Leben mit zwei Kindern: Entthronung oder Entspannung?

Kennt ihr den Begriff der „Entthronung“ des Erstkindes? Nee, ich eigentlich auch nicht. Wie ihr wisst, bin ich ja nicht so die Ratgeber-Typin, die bergeweise Erziehungstipps inhaliert. Trotzdem lese auch ich immer wieder von diesem Begriff, der beschreibt, wie schwer es sein kann, ein neues Geschwisterchen in die Familie zu integrieren. Entthronung klingt dann auch direkt mal mächtig dramatisch. Und manchmal ist es das auch, zum Beispiel in der Zeit des frühen Wochenbetts. Aber das geht zum Glück recht schnell vorbei. Und dann ist er wieder da: Der Alltag! Den ich mit Freude begrüße, weil es jetzt erst richtig anfängt, mein Leben mit zwei Kindern.

Die Vollzeit-Elternzeit des Mannes ist vorbei, die Kita hat endlich wieder geöffnet – und ich sitze auch schon wieder am Schreibtisch. Auf dem Hopseball, mit dem Räupchen im Tragetuch, und tippe Texte für meine Kunden. Alles in überschaubarem Rahmen und genau so, dass es für mich nicht in Stress ausartet. Dank Elterngeld Plus hat der Mann seine Arbeitszeit weiterhin reduziert und hat immer den halben Donnerstag und den ganzen Freitag frei. Das ist extrem komfortabel und ich vermute, wir gewöhnen uns in dem einen Jahr so sehr dran, dass wir danach vielleicht Wege finden müssen, um das Prinzip weiterführen zu können.

Unser Alltag ist also wirklich ziemlich entspannt. Das aktuell anstrengendste ist für mich, wenn der Mann mit dem Auto zur Arbeit gefahren ist und ich das Hübchen zu Fuß aus der Kita abhole. 2,5 Kilometer hin, 2,5 Kilometer zurück. Die vielen Wege zu Fuß haben aber wenigstens dafür gesorgt, dass ich wieder halbwegs in meine alten Jeans passe. Hilfreich, da der Herbst ja unaufhaltsam kommt und mir in meinen Sommerkleidern und Gummizug-Röcken so langsam kalt wird.

„Haben wir ein Glück, dass wir jetzt ein Baby haben!“

Ob und inwiefern ein Leben mit zwei Kindern entspannt ist, hängt vermutlich einfach auch am Charakter der Kinder. Für mich fühlt es sich so an, als ob das Leben mich mit dem Räupchen für die bisherigen Leistungen belohnt hat. Dafür, dass ich das Hübchen in den letzten vier Jahren nicht ein Mal an durchreisende Schlawiner verkauft habe, zum Beispiel. Oder dafür, dass ich meiner Familie immer leckeres Essen koche. Naja, jedenfalls irgendwie dafür, dass ich durchgehalten habe, auch wenn es zeitweise zum Durchdrehen war, mit Kind und Job und den ewigen eigenen Ansprüchen.

Ist natürlich Quatsch. Das Leben belohnt niemanden. Aber es macht trotzdem Spaß, sich das vorzustellen. Denn unser Räupchen verwöhnt uns ganz arg mit guter Laune, strahlendem Lachen und einem großartigen Tag-Nacht-Rhythmus. Das Hübchen sagt immerzu: „Haben wir ein Glück, dass wir jetzt ein Baby haben!“ – und das würde er wohl kaum sagen, wenn er von seiner kleinen Schwester genervt wäre.

Nein, genervt ist hier wirklich keiner. Und von klassischer Entthronung mit Neid aufs Geschwisterkind haben wir hier zum Glück auch nicht zu tun. Ich habe eher das Gefühl, das Hübchen liebt seine kleine Schwester schon sehr. Seit sie Geräusche macht, wird sie langsam auch insgesamt interessanter für ihn. Manchmal knetet er Dinge für sie, die sie dann kommentieren muss. Leider findet sie fast alles immer nur „A-Röööhhh“. Aber das Hübchen amüsiert’s trotzdem.

Das Baby schläft besser als der Vierjährige

Ein bisschen ärgerlich ist es bloß, dass unser zwei Monate altes Baby aktuell besser schläft als der fast vierjährige Bruder. Klar kann auch das mit der sogenannten Entthronung zusammenhängen. Ich habe aber eher die Vermutung, dass das ohnehin schon immer eher unruhig schlafende Hübchen, so oder so immer wieder solche Phasen durchmachen würde. Aktuell hat er auch wieder ständig Schluckauf – ein Zeichen, dass sein Zwerchfell wächst und er sich bald auch sprachlich wieder weiterentwickeln wird.

Und vor allem ist der große Junge noch mal deutlich größer geworden! Zwei neue Hosen waren mehr als überfällig, bei den langen Beinen, die er da gekriegt hat. Und mit der körperlichen Größe kommt auch langsam (gaaaanz langsam) die geistige Reife. Das Hübchen hat zwar immer noch sehr mit seiner Unkontrolliertheit zu kämpfen. Wut, plötzliche Aggressivität und auch akute Traurigkeit mit einem sehr starken Bedürfnis, sich anzulehnen und getröstet zu werden – das alles haben wir hier noch mehrmals täglich. Aber ein ganz kleines bisschen finde ich, dass mein großer Junge damit besser zurecht kommt. Und ich damit auch.

Oft bin ich ein bisschen stolz auf mich, wenn wir Wutausbrüche gemeinsam überstehen und das schluchzende Kind auf meinem Schoß sich langsam wieder beruhigt. In der Vergangenheit zog ein kindlicher Wutausbruch nämlich leider häufig einen mütterlichen nach sich. Dass das nicht förderlich ist, muss mir keiner erzählen. Weiß ich selbst, klar. Nutzte nur trotzdem nichts. Aber mittlerweile geht es tatsächlich etwas besser. Ja, ich kann es einfach nicht lassen mit diesen Unkenrufen. 😉

Ein Dreierbob zum Trösten

Weil das Räupchen tagsüber meist im Tragetuch lebt, bilden wir einfach einen Dreierbob, wenn das Hübchen auf meinem Schoß gekuschelt oder getröstet werden muss. Das Hübchen ist nämlich großer Wintersportfan (passiv, versteht sich. Was Kälteempfindlichkeit angeht, kommt das Kind ganz nach Mama). Und drei Menschen eng beieinander sind, klar: Ein Dreierbob. Dem Räupchen gefällt das sowieso, Körpernähe ist voll ihr Ding. Und ich bin heilfroh, dass das Hübchen den Dreierbob akzeptiert und nicht den Mama-Sohn-Zweierbob einfordert.

Exklusivzeit haben wir aktuell vor allem abends beim Ins-Bett-Bringen. Seit wir da konsequenter geworden sind, klappt das alleine einschlafen übrigens tatsächlich viel besser. Und das Abendritual macht mir endlich wieder Freude. Die Bücher werden dabei allerdings mittlerweile zusehends länger, weil ich selbst so gerne vorlese und das Hübchen so ziemlich der beste Zuhörer ist, den man sich wünschen kann.

Preview aufs zukünftige Familienleben

Manchmal gibt es nun nämlich tatsächlich schon Momente, in denen ich denke: Wow, genau so habe ich mir das vorgestellt! Als Kleinkindmutter bin ich ja gewissermaßen eine Vollnull, aber als Mutter älterer Kinder sehe ich mich jetzt schon in strahlendem Licht. Und manchmal gibt es nun so kleine Previews darauf, wie mein Leben in einiger Zeit aussehen könnte.

Zum Beispiel auch dann, wenn das Hübchen Besuch von seinem besten Kita-Freund hat. Den Moment, Freunde des Hübchens einladen zu können, habe ich ja schon lange herbeigesehnt. Kinder spielen ja meiner Meinung nach am besten mit anderen Kindern. Ich selbst habe da einfach keine Lust drauf und langweile mich leider tödlich, wenn ich mal einen ganzen Tag für die Bespaßung meines Einzelkindes verantwortlich bin. Im Doppelpack sind die Jungs aber nun einfach super: Egal ob drinnen spielen oder draußen toben, alles entspannt! Und ich muss nur ein bisschen aufpassen und hin und wieder einen Snack anreichen. Ganz nach meinem Geschmack!

Entspanntes Baby und selbstständiges Hübchen

Dass das Räupchen bei Ausflügen mit Hübchens Freunden dabei ist, fällt dabei fast gar nicht auf. Sie pennt ohnehin viel im Tragetuch. Ihre Entspanntheit gepaart mit der zunehmenden Selbstständigkeit des Hübchens sind vermutlich die beiden Gründe, warum die zwei Kinder sich gar nicht groß in die Quere kommen.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Denn auch wenn ich mir das gerade noch gar nicht vorstellen kann: In gerade einmal einem Jahr wird das Räupchen dem Hübchen vielleicht schon sein Spielzeug klauen. Und dann hoffe ich, dass der dann fast Fünfjährige besonnen genug ist, ihr das Spielzeug nicht über die Rübe zu ziehen. 😉

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