Mutterliebe

Wahnsinn, wie es plötzlich weihnachtet. Also, nicht so sehr was die Temperaturen angeht. 15°C und Sonnenschein eignen sich nicht so gut für weiße Weihnacht. Aber mir macht das nichts, ich mag Schnee ohnehin nicht besonders. Dafür wird es jawohl in den Köpfen so richtig weihnachten, oder? Ich muss ja zugeben: An sich habe ich mit Weihnachten nix am Hut, bin weder christlich noch sonst wie religiös. Aber dieses Weihnachten, dieses Fest der Liebe und der Familie, da kommt ja keiner drum rum. Und irgendwie, ja, ich gebe es zu, so ein ganz kleines bisschen werde ich dann doch ganz besinnlich. Denn eine Familie zu sein – das macht an Weihnachten einfach noch mehr Spaß!

Eine Familie, das sind wir wohl, seit das Hübilein geboren ist, also seit Herbst 2013. Lang genug, um sich dran gewöhnt zu haben, möchte man meinen. Und trotzdem habe ich regelmäßig Momente in meinem Alltag, in denen ich plötzlich denke: Verrückt, du bist eine Mutter! Wir sind eine Familie! So richtig habe ich mich wohl immer noch nicht dran gewöhnt. Was vielleicht daran liegt, dass alles so von alleine und irgendwie selbstverständlich kam. Nicht mal die Entscheidung fürs Kind war so eine ganz bewusste „Und morgen fangen wir an!“-Entscheidung, sondern entwickelte sich fließend und ganz natürlich.

Manchmal vermute ich, dass auch andere Menschen manchmal denken „Verrückt, die hat ein Kind!“, weil ich nämlich nicht unbedingt dem Prototyp „Hausfrau in Funktionsjacke“ entspreche. Erst kürzlich wurde mir via Social Media mal wieder vorgeworfen, warum ich überhaupt ein Kind hätte, wenn ich es doch den ganzen Tag „fremdbetreuen“ ließe. Oh weia, dachte ich, wie viel schlechter würde diese Person erst von mir denken, wenn sie wüsste, dass ich vor Hübis Geburt nicht gerade das war, was man kinderlieb nennt. Im Gegenteil: Kinder waren mir meist zu laut, zu anstrengend und ich wusste nicht, wie ich mit diesen seltsamen kleinen Menschen umgehen sollte, die komische Fragen stellten oder mich merkwürdig anstarrten.

Verrückt, ich habe ein Kind!

Und trotzdem: Ich war mir schon damals völlig sicher, mal Kinder haben zu wollen und diese auch mit absoluter Selbstverständlichkeit lieben zu können, sobald sie dann da wären. Und so kam es dann ja auch. Diese Selbstverständlichkeit ist es vielleicht, die mich manchmal innehalten lässt. „Verrückt, ich habe ein Kind!“ denke ich vergleichsweise oft und dann freue ich mich darüber, dass mich das immer noch und immer wieder überraschen kann. Weil das, was mir da bewusst wird, ist pures Glück.

Und jetzt sage ich was, wofür mich alle meine kinderlosen Freunde hassen werden und wofür mich mein kinderloses Selbst gehasst hätte: Diese ganz spezielle Art von Glück kann vermutlich niemand empfinden, der kein Kind hat. Ich, die wenig kinderliebe Person, ticke ja irgendwie nach wie vor wie früher: Die Kinder anderer Menschen ertrage ich immer noch nur in Maßen. Erzieherin oder Lehrerin ist für mich alles andere als ein Traumberuf. Fremde Kinder sind mir nach wie vor fremd. Und Katzenbabys ziehe ich Menschenbabys vor. Aber mein eigenes Kind, mein kleiner Sohn ist Alles für mich.

Mutterliebe? Bin ich richtig gut drin!

Ich sage manchmal etwas zum Mann, denn der versteht mich da wohl am besten: „Weißt du,“, sage ich dann „ich habe unser Hübilein jeden Tages noch ein bisschen mehr lieb“. Und das ist nicht gelogen! Diese unsichere Liebe, die ich empfand, als das Hübchen noch ganz neu war und nur schlief, trank und zappelte, ist nichts gegen die Liebe, die es jetzt zwischen mir und meinem Sohn gibt. Und es wird immer noch täglich doller: Neuerdings sagt das Hübchen „Mami!“ zu mir und legt seinen Kopf schief dabei. Manchmal kann er schon Farben auseinanderhalten und zählt ganz wunderbar „Eins, zwei, vier, fünf, sechs, neun, vier!“. Stolze Mütter sind ja was schreckliches, aber vermeiden lässt es sich eben nicht.

Ich bin also doch eine richtige Mutti. Ich bin sicher nicht so, wie man sich in den 1950er Jahren eine ordentliche Mutti vorgestellt hätte, oder wie so manch braver Bürger sich das noch heute wünschen würde. Ich bin eine unabhängige Mutter, ich bin nicht immer nett und geduldig, ich spiele nicht gern, habe nach wie vor eigene Bedürfnisse und richte mich, zumindest zeitweise, auch nach ihnen. Aber was die Liebe zu meinem Kind betrifft, da bin ich so richtig gut drin. Und das ist doch die Hauptsache, oder?

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