Klar bin ich gegen Fremdbetreuung!

Wenn ich nicht gerade darauf warte, dass die Geburt meines zweiten Kindes endlich losgeht, bin ich eine arbeitende Mutter. Und auch wenn ich das größtenteils von meinem Home Office aus tue, ist es für mich kaum möglich, vernünftig zu arbeiten, wenn das Hübchen gleichzeitig Zuhause ist. Das bedeutet: Für die Vereinbarkeit von Kind und Beruf ist eine Fremdbetreuung meines Kindes nötig. Was ich also morgens als erstes mache, ist Folgendes: Ich reiße das Wohnzimmerfenster weit auf und brülle: „Irgendeiner hier, der heute Bock hat, mein Kind zu betreuen?!“

Gemäß dem Begriff „Fremdbetreuung“ brauche ich schließlich jemand Fremden, um mein Kind zu betreuen. Klar, oder? Mit etwas Glück erbarmt sich dann also eine nette ältere Nachbarin, die sich in ihrem Rentendasein sowieso langweilt. Wenn ich Pech habe und zum Beispiel zu spät dran bin, erwische ich nur noch den stadtteilbekannten Alkoholiker von zweite Ecke links und brauche im Anschluss drei Tage um das Hübchen wieder halbwegs geruchsneutral zu kriegen.

Ja, es ist ein hartes Los. Aber ich wähle es, weil ich mein eigenes egoistisches Bedürfnis nach Selbstverwirklichung im Beruf und eigen verdientem Geld über das Wohl meines Kindes stelle. Natürlich weiß ich, dass Fremdbetreuung schädlich ist. Man liest es ja auch überall! Aber was soll ich denn tun? Meine eigenen Bedürfnisse sind mir eben auch wichtig!

Das Blöde ist, dass ich jeden Tag jemand Neues für die Betreuung meines Kindes finden muss, und die nette Oma von nebenan also nicht mehrfach einspannen kann. Denn sonst wäre es ja keine Fremdbetreuung mehr! Und es heißt doch schließlich Fremdbetreuung, weil das Kind von Fremden betreut wird, oder etwa nicht?!

Wie konnte dieser Begriff sich etablieren?

OK, Spaß beiseite. Natürlich heißt es das nicht, das wissen wir alle. Und genau deswegen frage ich mich umso mehr, warum dieser Begriff sich dermaßen etabliert hat und – Überraschung – natürlich besonders in den wachsenden Kreisen der Kinderbetreuungs-Gegner mit Begeisterung genutzt wird. Mittlerweile liest man bald wöchentlich in irgendwelchen Blogs, Zeitungen und Magazinen von Frauen, die aus eigenen Stücken ihren Beruf aufgeben oder für lange Zeit ruhen lassen, weil sie ihren Kindern die „Fremdbetreuung nicht zumuten“ wollen.

Studien, zumindest gegen die frühe Kinderbetreuung unter drei Jahren, gibt es dann mittlerweile auch zuhauf – und sie bestätigen natürlich die Meinung der „Fremdbetreuungs“-Gegner. Da heißt es oft: Die Betreuung in Krippen und Co. löse Stress aus. Da werden Cortisol-Werte gemessen und Kinder beobachtet. Und fast immer ist das Ergebnis am Ende Interpretationssache, wie im Falle der Studien von Psychologin Lieselotte Ahnert:

„Ahnert und ihre Arbeitsgruppe haben das Stresshormon Cortisol im Speichel von Kita-Kindern gemessen. Dass das Kita-Leben eine Herausforderung für die Kleinen ist, machten teilweise leicht erhöhte Werte deutlich. „Die Ausschüttung blieb aber innerhalb der normalen Variationsbreite“, versichert Ahnert. Trotzdem folgert sie aus dem leicht erhöhten Level, dass sehr empfindliche Kinder besonders behutsam und vorsichtig in eine solche neue Lebenssituation eingeführt werden sollten.“ (Tagesspiegel, 7.5.2012)

Klingt doch irgendwie ganz vernünftig, oder? Und bedeutet auch: Gerade bei sensiblen Kindern muss man also dafür sorgen, dass aus der „Fremdbetreuung“ möglichst schnell eine „Bekanntbetreuung“ wird. Und wenn das auch nicht klappt, tja, dann heißt das vielleicht wirklich, dass dieses eine extrem sensible Kind nicht für die frühe Außer-Haus-Betreuung gemacht ist. Wie die individuelle Familie dann damit umgeht, muss sie selbst entscheiden.

Schert nicht alle Kinder über einen Kamm!

Denn natürlich ist nicht unbedingt jedes Kind dafür gemacht, schon in jungen Jahren viele Kontakt- und Vertrauenspersonen zu akzeptieren. Es gibt sie, diese ominösen Mama- und Papa-Kinder. Und bestimmt sind nicht alle davon einfach „verzogen“ oder verwöhnt, sondern eben von Natur aus ein bisschen zurückhaltend. Wenn Mütter oder sogar Wissenschaftler*innen nun aber alle Kinder über einen Kamm scheren und in der Gesamtheit behaupten: „‚Fremdbetreuung‘ schadet unseren Kleinkindern!“, dann regt mich das einfach wahnsinnig auf!

Denn schon allein das pejorative Wort „Fremdbetreuung“ zeigt, dass diese Gegner der Kinderbetreuung hier von Anfang alles falsch verstehen wollen! Zumindest in meinem Umfeld kenne ich nämlich kein einziges Kind, das „fremdbetreut“ wird. Hier gehen alle täglich in dieselben Einrichtungen: In Krippen, zu Tagesmüttern, in Kitas, Ganztagsschulen oder Horte.

„Fremd“ ist hier niemand!

Das Hübchen hat ein Vertrauensverhältnis zu seinen Erzieherinnen – zu manchen mehr und zu manchen weniger. Denn auch das gehört zur sozialen Entwicklung: Zu merken, dass man mit manchen Menschen besser kann als mit anderen. Und so lässt sich das Hübchen lieber von seiner Lieblingserzieherin trösten und meckert Zuhause auch schon mal über diese andere Erzieherin, die seiner Meinung nach zu oft mit ihm und seinen Freunden schimpft.

Freunde sind überhaupt das vielleicht wichtigste Thema: Mir geht jeden Morgen das Herz auf, wenn ich das Hübchen in die Kita bringe und seine besten Freunde sofort aufspringen, zu uns laufen und überschwänglich ihr fehlendes Bandenmitglied begrüßen. Das Hübchen soll sofort mitkommen, auf den Bauteppich, zum Frühstückstisch, in die Puppenecke. Manchmal bleibt mir nur noch, laut „Tschüss!“ in den Gruppenraum zu rufen, weil ich als Mutter plötzlich völlig abgemeldet bin – bei so viel sozialer Freundespower bleibt keine Zeit für Abschiedsküsse.

Hübchens Kita ist also das genaue Gegenteil von „Fremdbetreuung“. Hier ist sich keiner fremd, hier kennen sich alle wahnsinnig gut. Hier wird mit denen wild getobt, die gerne wild toben. Und mit denen gebastelt und gelesen, die ruhige Beschäftigungen lieber mögen. Hier wird vor allem Rücksicht genommen auf die unterschiedlichen Charaktere der Kinder. Und das merke ich jetzt schon am Hübchen: Er lernt intuitiv, empathisch auf die Bedürfnisse und Eigenheiten der anderen Kinder Rücksicht zu nehmen.

Glaube keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast

Es erstaunt mich daher nicht, dass es mindestens ebensoviele Studien gibt, die sich für eine frühe Kinderbetreuung aussprechen, wie dagegen. Die erste umfassende deutsche Studie, die knapp 2.000 zwei- und vierjährige Kinder beobachtete, erwähnt zum Beispiel, dass sowohl Kommunikationsverhalten als auch Alltagsfähigkeiten bei den außer-Haus betreuten Kindern besser entwickelt seien. Gleichzeitig konstatiert die sogenannte Nubbek-Studie jedoch, dass sich die Qualität der Betreuungseinrichtungen dringend verbessern müsse.

Das war übrigens 2012. Und seitdem hat sich so gut wie nichts getan. Was mich dann wieder ein bisschen näher an die Gegner der frühen Kinderbetreuung heranrücken lässt. Denn ja, auch ich bin unzufrieden mit der Qualität der Kinderbetreuung. Wenn in unserer Kita eine Erzieherin ausfällt, herrscht schnell mal Notstand. Das Essen ist schlecht und überteuert. Und wir warten nun seit einem Jahr auf einen Ganztagsplatz – und müssen wohl mindestens ein weiteres Jahr warten.

Was ich unserer Kita dennoch nicht vorwerfen kann, ist, dass die Kinder sich dort nicht wohlfühlen würden. Spielen, Basteln, Singen, Kinderturnen, musikalische Früherziehung und dann die ständigen Events wie Ostern, Erntedank, St-Martin, Weihnachten… Irgendwas ist immer los und das schöne Außengelände ist sowieso tägliches Highlight.

Bloß weg mit dem Begriff „Fremdbetreuung“

Das Wichtigste ist jedoch ohne Frage der soziale Zusammenhalt. Unter „Fremdbetreuung“ stelle ich mir wahrlich etwas anderes vor. Und würde mir deswegen sehr wünschen, wenn dieser Begriff endlich aus den Diskussionen verschwinden würde. Denn er beschreibt einen Zustand, den es so niemals gibt – oder zumindest niemals geben sollte. Wer sein Kind tatsächlich von jemand Fremdem betreuen lässt, hat doch in der Tat nicht mehr alle Latten am Zaun!

Kinder brauchen Routinen, sichere soziale Netze, Freundschaften und Vertrauenspersonen. Wo sich diese finden und fest installieren lassen, ist sicher eine Entscheidung, die auf den individuellen Bedürfnissen des einzelnen Kindes basieren sollte. Ich wehre mich jedoch dagegen, negativ beurteilt zu werden, nur weil mein Kind zu jenen Kindern gehört, die sich in größeren Gruppen, unter anderen Kindern und mit verschiedenen Vertrauenspersonen sehr wohl fühlen. Hier wird kein Kind „fremdbetreut“. Denn das ist gar nicht nötig.

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16 Kommentare zu „Klar bin ich gegen Fremdbetreuung!

  1. Katharina

    Hihi, danke für den wunderbaren ersten Absatz. 🙂

    Ich finde den Begriff „Fremdbetreuung“ auch unpassend, denn das hört sich in der Tat so an als wüde ich mein Kind in der nächsten Bäckerei abgeben (unser Dreijähriger fänd das wahrscheinlich auch noch supi!) oder jemandem von der Straße in die Hand drücken…

    Kinderbetreuung ist ein wirklich sensibles Thema, das merke ich auch in meinem Bekanntenkreis. Unser Sohn ist mit einem Jahr in die Kita gekommen… und ich hatte von Anfang an kein schlechtes Gewissen. Ich wollte wieder (mehr) arbeiten (Ich arbeite auch hauptsächlich im Home Office), habe mich selbständig gemacht in der Zeit und wollte ehrlicherweise wieder was anderes machen als in Krabbelgruppen „Alle Leut“ zu singen. 😉 Ich brauchte für mich einfach dringend wieder anderen Input. Und mein Kleiner hat mir auch schon länger gezeigt, dass er mehr Action möchte… ich habe mich halt nicht jeden Tag mit anderen Mamis getroffen, und anscheinend habe ich ihm einfach nicht mehr gereicht… hm. Auf jeden Fall hat er es vom ersten Tag an toll gefunden in der U3. Kein Gebrüll, kein Geweine, sondern interessiertes Umherschauen, Beobachten und Mitmachen. Die Betreuer (erfreulicherweise gibt es in der Kita auch zwei ErziehER!) sind super, die Räume schön, die Stimmung angenehm, das Essen (zumindest jetzt) gut.

    Sicher, wenn es nicht so easy gewesen wäre, hätte ich schon ein schlechtes Gewissen gehabt, aber dennoch halte ich eine Betreuung (ja, auch schon ab einem Jahr) für sinnvoll… andere Kinder, neue Eindrücke etc. Dennoch kann das natürlich jeder für sich entscheiden. Ich urteile nicht, aber ich beobachte manches, z.B.: In meinem Bekanntenkreis gibt es ein fast 4,5 Jahre altes Mädchen, das nicht in die Kita geht… sie haben es mal vesucht mit der Eingewöhnung (als sie 3 Jahre alt war), aber sie wollte nicht und hat viel geweint… ich mag sie und ihre Eltern, aber die Kleine ist schon schwierig teilweise und man merkt, dass sie nicht tagtäglich mit anderen Kindern zusammen ist. Wenn wir uns treffen (auch noch mit anderen Kindern, die in einer Kita sind – nicht die gleiche Kita -), dann fällt es auf, dass sie dieses nicht möchte, das nicht teilen, dass es viel öfter Streit gibt als wenn sich Kinder treffen, die alle in einer Kita sind etc. Aber das kann auch nur Zufall sein – Bei anderen Kids, die nicht in eine Kita gehen, ist das vielleicht nicht so. Sind auch nur meine Beobachtungen…

    Aber ja, ich weiß, dass es auch einige Menschen gibt, die schlechte Erfahrungen mit der Betreuung machen (glücklicherweise kenne ich niemanden, der persönlich betroffen ist), dass es z.B. auch psychischen und physischen Missbrauch etc. gibt. Das ist natürlich unfassbar schlimm!! Daran mag ich gar nicht denken. Man kann nicht in die Menschen reinschauen, sondern nur darauf hoffen, dass man der Kita, bei der man sich angemeldet hat, vertrauen kann…

    Liebe Grüße, Katharina

    • Ich mache auch die Beobachtung, dass Kinder, die erst spät in Betreuung kommen, im sozialen eher „schwieriger“ sind (nicht teilen können, spielen am liebsten alleine, finden dann in der Kita schlecht Freunde etc.). Aber das sind nur subjektive Beobachtungen, so was darf man ja nicht so laut sagen. 😉

      Was ich ganz wichtig finde, was du ja auch schriebst, ist: Wenn das Kind sich ganz offensichtlich wohl mit der Betreuung fühlt, ist doch alles OK! Klar haben wir „leicht reden“ weil unsere Kinder sich schnell eingewöhnen lassen, den Kontakt zu anderen Kindern und Bezugspersonen lieben usw. Aber unsere Kinder sind ja offenbar keine Einzelfälle – und genau deswegen ist es auch so falsch, von der „schädlichen Fremdbetreuung“ zu sprechen und allen Kindern abzusprechen, mit einer frühen Betreuung gut zurecht zu kommen.

      Hätten wir „schwierigere“ Kinder gehabt, hätten wir sie vielleicht wieder aus der Betreuung herausgenommen, es später versucht oder noch Jahre gewartet, wer weiß? Es geht eben immer um die individuelle Betrachtung!

      • milchschaumplus/Nadine

        Ich finde deine Text gut gelungen, und nicht so verharrend auf einer Position, und das was du zum Schluss im letzten Kommentar schreibst: Es geht immer um die individuelle Betrachtung, finde ich sehr gut. Ich bin nicht gegen Betreuung genauso wenig wie ich zwanghaft für Betreuung bin und das nicht für das Beste und Sinnvollste halte.

        Ich bin ein unverhofftes zweites Jahr zuhause, was hier in Bremen in „meiner sozialen Schicht“ kaum einer noch macht. Ich erlebe, dass es immer selbstverständlicher wird, das Kind mit eins in die Kita oder zur Tagesmutter zu geben und das es aber gleichzeitig öfter nicht so lockerflockig funktioniert wie gedacht (nur reden darüber die wenigsten). Ich würde mich da flexiblere und entspanntere Rahmenbedingungen wünschen. Ich kenne mehrere Fälle in denen das Eingewöhnungen mit 12 Monaten für die Kinder zu früh kam. Und auch andere Mütter, die jetzt im Nachhinein sagen: Beim nächsten bleibe ich zwei Jahre zu Hause oder nächstes Mal würde ich dem Kind mehr Zeit lassen.
        Wir konnten uns das leisten (und nein, es lag nicht daran, dass ich unbedingt zuhause bleiben wollte – das kommt immer sehr pauschal, dass an der Mutter liegt, die nicht loslassen kann. Ich hätte problemlos freiwillig drei Jahre zuhause bleiben können, wenn das mein Wunsch gewesen wäre). Das mit einem Jahr eingewöhnen, verlangt den Kindern, die das nicht so eben mit machen ggf. ganz schön viel Funktionieren ab. Das finde ich kommt in dieser ganzen Diskussion immer viel zu kurz: Wie können wir Betreuung, die ja ganz schnell nicht mehr fremd ist, denn so qualitiativ gut gestalten, dass die Kinder (auch die ruhigeren, schüchterneren, die die mehr Rückzug und auch mehr Nähe benötigen), dass die auch sich wohlfühlen und ankommen. Das auch die Betreuung durch andere Bedürfnisorientiert und liebevoll ist.

        Mein Kind hat mich länger gebraucht, als andere Kinder das tun. Wir haben eine lange Zeit versucht ihn einzugewöhnen, er war aber einfach nicht so weit. Irgendwann mit ungefähr 18/19 Monaten hat es auf einmal Klick gemacht. Jetzt freut er sich auch, wenn wir die Tagesmutter auf dem Spielplatz besuchen.
        Er kommt jetzt mit zwei in die Kita und kann dort bis zur Grundschule bleiben, und ich bin optimistisch, dass das klappt und empfinde auch die Kita total als Familienergänzung. Tolle Erzieherinnen, super Leitung, und hoher qualitativer Anspruch, und andere Kinder im Alter von 1,5 bis 6. Ich freue mich echt sehr für den Kleinen, dass er dort hingehen darf. Mittlerweile empfinde ich ihn als soweit und es zuhause mit mir als langweilig, wenn wir nicht genug Verabredungen haben.

        Und dass er sozial schlechter entwickelt ist, als andere – die Erfahrung mache ich nicht. Da glaube ich aber, dass das von den Erziehungskompetenzen der Eltern abhängig ist, und das nicht an sich an den Kindern liegt. Oder an der Fremdbetreuung oder nicht…
        LG Nadine

  2. Verena

    Danke für diesen Text!! Mein Sohn wird erst im Oktober mit knapp 2 Jahren in den Kindergarten gehen. Ich war schon mehrfach dort und fand es immer wundervoll. Trotzdem war ich teilweise etwas verunsichert, ob ich meinem Kind damit etwas gutes tue. Aber du hast den Nagel auf den Kopf getroffen! Schließlich mache ich mich ja auch nicht bekloppt, wenn er den Tag bei den Schwiegerelterm verbringt. Kinder können mehr Bezugspersonen haben als die Muddi!

    • Mit einer sanften Eingewöhnung wird es sicher klappen! Und genau, Oma und Opa kennt das Kind ja auch. Unsere erste Tagesmutter war ein bisschen wie eine zweite Oma fürs Hübchen, das war ganz toll! Dein Sohn wird dir schon zeigen, wie es ihm mit der Betreuung geht und ihr könnt die Eingewöhnung ja daran anpassen. 🙂

  3. Toller Text, vielen Dank! Das Gleiche denke ich mir übrigens immer beim Begriff „Vollzeitmutter“ – da möchte man dann direkt drüber sinnieren, was denn eine Teilzeitmutter sein könnte. Und ob ich das Muttersein in dem Moment abgebe, in dem meine Kinder mal nicht um mich herumtanzen. Und abgesehen davon – braucht man ja bekannterweise ohnehin ein ganzes Dorf, um Kinder zu erziehen. Liebe Grüße aus dem Millionendorf (München:)) Petra

    • Och, ich bin gerne eine Teilzeitmutter. 😉 Am interessantesten bei diesen Begriffen ist ja auch mal wieder, dass es diese für Väter nicht gibt. „Teilzeitvater“ – viele Kinder wären wohl froh, wenn sie zumindest so einen hätten. Dafür gibt es dann die Wochenende-Papis, die noch dafür gelobt werden, sich am Wochenende aber wirklich nur und ausschließlich Zeit für die Familie zu nehmen!

  4. Jetzt hackt wieder einer auf dem anderen herum. Die, die Betreuung außer Haus klasse finden, fühlen sich hier bestätigt. Diejenigen, die ihren Kindern die Möglichkeit geben (wollen) jederzeit auf Mutter oder Vater zurück greifen zu können und trotzdem (Eltern-Kind-turnen, Krabbelgruppen, Müttertreffen, Nachbarn) Freundschaften zu schließen, sind dann wieder die Doofen und dürfen sich hiermit abgestempelt fühlen.

    Wie oft die Kinder in der Kita nach ihren Eltern weinen, wenn es zu laut, anstrengend oder nicht nach den Bedürfnissen des Kindes geht, wird den Eltern meistens verschwiegen, weil sie sonst auf die Idee kämen, dass etwas mit der Kita nicht okay ist. Psychologisch gesehen, legt man damit den Grundstein für Bindungsintoleranz für das spätere Leben.

    Sich bereits mit einem Jahr in einem Umfeld zu befinden, wo ständig fremde Menschen kommen und gehen (andere Eltern) und sei es nur für einen Augenblick, ist ein enormer Stress für die Kinder. Gleichzeitig ist es mit dem Arbeitsleben der Erwachsenen zu vergleichen, dass sie sich anpassen müssen. Nicht alle Kinder haben zur selben Zeit Hunger oder sind müde. Was bleibt einem anderes übrig als sie wie Hunde auf die Zeiten zu trainieren, wo man doch daheim total variabel ist.

    Und ganz hart überhaupt: sie lernen, dass die Bedürfnisse der Eltern wichtiger sind. Mal in Ruhe Kaffee trinken. Zeit für sich. Ohne Kinder mit Erwachsenen Gespräche führen, die mehr als Pipi und Kacka enthalten. Geld verdienen damit der Mallorcaurlaub sein ist.
    Dabei vergessen Eltern oft, dass die Kinder das absolut nicht verstehen können, weil die kognitive Entwicklung noch nicht reif genug ist.
    Und ganz nebenbei: ja, die Bedürfnisse werden in der Kita erfüllt. Aber nur zu Bedingungen der Gemeinschaft. Nicht zu den eigentlichen Bedingungen, die das jeweilige Kind braucht und sich wünscht. Sie werden nicht gesehen.

    So haben wir uns das aus der Tierwelt nicht abgeguckt. Und unsere Natur hat es so auch nicht für uns Menschen vorgesehen: Kinder die letzten 1-2h vor dem abendlichen Schlafen gehen zu sehen und dabei noch mit Einkauf, Terminen und Haushalt zugepackt zu sein.

    Es ist viel schöner mit seinen Freunden im Garten zu spielen, zum Mittag am Tisch zu sitzen und den von Mama gekochten Pudding zu essen. Das sind echte Kindheitserinnerungen, die verbinden. Und zwar Mutter und Kind. Nicht Köchin der Kita und Kind mit Erzieherin im Nacken oder die Mutter, die abends in den 2h keine Zeit fürs Kind hat und ein schnelles Vorlesen herhalten muss, um die elterliche Liebe zu retten.

    • Hallo liebe Christina,

      merkst du, dass du konterkarierst, was mein Text eigentlich sagen will? Ich richte mich mit meinen Worten ja genau dagegen, alles in Schubladen zu packen und sich gegenseitig zu verurteilen. Jede Familie darf doch gerne das Modell wählen, das zu ihr ganz individuell am besten passt.

      Wenn ihr es euch – finanziell, emotional etc. – leisten könnt, eure Kinder nur Zuhause zu betreuen und das für eure beste Wahl haltet, dann ist das doch super!

      Ich wehre mich aber genau gegen das, was du hier in deinem Kommentar versuchst: Gegen die Behauptung, ALLE Kinder würden so (und nur so!) gut und richtig aufwachsen. Denn das stimmt einfach nicht! Kinderbetreuung außer Haus kann sehr gut und liebevoll sein – und ist oft auch die Rettung für Familien, die arbeiten wollen/müssen oder sich allein Zuhause mit den Kindern schlicht überfordert fühlen. Denn auch wenn du es vermutlich verurteilen würdest: Frauen wie ich fühlen sich nicht wohl, wenn sie sich den ganzen Tag um ihre Kinder kümmern müssen. Das gibt es wirklich! Und da nutzt es auch nix, dagegen zu sein.

      Ich wünsche mir von Frauen wie dir mehr Toleranz. Hier hat nämlich bisher niemand „gehackt“ – du bist die erste!

      • Katrin

        Ganz genau! Du bist es, die kritisiert und verurteilt, keine der anderen! Was soll das bitte?

      • Mara

        Gut geschrieben. Es gibt sowieso nicht DIE Lösung. Jeder soll selber entscheiden, wie er/sie es machen soll. Etwas mehr Toleranz auf dieser Welt würde sicher nicht schaden.

  5. Love it! Ich habe sehr gelacht und dein Beitrag spricht mir aus der Seele! Ricchtig schön geschrieben – lustig, undogmatisch, unterhaltsam und doch nicht belanglos. Danke für diesen tollen Blogpost!

  6. Lenina

    Nun ja, Fremdbetreuung kommt in einigen Kitas gar nicht (die glücklichen), in vielen ab und an und in einigen regelmäßig vor.
    Da kommen Springkräfte, neue Kollegen, Aushilfen, Praktikanten, Hospitierende usw. zu den Kindern. Und oft werden sie kurz vorgestellt und schon eingebunden. Und dann wird sogar erwartet, dass die Kinder sie akzeptieren und auf sie hören.
    Es gibt sie also doch.

    Und gerade am Anfang, bei der Eingewöhnung, sind es einfach Fremde, bei denen man das Kind nach kurzer Zeit lässt. Man weiß nichts über sie, kennt nicht ihre Eigenarten, ihren Charakter.

    Mein Kind geht seit einem jahr (mit 1,5) in eine kleine Krippe, Elternintiative und mit einem pädagogischen Ansatz, der mich überzeugt (indirektiv, frei), mit überdurchschnittlichem Schlüssel. Nirgendwoanders hätte ich mein Kind ruhigen Gewissens gelassen, denn als Erzieherin kriegt man einfach das mit, was die Eltern nicht mit bekommen.

    Und ich muss sagen: viele Kinder, die ich in den Jahren auf der Arbeit kennen lernen konnte, sind nicht sozial oder emphatisch, weil es ihnen teilweise aberzogen wird. Ein Kind weint – neue Kinder drehen sich um, fragen, sind irritiert bis traurig. Ein Kind, dass länger in der Krippe ist, schert das oft nicht mehr,denn es erlebt es so oft, dass es abstumpft. (und da es immer noch viele Erzieher gibt, die der Meinung sind, man soll Kinder nicht verweichlichen, lernen sie auch noch, dass man Weinende nicht trosten braucht/darf/soll)

    Ich könnte noch so viel schreiben, was mich an Kitas, wie sie bei uns geplant und unterhalten werden stört (am schlimmsten: Personalplanung – es ist IMMER zu wenig)
    aber ich wollte auch schreiben, was ich z.B. von meinem Sohn beobachtet habe:
    Er fühlt sich wohl, er ist eng an die anderen Kinder gebunden, sie sind eine art zweite Familie für ihn (die er aber verliert, wenn sie gehen oder er die Kita verlässt!)
    Er hat dort Lernerfahrungen ohne mich. Aber in begleitung von wirklich zugewandten Erwachsenen. Die halte ich allerdings im Alter von unter 2 nicht für notwendig.

    Und: Das berühmte Dorf ist die Kita nicht.

  7. Michelle

    Danke für deine tollen Beiträge.
    Wir erwarten gerade unser erstes Kind (SSW 38) und planen auch die Kleine mit ca. einem Jahr in eine Kita zu geben. Das wird bestimmt nicht leicht und wer weiß vielleicht kommt am Ende auch alles anders aber wir können uns auch nicht vorstellen, dass einer von uns die ganze Zeit Zuhause bleibt. In unserem Bekanntenkreis gibt es auch die unterschiedlichsten Ansätze. Ich finde auch, dass das jeder so regeln soll wie er/sie es für richtig hält. Denn kein Kind ist mit einem gefrusteten Vater/Mutter zuhause glücklich und auf der anderen Seite wird es ein Kind auch spüren, wenn man es nur widerwillig in eine Kita bringt, weil man den Leuten dort eigentlich nicht traut und die Betreuung am liebsten selbst erledigen würde.

  8. Mara

    Sehr spannend geschrieben.

    Wir haben das Glück, dass unsere Fremdbetreuung von Oma & Opa abgedeckt ist. Und obwohl, diese ja nicht eine Fremdbetreuung im klassischen Sinn ist, habe ich nicht das Gefühl, dass meine Kinder soziale Probleme haben. Gerade im Gegenteil, es ist unglaublich wie offen sie sind.

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