Freiheit für Brüste

Was ich jetzt schreibe, finden manche vielleicht öko. Oder zumindest unästhetisch. Aber ich trage echt gerne keinen BH. Und – auch wenn es theoretisch sein könnte – das hat echt keine feministischen Gründe. Ich mag einfach nur das freie Gefühl an meinen Brüsten. Wie super ist das denn, wenn die einfach mal nicht so eingeengt sind? Ich trage auch keine Polyester-Kleidung, sondern achte auf schöne, kuschelige Baumwolloberteile, die meinen Brüsten wirklich ausgezeichnet bekommen. 

Ich fühle mich also wirklich super, so ohne BH. Meine Brüste sind zum Glück ziemlich klein, also ehrlich gesagt nicht nur ziemlich, sondern sehr klein, geradezu winzig. Wenn ich hüpfe oder springe, dann wippen sie, aber das stört mich nicht. Wo kein Gewicht ist, tut auch nix weh. Sehr praktisch das ganze. Ohne BH ist also richtig bequem. Nur hatte ich lange Zeit trotzdem ein Problem. Denn die Optik finde ich nicht immer schön.

Bevor ich ein Kind hatte, habe ich deshalb höchstens mal im allertiefsten Winter auf den BH verzichtet. Bei drei Lagen Kleidung war ich im schlimmsten Falle einfach nur platt wie ein Bügelbrett. Das war dann weder schön, noch hässlich. Aber im Sommer? Irgendwie haben solche Normalo-Brüste ja doch eher wenig Form, das fand ich schon damals, vor meiner Schwangerschaft. Und wie sollte es anders sein – nach Schwangerschaft und Stillen hat sich die Form nicht unbedingt gebessert. Ich finde es nicht viel schlimmer als vorher, aber besser ist es wirklich nicht geworden.

The boobs are alright

Und trotzdem passierte etwas erstaunliches: Es wurde mir einfach egal! In den letzten Wochen, als es recht warm war, trug ich Sommerkleider, T-Shirts und Tops mit nix drunter. Als ich letzten Sommer damit begann, fühlte ich mich manchmal, als würden meine Brüste an meiner Nase hängen, so nackt fühlte ich mich. Aber das fühlte ja nur ich! Die Welt um mich rum blieb uninteressiert. Wer sollte sich auch schon für so ein paar unspektakuläre Mutti-Brüste interessieren? Keiner, keiner!

Mein Selbstbewusstsein greift das nicht an. Ich bin schließlich verheiratet und eine ehrbare Frau. Und ehrlich gesagt gucken mir die Männer eh schon lange nicht mehr hinterher. Zumindest ungefähr seitdem ich ständig ein Kleinkind im Schlepptau habe. Ich bin einfach insgesamt entspannter geworden, seit ich ein Kind habe. Ich mache mir nicht mehr ständig Gedanken um meinen Körper. Meine Brüste waren noch nie die tollsten Titten des mittleren Ruhrgebietes und ich hatte Jahre Zeit, mich daran zu gewöhnen. Und spätestens nach der Geburt meines Kindes habe ich sie einfach akzeptiert. Denn meine Güte, ich will ja auch kein Geld damit verdienen!

Werbung für Brustvergrößerungen? Och nee!

Warum ich das alles eigentlich aufschreibe? Weil ich heute extrem erstaunt über einen Blogartikel war, der eine Brustvergrößerung nach Schwangerschaft und Stillzeit thematisierte und den die Betreiberinnen des Blogs sich als Werbung von einer Privatklinik für Schönheitschirurgie haben bezahlen lassen. Generell beurteile ich die Kommerzialisierung von jeglichen medizinisch eigentlich unnötigen Eingriffen, aber zum Beispiel auch von Medikamenten, als höchst fragwürdig.

Solche Artikel zur Brustvergrößerung befremden mich aber persönlich umso mehr, weil ich eben im Vergleich zu der Autorin des oben verlinkten Artikels eine völlig gegenteilige Erfahrung gemacht habe. Ich frage mich mittlerweile: Warum müssen Brüste immer schön sein? Warum denken wir Frauen, unbedingt etwas ändern zu müssen, wenn sie „hässlich“ sind oder es mit der Zeit geworden sind?

Brüste sind Brüste sind Brüste

Ich habe als Kind, meistens zusammen mit meinem Opa, leidenschaftlich gern Dokumentationen geschaut. Gerne welche mit wilden Tieren oder fremden Völkern. Dabei offenbar ein Muss: Frauen aus Afrika oder vom Amazonas zu zeigen, mit nackten, hängenden Brüsten, immer mindestens ein Kleinkind stillend. Und ich erinnere mich an keinen einzigen Kommentar aus dem Off, dass das doch wirklich total unästhetisch und sowieso hässlich sei. Das war einfach normal so – und ist es an vielen Orten der Welt immer noch.

Irgendwie haben wir wohl einfach Pech, dass das Schönheitsideal unserer Welt sagt: Deine Brüste müssen prall sein und groß und aufrecht stehen. Und wenn sie nicht so sind, dann kauf einen Push-up! Oder lass dich besser gleich operieren, zufällig kennen wir da sogar eine tolle Klinik, die macht echt gute Preise!

Und irgendwie finde ich das so falsch! Schönheitsideale sind halt echt ein schwieriges Thema. Warum genau noch mal finden wir es alle gerade so super, dünn zu sein? Und warum genau stechen sich irgendwelche Völker Knochen durch die Nasen?

Wenn irgendwer da Draußen wirklich große Probleme mit ästhetischen Makeln hat und sich unbedingt operieren lassen will – ja soll er/sie es doch tun. Wenn irgendwer das akute Bedürfnis hat, eine Crackpfeife zu rauchen, soll er/sie eben eine Crackpfeife rauchen. Solange sonst niemand zu schaden kommt, Wayne interessiert’s? (Sorry, das wollte ich schon immer mal schreiben)

Gibt doch echt wichtigeres!

Aber muss das Thema „hässliche Brüste nach Schwangerschaft“ deswegen unbedingt immer mal wieder in der Öffentlichkeit thematisiert werden? Müssen deswegen Artikel geschrieben werden, die Schönheits-OPs behandeln, als seien sie Polypen-Entfernungen? Nee, finde ich nämlich nicht. Von mir aus müssten auch keine Texte mehr zum Thema „Wie du lernst, dich selbst zu lieben“ geschrieben werden. Mir würde auch einfach mal gar nichts reichen. Es gibt echt wichtigeres, als das Aussehen unserer Körper. Wie sie funktionieren zum Beispiel. Oder ob sie uns Spaß bereiten, beim Sport oder ja, jetzt muss ich wohl Sex schreiben. (Hätte mir mal jemand vor einem Jahr erzählt, dass ich mal einen Text veröffentliche, der die Wörter „Brüste“, „Titten“ und „Sex“ beinhaltet, mon dieu!)

Also vielleicht sollten wir alle einfach mal über was anderes sprechen als über unser Aussehen. Fußball würde sich ja zum Beispiel gerade anbieten. Und wenn wir es gar nicht mehr aushalten, dann sprechen wir eben über die Brüste von Mario Götze, die sind in jedem Fall größer als meine.

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5 Kommentare zu „Freiheit für Brüste

  1. Lena Sophia

    Danke für diesen Beitrag – ich habe auch kleine (um genau zu sein: sehr kleine) Brüste. Schwanger sind sie nun etwas größer, allerdings mache ich mir keine Illusionen wie sie nach Schwangerschaft und Stillzeit aussehen ;-). Seit einigen Wochen verzichte ich jetzt schon auf BHs, weil keiner mehr gut sitzen mag und es einfach stört. Ich finde es klasse :-).

    • Haha, erst mal werden sie mit dem Milcheinschuss explodieren und du wirst dich nicht wiedererkennen! 😀 Ich trage nur BHs ohne Bügel und habe mir in der Schwangerschaft zwei neue in eine Größe größer zugelegt. Ist bisschen schade drum, weil sie jetzt nur im Schrank rumliegen. Aber wer weiß, vielleicht brauche ich sie ja eines Tages noch mal. 😉

      In der Still-Anfangszeit habe ich Bustiers getragen statt unbequemer Still-BHs, da habe ich auch hier schon mal drüber geschrieben: http://kinderhaben.de/4-tipps-fuer-ein-schmerzfreies-wochenbett/
      Kann ich nur empfehlen! Bustiers kann man auch gut schon vorab kaufen, die passen sich ja gut an und müssen nicht so 100-prozentig passen wie Still-BHs.

      • Lena Sophia

        Ich möchte auch 3-4 Bustiers kaufen – welche hast du gehabt 🙂 ?

          • Lena Sophia

            Danke 🙂

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