Es wird. Es wird!!

Alles wird gut. Oder zumindest besser. Ich glaube, nichts ist so wichtig, wie diese Sätze, die man sich als Elternteil beizeiten, oder vielleicht eher andauernd, selbst vorsagen sollte. Weil auf jede noch so anstrengende Zeit eine leichtere folgt. Und das ist unter anderem das tolle am zweiten Kind: Heute weiß ich schon, dass ich niemals verzweifeln muss. Denn es wird. Es wird!

Dummerweise bin ich nicht unbedingt der optimistischste Mensch. Stattdessen neige ich ärgerlicherweise dazu, mich doch hin und wieder etwas in bestimmte Dinge hineinzusteigern. Wenn also alles mal so richtig kacke läuft (Stress im Job, die Wohnung doof, das Wetter mies, das Hübchen dauerhaft wütend), packt mich eine tiefe Verzweiflung und ich rufe laut: „Ich werde nie wieder glücklich sein! Mein Leben ist vorbei! Aus, Schluss, alles ist zu Ende!“.

Der Mann verdreht dann die Augen und wartet so lange, bis mein Pathos vorübergezogen ist. Und damit macht er auch alles richtig. Weil erstens hat Selbstmitleid noch niemanden weitergebracht und zweitens geht auch die blödeste Phase irgendwann wieder vorbei. Wer ein Kind etwas fortgeschrittenen Alters hat, weiß das genau.

Ungeduld und Sorge beim Erstkind

Und oft ärgere ich mich heute, dass ich das früher noch nicht so gut wusste. Im Rückblick habe ich das Gefühl, viel Zeit mit meinem Hübchen nicht richtig genossen, nicht richtig gefühlt zu haben. Die Ungeduld, und oft auch die Sorge der Erstmutterschaft hatten mich früher ganz schön im Griff: Ist das so alles normal? Wann lernt das Kind dieses? Müsste es jetzt nicht jenes können? Und wann hört das Baby endlich auf, so an mir zu kleben?

Die Differenz zwischen der Wahrnehmung vom Erstkind und vom Zweitkind wird mir jetzt gerade sehr bewusst. Das Räupchen ist nämlich nun fast drei Monate alt und ich fragte mich letztens, wann sie wohl anfangen wird, nach Dingen zu greifen. Und völlig überrascht bemerke ich: Bei dieser Frage schwingt überhaupt kein Druck mit, keine Sorge, keine Ungeduld. Einfach nur das neugierige Erwarten, wann mein Baby wohl so weit sein wird.

Heute kann ich entspannen

Diese tiefe Gelassenheit ist für mich wirklich total neu. Das Räupchen profitiert heute von einer Mutter, die einfach macht, die sich an die aktuellen Gegebenheiten anpasst und sich entspannt reinfallen lässt. Es ist nicht so, dass ich mich komplett aufopfern möchte oder in der totalen Symbiose mit meinem Baby lebe. Aber: Ich kann die Einschränkungen, die das Muttersein und Dasein für ein kleines Baby eben mit sich bringen, viel leichter akzeptieren.

In fast vier Jahren Hübchen konnte ich mich ja auch schon gut an so etliche Einschränkungen gewöhnen. Das Leben mit Kind ändert sich eben enorm – da helfen auch die ganzen Lifestyle-Accounts von hippen und stets gut frisierten Instagram-Muttis nicht, die einem immer das Gegenteil weismachen wollen. Nee, im wahren Leben heißt Kinderhaben eben auch: Freiheiten abgeben. Eigene Bedürfnisse allzuoft hintenanstellen. Und manchmal auch einfach: gepflegt durchdrehen.

Ein Baby ist so praktisch!

Wenn ich zurückblicke, war das Leben mit nur einem kleinen Baby zum Beispiel noch weitaus spontaner und flexibler als das Leben mit einem launischen Kleinkind. Aktuell genieße ich es zum Beispiel sogar, wenn ich mal nur das Baby dabei habe. Mit dem Räupchen im Tragetuch bin ich völlig autonom, habe Bewegungsfreiheit, muss auf kein quengelndes Hübchen warten oder ständig irgendwo eine Toilette suchen, weil auf „Muss nicht“ stets „Muss Pipi! Dringend!!“ folgt. So ein Baby ist echt wahnsinnig pflegeleicht und praktisch – und ich wünschte, das hätte mir irgendwer damals schon gesagt.

Im Rückblick scheint es mir, als hätte ich im ersten Babyjahr mit dem Hübchen noch meinen alten Freiheiten hinterhergetrauert. Während meine Freunde in Clubs gingen und Nächte durchtanzten, saß ich Zuhause und habe das Hübchen gestillt, das pünktlich alle zwei Stunden nach Nachschub verlangte.

Langeweile beim Erstkind – Ausgelastet sein beim zweiten

Hinzu kam diese bleierne Langeweile, die sich an manchen Tagen über mich legte. Aus lauter Verzweiflung ging ich zum Pekip, ins Babyschwimmen und zu Müttertreffs – und fühlte mich im Anschluss noch schlechter, weil ich überall auf strahlende Müttergesichter stieß, denen so gar nichts im Leben zu fehlen schien. Mir fehlte mein altes Leben: Futter fürs Gehirn, Gespräche mit Erwachsenen, die sich nicht nur um Babys drehten, Zeit für mich selbst.

Heute genieße ich jede Sekunde, die ich zumindest allein mit Baby habe. Pünktlich um 2 erwartet das Hübchen mich an der Kita und dann geht das richtige Programm erst los. Für Pekip oder Babyschwimmen hätte ich jetzt ohnehin keine Zeit mehr. Mittlerweile freue ich mich sogar, wenn ich mal Gespräche führe, die sich nur ums Baby drehen. Klar, mein Leben dreht sich aktuell sehr stark um beide Kinder. Aber mit zweien ist es deutlich weniger eintönig als mit einem – vor allem dann, wenn eins von beiden dir nonstop eine Frikadelle ans Ohr quatscht und ein Sozialleben führt wie ein Großer.

Das Babyjahr: Die reine Entspannung

Langweilig wird es hier derzeit also nicht, dafür aber oft sehr, sehr anstrengend. Hübchens ersten Geburtstag feierten wir damals mit vielen unserer Freunde und der Mann und ich gratulierten uns gegenseitig: Super, das Anstrengendste haben wir überstanden! Zum Glück hatten meine Freunde noch keine Kinder. Denn dann hätten sie mir die Wahrheit erzählt: Dass das erste Babyjahr bei weitem die entspannteste Phase von allen ist – und dass es erst ein paar Jahre später so richtig nervenaufreibend wird.

Deswegen genieße ich die Babyzeit mit dem Räupchen jetzt umso mehr – und glücklicherweise macht dieses Baby es mir auch wirklich leicht. Eltern von Schreibabys oder sehr anspruchsvollen Zeitgenossen mögen das alles natürlich total anders sehen, und das ist auch völlig gerechtfertigt! Vielleicht kommen bei uns auch mehrere Aspekte zusammen: Meine mütterliche Erfahrung trifft aktuell eben auf ein sehr pflegeleichtes Baby.

Heute trage ich mein Räupchen im Tuch durch die Gegend, und empfinde das kein bisschen als Einschränkung. Ich stille sie immer und überall, wie es eben passt. Und habe mich einfach sehr an mein Leben als Mutter gewöhnt. Ich freue mich über jede Entwicklung meines Mädchens, aber alles ohne Ungeduld – und auch, ohne dabei sentimental zu werden. Mit ein bisschen Pathos könnte man auch sagen: Ich habe gelernt, im Hier und Jetzt zu leben.

Weil ganz einfach die Sorge weg ist, ich könnte für immer in einer Zeitschleife gefangen sein. Und auch, weil Gewöhnung eben alles ist.

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