt. Einige, denen ich es gesagt habe, haben mir sogar dazu geraten, es lieber weiter zu verheimlichen. Warum? Das ist doch meine Entscheidung. Durch dieses „bloß nicht drüber reden“ bekommt eine Fehlgeburt meiner Meinung nach irgendwie mehr Schrecken als nötig (das erinnert mich irgendwie an „der, dessen Name nicht genannt werden darf“…). Natürlich ist das nicht schön, ich habe auch geweint und bin traurig, aber ich sehe es auch als etwas Natürliches und Normales an. Und wenn etwas offener darüber gesprochen würde, würde es auch als normaler und natürlicher wahrgenommen werden und vielleicht auch etwas von seinem „Schrecken“ verlieren. In dem Sinne noch einmal vielen Dank an dich, denn auch durch dich bin ich zu dieser Überzeugung gekommen und habe mich in meiner Entscheidung bestärkt gefühlt.

    • Liebe Anna, danke dir für deinen Kommentar und das Vertrauen! Mir ist gerade ein Tränchen geflossen und das lag sicher nicht nur an den Hormonen. 😉 Für mich ist es immer besonders wertvoll, wenn Leserinnen mir schreiben, dass meine Texte ihnen helfen. Das ist das allerschönste und wohl auch der wichtigste Grund, warum ich mittlerweile im dritten Jahr blogge.

      Es tut mir sehr leid, dass euer Baby nicht bleiben konnte, aber ich finde es ganz großartig, mit welchem Optimismus du das sehen kannst. Denn ich denke genau wie du, dass es sicher helfen würde, das Thema Fehlgeburten weniger zu tabuisieren. Es ist eben eigentlich ganz normal, auch wenn es natürlich jedes Mal traurig ist.

      Ich wünsche euch alles Gute und dass das nächste Baby sich festbeißt!

      • Anna

        Liebe Sophie,

        danke für deine Antwort. Es ist nicht immer einfach, Dinge „anders“ zu machen, auch wenn sie sich für einen selbst richtig anfühlen. Da hilft es einfach, zu lesen, dass andere genau so denken und vielleicht auch Argumente anführen, die einem selbst so nicht in den Sinn kommen würden. Auch wenn man sich eigentlich dafür gar nicht rechtfertigen müssen sollte.
        Gestern bei der Ärztin habe ich leider auch wieder so eine Erfahrung gemacht. Ich habe mich nicht ernst genommen gefühlt (mir wurde nicht geglaubt, dass ich schwanger bin, klar, ohne Arzt kann man ja auch nicht wissen, dass man in der 7. SSW ist…dabei weiß die Ärztin dass ich NFP mache und hat es dann wohl auch eingesehen, dass es so sein muss wie ich sage).
        Ich wurde während der Untersuchung gefragt, warum ich mir denn eine Hebamme suchen wolle, die brauche man doch schließlich erst nach der Geburt. Die könne ja am Anfang eh noch nichts machen, da sie ja keinen Ultraschall habe. Ach so. Dass sie mich vielleicht etwas sensibler begleitet hätte und ich sie wahrscheinlich auch am Wochenende und Feiertag, der natürlich ausgerechnet am Montag war, erreicht hätte, spielte offenbar keine Rolle. Ich werde mir wohl jetzt eine neue Praxis suchen, denn auf sowas habe ich während der nächsten Schwangerschaft keine Lust.

        Ich finde es super, dass du über solche Themen schreibst und sie damit ein Stück weit aus der Tabuzone holst. Das Ganze dann auch in der „realen“ Welt zu tun, ist dann auch noch Mal ein Schritt…mich hat dein Text auf jeden Fall darin bestätigt, das zu tun und es war die richtige Entscheidung.

        Auch dir alles Gute für die weitere Schwangerschaft, für die Geburt und die Zeit danach!

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