Ein Wochenbett im Allgäu

Was ist eigentlich ein „Wochenbett“? Blut, Schmerzen, Milcheinschuss? Naja, ganz so schlimm muss es nicht kommen. Aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich mir die Zeit nach der Geburt damals etwas einfacher vorgestellt – und musste erst langsam lernen, dass ich trotz schneller, interventions- und verletzungsfreier Geburt nicht mirnichtsdirnichts zum Alltag übergehen konnte. Jetzt, beim zweiten Baby, weiß ich, worauf ich mich einstellen muss. Und beteilige mich darum gerne an der Blogparade vom Mother Birth Blog!

Seien wir mal ehrlich: Vor dem ersten Kind hat doch keine von uns eine richtige Ahnung davon, wie anstrengend auch die erste Zeit nach der Geburt noch sein wird! Ich weiß auch nicht, woran es lag, aber obwohl ich mich wirklich gewissenhaft auf Hübchens Geburt vorbereitet habe, habe ich im Vorfeld kaum einen Gedanken an die Zeit danach verschwendet. Und irgendwie ist das eine weit verbreitete Einstellung, glaube ich. „Wenn das Baby erst da ist, ist aller Schmerz vergessen!“ – Äh nee, ganz so ist es dann leider doch nicht.

Das Wochenbett kann schmerzhaft sein

Denn ich verrate euch mal ein richtig blödes Geheimnis: In nicht wenigen Fällen fängt der Schmerz danach erst so richtig an! Zumindest bei mir war das so. Während ich die Geburt zwar als durchaus schmerzhaft, aber vor allem als extrem kraftvoll und bereichernd empfunden habe (und sie zudem wahnsinnig schnell wieder vorbei war), überrumpelte mich die Zeit danach mit einem gemeinen, fiesen und ewig anhaltenden Schmerz: Dem durchs Stillen verursachten Schmerz. Wie es mir damals erging, könnt ihr hier ausführlich nachlesen.

Mich haben diese Schmerzen wirklich ziemlich fertig gemacht – und gleichzeitig habe ich insgesamt viel zu viel von meinem Körper verlangt. Denn vermutlich war der Milcheinschuss auch deswegen so unangenehm, weil ich mich nicht gemütlich ins Bett gelegt habe, sondern drei Tage nach der Geburt schon den ersten kleinen Spaziergang unternehmen musste. Übrigens kann ich euch außerdem verraten: Auch Museumsbesuche sind nicht unbedingt eine gute Idee, wenn der Beckenboden nur zwei Wochen zuvor ein 4700-Gramm-Baby passieren lassen musste…

Der Körper braucht Erholung!

Insgesamt habe ich wohl den üblichen Fehler vieler Erstlingsmütter gemacht: Ich wollte viel zu schnell wieder einen normalen Alltag leben. Klar, oberflächlich betrachtet ging es mir super: Ich hatte keine Geburtsverletzungen, trotz Schmerzen klappte das Stillen gut, ich passte sogar nach zwei Wochen schon wieder in meine alten Jeans! Nach außen sah ich aus, als könnte mich nichts unterkriegen. Aber innerlich braucht der Körper eben doch Zeit für Rückbildung und Erholung.

Ein kleiner Moment der Erweckung war vielleicht der, in dem ich meiner Hebamme ungefähr eine Woche nach der Geburt stolz erzählte, dass selbst der Wochenfluss schon fast aufgehört hätte. Ich fand das eigentlich ganz super: Endlich kein Blut mehr! Meine Hebamme aber machte ein erschrockenes Gesicht und erklärte mir, dass das gar nicht gut sei. Denn so kurze Zeit nach der Geburt sei es höchst wahrscheinlich, dass es sich eher um einen Wochenflussstau handelt, der im Zweifel böse ausgehen könne.

Ruhe und Schonung sollten helfen, den Fluss wieder in Gang zu bringen. Und auch wenn ich tatsächlich eher zu den Frauen gehörte, die während und nach der Geburt nicht besonders Blut verlieren, hatte meine Hebamme natürlich Recht. Mit der nötigen Ruhe konnte mein Körper dann doch wieder den natürlichen Vorgängen Lauf lassen.

Beim zweiten Kind weiß ich es besser

Jetzt beim zweiten Kind weiß ich über die natürlichen Vorgänge in meinem Körper viel besser Bescheid bzw. kann sie vielleicht besser zulassen und ihnen mehr Raum gewähren. Ich bin mir nämlich sicher, dass mein Geburtsvorbereitungskurs mich damals eigentlich gut auf das Wochenbett vorbereitet hat. Aber irgendein merkwürdiger Filter in meinem Gehirn scheint alle unangenehmen Details für die Zeit nach der Geburt einfach rausgefiltert zu haben. Einmal selbst durchgemacht bedeutet jedoch für alle Zeit: Jetzt bin ich wirklich klüger!

Also, zumindest ein bisschen. Denn wenn ich ehrlich bin, haben der Mann und ich unseren Sommerurlaub wegen des neuen Babys nicht abgesagt. Den Urlaub haben wir gebucht, bevor wir von der Schwangerschaft wussten. Und wir haben lange hin und her überlegt, was wir jetzt damit anfangen. Drei Wochen nach Geburtstermin steht nun also ein zweiwöchiger Allgäu-Urlaub in unserem Kalender – und da bleibt er auch! Ich habe mir für sehr günstiges Geld Zugtickets gekauft und wenn alles gut läuft, plane ich, mit dem neugeborenen Baby eine klitzekleine 7-stündige Zugfahrt (dafür ohne Umsteigen!) anzutreten. Der Mann und das Hübchen würden dann mit dem Auto vorfahren und uns vom Bahnhof in Kempten abholen.

Der Plan: Wochenbett im Allgäu

Klar ist eine lange Zugfahrt nicht besonders entspannend. Aber das, was danach kommt, stelle ich mir dafür umso herrlicher vor: Zwei Wochen auf einem Biobauernhof mitten in den Bergen. Gute Luft, kein Autoverkehr, das Hübchen darf im Stall mithelfen, den ganzen Tag draußen spielen und der Mann versorgt mich pausenlos mit leckeren Getränken und frischen Speisen aus der ländlichen Region. Auch meine Hebammen halten unsere Pläne für machbar, solange bei der Geburt alles so glatt läuft wie beim ersten Mal.

Wenn alles gut geht, mache ich diesen Sommer also zwei bis drei Wochen Wochenbett Zuhause (je nachdem ob das Baby pünktlich kommt oder wie das Hübchen eine knappe Woche später) und danach wird es für mich im Urlaub erst richtig erholsam! Kein „Die-Decke-wird-mir-auf-den-Kopf-fallen“-Gefühl, kein störender Besuch, sondern einfach Zeit für uns vier als neue, größere Familie.

Ich bin gespannt, ob sich unsere Pläne verwirklichen lassen. Wenn nicht, dann ist es auch OK. Dann werde ich einfach Zuhause weiter relaxen und die regelmäßigen Hausbesuche meiner Hebamme genießen. Dann muss der Mann mich daheim versorgen und meine Eltern und Freunde dürfen uns Pizza vorbeibringen und das neue Baby bewundern.

Schön wird es so oder so. Und die Vorfreude packt mich gerade ganz enorm. Nur noch knapp sieben Wochen bis das Baby kommt!

Viele weitere interessante Berichte über das Wochenbett findet ihr im Mother Birth Blog!

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2 Kommentare zu „Ein Wochenbett im Allgäu

  1. Liebe Sophie,

    danke für deinen wundervollen Beitrag zu meiner Blogparade.
    Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass euer Urlaub so wird, wie du es dir vorstellst.
    Ich kann mir vorstellen, dass du auch dort gut dein Wochenbett verbringen kannst und dir eine Auszeit vom Alltag gönnst.
    Die Zugfahrt halte ich für eine gute Idee!

    Liebe Grüße
    Mother Birth

  2. Pingback: Aufruf zur #Blogparade! Das Wochenbett – über Erwartungen und Bedürfnisse – motherbirthblog

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