Demokratie ist, die Profis ranzulassen. Warum ich wähle: #BTW17

Bundestagswahl, olé! Fühlt ihr schon die Demokratie, wie sie sich ausdehnt, in euch, an euch und um euch herum? Ach naja, nee ich auch nicht. Denn ehrlich gesagt bin ich hochgradig genervt von der politischen Stimmung in diesem Land. Von „Geht uns doch eigentlich super“ und „Weiter so“ und „Ändern ist doch anstrengend“ und vor allem von „Ist doch alles viel zu teuer“. Aber weil nicht wählen auch nicht hilft, schlurfe ich also am Sonntag in meiner schicksten Ausgeh-Leggings in die nächstgelegene Grundschule und kreuze was an. Ihr auch?

Alu vom Blog Große Köpfe hat dazu aufgerufen, sich als Familienblogger*in doch mal bitte zu positionieren, für die Teilhabe an unserer Demokratie. Und dass wir unsere Reichweite mal ausnahmsweise für was nützliches nutzen. 😉  Nun ja, Reichweite habe ich nur eine kleine, aber das hindert mich nicht daran, hier trotzdem immer wieder politische Themen anzusprechen. Über Dinge wie Geburtshilfe und Kinderbetreuung habt ihr hier ja schon häufiger gelesen – gerne verbunden mit Appellen an die Politik. Denn wer weiß, vielleicht liest ja mal irgendein Politik-Heini hier mit?

Findet ihr gemein, dass ich „Heini“ schreibe? Ja, na gut, ich gebe zu, dass ich aus meiner Position der untätigen Bürgerin auf einem ziemlich hohen Ross sitze. „Ihr macht alle einen richtigen Scheiß-Job!“, kann ich den ganzen Heinis im Stadtrat, im Land- und Bundestag zurufen. Denn ich bin echt unzufrieden mit der Politik der letzten Jahre. Deswegen handele ich mir auch immer wieder Kommentare ein: Selber machen soll ich, anstatt zu meckern! Arsch hoch kriegen und mich engagieren! In eine Partei eintreten, selber gestalten!

Und eine zeitlang habe ich mich durch solche Kommentare auch echt angegriffen gefühlt. Ich dummer Faulpelz! Sollte ich nicht doch noch ein paar Stündchen pro Woche für politisches Engagement abzwacken? Mich irgendwo im politischen Kosmos integrieren und keine Frauenquote fordern, sondern sie einfach selber machen? Ich, Frau, Mutter, in meinen besten Jahren: Ab in die erste Reihe, na los!

Ich bin keine Politikerin

Aber wisst ihr was? Ich sage „Nö“! Ich habe nämlich keine Lust, Politik selbst zu machen. Ich fühle mich nicht als Politikerin. In diesem sehr speziellen Job wäre ich vermutlich ohnehin eine totale Vollnull. In meinem Herzen bin ich nämlich eine unverbesserliche Idealistin. Kompromisse fallen mir schwer. Und einen ausgeprägten Hang zur Diplomatie kann ich erst recht nicht feststellen. Ehrlich gesagt finde ich es vermessen, jedem Menschen, der sich nicht selbst aktiv politisch engagiert, vorzuhalten, dann sei Meckern aber auch nicht angebracht.

Denn ich sage: Und ob Meckern angebracht ist! Stillstand ist der Tod! Und schaut euch doch mal um, wohin uns das ewige „Weiter so“ unserer Rauten-Lady gebracht hat! Es gibt Berufspolitiker und auch sehr talentierte Nachwuchskräfte auf Stadt- oder Landebene, die ihren Job viel besser können, als ich. Und ich gehe dann eben zur Wahl, damit diese Experten meine Anliegen vertreten. So geht doch Demokratie, oder sehe ich das falsch?

Ich wähle meine bestmöglichen politischen Vertreter

Und natürlich gehe ich besonders in diesem Jahr auch deswegen zur Wahl, um Parteien, die so überhaupt gar nicht meine Anliegen vertreten, möglichst klein zu halten. Lange Rede, kurzer Sinn: Auch wenn der Beruf der Politikerin bei mir auf der Unbeliebtheits-Skala ungefähr auf derselben Höhe liegt wie Grundschullehrerin, Polizistin oder Löwenbändigerin, bin ich all diesen Politiker*innen da draußen sehr dankbar, dass sie ihren Job machen. Und ich wähle am Sonntag jene Politiker, denen ich am ehesten zutraue, einen in meinen Augen guten Job zu machen.

Und jetzt fragt ihr euch bestimmt, welche Partei das dann also sein wird. Tja, wie ich oben geschrieben habe, bin ich nicht unbedingt der kompromissbereiteste Mensch. Und das macht das Wählen nicht gerade leicht. Weil irgendwas ist ja immer kacke. Zum Beispiel finde ich Christian Lindner auf den wirklich toll gestalteten FDP-Plakaten ziemlich heiß. Leider finde ich aber die unsoziale Reichen-Politik seiner Partei nicht ein zehntel so heiß. Ach, was sage ich, nicht ein hundertstel! Nicht ein tausendstel!  So oder so ähnlich geht es mir dann leider mit jeder Partei, nur meistens andersherum (die wenigsten jungen Politiker sind auch nur im Ansatz heiß. Äh nein, ich habe jetzt echt nicht sofort an Jens Spahn gedacht, ich schwör’s!).

Taktisch wählen um schlimmeres zu vermeiden

Aber es nutzt ja nix, irgendwo muss ich ankreuzen. Und weil ich eine durchaus taktische Wählerin bin, die mit ihrer Stimme irgendwas bezwecken oder zumindest verhindern will, entscheide ich mich für eine der großen Parteien. Im Grunde nervt mich der momentan ständig zu hörende Aufruf, doch bitte bloß keine kleinen Parteien zu wählen, weil man damit die Faschos im Bundestag noch stärken würde (die Sitze werden eben nur unter den Parteien verteilt, die die 5% Hürde auch schaffen). Denn ich finde: Wenn man sich tatsächlich mit keiner der etablierten Parteien identifizieren kann, ist es immer noch besser, eine Splitterpartei zu wählen, als gar nicht!

Für mich war es aber zum Glück nicht so schwer, weil ich mich am Ende für eine der etablierten Parteien entscheiden kann. Für mich unbelehrbare Idealistin bleibt schließlich am Ende nur eine Partei, die für mich die richtigen Forderungen für eine funktionierende Solidargesellschaft stellt. Und ich würde mir tatsächlich wünschen, dass diese Partei irgendwann auch mal gefordert würde, zu beweisen, dass ihre Lösungsvorschläge funktionieren.

Ich entscheide mich gegen das konservative „Läuft doch super!“

Wenn es die nächsten vier Jahre jedoch mit unserer Mutti so weitergeht, wird der Herr Schäuble wohl noch weiter sein Geld vollpupsen und es wird gar nix passieren. Ich entscheide mich also gegen Mutti und konservatives „Läuft doch super so!“. Und bestimmt habt ihr auch erraten, welcher Partei ich meine Stimme geben werde, oder? Ausschreiben will ich es aber nicht, ich bestehe schließlich auf meinem Wahlgeheimnis!

Und wer jetzt immer noch nicht überzeugt ist, am Sonntag auch wirklich in den nächsten Kindergarten an die Wahlurne zu schlendern, den hab ich jetzt vielleicht noch mit dem Wort „Geheimnis“ geködert? Weil Geheimnisse sind doch immer toll! Also los, ab an die Urne, bevor ihr irgendwann selbst drin landet!

Andere Blogs haben sich übrigens viel vorbildlicher als ich mit den tatsächlichen Inhalten aller Parteien beschäftigt. Hier findet ihr eine kleine informative Auswahl:

Mutterseelesonnig: Muttertagswunsch – Die Antworten der Parteien

Little Years: Geht wählen! Die Parteienprogramme im Familien-Check

Hauptstadtmutti: Familienpolitik Bundestagswahl 2017 – Ein übersichtlicher Versuch

Netzwerk „Elterninitiativen für Geburtskultur“: Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2017

Mom & Still Me: Bundestagswahl 2017 Wahl-Special: 16 starke Fragen zur Familienpolitik

Teilen
Facebooktwittergoogle_plusmailFacebooktwittergoogle_plusmail
Passend dazu

4 Kommentare zu „Demokratie ist, die Profis ranzulassen. Warum ich wähle: #BTW17

  1. Da bin ich ja froh, dass es doch nicht die Gartenpartei geworden ist 🙂
    Deine Wahl (zumindest so, wie ich sie gerade vermute) habe ich auch bei meinem Blog empfohlen für alle, die gerne Opposition wählen wollen, aber der Argumentation mit den Splitterparteien folgen.

    • Ach, ich hab eh nicht so den grünen Daumen. 😉 Meine Wahlentscheidung passt einfach am besten zu meiner idealistischen Ader, auch wenn ich nicht mit allen Politiker*innen oder Meinungen der Partei sympathisiere. Letztlich ist es eben der beste Kompromiss.
      Allerdings finde ich die Aussage, dass man unbedingt eine etablierte Partei wählen sollte, auch wieder anmaßend (bezieht sich nicht auf deinen Text, sondern generell). Da muss man ja nur mal nach Frankreich schauen, dass manchmal auch was Großes entstehen kann, wenn viele sich einfach mal von den Etablierten abwenden.

      • Das stimmt. Aber ich fürchte, die Gartenpartei hätte keinen Macron-Effekt verursacht, so oder so… Dann würde ich die Aussage abändern auf „Parteien, die Aussicht haben, ins Parlament einzuziehen“.

  2. Nadja

    Jeder sollte seine Pflicht und sein Recht wahrnehmen und wählen gehen! Wer nicht wählt darf auch nicht meckern, und meckern tun wir alle doch viel zu gerne. 🙂 Daumen drücken für Sonntag, damit die Doofen so wenig wie möglich schaffen! Liebe Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.