Die Schlaf-Kontroverse

Die Online-Welt rund um Mama-Blogs und Co. ist ja eine Welt für sich. Völlig egal, was sonst gerade so vor sich geht – das wichtigste Thema vieler Mütter ist zur Zeit, sich in Blogs und Social Media gegenseitig damit fertig zu machen, wo ihre Kinder schlafen und was daran falsch ist. Auslöser zahlreicher Ausraster in der Mama-Blog-Community und in sozialen Netzwerken war ein Artikel der „Stadt-Mama-Katharina“ aus dem sehr erfolgreichen Stadt-Land-Mama-Blog. Und aus meiner Sicht, der Sicht einer Mutter mit Schlechtschlafkind, ist die allgemeine Kritik an diesem Text durchaus gerechtfertigt.

In ihrem Artikel erzählt Stadt-Mama Katharina davon, wie gut sie das Schlafverhalten ihrer Kinder im Griff hat und dass sie ihr eigenes Bett auch einfach gern für sich hat. Katharina beschreibt ihre Abende so:

„Ich will wieder nur Katharina sein und nicht Mama. Deshalb habe ich bisher auch nicht einen Abend meiner Mutterschaft im abgedunkelten Kinderzimmer gelegen und gewartet, bis meine Kinder eingeschlafen sind. Nein, sie schlafen alleine ein. Zuvor lesen wir eine Geschichte, singen und beten und dann ist Nachtruhe.“

Das finde ich super. Das würde ich auch gerne so machen. Also, außer das mit dem Beten, aber das muss ja jede/r selbst wissen.

Mein Problem: Ich habe leider nicht so ein Kind, das sich für solche Abläufe eignen würde. Ja, das habe ich mir auch anders vorgestellt. Und ich freue mich aufrichtig für alle Mütter und Väter, die Kinder haben, die alleine einschlafen, oder die durchschlafen, und das vielleicht auch noch im eigenen Bett. Solche Kinder gibt es, das weiß ich aus Erzählungen. Meine Freundin zum Beispiel hat auch so eins. Was mich aber wirklich nerven würde, wäre, wenn meine Freundin, deren kleiner Sohn mittlerweile wirklich ganz toll schläft, mir vorhalten würde, dass ich sicher etwas falsch machen würde, weil mein kleiner Sohn einfach nicht ganz so toll schläft. Denn: Mein Sohn ist leider nicht = ihr Sohn. Zum Glück ist meine Freundin super und so was würde sie nie machen.

Schließe nicht von dir auf andere!

Stadt-Mama-Katharina hingegen äußert ihre Meinung, die sie nur aus ihrer eigenen und daher sehr individuellen Erfahrung entwickelt, in sehr direkter Art. Sie ist einem Narren aufgesessen, der so manch einen reitet. Dabei ist es so leicht, den Narren zu bezwingen, denn das geht mit einem ganz einfachen Merksatz, der da heißt: Schließe nicht von dir auf andere. Und schon gar nicht von deinen Kindern auf andere Kinder. Will heißen: Nur weil dein Kind von Anfang an prima (ein-)schlief oder sich das hat in kurzer Zeit „beibringen lassen“ (Ja, ich schreibe das bewusst in doofen Anführungszeichen, denn all diese Schlaflern-Methoden finde ich mehr als zweifelhaft), heißt das nicht, dass das mit anderen Kindern auch funktionieren würde.

Klar fände ich es mehr als super, wenn das Hübchen sich abends auch mal allein in den Schlaf knurren würde, ohne dass ich eine halbe Stunde daneben liegen müsste. Sicher kann ich mir besseres vorstellen, als kleine Füßchen, Schuhgröße 22, die sich nachts um zwei in meinen Rücken bohren. Und die Sabberspur auf meinem Schlaf-T-Shirt finde ich jetzt auch nicht unbedingt mega-attraktiv. Jedoch: Dies ist die einzige Art, wie wir drei, das Hübi, der Mann und ich, überhaupt zu so etwas wie einem erholsamen Nachtschlaf kommen.

Nicht jedes Kind schläft gut ein und durch

Um die Essenz des „Problems“ kurz zusammenzufassen: In seinen ersten Lebenswochen wollte das Hübi im Prinzip nur auf unseren Körpern schlafen. Ablegen? Keine Chance, das Kind war wach. Im ersten halben Lebensjahr war das Tragetuch unser treuester Begleiter. Leider durften wir uns auch damit nicht ausruhen. Ohne Bewegung wachte unser Hübi fast sofort wieder auf. Irgendwann schafften wir es, das Baby nachts ins eigene Bettchen zu legen. Der Weg dorthin war lang und steinig. Ich sage nur: Einschlafstillen in gediegensten Positionen, Hüpfball, stundenlanges Herumtragen.

Seit das Hübilein ein Jahr alt ist, genügt es meist, wenn ich oder der Mann uns im Bett neben ihn legen. Und das geht so schlecht im Gitterbett. Dieses misst 60x120cm, und ich bin zwar nicht besonders breit, aber immerhin 1,71m groß. Also legen wir ins in unser Bett. Es ist 2m lang und 1,60m breit. Der Sohn wälzt sich hier dann immer hin und her, liegt mal am Fußende, mal auf Mamas Gesicht. Er klaut mein Kissen, sabbert alles voll und setzt sich mehrmals wieder hin um zwischendurch mal in die Hände zu klatschen. Aber irgendwann fängt er an zu knurren und dann weiß ich: Gleich schläft er ein! Alles, was ich dabei tun muss, ist rumliegen und warten. Nach alldem, was wir durch haben, ist das der reine Luxus! Erst heute bin ich noch vor ihm eingeschlafen und erst wieder aufgewacht, als der Mann reinkam und mitteilte, die Pizza werde langsam kalt.

Ein Familienbett entspannt die Lage

Wenn mein Kind auch in seinem Bett super schlafen würde – ich würde es sicher nicht daran hindern. Ich bin keine Glucke, weil mein Kind in meinem Bett schläft. Nö, ich bin einfach nur faul und egoistisch, denn: würde mein Kind in seinem eigenen Bett in seinem eigenen Zimmer schlafen, ich würde des nachts ganz schön Kilometer machen! Andauernd aufzuspringen, weil mein Baby mich wieder zur Beruhigung braucht, ist für mich einfach keine Option. Da hab ich es deutlich leichter, wenn es neben mir schläft und ich nur mal kurz drüber streicheln muss, damit es wieder beruhigt einschlummert.

Ich brauche meinen Schlaf! Ich versuche tagsüber nämlich auch noch zu arbeiten und besitze gar noch die Frechheit, hin und wieder meinen Hobbys nachzugehen; und mitten in der Reitstunde auf dem Pferd einzuschlafen käme gar nicht gut, selbst mit Helm. Zu dritt im „Familienbett“ ist einfach das kleinere Übel.

Und ein ganz kleines bisschen denke ich natürlich manchmal auch daran, was der Honigverkäufer vom Wochenmarkt nicht müde wird, mir zu erzählen: „Genießen Sie die ersten Jahre, die werden ja so schnell groß!“ Also kuschel ich mich gleich zu meinem Hübi und der Mann kuschelt sich zu mir und so nickern wir alle eine ordentliche Runde und finden das ganz in Ordnung so. Vielleicht wird das nächste Kind anders. Vielleicht wird es eins von denen, die wirklich überall und sofort schlafen. Ich werde mich nicht beschweren. Aber jetzt beschwere ich mich auch nicht. Und möchte im Gegenzug bitte auch keine Belehrungen von Muttis hören, deren Kinder ja angeblich so super schlafen. Mein Kind ist eben anders. Und danke, damit komme ich schon klar!

Teilen
Facebooktwittergoogle_plusmailFacebooktwittergoogle_plusmail
Passend dazu

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.