Junge oder Mädchen? Warum wir es nicht wissen wollen (SSW 16)

Die 16. Schwangerschaftswoche ist ein bisschen langweilig. Schön langweilig. Denn zum ersten Mal in dieser Schwangerschaft kann ich sagen: Es geht mir gut. Nicht so Ich-könnte-Bäume-ausreißen-gut, aber immerhin so Ich-halte-einen-ganzen-Tag-durch-gut. Und damit bin ich wirklich mehr als zufrieden! Und weil es daher nicht viel zu erzählen (oder zu jammern 😉 ) gibt, widme ich mich diese Woche mal einem mehr oder minder wichtigen Thema: Dem Baby-Geschlecht.

Letzte Woche habe ich auf Facebook einen Blogtext geteilt, der extrem zu diesem Thema polarisierte. Darin ließ die Bloggerin ihren Frust darüber aus, nach einem Mädchen nun einen Jungen zu erwarten, obwohl sie sich so sehr ein zweites Mädchen gewünscht hatte. Prompt konterte ein anderer Blog mit einer Gegenrede: Das Geschlecht sei doch nicht wichtig, jedes Kind müsse geliebt werden! Auch für mich las sich ersterer Text recht unsensibel und ich war ganz schön irritiert über diese Einstellung.

Denn für mich und den Mann spielt das Geschlecht während der Schwangerschaft keine Rolle. Wir können uns nicht über das „falsche“ Geschlecht unseres zukünftigen Babys ärgern oder über das „richtige“ freuen – denn wir kennen das Geschlecht schlicht nicht! Schon beim Hübchen haben wir uns überraschen lassen und wussten erst nach Geburt sicher, dass es ab sofort in unserer Familie 2:1 für die Jungs stehen würde.

Am Anfang stand der Tochter-Wunsch

Dabei muss auch ich zugeben, dass ich mir eigentlich ein Mädchen gewünscht hatte. Und auch in der zweiten Schwangerschaft finde ich die Idee schön, eine Tochter zu bekommen. Ich hätte einfach gerne (auch) eine Tochter. Nicht, weil ich sie dann als kleines Kind in rosa Prinzessinnenkostüme stecken könnte. Ich sehe mich eher als coole Teenager-Girl-Mama, die ihre Tochter darin bestärkt, alles zu tun, was sie will – jenseits aller rosa-hellblauer Geschlechtergrenzen.

Aber wisst ihr was? Genau dieselben Ideen kann ich mit meinem Sohn ja auch umsetzen! Das mit den pinken (oder eben eher nicht-pinken) Schuhen, das war ein echte Mutter-Fail, ich gebe es zu. Aber ich freue mich darauf, mein Hübchen – und jeden Sohn, der da vielleicht noch kommen mag – in einem gleichberechtigten Spirit aufzuziehen. Der Unterschied zwischen Frauen und Männern kann groß sein, er muss aber nicht! Ich alte Idealistin denke: Am Ende soll alles einfach immer so sein, wie man es sich individuell wünscht, ganz unabhängig von Penis oder Vagina.

Man kauft doch eh die Katze im Sack!

Hinzu kommt, dass man doch bei einem neuen Baby eh nie weiß, was man kriegt. Viel ausschlaggebender als das Geschlecht ist doch die Persönlichkeit eines Kindes. Für mich ist es nach wie vor irgendwas zwischen bezaubernd bis erschreckend, dem Hübchen dabei zuzusehen, wie er Charakterzüge seiner beiden Elternteile gemeinsam mit seinen ganz eigenen Merkmalen zu einer richtig explosiven Mischung anrührt. Oder eben zu einer ganz sanften, liebevollen. Da steckt so viel in meinem Kind, es gibt so viel, was ihn ausmacht! Sein Geschlecht ist dabei wohl wirklich das uninteressanteste Detail.

Jetzt in der zweiten Schwangerschaft ist es mir sogar noch ein bisschen unwichtiger, ob am Ende ein Junge oder ein Mädchen dabei rumkommt. Nach dem Schock in der 11. Schwangerschaftswoche bin ich vor allem froh, dass das Baby drin geblieben ist und es schön warm und muckelig hat. Ob es beim fröhlichen Toben im Fruchtwasser nun einen Penis oder eine Vagina hat, ist mir echt schnurz. Hauptsache es tobt und freut sich seines Lebens.

Andere Sorgen relativieren das „Problem“

Während Hübchens Schwangerschaft gab es einen ähnlichen Moment, als ich wegen vorzeitiger Wehen im Krankenhaus lag. Als eine Ärztin meinen verkürzten Gebärmutterhals und dann auch gleich noch das Baby schallte, war ich vor lauter Sorgen viel zu sehr durch den Wind um ihr zu sagen, dass ich das Geschlecht nicht kenne und es auch nicht wissen will. Kaum lag der Schallkopf auf meinem Bauch, trompetete die Ärztin dann auch schon: „Oh, ein kleiner Junge!“. Oh, danke auch, dachte ich.

Und gleichzeitig war es mir völlig egal, weil in dem Moment nur wichtig war, dass die Wehen weggingen und mein kleines Baby nicht als frühes Frühchen zur Welt kam. Im selben Krankenhaus informierte mich ein anderer Arzt dann beim Schallen nochmals ungefragt darüber, dass es ein kleines Mädchen würde. OK, dachte ich, vermutlich wird es dann doch ein Orang.

Kurz gesagt: Ich freue mich darüber, ein lebendes und allem Anschein nach gesundes Baby in mir zu tragen. Ich will, dass es bis mindestens zur 37. Woche drin bleibt, damit es fertig ausgebrütet wird. Und alles andere ist mir relativ egal. Klar wäre es schön, wenn das zweite Baby mal eine vernünftige Haarfarbe hätte. Meine etwa, oder die des Mannes. Aber es gibt eben auch wichtigeres als die Haarfarbe. Oder das Geschlecht.

Wichtig ist, dass es zu uns gehört

Als das Hübchen damals geboren wurde, in Ruhe und Gemütlichkeit im heimischen Wohnzimmer, da war das Geschlecht plötzlich völlig unwichtig, obwohl wir es vorher nicht kannten. Oh, ein Junge, dachten der Mann und ich nur. Und es war uns egal. Weil viel wichtiger war, dass unser Baby schon wütend schrie, bevor überhaupt der ganze Körper geboren war. Dass dieses Kind da unseres war und so voller Energie! Dass es lebte und eine richtig schöne platte Orang-Nase hatte und zwei Augen und einen Mund. Und zwei Ohren, die sich jetzt schon spitzten um auch wirklich immer alles mitzukriegen.

Genau dieses da war unser Baby und es war von jetzt auf gleich so, als hätte es niemals ein anderes werden können. Und ich bin mir absolut sicher, dass es beim zweiten genauso sein wird. Ob Junge oder Mädchen, das ist nämlich in echt egal. Wichtig ist, dass es zu uns gehört.

Hier geht es zur 17. und 18. Schwangerschaftswoche.

Und hier geht es zur Übersicht über alle veröffentlichten Schwangerschafts-Wochenberichte: Klick.

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4 Kommentare zu „Junge oder Mädchen? Warum wir es nicht wissen wollen (SSW 16)

  1. Sari

    Das sind schöne gedanken, aber ich glaube, ich würde mit der Anspannung nicht klar kommen *lach* Ich hab da echt größten Respekt vor.

  2. Lisa

    Wahnsinn. Der von dir verlinkte Artikel schockt mich schon. Nicht so sehr die Mutter selbst, aber unsere Gesellschaft, die uns solche starken Vorstellungen und Erwartungen an das Geschlecht vermittelt, dass es zu solchen Reaktionen kommt.
    Wir haben es uns übrigens auch nicht sagen lassen. Aus ähnlichen Gründen, wie du sie beschreibst: https://huhnaufderstange.de/was-wird-es
    Ich mag das, dass man sich in der Schwangerschaft noch ganz unbefangen ausmalen kann, wer da zu einem kommt. Wenn mich jemand danach gefragt hab, hab ich auch mal „Ein Mensch wird es“ geantwortet.

  3. Liebe Sophie,

    ich sehe es wie du: die Persönlichkeit ist deutlich entscheidender als das Geschlecht und DIE kann man bisher nicht mit Ultraschall durchleuchten – zum Glück 😉 …

    Liebe Grüße
    Mother Birth

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