Kinderfrei

Olé! Ich habe einen ganzen Tag ohne Kind! Ich kann ausschlafen, an meinem Blog schreiben, die Haare waschen, mir was Schickes anziehen, einkaufen gehen, Zeitung lesen, oder sogar mal ein Buch, in Ruhe Mittag essen und schließlich spät nachmittags ganz entspannt das Hübi in die Arme schließen. So lautete zumindest mein Plan für einen ganzen kinderfreien Tag…

Nachdem das Baby Hübner das Schlimmste überstanden zu haben schien und wieder halbwegs gesund war, durfte es einen ganzen Montag mit Oma und Opa verbringen. Das Schlechte an Großeltern, die noch blutjung sind und deshalb noch Vollzeit arbeiten, ist: Sie haben nicht unbegrenzt Zeit für ihr Enkelkind. Das Gute an Großeltern, die noch blutjung sind und deshalb noch Vollzeit arbeiten, ist: Sie haben ihr eigenes Leben und so bleibt die Eltern-Tochter-Schwiegersohn-Enkelkind-Beziehung sehr gesund – durchaus innig, aber mit genügend Abstand.

Das Obergute an berufstätigen Großeltern in der Vorweihnachtszeit aber ist: Resturlaub! Das ist prima für Mütter, die sich durchaus mal über einen kinderfreien Tag freuen und für Großeltern, die ihr Enkelkind lieben und es trotz Berufstätigkeit doch eigentlich am liebsten täglich sehen würden.

Da ich ja nun bis Jahresende auch noch über sehr viel Freizeit verfüge, war ich begeistert von der Idee, einen ganzen Tag lang nur Dinge machen zu können, die mir gefallen würden. Am Anfang lief es rund: Ich schlief bis 10, blieb noch eine halbe Stunde im Bett liegen – einfach so, weil ich es eben konnte, langweilte mich dabei ein bisschen (ist man ja nicht mehr gewöhnt, dieses sinnlose Rumliegen) und frühstückte dann mit einer Dokumentation aus der ARTE-Mediathek, die ich natürlich am Wochenende verpasst hatte.

Ich muss nur noch mal eben schnell…

Dann legte ich nur kurz die Wäsche zusammen, räumte eben schnell das Wohnzimmer auf, räumte die Spülmaschine leer und wieder ein, putzte wirklich nur ganz grob durch die Küche, schmiss schnell noch eine Waschmaschine an und fing an, Babykleidung zu sortieren, die dem Hübi zu klein geworden war: Ein Haufen für Kind 2 (wird ja eh wieder ein Junge), ein Haufen für den Diakonie-Laden.

Dabei fiel mir auf, dass mein Hübilein sich mal wieder als Elster betätigt und einige wichtige Briefe ins Kinderzimmer geschleppt hatte. Da ich mich rein zufällig ja gerade im Kinderzimmer befand, warf ich schnell einen Blick in die Briefe, räumte sie kurz auf den Stapel mit liegen gebliebenem Papierkram, dachte so etwas wie: „Wann, wenn nicht jetzt?“ und fing an, das sämtliche Papier auf thematischen Haufen zu sortieren: direkt neben der Schlafzimmertür der Versicherungs-Haufen, neben der Kommode der Banken-Haufen, auf dem Weg zum Badezimmer ein Stapel von Schreiben meines letzten Arbeitgebers.

Dabei fiel mir ein, dass ich noch meinen kommenden Arbeitgeber über meinen Wunsch nach einem Firmenticket informieren musste. Ich setzte mich kurz an den Laptop, fing an, eine E-Mail zu verfassen und wollte wirklich nur kurz mal im Ponyforum vorbei schauen. Dabei entdeckte ich aber den noch offenen Tab der Stadt Essen mit einer Liste aller Kitas und beschloss, dass auch hier mal professionell ans Werk gegangen werden müsste.

Und jetzt nur noch kurz…

Die nächsten 2 ½ Stunden verbrachte ich also am Telefon im Gespräch mit lauter Kita-Leiterinnen, Vertretern der Kita-Leiterinnen und sogar mit der ein oder anderen Kita-Köchin. Nebenher erstellte ich eine wirklich übersichtliche Excel-Datei, die alle wichtigen Daten und Informationen (to be completed) über sämtliche Kitas enthalten sollte, die zumindest grundlegend unseren wahrlich großen Ansprüchen entsprechen, was lediglich heißt, dass die Kitas bis 17 Uhr geöffnet sein sollten.

Nach erwähnten 2 ½ Stunden war ich nicht etwa fertig, sondern lediglich frustriert, da die Suche nach einem Kita-Platz in etwa der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen entspricht: Muss man sein Kind wirklich in 150 Kitas anmelden, um am Ende einen einzigen Platz in dieser einen schlimmen katholischen Kita zu bekommen, den man eigentlich am liebsten eher gar nicht hätte?

Am Ende meines kinderfreien Tages sah ich mich um: Vor mir: die Excel-Liste des Grauens. Neben mir: sechs verschieden große Stapel an Papierkram. Im anderen Zimmer: riesige Haufen an aussortierter, aber noch ungewaschener Kinderkleidung. In der Waschmaschine: ein riesiger Haufen nun nicht mehr ganz frisch gewaschener Kinderkleidung. Und über all das legte sich langsam und schweigend eine schöne Portion Hausstaub, denn zum Saugen war ich nun wirklich nicht auch noch gekommen. Dann schaute ich an mir runter: Ich trug immer noch meinen Schlafanzug. Mein Magen knurrte, denn ich hatte vergessen, zu Mittag zu essen.

Oh, schon so spät?!

Plötzlich klingelte das Telefon. Meine Eltern kündigten an, in 10 Minuten los zu fahren und mir mein Hübi zurück zu bringen. Ich brauchte keine 30 Minuten um die Papierkram-Haufen wieder zu einem großen Stapel zusammenzuwerfen, die Kinderkleidung wieder zurück in die Kommode zu stopfen, die Wäsche aufzuhängen, notdürftig meine Haare zu kämmen, Leggins gegen Jeans und Schlaf-T-Shirt gegen Pullover zu tauschen und noch schnell mein vor Eile ganz rotes Näschen zu pudern. Dann klingelte es an der Tür. Ach, das Hübi war sehr brav? Ihr hattet einen tollen Tag? Wie schön! Klar habe ich meinen freien Tag genossen. Ja, ehrlich, ich habe nur Dinge getan, die mir Spaß machen!

Als das Hübchen und ich schließlich zusammen auf dem Wohnzimmerteppich saßen und Duplosteine sortierten, dachte ich erleichtert: Endlich Feierabend!

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