#muttertagswunsch – Was Mütter wirklich wollen

Lauter Blumenläden, Konfiserien und sogar Supermärkte wollen unseren Kindern und uns selbst jedes Jahr aufs Neue erzählen, was Eltern sich zu ihren Ehrentagen – Mutter- bzw. Vatertag – wünschen. Und auch in Kita und Schule wird fleißig gewerkelt: Unser Kleinen bringen uns demnächst wieder massenhaft selbstgemalte Herzchen, Dankes-Gedichte und Gutscheine zum dreimal Müll rausbringen nach Hause. Aber wir sagen: Alles Quatsch! Unter #muttertagswunsch und #vatertagswunsch twittern, posten und bloggen Mütter und Väter derzeit, was sie sich statt verkitschter Symbole wirklich zum Mutter- oder Vatertag wünschen.

Denn mal im Ernst: Mütter oder Väter sind wir an 365 Tagen im Jahr. Viele von uns verlangen dafür überhaupt keine Wertschätzung. Und die meisten von uns bekommen sie ohnehin täglich von ihren Kindern oder lassen sie ihrerseits die eigenen Eltern spüren. Brauchen wir ernsthaft einen Tag, an dem uns die Blumen-, Pralinen, Wellness- und sonst-was-Industrie sagt, womit wir uns beschenken lassen sollen, oder womit wir unsere Eltern beschenken sollen?

Solche Symbole sind umso weniger wert, als dass sie durch unsere Lebensrealität ad absurdum geführt werden. Denn von einem „Danke für deine tolle Leistung!“ kann sich keine Mutter und kein Vater etwas kaufen (im übertragenen Sinne). Als Eltern haben wir es oft ganz schön schwer. Und statt eines einzelnen auserkorenen Tages, an dem alle Welt unsere Leistungen ehrt und schätzt, würden wir uns wünschen, dass es uns jeden Tag ein bisschen leichter gemacht würde.

Die Blogs Mutterseelesonnig und Mama-arbeitet rufen nun gemeinsam mit family unplugged zur Aktion #muttertagswunsch bzw. #vatertagswunsch auf. Über diese Hashtags können wir alle der Gesellschaft und den Politiker*innen mitteilen, was wir wirklich wollen – statt Blumen, Pralinen und bunten Bastelbildern. Macht alle mit!

Hier kommen meine Wünsche:

Thema Geburt

Das Eltern-werden beginnt mit der Geburt. Deswegen habe ich zu diesem Thema einige Wünsche:

#muttertagswunsch #1
Ich will eine optimale Betreuung während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett durch eine persönliche Hebamme, die mich im Schlüssel 1:1 betreut.

#muttertagswunsch #2
Ich will Zuhause gebären können, ohne dass mich unsinnige Ausschlusskriterien behindern.

#muttertagswunsch #3
Ich wünsche mir medizinisches Personal, das versteht, dass eine Geburt ein natürlicher Prozess ist, in den man so wenig wie möglich künstlich eingreifen sollte. Ich will keine Gewalt und würdelose Behandlung in deutschen Kreißsälen mehr sehen. Aber dafür will ich einen besseren Personalschlüssel, eine bessere Bezahlung von Hebammen und eine politische Lösung für die immer weiter steigenden Haftpflichtbeiträge.

Thema Kinderbetreuung

Vereinbarkeit von Kind und Beruf funktioniert nur da, wo es eine qualitativ gute und verlässliche Kinderbetreuung gibt. Deswegen habe ich etliche Wünsche, die eine bessere Kinderbetreuung betreffen:

#muttertagswunsch #4
Ich will eine Kinderbetreuung, die nicht die Hälfte meines Netto-Einkommens auffrisst. Weil sich Arbeiten sonst nämlich gar nicht lohnt.

#muttertagswunsch #5
Wenn schon Kitagebühren, dann bitte zu faireren Sätzen! Bei total durchschnittlichem Einkommen zahlen Familien derzeit horrende Summen. Familien mit hohem Einkommen zahlen im Vergleich absurd geringe Beträge. Die Beitragssätze müssen unbedingt gerechter gestaltet werden – am besten durch eine prozentuale Abgabe.

#muttertagswunsch #6
Ich will, dass die Privatisierung der Kinderbetreuung gestoppt wird. Tagesmütter fangen durch ihre privaten Angebote das Versagen der Bildungspolitik auf. Dabei werden sie schlecht bezahlt und von Jugendamt und Trägern (Diakonie, Caritas etc.) im Stich gelassen, z.B. indem sie sich selbst um eine Vertretung kümmern müssen. Tagesmütter sollten einen ähnlichen Status und ähnliche Rechte haben wie Erzieher*innen in Kitas und ihre Angebote sollten vom Jugendamt und den Trägern besser betreut werden.

#muttertagswunsch #7
Ich will eine flexiblere Kinderbetreuung, die auch späte Nachmittagsstunden abdeckt. Auch wenn nicht alle Eltern dieses Angebot täglich wahrnehmen müssen, ist es unabdinglich in der heutigen Arbeitswelt! Kitas, die um 16.30 Uhr schließen, sind bisher die Regel und stellen Doppelverdiener als auch Alleinerziehende vor ein kaum lösbares Organisationsproblem.

#muttertagswunsch #8
Ich will mehr Kitas mit ausreichendem Angebot. Denn gerade wenn man eine Kita mit langen Öffnungszeiten sucht, stößt man auf ein winziges Angebot mit elend langen Wartelisten.

#muttertagswunsch #9
Ich will einen besseren Betreuungsschlüssel in Kitas und kleinere Klassen in Schulen. Denn wie sollen unsere Kinder gut beaufsichtigt sein oder gut lernen, wenn eine Erzieherin sich um >10 Kinder, bzw. eine Lehrerin sich um >20 Schüler kümmern muss?

#muttertagswunsch #10
Ich will eine bessere Bezahlung aller sozialen, erzieherischen und lehrenden Berufe. Diese Menschen kümmern sich um unsere Kinder – und damit um die Zukunft unseres Landes! Dabei kann eine Erzieherin mit ihrem Gehalt kaum ihre Familie ernähren.

#muttertagswunsch #11
Ich will mehr Plan-B-Angebote für Kita- und Schulferien. Denn wohin mit unseren Kindern, wenn die Kita zu hat und die Schule Ferien? Kostenlose oder zumindest günstige Ferienangebote sind für berufstätige Eltern unabdingbar. Denn wer von uns hat schon 80 Urlaubstage?

#muttertagswunsch #12
Ich will Ganztagsschulen, die ihre Nachmittage sinnvoll füllen. Reine Aufbewahrungsanstalten hat es nun lange genug gegeben. Wir brauchen mehr Schulen mit Konzept, die unseren Kindern bis in den Nachmittag hinein ein sinnvolles Programm aus Lernen, Spielen und Ausprobieren bieten.

#muttertagswunsch #13
Ich will schönere Schulen – oder zumindest zweckmäßige, und keine, in denen der Putz von der Wand bröckelt, das Klo schon wieder überläuft und die Stühle aus dem Jahr 1985 stammen.

Thema Beruf

Vereinbarkeit bezieht sich nicht nur auf die Kinderbetreuung, sondern auch auf die Situation im Job. Deswegen geht das hier nicht nur an die Politik, sondern auch an alle Arbeitgeber da Draußen:

#muttertagswunsch #14
Ich will nie mehr im Vorstellungsgespräch gefragt werden, wie ich denn die Kinderbetreuung regle. Und wenn ihr es euch partout nicht verkneifen könnt, dann will ich, dass ihr allen Vätern dieselbe Frage stellt!

#muttertagswunsch #15
Ich will mich nicht wegen einer Erkältung meines Kindes ins bazillenverseuchte Kinderarzt-Wartezimmer setzen müssen – nur weil mein Arbeitgeber eine AU sehen will. Ich will mehr Vertrauen und mehr akzeptierte Fehltage. Denn welches Kind hält sich an die vorgegebenen 20 Krankheitstage (10 pro Elternteil) im Jahr?

#muttertagswunsch #16
Ich will mehr Akzeptanz von Vätern, die in Elternzeit gehen oder ihre Arbeitszeit reduzieren. Und ich will, dass Teilzeitstellen ihre Qualifikation behalten. Ich will nie wieder mitansehen müssen, wie ein nachrückender kinderloser Kollege einer frischgebackenen Mutter ihre Position wegschnappt.

muttertagswunsch #17
Ich will mehr Verständnis für Eltern im Beruf. Die Zeiten des Rückenfreihaltens sind vorbei! Egal ob Frau oder Mann: Lasst die Leute spätestens um 17 Uhr nach Hause gehen und sich um ihre Familien kümmern! Lasst sie mal Zuhause bei den kranken Kindern bleiben! Lasst sie Arbeitnehmer UND Eltern sein!

Thema Finanzen

Und zu guter Letzt habe ich noch ein paar Wünsche, die das Finanzielle betreffen:

#muttertagswunsch #18
Ich will keine Bevorzugung für Verheiratete (Ehegattensplitting), sondern Steuer-Vorteile, die sich an der Anzahl der Kinder orientieren.

#muttertagswunsch #19
Ich will, dass endlich etwas gegen die Altersarmut von Müttern getan wird! Erziehungszeiten sind wichtig für Kinder und Gesellschaft. Und die Mütter, die sie zumeist genommen haben, werden am Ende dafür bestraft. Denn eine gute Rente hat derzeit nur, wer möglichst lückenlos gearbeitet hat. Ändert das endlich!

Wenn ich noch weitere fünf Minuten überlegen würde, würden mit vermutlich noch viele, viele weitere Wünsche einfallen. Ich belasse es nun bei diesen und lasse euch weitermachen! Teilt eure Wünsche mit mir und allen anderen – als Kommentar hier im Blog, über Twitter oder andere soziale Netzwerke! Wenn viele weitere Wünsche zusammenkommen, versammle ich die gerne in einem weiteren Blogartikel.

Die Presse ist übrigens auch schon darauf aufmerksam geworden!

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9 Kommentare zu „#muttertagswunsch – Was Mütter wirklich wollen

  1. SilkeAusL

    Wunderbar, ich stimme allen Punkten aus vollsten Herzen zu!
    Nur was können wir tun, damit sich was ändert? Zum Thema KiTa-Öffnungszeiten z.B.:Spreche ich hier das Thema an, heißt es:“Wir haben auch Familie!“-Die meisten Erzieherinnen bei uns, gerade DIE mit Familie,sind aber nur halbtags da. Und welche ledige(oder auch manche unledige)Erzieherin wäre nicht froh über eine Vollzeitstelle?Oder hat vielleicht einen Mann, der auch Schicht arbeitet?HIER scheinbar keine!
    Als die jährliche Umfrage kam, wie zufrieden wir denn mit den Betreuungszeiten seien bzw.sie sich mit unserem Beruf vereinbaren ließen, stimmten 98% mit „sehr zufrieden“ ab. Hier „auf dem Land“gibt es dieses Problem einfach nicht!Basta!
    Hier gibt es auch keine Alleinerziehenden. Keine arbeitenden Mütter, allenfalls Teilzeit. Am Liebsten aber gesehen in Heim hinterm Herd hab ich das Gefühl.
    Ich bin froh, dass meine Abteilungsleiterin selbst Vollzeit arbeitende Mutter ist und für meine ständigen Fehlzeiten im Moment aufgrund kranker Kinder(und anschließend kranker Mama)großes Verständnis aufbringt. Wie lange sich das meine (noch kinderlose) Chefin noch mit ansieht, kann ich allerdings nicht sagen. Rechne jederzeit mit einem „Gespräch“dahingehend.

    Ich hoffe, dass unsere Wünsche zum Muttertag bald Gehör finden werden!

    Gruß Silke

    • Liebe Silke, danke für deinen Kommentar. Das Argument der Erzieher*innen „Wir haben auch Familie“ kann ich ja überhaupt nicht verstehen. Ich habe doch auch Familie! Und meine Kunden verlangen trotzdem von mir, bis abends zu arbeiten wenn es nötig ist. Und der Chef meines Mannes würde ganz schön verwundert gucken, wenn mein Mann plötzlich Arbeitszeiten von 8 bis 16.30 Uhr etablieren würde.

      Freundinnen von mir engagieren sich jetzt politisch in ihrer Stadt. Das ist natürlich super und kann richtig was bewirken. Ich habe dafür aber einfach keine Zeit neben Job und Kind.

      Ich hoffe, deine Chefin bleibt weiterhin verständnisvoll. Und wer weiß, vielleicht bekommt sie bald selbst ein Kind?

  2. *gabi

    #muttertagswunsch Ich wünsche mir Respekt und Wertschätzung in Form von flexibleren Arbeitsmodellen z.B. 65%, 70%, 75%, 80% Stellen, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und ein Gehalt welches Arbeit lohnenswert macht. Keinen Mindestanspruch auf Urlaub (20Tage) sondern eine Möglichkeit wirklich mal auszuspannen. Tage die unabhängig von den Schließzeiten der jeweiligen Einrichtung geplant werden können.

    • Du hast so Recht! Und weißt du, was ich noch nie verstanden habe? Leute die sagen: Toll, dein Kind ist erst in der Kita, da kannst du noch außerhalb der Schulferien verreisen. Ähm, nein, denn die Kita schließt auch immer zu den Zeiten der Schulferien (glücklicherweise nur etwas kürzer). Und da wir dann auch Urlaub nehmen müssen, ist der Urlaub am Ende aufgebraucht.

  3. Christiane

    Ich wünsche mir für alle AE’s bezahlbare Mietwohnungen in Arbeitsplatz- und Kitanähe. Ohne potentielle Vermieter, die argwöhnisch fragen, ob man sich das überhaupt leisten kann! Ich wünsche mir mehr Familienfreundlichkeit auch für Alleinerziehende. Die Vereinbarkeit von Job und Kind für AE’s – mit einer angemessenen Vergütung, die einen nicht den Groschen 3x umdrehen lässt. Ergo, Steuerklasse 3!
    #Muttertagswunsch

    • Unterschreibe ich genau so! Und füge hinzu: Ich wünsche mir generell mehr bezahlbaren Wohnraum in Großstädten. Eine 3-Zimmer-Wohnung findet man so gerade noch zu bezahlbaren Preisen. Aber für größere Familien, die 4 oder mehr Zimmer suchen wird es unbezahlbar.

  4. Alexa

    Ich finde wenn wir Frauen Kinder erziehen und arbeiten, dann sollten wir im Rentenalter von der Rente auch leben können! Wie wäre es mit besseren Steuerklasse und das die Kindererziehung angerechnet wird als Vollzeitjob
    Ach wenn man selbst krank ist , dass wir als Mütter eine Haushaltshilfe genemigt bekommen

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