Kita-Eingewöhnung mit Baby – Teil 1: Die Kennenlern-Phase

Das Räupchen mag immer noch die Flasche nicht, verweigert jeglichen Brei und spuckt gut durchgelutschte Brötchen am Ende doch wieder aus. Trotzdem kommt sie jetzt in die Kita. Sind wir verrückt geworden, oder was ist hier los?

Nein, verrückt geworden ist hier ausnahmsweise mal keiner. 😉  Wir gehen diesen frühen Kita-Start nämlich extrem besonnen an und nehmen die noch sehr starke Abhängigkeit von Mama gar nicht unbedingt als Problem wahr, sondern auch als Chance, den Kitastart besonders sanft und langsam gestalten zu können. Weil mir aber auch im „realen“ Alltag immer wieder stirnrunzelnde Mitmenschen begegnen, wenn ich die jetzige Eingewöhnung des Räupchens in ihre Kita anspreche, möchte ich auch hier mal darüber erzählen. Und vielleicht damit das ein oder andere Elternteil darin bestärken, dass ein früher Kitastart für manche Familien und manche Babys durchaus das richtige sein kann!

Zugegebenermaßen fällt es mir natürlich auch nicht total leicht, mein sieben Monate altes Baby in die Kita einzugewöhnen. Allein durchs Stillen leben wir gerade noch ziemlich symbiotisch, ganz davon zu schweigen, dass mein Töchterlein aktuell auch nachts am liebsten ganz eng an mich gekuschelt schläft (was ich übrigens sehr liebe! 🙂 ). Trotzdem haben wir uns dazu entschlossen, den uns zum sofortigen Start angebotenen Kitaplatz anzunehmen. Und zwar nicht nur, weil dieser einem Lottogewinn gleicht, sondern auch, weil sowohl wir Eltern als auch unser Baby mittlerweile so weit sind.

Gründe für eine frühe Betreuung

Hätte mich irgendwer vor einem Monat gefragt, ob ich mein Baby schon in die Kita geben will, ich hätte vermutlich mit Magendrücken so was wie „vielleicht“ gestammelt. Im letzten Monat hat das Räupchen sich jedoch so stark entwickelt, dass ich heute ganz ehrlich sagen kann: Ja, wir sind so weit! Die kleine Raupe mag es nämlich trubelig: Je mehr Kinder um sie herum sind, desto besser. Mit mir allein daheim langweilt sie sich merklich. Außerdem wird sie zusehends mobil, liebt die Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen und beschäftigt sich mit allem und jedem. Gleichzeitig fremdelt sie zwar mittlerweile deutlich, aber genau deswegen wird es ja eine sanfte Eingewöhnung geben, die mehrere Wochen dauern wird. Und danach wird ihr in ihrer Kita nichts und niemand mehr fremd sein!

Ich bin also der festen Überzeugung, dass die Kita fürs Räupchen eine wahre Bereicherung sein wird. Vor allem aber wird es für unsere ganze Familie eine Erleichterung darstellen, unser Baby einige Stunden pro Tag gut betreut zu wissen. Wenn ihr diesen Blog regelmäßig lest, dann wisst ihr, dass ich gerade sehr stark mit meinen Kräften haushalten muss und sehr unzufrieden bin, wenn ich zu wenig Zeit zum arbeiten und auch für mich selbst habe. Einige Stunden Babybetreuung nehmen den Druck raus, geben mir mehr Raum und machen mich am Nachmittag hoffentlich auch wieder zu einer entspannteren Hübchen-Mama. Ich will einfach nicht, dass mein Großer am Nachmittag dauerhaft unter einer gestressten Motzmutter leiden muss.

Eingewöhnung ohne Zeitdruck

Beim Hübchen, der mit 5 Monaten zu seiner ersten Tagesmutter ging, haben wir damals sehr gute Erfahrungen mit der frühen Eingewöhnung gemacht. Es gab nie auch nur eine Träne (zumindest nicht auf Seiten des Babys 😉 ) und vor allem keinen Druck, da wir nicht gezwungen waren, die Betreuungszeiten schnell zu steigern. Genau wie damals geht auch jetzt alles sehr locker zu. Als Freiberuflerin sehne ich mich zwar so langsam nach mehr Zeit zum Arbeiten, genieße aber die Flexibilität, dass mir kein Arbeitgeber im Nacken sitzt, der mich in so-und-so vielen Wochen wieder präsent vor Ort haben will.

Feste Termine oder gar Präsenzzeiten werden für mich erst ab Spätsommer wieder eine Rolle spielen. Damit haben wir noch viele, viele Monate Zeit, um das Räupchen erst langsam einzugewöhnen und die Betreuungszeiten dann nach und nach zu steigern. Eine Eingewöhnung unter zeitlichem Druck mit einem vielleicht ein- oder zweijährigen Kind, das sich viel mehr daran gewöhnen konnte, doch eigentlich immer nur bei Mama zu sein, wäre ja ohnehin mein persönlicher Horror.

Wir sind jetzt also in der sehr luxuriösen Situation, es ganz langsam angehen lassen zu können. Solange das Räupchen noch in kurzen Frequenzen an die Brust will, werden wir ohnehin auf zwei, allerhöchstens drei Stunden am Stück kommen können. Und das klingt auch für mein Mutterherz gerade nach einer sehr realistischen Höchstdauer der Babybetreuung. 😉

Welche Kita fürs Baby?

Jetzt fragt ihr euch vielleicht, wie so eine Kita aussieht, in der man sein noch so kleines Baby tatsächlich abgeben will. Nun, wir haben hier wirklich großes Glück gehabt und einen Platz in einer sehr kleinen und dennoch städtischen Einrichtung ergattert. In der Kita arbeiten vier Betreuungskräfte: Zwei ausgebildete Erzieherinnen, eine junge Erzieherin im Anerkennungsjahr und eine Kinderpflegerin. Zu viert betreuen sie 11 Kinder im Alter von 4 Monaten bis 3 Jahren (wobei das Räupchen mit ihren 7 Monaten gerade das jüngste Kind ist). Das ist vom Personalschlüssel so ziemlich das beste, was man hier finden kann (leider, denn ich finde eigentlich, dass das in der U3-Betreuung normal sein sollte!).

Für uns, die wir leider auch einmal eine schlechte Erfahrung mit einer Tagesmutter gemacht haben, ist es sehr erleichternd, einen Platz in einer nicht-privaten Einrichtung bekommen zu haben. Die frühere tolle Tagesmutter vom Hübchen ist heute leider in Rente und ich hätte mich sehr schwer getan, noch mal auf die Suche nach der Nadel im Heuhaufen zu gehen. Ich weiß, dass es ganz viele supertolle Tagesmütter gibt, es ist nur leider nicht unbedingt leicht, diese zu finden und dann auch noch schnell einen Platz zu bekommen.

Was ist wirklich wichtig?

Von dem Konzept unserer Kita sind wir jedenfalls erst mal überzeugt: Die Bring- und Abholzeiten sind extrem flexibel. Die Kinder haben ganz viel Platz (Aufenthaltsraum, Bewegungsraum, Schlafraum und kleines Außengelände mit Sandkasten und Rutsche) und dürfen einfach Kind sein. Der Personalschlüssel ist top und vor allem scheint es mir nun nach der ersten Woche Eingewöhnung, dass die vier Frauen ihren Job wirklich gerne machen.

Für mich war nämlich die ganze Zeit klar: Sollte ich während der Eingewöhnung irgendwie ein schlechtes Gefühl haben, würde ich das Räupchen auch ohne Plan B sofort wieder abmelden. Die eine schlechte Tagesmutter-Erfahrung hat mir völlig gereicht, um ab sofort nur noch auf mein Bauchgefühl zu hören und mich schon vorab zu warnen, besser auf die wichtigen Aspekte zu achten: Die Menge an pädagogisch wertvollem Holzspielzeug ist nämlich tatsächlich weniger wichtig als die Frage, ob die Erzieherinnen sich wirklich liebevoll um die Kinder kümmern.

Eingewöhnung nach „Münchner Modell“

In der ersten Eingewöhnungswoche hatte ich nun genügend Zeit, erstmal nur zu beobachten. Die Räupchen-Kita arbeitet nämlich mit dem sogenannten „Münchner Modell“, das die erste Trennung von Kind und Bezugsperson frühestens gegen Ende der zweiten Woche vorsieht. Damit unterscheidet sich dieses Eingewöhnungs-Modell deutlich von dem sonst oft genutzten „Berliner Modell“, bei dem schon ab dem vierten Tag kurze Trennungen erfolgen sollten.

Die Leiterin der Räupchen-Kita berichtete mir in den Vorgesprächen davon, dass sie mit dem Berliner Modell oft Schwierigkeiten gehabt hätten: Weinende Kinder oder gar Mütter, die auch nach drei Monaten noch mit in der Kita saßen, weil das Kind durch die frühe Trennung völlig das Vertrauen verloren hatte und nun gar keine Trennung mehr zuließ. Seit sie das Münchner Modell nutzten, wären alle Kinder innerhalb weniger Wochen eingewöhnt gewesen. Oder eher: Sie hätten sich selbst eingewöhnt! Das Motto des Münchner Modells lautet nämlich: „Das Kind wird nicht eingewöhnt, es gewöhnt sich selbst ein“.

Phase 1: Die Kennenlern-Phase

Damit das zwanglos passieren kann, wird in der ersten Phase der Eingewöhnung, der Kennenlern-Phase, überhaupt kein Druck auf das Kind ausgeübt. In unserem Fall bedeutete das, dass ich die ersten fünf Tage einfach nur mit dem Räupchen vor Ort war. Sie durfte gucken und spielen, aber sofort wieder auf Mamas Schoß oder Arm, wenn ihr irgendwas zu viel wurde. Die Erzieherinnen haben uns quasi komplett in Ruhe gelassen, sich ganz normal um die anderen Kinder gekümmert und keine großartigen Annäherungsversuche unternommen.

Ältere Kinder gehen in dieser Phase vermutlich häufig schon von sich aus auf die anderen Kinder und die Erzieherinnen zu, allein der kindlichen Neugier wegen. Das Baby-Räupchen zeigte ihr Interesse naturgemäß anders, z.B. indem sie an jedem Kinderfuß lutschte, der ihr vor die Nase gehalten wurde. 😉  Die anderen Kinder sind sehr süß, bringen ihr Spielzeug oder wollen noch mal selbst Baby sein und quetschen sich neben das Räupchen auf meinen Schoß. Die Erzieherinnen schäkern schon mal aus der Entfernung mit dem Räupchen und nehmen dabei Rücksicht auf ihre Laune: Heute war sie zum Beispiel müde und sehr auf mich fixiert. Da haben sie sie dann doch lieber mehr in Ruhe gelassen.

Durch die Schlafphasen des Räupchens waren wir bisher höchsten zwei Stunden zum Kennenlernen in der Kita. Und wenn es auch später erst Mal bei diesen zwei Stunden Betreuung pro Tag bleibt, bin ich schon zufrieden. Das würde gute anderthalb Stunden konzentrierte Arbeit im nahegelegenen Coworking-Café für mich bedeuten! 🙂

Worauf achte ich in Phase 1?

Die Kennenlern-Phase ist aus meiner Sicht nicht nur für das Räupchen da, sondern auch für mich. Wie schon erwähnt, hatte ich ausreichend Zeit, alles genau zu beobachten und mir zu überlegen, ob ich mein Baby hier gut aufgehoben fühle. Ich habe zum Beispiel auf folgende Dinge geachtet: Wie verhalten sich die anderen Kinder? Weinen sie beim Abschied oder freuen sie sich, die Erzieherinnen zu sehen? Trösten die Erzieherinnen, falls es Abschiedsschmerz gibt? Bieten sie generell Nähe an? Wie reden sie mit den Kindern? Sind sie interessiert an den Kindern? Passen sie gut auf, dass den Kindern z.B. im Bewegungsraum nichts passiert? Wie gestalten sich die Mahlzeiten, wird hier z.B. mit Druck gearbeitet oder ist alles zwanglos? Werden die Kinder bestraft, wenn sie etwas „falsch“ gemacht haben? Erscheint das Personal gestresst oder gelöst und gut gelaunt?

Insgesamt konnte ich alle diese Fragen so beantworten, wie ich es mir gewünscht hatte.  Und deswegen freue ich mich jetzt auf den zweiten Teil der Eingewöhnung: Die Sicherheitsphase. Wie die aussieht, lest ihr dann im nächsten Teil dieser kleinen Reihe. Aber einen Spoiler gönne ich euch schon: Auch in der zweiten Phase wird es noch keine Trennung von Mutter und Kind geben. 😉

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