Glücklich gescheitert – und jetzt selbstständig

Der erste Monat Selbstständigkeit liegt hinter mir und viele meiner Leser*innen haben mich gefragt, ob ich über meine Erfahrungen berichten würde. Und das mache ich nun natürlich gerne! Gleichzeitig passt dieser kleine Erfahrungsbericht auch super zu Aufruf im Glücklich-scheitern-Blog, doch mal darüber zu schreiben, wann zuletzt so richtig glücklich gescheitert wurde. Und wenn irgendein Satz meinen Weg in die Selbstständigkeit treffend beschreibt, dann ist es wohl dieser: Ich bin absolut glücklich gescheitert!

Ich persönlich liebe ja Pläne. Ich bin ein großer Freund davon, Überlegungen anzustellen, mir meine Zukunft auszumalen – und ich weiß gerne immer möglichst genau über alle Eventualitäten Bescheid. Das ist im Urlaub zum Beispiel immer super für meine Mitreisenden: Ich weiß ganz sicher, auf welchem Gleis welcher Zug wann fährt, habe Flugtickets immer parat und die genaue Wegbeschreibung zur ersten Unterkunft auf drei bis fünf DinA4-Bättern ausgedruckt.

Ich bin einfach gerne organisiert – was nicht heißt, dass ich spontane Dinge blöd finde. Aber bei den großen, wichtigen Dingen weiß ich eben gerne im Voraus Bescheid. Zu diesen wichtigen Dingen gehört neben großen Urlaubsreisen, Umzügen oder der Organisation unserer Kinderbetreuung also zum Beispiel auch meine Karriereplanung.

Karriereplan im Eimer

Und genau die habe ich im letzten Jahr mal gehörig versemmelt. Viele von euch haben ja online mitgelitten, wie ich mit meiner Entscheidung für ein Volontariat haderte, dass leider nicht so recht zu mir passen wollte. Nach langem Ringen habe ich dann im Januar die Kündigung eingereicht. Ich war gescheitert, und zwar so richtig!

Jedenfalls fühlte es sich für mich so an. Vor meinem inneren Auge sah ich meine berufliche Existenz in Trümmern am Boden liegen. Denn ich hatte es doch so anders geplant! Studium, Praktika, Nebenjobs – und danach ein Volontariat, das die Basis für meine weitere Karriere bilden würde, so hatte ich mir das nämlich gedacht. Und daraus wurde jetzt nichts mehr. Und was sollte jetzt erst aus mir werden?

Plan B: Selbstständigkeit

Die Antwort war so leicht: Eine Freelancerin. Ordentlich Glück und „zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“ sowie eine ziemliche Portion Vitamin B gehörten dazu, aber seit einem Monat bin ich nun eine glückliche Freiberuflerin mit mehreren Kunden und einigen Aufträgen.

Ein bisschen fühlt es sich immer noch wie Scheitern an, denn mein Plan war eben ein anderer gewesen: Ich wollte ein abgeschlossenes Volontariat im Lebenslauf stehen haben. Aber realistisch betrachtet bin ich verdammt glücklich gescheitert! Mir geht es jetzt so viel besser als zuvor – und ich habe eine Option ausprobiert, die ich ohne mein Scheitern im Volontariat vielleicht gar nicht oder erst viel später entdeckt hätte. Die Selbstständigkeit gefällt mir momentan einfach ganz schön gut.

Nur der Plan ist gescheitert – nicht ich selbst

Letztlich ist eben nur mein ursprünglicher Plan gescheitert. Ich selbst bin es nicht – auch wenn sich das in der akuten Krise durchaus anders anfühlte. Die Krise ist aber endlich überstanden und anstelle des alten Plans habe ich jetzt neue: Pläne mache ich nämlich immer noch gerne und im Organisieren bin ich auch immer noch ganz gut. Und das ist auch ziemlich hilfreich für eine Freiberuflerin. Berufshaftpflicht, Krankenversicherung oder Umsatzsteuer melden sich nämlich leider nicht von alleine an. Außerdem war ich sehr froh, den Mann im Rücken zu haben, der unsere Familie finanziell über Wasser hielt, während ich noch keine einzige Rechnung geschrieben hatte.

Auf die Sicherheit einer festen Anstellung zu pfeifen geht nämlich vor allem dann gut, wenn man nicht allein für Heim und Kind verantwortlich ist. Ich bin mir meiner luxuriösen Situation also durchaus bewusst! Wenn es aber nun gut läuft mit meiner Selbstständigkeit, dann sehe ich keinen baldigen Grund, wieder eine Festanstellung zu suchen. Schon nach einem Monat habe ich die Flexibilität und Abwechslung meiner Arbeit nämlich mehr als lieb gewonnen.

Aus jetziger Sicht bin ich wirklich wahnsinnig gerne gescheitert. Wenn das immer so läuft, dann kann das mit dem Scheitern also gerne so weitergehen. Also das glückliche Scheitern meine ich. Denn im Moment ist es einfach so: Es geht mir gut!

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Ein Kommentar zu „Glücklich gescheitert – und jetzt selbstständig

  1. Diana

    Eine ermutigende Geschichte. Viel Spass mit deiner Selbstständigkeit!

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