Mein Mädchen – Monat 2

Heute vor 8 Wochen kam sie zur Welt: Klein, schrumpelig und voll und ganz im Topfpflanzen-Modus. Dass diese Phase eindeutig überstanden ist, kann ich mit einem einzigen Wort zusammenfassen: A-Röööhhhh!

Denn das Mädchen ist im letzten Monat zum Leben erwacht! Und überrascht mich täglich – denn da gibt es so einiges, was ich völlig vergessen hatte. Und so einiges, was völlig neu für mich ist:

Was ich ganz vergessen hatte

Ich hatte ja völlig vergessen, wie rundum zauberhaft es ist, wenn Babys anfangen, über Laute zu kommunizieren. Fotos und Videos von damals zeigen zwar, dass ich auch schon beim Hübchen völlig verzückt vom Baby-Gebrabbel war. Trotzdem habe ich jetzt das Gefühl, als sei das alles neu und so noch nie passiert. Ein Baby, das eben noch gar nix machte, fängt plötzlich an zu lachen und zu reden – ist das nicht einfach völlig verrückt?

Seit sie etwa einen Monat alt ist, lacht unser Mädchen uns aktiv an und kurz danach kamen auch die ersten Röh-Laute. In der Folge sitzen ihr gegenüber nun regelmäßig zwei etwas debil grinsende Erwachsene, die in etwa Folgendes von sich geben: „A-Röh-Röh-Röh, Gögedirögediröh, E-röh-Gidöh!“. Klingt bekloppt? Funktioniert aber! Das Baby liebt diese Art der Konversation und wir denken uns, dass das Leben noch genug Zeit für sinnvollere Gespräche bereit hält. 

Außerdem hatte ich völlig vergessen, wie herrlich so ein Baby riecht! Also, außer man kleckert ihm Kartoffelsuppe auf den Kopf. Oder Knoblauchdipp, oder Spaghettisauce. Trageeltern kennen das Problem. Nach drei Tagen haben wir den Kartoffelsuppenfleck dann endlich mal entfernt. Zweite Babys werden ja irgendwie seltener gebadet als erste. Aber frisch gesäubert gibt es praktisch nichts besseres als Babygeruch! Schade, dass sich das irgendwann verliert. Wobei: auch Dreijährige riechen frisch gesäubert recht gut. Nur badet man sie dazu am besten zweimal täglich…

Was ich zudem fast vergessen hätte: Wie praktisch dieses Stillen ist! Hinzu kommt, dass unser Mädchen auch etwas genügsamer ist als es das Hübchen war. Zwar hat sich mittlerweile der Spitzname „Räupchen“ etabliert (oder gerne auch „Raupelinchen“), in Wahrheit trinkt das Mädchen aber deutlich seltener als ihr großer Bruder damals. Alle drei Stunden mal eben schnell die Brüste auspacken finde ich reichlich komfortabel. Gibt echt nix besseres.

Was ich aber leider verdrängt hatte: Was für ein merkwürdiges Eigenleben diese Brüste manchmal führen. Das Räupchen schläft nachts oft so wahnsinnig gut, dass sich die zwei Ladys ruckzuck in Überproduktion befinden. Aua! Aber nachdem ich weiß, wie schmerzhaft Stillen am Anfang sein kann, bin ich insgesamt froh, dass meine Brüste sich diesmal offenbar daran erinnern und deutlich weniger Stress machen.

Was völlig neu ist

Kennt ihr auch diese merkwürdigen Babys, die man einfach irgendwo hinlegt und dann schlafen sie ein? Seid ihr dann auch immer so neidisch und vielleicht sogar ein bisschen sauer auf die doofen Eltern, die andauernd so tun, als sei das ganz selbstverständlich? Ups, ich habe ja plötzlich selbst so ein Baby! Aaaber: In dieser Familie läuft wirklich niemand Gefahr, plötzlich überheblich zu werden oder gar ungefragt Einschlaftipps an andere Eltern zu verteilen!

Meine Erinnerung ans Baby-Hübchen ist dafür noch viel zu präsent. Was haben wir geschuckelt und getragen, wie viele Stunden sind wir auf Gymnastikbällen herumgehopst, um das aufgekratzte Baby endlich in den Schlaf zu wiegen! Ganz anders unser Mädchen: Tiefenentspannt wie sie zur Welt kam reicht ein voller Magen aus und das Baby schläft auch schon mal einfach so auf dem Sofa liegend ein. Oder auf der Krabbeldecke. Oder im Kinderwagen. Völlig verrückt!

Längere Schlafeinheiten gehen dann aber genau wie beim Hübchen nur mit Körperkontakt. Tagsüber schläft sie darum meist im Tragetuch und nachts ganz nah an meiner Seite. Außerdem kriegt auch das Mädchen einen Schnuller, was sie und uns (und meine Brustwarzen!) enorm entspannt. Denn das kleine Räupchen hat relativ schnell aufgehört, während des Trinkens an der Brust einzuschlafen. Stattdessen nuckelt sie und nuckelt und ärgert sich höllisch, dass da immer noch Milch nachläuft! Ihr dann den Schnuller geben zu können, ist eine enorme Erleichterung.

Völlig neu sind auch die langen nächtlichen Schlafphasen. Vier bis fünf Stunden sind meistens drin – und damit schläft sie mit ihren 8 Wochen fast schon besser als es das Hübchen jemals tat. Der wird nämlich auch mit seinen fast vier Jahren nachts noch mindestens einmal wach und verlangt nach erneuter Einschlafbegleitung. Puh, das könnte echt mal so langsam aufhören. Denn so richtig synchron sind die Schlafphasen beider Kinder leider nicht. Aber was beschwere ich mich: Ein gut schlafendes Baby war einer meiner größten Träume. Und was tut es gut, den erfüllt zu bekommen!

Außerdem wurde mir noch ein weiterer großer Traum erfüllt: Der Traum eines nicht ständig kotzenden Babys! Das Hübchen war ja ein Speikind wie es im Buche steht. „Speikinder sind Gedeihkinder“ sagen Ärzte und Hebammen ja gerne und grinsen dabei meist ein bisschen fies. Weil sie natürlich wissen, dass das trotzdem eklig ist, auch wenn das Kind gut wächst und ordentlich zulegt! Das zweite Kind verschont mich zum Glück, macht brav ihr Bäuerchen und spuckt nur hin und wieder mikroskopische Mengen Altmilch. Danke, Baby!!

Was außerdem sehr neu ist und sich manchmal ein bisschen komisch anfühlt: Das Räupchen schreit nie. Vor der Geburt hatte ich noch gesagt, dass ich mir einfach nur wünsche, dass das zweite Baby so wird wie das Hübchen. Denn ein fröhliches Baby, das nur schrie wenn ihn wirklich was störte, war mein großer Junge auch. Aber ihn störte halt doch verhältnismäßig viel: Angezogen zu werden zum Beispiel, oder wenn die Milch nicht schnell genug floss, oder auch einfach nur, dass sich keiner genügend mit ihm beschäftigte.

Unser Mädchen scheint sich hingegen an fast gar nichts zu stören. Ihre Meckerlaute werden langsam ein bisschen mehr, weil sie sich eben insgesamt gerade immer häufiger mitteilen und auch häufiger beschäftigt werden will. Aber ein richtiges babyhaftes Schreien haben wir bisher kaum von ihr gehört. Offenbar haben wir da ein kleines Jackpot-Baby bekommen, das durch und durch in sich ruht. Jedenfalls bis zum jetzigen Zeitpunkt…

Denn nach wie vor kann ich den Gedanken nicht verdrängen, dass sie vielleicht erst noch aus ihrer Baby-Entspanntheit erwacht und dass dann alles anders und viel, viel anstrengender wird. Was verhängnisvoll wäre, weil ich mich doch gerade erst an dieses relaxte Leben gewöhnt habe! Neulich musste ich an das grässliche Buch „Oje ich wachse“ denken, in dem beschrieben wird, dass Babys während der sogenannten „Entwicklungssprünge“ immer richtig krawallig werden und aufdrehen. Beim Mädchen habe ich jedoch das Gefühl, dass sie in solchen Phasen einfach mehr schläft und sich so die Kraft für ihren „Entwicklungssprung“ holt. Und dann wacht sie auf und sieht schon wieder ein bisschen anders aus.

Verrücktes Kind, denke ich oft und gönne mir mein eigenes Glück fast nicht. Aber dann betrachte ich das Hübchen, das immer noch enorm mit seiner Autonomiephase kämpft und bedanke mich nett beim Universum. Reicht ja schließlich, wenn immer nur ein Kind zur Zeit schreit, oder? Allein das Ins-Bett-bringen läuft seit einigen Tagen deutlich entspannter. Das Hübchen findet es wunderbar, wenn die kleine Schwester dabei ist und streichelt beim Vorlesen ihre Hand. Am besten klappt es sogar, wenn ich das Baby stille, denn die regelmäßigen Schluckgeräusche machen das Hübchen herrlich müde. Schöne Geschwistermomente gibt es also mittlerweile auch bei uns (aber habt keine Angst, ich fange trotzdem nicht an, auf Instagram oder Twitter den albernen Hashtag #geschwisterflausch zu benutzen 😉 ).

Ja, würde man mir garantieren können, dass ein drittes Kind genauso easy wird wie dieses zweite, ich würde es mir fast überlegen. Äh, also fast. Unter der Voraussetzung dass der künstliche Uterus erfunden sein wird. Denn so langsam habe ich schon mal wieder Lust auf ein richtiges Bier. Nächsten Sommer dann. Da trinke ich direkt ein U-Boot! Aber jetzt muss ich erst mal ein süßes Räupchen füttern. Das quäkt nämlich ein bisschen und schmatzt. Jaha, Mama kommt ja schon.

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5 Kommentare zu „Mein Mädchen – Monat 2

  1. liebelise

    Ach, das macht ja richtig babylust hier zu stöbern.

    Kind Nr.1 war auch ein richtiges Anfängerbaby und hat die ersten Monate völlig in sich geruht. Bis es dann irgendwann ausgeruht hatte und plötzlich Character bekam. Den Babygeruch hat es aber auch jetzt mit 18 Monaten noch, also warte ich wohl mit Nr.2 noch bis der entgültig verflogen ist 😉

    • Wenn das Kind so brav ist kannst zu ja schnell eins hinterher kriegen. 😉 Denn wenn es erst in die Trotzphase kommt, ist es vorbei mit der Entspannung! 😆

      Ich bin gespannt wann das Räupchen mal etwas fordernder wird. Bisher ist sie ja echt das entspannteste Baby der Welt! 😊

  2. Sandra

    Na das macht ja Mut für Kind Nummer 2 🙂 Er/Sie kommt im Januar und unser Kleiner/dann Großer (18 Monate) schläft momentan so furchtbar schlecht und ist tagsüber mega anstrengend, dass ich wirklich ein bisschen Angst habe, wie es dann mit zwei Kindern wird.
    Aber vielleicht haben wir ja auch Glück und bekommen einen guten Schläfer 🙂
    Freut mich jedenfalls total für euch! 🙂
    Alles Liebe weiterhin, ich les immer total gerne auf deiner Seite. So ehrlich und einfach super wie du schreibst 🙂
    Liebe Grüße, Sandra

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