November, oder: Die Seuche kommt

Ich möchte diesen Artikel mit der letzten Strophe eines recht erquicklichen Gedichtes von Fritz Eckenga beginnen:
„November, Sack, Du sollst verrecken!
Am besten mit dem Pack der Jecken
Die sich an Deinem Elften wecken
Mit Humba, Ententanz und Prost –
Vielleicht bringt ja Dezember Trost
Und richtet Euch mit starkem Frost.
Ich komm‘ zum Schluß mit dem Gedicht:
November, bist ein Arschgesicht!“

Arschgesicht! So sieht’s nämlich aus! Der starke Dezemberfrost, der ist allerdings auch meine Hoffnung. Die Hoffnung darauf nämlich, dass all diese Viren und Bakterien, die der November bei sich trägt, dann endlich abgetötet werden mögen. Und mich und das Hübchen nicht alle naselang heimsuchen und hinterlistig niederstrecken.

Den sehnsüchtig herbeigewünschten Martinszug wird das Hübchen morgen akut mittelohrentzündet dick eingepackt aus seinem Buggy heraus betrachten dürfen. Wobei ich befürchte, dass er das gar nicht akzeptieren wird. Schließlich geht es ihm doch super. „Hübchen, tut das Ohr noch weh?“ – „Nein!“. Die Kinderärztin sagt: Schlimme Entzündung, Loch im Trommelfell. Das Hübchen lacht und freut sich über die Gummibärchen nach der Untersuchung.

Kind, erzähle mir von deinem Schmerz!

Kann mal irgendwer meinem Kind sagen, dass es kein angeschossenes Reh ist, und ich nicht der böse Wolf? Hier muss keiner seine Verletzungen vertuschen! Es ist OK, wenn mal was weh tut, Sohn! Ich sehe mich schon den gesamten Winter alle zwei Wochen bei der Kinderärztin sitzen, weil ich die vage Vermutung habe, dass das Hübchen iiiiirgendetwas haben könnte. Ich kann ja nicht damit rechnen, dass mir das von dem dreijährigen Superhelden mitgeteilt würde.

Alle reden immer über diese Rabenmütter, die ihre Kinder krank in die Kita schicken. Hey, ich würde mein Kind ja gerne Zuhause behalten, wenn es mir mal in irgendeiner Form anzeigen würde, dass es krank ist! Nur Fieber kann der kleine Vertuschungskünstler nicht vor mir verstecken. Denn mein Fieberthermometer lügt nicht, oh nein!

Jetzt hat das Hübchen jedenfalls verloren. Eine Woche Ruhe verordnet die Kinderärztin und gibt gleich ein Rezept für ein Antibiotikum mit. Das allererste Mal in seinem Leben kriegt der Sohn jetzt also Antibiotika. Doof finde ich das, richtig doof. Aber manchmal führt leider kein Weg dran vorbei.

November, bist ein Arschgesicht

Bei mir versuche ich es derweil mit Maximalportionen an Obst und Gemüse. Und fange mir trotzdem jeden Infekt ein, den das Hübchen aus der Kita mitbringt. Dabei ist es dann herrlich anzusehen, dass es mir mit einer gewöhnlichen Erkältung ohne Fieber so viel schlechter geht als dem Hübchen mit einer gepfefferten Mittelohrentzündung und 38,5°C.

Kind müsste man sein. Mir bleibt nur, meine Nase zu schnäuzen, mich ein bisschen selbst zu bemitleiden und diesen fiesen Spätherbst zu verfluchen. November, bist ein Arschgesicht. Aber echt!

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4 Kommentare zu „November, oder: Die Seuche kommt

  1. Sari

    Argh ja, hier ist es ähnlich.
    Nur dass ic mich bisher so gut wie nie angesteckt habe, dafür aber der Mann und dieses Mal trifft es mich irgendwie jedes Mal mit. Die letzten Wochen waren extrem. Ich hoffe auf ein baldiges Ende!

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