Babys impfen – aber wann?

Seit Wochen schleiche ich immer wieder um ein Thema rum und traue mich nicht so recht. Zu böse sind immer die Diskussionen, zu schwarz und weiß die Ansichten, zu fies die gegenseitigen Vorwürfe. Und trotzdem will ich darüber schreiben, weil ich hier doch so gut wie immer über die Themen spreche, die mich akut bewegen. Also los, Augen zu und durch: Es geht ums Impfen.

Das Räupchen ist bald fünf Monate alt – und noch nicht geimpft. Und auch bei der bald anstehenden U5 habe ich nicht vor, sie impfen zu lassen, weshalb wir nun auch die Kinderarztpraxis wechseln mussten (mit der wir aber auch aus anderen Gründen unzufrieden waren). Denn unsere bisherigen Kinderärzte tolerieren keine alternativen Impfentscheidungen. Dort wird streng nach STIKO (Ständige Impfkommission) geimpft und Abweichler werden mit dem Rausschmiss bestraft.

Deswegen haben wir nun beschlossen, selbst zu gehen. Denn ich möchte als Mutter darüber mitentscheiden, wie mein Kind medizinisch behandelt wird. Und aus diversen Gründen habe ich mich nun gemeinsam mit dem Mann dazu entschieden, dem Räupchen noch etwas Zeit bis zur ersten Impfung zu geben.

Meine Kinder werden geimpft

Noch etwas Zeit bis zur ersten Impfung. Denn genau: Dass wir unsere Kinder impfen lassen, steht für den Mann und mich außer Frage. Ich will, dass meine Kinder gut geschützt sind, dass sie möglichst wenig leiden müssen, selten krank werden und von Komplikationen oder schlimmen Spätfolgen verschont bleiben. Und auch den sozialen Aspekt des Impfens finde ich wichtig. Denn in einer Gesellschaft, in der nicht oder kaum geimpft würde, würden viele Krankheiten deutlich häufiger grassieren – und diese Krankheiten wären zwar für den überwiegenden Teil der Menschen vielleicht nicht so schlimm, für eine Minderheit jedoch umso mehr (chronisch Kranke, Menschen mit Immunsupression etc.).

Die Frage, die ich mir stelle, ist trotzdem: Wann ist der richtige Zeitpunkt, mein Kind zu impfen? Ist es wirklich nötig, bereits wenige Wochen alte Säuglinge mit einem völlig unreifen Immunsystem zu impfen? Und wie wirksam kann so eine frühe Impfung überhaupt sein?

Beim Hübchen habe ich mir damals diese Fragen noch nicht gestellt. Er wurde ganz STIKO-konform gegen den dritten Lebensmonat das erste Mal geimpft und das ging auch alles gut. Dass ich mir damals so wenige Gedanken um sein noch nicht besonders trainiertes Immunsystem machte, mag vielleicht daran gelegen haben, dass mein Hübchen von Beginn an ein sehr großer Säugling war, zu Beginn auch deutlich weiter entwickelt als seine Altersgenossen. Demzufolge kam es mir gar nicht kritisch vor, ihn bereits mit drei Monaten das erste Mal impfen zu lassen. Er wirkte einfach so dermaßen fit und agil, dass ich überhaupt kein Risiko sah.

Eine Impfung für ein unreifes Immunsystem?

Das drei Monate alte Räupchen erschien mir im Vergleich noch vergleichsweise unfertig. Und zeitgleich setzte ich mich damit auseinander, dass auch Immunsysteme erst reifen müssen. Das noch unreife Räupchen-Immunsystem mit diversen Impfungen zu traktieren, erschien mir plötzlich falsch. Und erscheint es mir immer noch.

Ich habe mich also ein bisschen belesen (nein, keine Verschwörungsseiten im Internet) und zusätzlich die Impfberatung der Anthroposophischen Klinik in Herdecke besucht. Und auch wenn ich nach wie vor nur ein gefährliches Halbwissen besitze, sind bei mir ein paar Leuchten angegangen – und es ist der Wunsch gereift, eine eigene Impfentscheidung zu treffen. Unterm Strich habe ich schließlich abgewägt und entschieden, dass es sehr wahrscheinlich mehr Vorteile als Schaden bringt, wenn wir mit dem Impfen beim Räupchen noch etwas warten.

Nachdem ich ein paar neue Dinge rund ums Impfen erfahren habe, war ich sogar beinahe empört darüber, dass sich einige beliebte Aussagen oder Ratschläge von Kinderärzt*innen als völlig unwahr oder doch zumindest ziemlich zurechtgebogen entpuppten. Dazu gehören diese hier:

„Je jünger das Baby, desto besser verpackt es die Impfung“

Das ist ein sehr beliebter Spruch von Kinderärzt*innen – und oberflächlich betrachtet stimmt er sogar: Die Impfreaktion (Fieber) fällt bei kleinen Säuglingen tatsächlich glimpflicher aus. Hohes Fieber ist selten, manche Babys reagieren sogar gar nicht. In der Impfberatung wurde mir jedoch erklärt, warum das so ist: Das noch unreife Immunsystem von Babys reagiert nur wenig auf die Impfung. Deshalb entwickelt der Körper kein Fieber. Das bedeutet jedoch leider auch, dass der Sinn der Impfung gewissermaßen verpufft. Denn der Körper soll ja gerade auf die Impfung reagieren und Antikörper bilden. Fieber nach der Impfung ist demnach ein gutes Zeichen und kein Elternteil sollte sich wegen der höheren Wahrscheinlichkeit einer Impfreaktion vor dem Impfen in höherem Kindesalter ängstigen. In Zusammenhang mit Fieber hört man von Ärzt*innen zudem leider auch oft folgende Aussage:

„Ich schreibe Ihnen mal Paracetamolzäpfen auf. Wenn das Fieber zu hoch steigt, geben sie dem Baby eins“

Tja, was heißt denn genau „zu hoch“? Und ist das Fieber nach dem Impfen wirklich gefährlich? Die Ärztin in der Impfberatung sagt ganz klar: Nein! Kinder verpacken auch sehr hohes Fieber sehr gut und gerade nach dem Impfen sollte das Fieber nicht gesenkt werden, da dieses signalisiert, dass der Körper genau das tut, was er soll: Antikörper bilden und gegen die unerwünschten Eindringlinge kämpfen. Für mich ist die Impfreaktion damit eigentlich eher ein Grund, mein Baby erst später impfen zu lassen. Denn einen 10 Wochen alten Säugling mit 40°C Fieber möchte ich auch nicht abends daheim haben. Bei älteren Babys macht hohes Fieber hingegen deutlich weniger Angst, denn dann kenne ich mein Kind schon besser, kann seine Reaktionen besser einschätzen und ggf. dann eingreifen, wenn es nötig wird. Ein anderer beliebter Mythos, den Kinderärzt*innen oft verbreiten, wenn es ums möglich frühe Impfen geht, ist außerdem:

„Ungeimpfte Kinder stecken mir im Wartezimmer alle anderen an“

Dies ist auch der offizielle Grund, warum unsere alte Kinderarztpraxis keine nach dem 6. Lebensmonat ungeimpften Kinder akzeptiert. In der Tat ist es natürlich wahrscheinlicher, dass in einer Kinderarztpraxis, in der die meisten Kinder nicht oder nur unzureichend geimpft sind, diverse Krankheiten häufiger umgehen. Jedoch können auch geimpfte Menschen Überträger von Krankheiten sein, gegen die sie eigentlich geimpft sind. Die Krankheit bricht bei ihnen dann zwar nicht aus, dennoch übertragen sie sie. Diesen meinen Einwand konnte auch unser alter Kinderarzt nicht entkräftigen, sondern lächelte mich nur müde an. Gerade bei Keuchhusten, der für kleine Säuglinge eine große Gefahr darstellen kann, ist eine Übertragung durch eigentlich geimpfte Menschen sogar sehr häufig. Deswegen sollte man sich nie auf die Impfung verlassen, sondern mit kleinem Baby immer aufmerksam bleiben! Insgesamt finde ich es zudem ziemlich frech, Babyeltern mit dem Argument der hohen Ansteckungsgefahr unter Druck zu setzen. Denn ich glaube kaum, dass Babys unter einem Jahr eine so große Rolle bei der Verbreitung von Krankheiten in Kinderarztpraxen spielen. Meistens sind es doch eher die älteren Geschwister, die als Virenschleuder fungieren.

Dem Baby und seinem Immunsystem Zeit geben

Mittlerweile lest ihr sicher schon raus, was mir beim Thema Impfen ein Anliegen ist: Ich mag einfach ungern unter Druck gesetzt und verunsichert werden. Ich möchte nicht mit Halbwahrheiten abgespeist, sondern ernst genommen werden. Und ich möchte nicht in resignierte Arztgesichter blicken, die genervt davon sind, dass ich schon das dritte ihrer angeblichen Totschlagargumente entlarvt habe.

Ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, dass ich mein Kind keinem riesigen Risiko aussetze, wenn ich noch einige Monate bis zur ersten Impfung warte. Stattdessen denke ich nämlich, dass ich ihrem Immunsystem damit einen Gefallen tue und sogar die Wirksamkeit der dann späteren Impfung erhöhe. Ein reiferes Immunsystem kann schließlich besser auf die Impfung reagieren und einen wirksameren Schutz aufbauen.

Sicher sein, dass das Kind auch wirklich gesund ist

Hinzu kommt, dass ich durch späteres Impfen einige Monate gewinne, in denen ich mein Baby gut beobachten kann. Denn auch wenn ich es nicht hoffen will, vielleicht entwickelt das Räupchen ja noch gesundheitliche Probleme, die eine Kontraindikation zum Impfen darstellen würden? Mit Verschwörungstheorien von Impfgegner tue ich mich nämlich genauso schwer wie mit dem strengen STIKO-Impfen. Und ein häufiges Argument der Impfgegner sind ja die sogenannten „Impfschäden“. Ich persönlich halte es jedoch für viel wahrscheinlicher, dass bereits angelegte Krankheiten durchs Impfen getriggert werden und danach auftauchen. Mir erscheint es demnach logisch, nicht schon die kleinsten Babys zu impfen, sondern einige Zeit zu warten, um auch völlig sicher zu sein, ein gesundes Kind zu haben, dessen Körper sich durch die Impfung nicht durcheinander bringen lässt.

Die Ärztin bei der Impfberatung wies zudem auf einen mir bis dato unbekannten Faktor hin: Bei normalerweise gesunden Kindern haben einige Krankheiten, gegen die geimpft werden kann, sogar einen Nutzen. So erkranken Frauen, die Mumps durchgemacht haben, statistisch deutlich seltener an Eierstockkrebs. Und wenn ich es richtig in Erinnerung habe, verhält es sich mit den Röteln bei Männern ähnlich (also nichts mit Eierstöcken, aber vermutlich dann irgendwas mit den Hoden oder so). Gleichzeitig kann Mumps bei Männern jedoch für Unfruchtbarkeit sorgen, während die Röteln bei schwangeren Frauen zu Missbildungen am Fötus führen können.

Persönliche Kosten/Nutzen-Rechnung vs. Herdenschutz

Für die Ärztin der Impfberatung war an dieser Stelle klar, dass man hier eine persönliche Kosten/Nutzen-Rechnung aufstellen kann. Kleine Jungs könnten wegen der möglichen Spätfolgen gegen Mumps geimpft werden. Als Frau könne man sich im jungen Erwachsenenalter gegen Röteln impfen lassen um sich in einer etwaigen Schwangerschaft zu schützen.

Man könne aber genauso gut sagen: Aufgrund der sozialen Verantwortung lasse ich sowohl meinen Sohn als auch meine Tochter gegen beides impfen. Ich persönlich entscheide mich bei meinen Kindern ganz klar für letzteres. Denn irgendwo gibt es bestimmt eine Schwangere, die aus welchen Gründen auch immer nicht geimpft werden kann. Oder einen kleinen Jungen mit Immundefekt, der trotzdem gerne auf Mumps verzichten würde.

Alternative Impfmodelle

Trotzdem möchte ich gerne eine individuelle Impfentscheidung fällen und mein Kind nicht komplett dem Fahrplan der STIKO unterwerfen. Unterstützt werde ich darin durch den Fakt, dass die Impfkommissionen anderer westeuropäischer Länder teils ganz unterschiedliche Impfempfehlungen rausgeben. Die deutsche STIKO scheint im Vergleich ziemlich streng und eher konservativ eingestellt.

In der Impfberatung wurde als Alternative speziell das Norwegische Modell erwähnt. Hier wird zum Beispiel die 6-Fach-Impfung nur drei Mal geimpft, während in Deutschland vier Impftermine angesetzt sind. Der Impfschutz ist trotzdem derselbe. Ich finde also, dass es sich lohnt, mitzudenken. Denn ein älteres Baby mit reiferem Immunsystem benötigt zum Beispiel nur eine niedrigere Dosis – und damit wäre das norwegische Modell eine sinnvolle Alternative.

Ich hoffe nun, dass ich in unserer neuen Kinderärztin eine Ärztin gefunden habe, die mit mir gemeinsam einen guten Impfzeitpunkt fürs Räupchen bestimmt. Aktuell denke ich, dass es zum Frühjahr passend wäre, wenn die Zeit der ständigen Infekte vorüber ist. In dem Zusammenhang gibt es auch noch eine Aussage, die ich bitte niemals mehr hören möchte: „Erkältung? Das macht nichts, da impfen wir trotzdem!“. Ja, denke ich, ihr könnt da gerne impfen, aber nicht meine Tochter! Ich habe nämlich nur diese eine und deswegen entscheide ich selbst über den richtigen Zeitpunkt!

Und jetzt ihr!

Zuerst eine wichtige Abschlusserklärung: Alles, wirklich alles in diesem Text entspringt meinem gefährlichen Halbwissen. Ich habe diese Informationen zwar aus Gesprächen mit und Texten von Mediziner*innen gezogen, verweise dennoch auf ihre mögliche Lückenhaftigkeit oder etwaige Fehler. Zudem gibt es zu jeder Studie immer mindestens eine Gegenstudie. Bitte sprecht immer mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt eures Vertrauens, wenn es um medizinische Angelegenheiten geht und verlasst euch niemals völlig auf irgendwelchen Quatsch, den irgendwo jemand ins Internet geschrieben hat. 😉

Und eine letzte Bitte: Ich freue mich auf eure Kommentare und bin gespannt, wie ihr zum Thema Impfen bei Babys steht. Aber bitte bleibt respektvoll und freundlich, auch wenn ihr eine völlig gegenteilige Meinung zu meiner Haltung oder der eurer Vor-Kommentatorin habt. Es fühlt sich für mich irgendwie doof an, diese Bitte zu formulieren, weil auf diesem Blog bis auf ganz wenige Ausnahmen immer total nett und respektvoll kommentiert wird. Weil ich aber auf anderen Seiten bereits so viele entgleisende Diskussionen rund ums Impfen gelesen habe, möchte ich besser vorbeugen. Ich hoffe, ihr verzeiht mir. 😉

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29 Kommentare zu „Babys impfen – aber wann?

  1. Wir haben einen anthroposophischen Kinderarzt. Der impft auch gerne alternativ, überlässt die Entscheidung aber den Eltern. Unsere Kinder sind alle erst mit einem Jahr das erste mal geimpft worden. Vieles kann man auch in Einzeldosen impfen. Es ist möglich. Und ich bin auch FÜR das Impfen. Aber ich finde, man kann überlegt impfen.
    Bei unserem Kinderarzt ist die Praxis so getaktet, dass man nicht lange warten muss. Also eigentlich wartet man nie und die Kinder wollen immer hinterher noch im Wartezimmer spielen, weil sie vorher keine Zeit dazu hatten. 😀 Man kommt also nie wirklich mit anderen Krankheiten in Kontakt.

    • Klingt traumhaft mit den kurzen Wartezeiten. Der alte Kinderarzt hat uns zur U2 an Räupchens 5. Lebenstag über eine Stunde warten lassen (zum Glück war Sommer und ich bin dann mit ihr rausgegangen. Das Baby-Wartezimmer war nämlich voller hustender und schniefender Einjähriger 😳). Während der Behandlung durfte ich mir dann anhören, dass er für U2’s ja auch eigentlich gar keine Zeit hat, das wird ja aus guten Grund sonst im Krankenhaus gemacht (Unterton: Wo eine Geburt ja eigentlich hingehört 🙄). In unserer Stadt herrscht aber eh ein Mangel an Kinderärzten. Ich hab deswegen schon ab die kassenärztliche Vereinigung geschrieben. Deren Antwort: Es gibt keinen Mangel. Scheint meine Wahrnehmung wohl verzerrt zu sein. 🤔

  2. Hey. Ich finde es sehr mutig, dass du das Thema gewählt hast und auch veröffentlichst. Toller Artikel!
    Wir haben unseren ersten Sohn erst mit zwei Jahren geimpft und auch beim zweiten Kind werden wir warten.
    Ich sehe die strenge Einhaltung der Stiko-Impfempfehlung auch kritisch, bin für das Impfen. Wer sich mit dem thema beschäftigt merkt, dass andere Länder andere Impfschemen hat und diese sinnvoll sind.

    • Danke dir, ich hab mich auch ehrlich gesagt ein bisschen gefürchtet. 😉 Aber eure Antworten sind toll und die Angst war wohl unnötig. 😊 Wie so oft gibt es zwischen schwarz und weiß ja ziemlich viele Grautöne und ich fänd es toll, wenn Kinderärzte das Thema mit weniger Angst behandeln würden. Vielleicht wenden sich auch deswegen so viele Eltern komplett vom Impfen ab, weil die Ärzte so einen wahnsinnigen Druck in Richtung STIKO-Impfen machen. Es wäre sicher hilfreicher, stattdessen über alternative Impfwege zu informieren.

  3. Kürbisköpfchen

    Liebe Sophie, zunächst mal: Ich bin ein großer Fan deines Blogs (tatsächlich ist es der einzige den ich gerne und regelmäßig lese). Das liegt vor allem daran, dass ich mich in ganz vielen Artikeln wiedererkenne. Dieser Beitrag kommt auch mal wieder zur für mich richtigen Zeit. Heute habe ich eigentlich den 3. Impftermin für die 6fach mit meiner Tochter, werde ihn aber (mal wieder) absagen, bzw. verschieben. Grund dafür ist eine Erkältung mit leichter Temperatur und Zahnen bei der Kleinen. Genau wie Du habe auch ich einen älteren Sohn und er wurde “nach Stiko-Programm“ geimpft. Er hat alles prima vertragen, war aber z. B. im ersten Lebensjahr fast nie krank (bis auf 1x Drei Tage Fieber). Anders seine kleine Schwester. Sie ist jetzt 15 Monate alt und sehr häufig erkältet. Die allererste Impfung habe ich daher fast bis zum 1. Geburtstag herausgezögert. Außerdem neigt sie leider Gottes zu Fieberkrämpfen und das schon ab 38,5! Von daher muss ich tatsächlich frühzeitig mit Zäpfchen arbeiten, obwohl ich die bei meinem Sohn nur dann gebe, wenn er wirklich unter dem Fieber leidet oder Schmerzen hat. Aber gut, der Einsatz von Paracetamol und Co. ist ein eigenes Thema… Ich denke, es ist wichtig zu impfen, aber man sollte sich auf sein Gespür verlassen, um dann abschätzen zu können, wann der richtige Zeitpunkt für das eigene Kind ist. Dass Du den Kinderarzt gewechselt hast war mit Sicherheit richtig. Unsere Ärztin ist sehr tolerant und respektiert die Meinung der Eltern, auch wenn sie sie nicht immer teilt. Ich denke auch, dass es sich lohnt, eine oder mehrere verschiedene Impfberatungen anzuhören. Letztendlich muss man aber natürlich immer abwägen. Gefährlich finde ich Internetseiten oder Berichte über Impfschäden, die bei objektiver Betrachtung häufig gar keine sind. Sie verunsichern nur unnötig und machen Eltern ein schlechtes Gewissen.

    • Danke für das schöne Lob. Und ich sehe es genau wie du, dass man auf das individuelle Kind schauen sollte. Das fehlt mir leider oft bei den Ärzten, die nur ihre simplen Lehrmodelle im Kopf haben. Von unserem alten Kinderarzt hab ich mich am Ende geradezu verarscht gefühlt, weil er mir immer weiter Plattitüden vorkaute, obwohl er längst gemerkt hatte, dass ich informiert bin.

      Impfgegner Meinungen finde ich auch schwer erträglich. Ehrlich gesagt habe ich im Text auch nur über die positiven Aspekte der Impfberatung geschrieben. Insgesamt war es jedoch teils echt schwierig, da unter den Teilnehmenden auch beinharte Verschwörungstheoretiker waren und auch die Ärztin diesen Ansichten nicht abgeneigt war. Sie vertrat z.B. die unbedingte Meinung, dass Kinderkrankheiten wichtig für die kindliche Entwicklung seien und ihre Töchter seien schließlich alle durch den Keuchhusten trocken geworden. Klar, dachte ich, und alle geimpften Menschen pieseln in die Hose bis die 25 sind. 🙄

  4. Gis

    Liebe Sophie! Danke für Deinen Text zum Impfen, der mir so aus dem Herzen spricht. Wir haben unsere 3 Kinder auch erst mit 1 Jahr impfen lassen und auch nicht komplett. Zum Glück haben wir seit dem 2. Kind einen Kinderarzt, der die Eltern in die Entscheidung einbindet und wirklich aufklärt. Leider wird die ‚Aufklärung‘ oft auf die Überreichung einer Broschüre eines Pharmakonzerns beschränkt. Ich finde es toll, dass es Impfungen gibt, aber man muss kleinen Babys nicht alles impfen. Manches kann man guten Gewissens auch weit verschieben, auch ohne den Herdenschutz zu gefährden. Hepatitis z.B.
    Ich finde es wirklich schade, dass viele Eltern blind Empfehlungen folgen ohne diese zu prüfen und man dann etwas schief angeschaut wird, weil man es gewagt hat, diesen Empfehlungen nicht zu folgen…
    Alles Gute für Euch, ich mag Deine pragmatische und humorvolle Art, in der Du über Euer Leben berichtest.

    • Ich bin auch der festen Überzeugung, dass vor allem deswegen so früh geimpft wird, weil Ärzte dann den besten und häufigsten Zugriff auf die Kinder haben.

      Ärgerlich macht mich genau wie dich vor allem eine unzureichende Aufklärung voller Halbwahrheiten. Bei Hepatitis B ist es ja z.B. so, dass die Krankheit vor allem über Geschlechtsverkehr übertragen wird. Eine gute Aufklärung im Sinne von Safer Sex wäre da genauso sinnvoll wie eine Impfung (oder sogar sinnvoller weil das noch vor weiteren Krankheiten schützt!). Dasselbe gilt für diese unsägliche Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Da ist es eh völlig absurd, dass die Impfempfehlung nur für Mädchen gilt, obwohl auch Jungs die Viren übertragen.

  5. Josi

    Hey Sophie, wieder mal ein interessanter Text! Und wie bei eigentlich allen Themen, die Kinder (und ihre Mütter – ausschließlich Mütter!!) betreffen, gibt es auch beim Impfen gesellschaftlich sehr gefestigte Alltagswahrheiten. Ich mag es, wie du die Themen immer anpackst ohne das eine besser als das andere darzustellen! 👌🏼 Zum Impfen: wir haben unser Medi sehr früh impfen lassen, weil wir in ihrem ersten Lebensjahr so viel unterwegs waren, dass wir sie vor Krankheiten schützen wollten. Denn wer weiß, ob der Sitznachbar im Flieger geimpft ist oder sie sich im mexikanischen Spielplatz nicht irgendwas einfangen kann. Eigentlich wollte ich das nicht, auch wegen des noch schwachen Immunsystems. Aber bei uns war es ein Abwägen und bis jetzt toi toi toi läuft alles gut! Womit ich gerade kämpfe sind Kita-Gegnerinnen, weil da das Kind ja ständig krank ist und zur Erzieherin Mama sagt und und und…. warum ich das schreibe? Weil ich immer dachte, dass die Kinder bei Kita-Eintritt gegen Mumps, Masern, Röteln geimpft sein MÜSSEN – was, wie mir die Kitaleitung erklärt hat, garnicht stimmt! Eltern müssen lediglich nachweisen, dass sie über die Impfempfehlungen vom Arzt aufgeklärt worden sind. Und das habe ich so leider nie davor gelesen oder gehört. Und dann fühlt man sich doch irgendwie nur halbherzig aufgeklärt seitens Kinderärzte und Gesundheitseinrichtungen und somit in seiner Entscheidung manipuliert. Lieben Gruß, Josi

    • Danke für das Lob! 😊 Meines Wissens dürfen Kitas selbst entscheiden ob sie ungeimpfte Kinder aufnehmen oder nicht. In unsere Kita wurden wir glaube ich nicht explizit gefragt, die Bescheinigung vom Kinderarzt gab nur Auskunft über den aktuellen Gesundheitsstatus.

  6. mixmax

    danke für diesen nicht hetzerischen sondern mal wirklich guten text zum impfen – habe wieder ein paar sachen gelernt! was ich noch hinzufügen kann: eine nahe verwandte ist seit über 20 Jahren Kinderkrankenschwester in einem großen Uniklinikum und gleichzeitig auch ausgebildet in Homöopathischer Behandlung (was nicht heißt, dass das qualifizieren soll für irgendwas, sondern zeigt, dass sie eher alternativ eingestellt ist aber trotzdem schulmedizinisch erfahren und ausgebildet). Sie meinte auch mit den ersten Impfungen könne man locker über die 3 Monate hinaus warten, 5, 6 7 Monate oder eben wann es einem im ersten lebensjahr entgegenkommt. Ich habe meine kinder gegen hepatitis B (oder war es c? jedenfalls eine Impfung die noch nicht von der Stiko empfohlen ist) impfen lassen, weil die Verwandte auch das empfohlen hat da sie schon einige schlimme verläufe gesehen hatte. Bei meiner älteren Tochter mussten 2 IMpfungen dafür sein, bei der jüngeren, bei der wir früher angefangen hatten, sollten es 3 werden. jetzt sollte die dritte im sommer anstehen, und mein kinderarzt meinte nun bei der letzten U vor ein paar tagen, dass wir uns das auch überlegen könnten, ob die dritte eigentlich sein müsste, 2 schützen auch schon gut meinte er. solche aussagen finde ich immer ganz gut, wenn der arzt auch abwägt, ob er das kind wirklich nochmal piksen muss (nicht falsch verstehen, ich bin für jeden piks, der sinn macht!) oder ob es auch so reicht. bei masern mumps röteln etc und auch bei vielen anderen impfungen bin ich auch der meinung, dass der herdenschutz eines der wichtigsten argumente ist – ich bin schon froh, wenn beim abholen aus dem kindi nicht dauernd die masern rumschwirren, die unser bald 3. baby dann hoffentlich nicht mitnehmen muss, nur weil es zum abholen halt mitkommen muss und man es manchmal auch nicht draußen stehenlassen kann.

  7. Doreen

    Interessante Sichtweise. Ich würde zwar die Stiko-Empfehlung beachten und mich daran halten, aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Eltern bei solchen Entscheidungen durchaus einbezogen werden sollten.

    Nur eine Sache: Dass „Anthroposophie“ der größte esoterische Schwachsinn ist, der so rumfleucht, das ist dir hoffentlich klar?

  8. Kathi

    Hallo Doreen.

    Die Anthroposophische Medizin ist zunächst nur eine ganzheitliche und komplementär-medizinische Bewegung.
    Eltern sollten des weiteren die Entscheidung über die Impfung ihrer Kinder tragen .. nicht nur “einbezogen werden“.

    • Doreen

      Hi Kathi,

      Anthrposophie, wenn man sie nach Steiner versteht, ist Esoterik und nichts weiter.
      Einbeziehen, Entscheidung treffen – sei’s um die Begrifflichkeit. Fakt ist, dass die Mediziner wissen, was sie tun. Und wenn man denjenigen welchen gefunden hat, zu dem man Vertrauen hat und dessen Vorgehensweise man schätzt, dann sollte man solche Entscheidungen auch – mit eigener Einmischung – abgeben.

      • Mela

        Mediziner/Ärzte wissen nicht unbedingt immer so genau, was sie da eigentlich impfen.

        • Doreen

          Dann hast du einen schlechten Arzt und solltest den wechseln.

          • Mela

            Wir haben den richtigen. Er impft nicht 😉

          • Doreen

            Dann solltet ihr definitiv wechseln!
            Unverantwortlich…
            ich wünsch es deinem Kind zwar nicht – aber was wird es wohl zu dir sagen, wenn es z.B. im Erwachsenenalter an Polio erkrankt?
            Was wirst du sagen, wenn es an Masern stirbt?

  9. Mela

    Das Thema Impfen wird leider oft sehr kontrovers und emotionsgeladen diskutiert. Wir haben bisher (13 Monate) nicht geimpft und tendieren zu gar nichts/wenig impfen lassen ab 1.5 Jahren. Ich finde die Entscheidungsfindung sehr schwer, weil man große Mühe hat, an fundierte Quellen zu kommen. Jede Mama/jeder Papa steht vor dieser Entscheidung und bei diesem Thema muss leider auch jeder für sich entscheiden. Einfach ist es nicht und die Stiko tendiert zu immer mehr immer früher. Leider gibt es immer seltener Einzelimpfstoffe, was das individuelle Impfen immer unmöglicher macht. Danke für deinen Blogpost.

  10. Mela

    Wir entscheiden immer wieder aufs Neue dafür oder dagegen und ab einem gewissen Alter, kann man die Kinder mit ins Boot holen und über Chancen und Risiken des Impfens sprechen. Ein schwerer Masernverlauf ohne Fiebersenkung ist sehr sehr selten. Und Polio in Dtl zZ nicht verbreitet… Reisen in Risikogebiete nicht geplant. Wir vergessen manchmal, dass das Leben gefährlich ist. Ich kann auch nicht gegen einen Verkehrsunfall oder Blitzschlag impfen.
    Jeder muss selbst abwägen und die Konsequenzen (in beide Richtungen) tragen.

    • Doreen

      Deine Argumente sind keine!

      Schwerer Verlauf sehr sehr selten – ja, aber möglich. Und dieser Möglichkeit willst du deinem Kind aussetzen?

      Polio in Deutschland nicht verbreitet – ja, weil sie durch Impfungen ausgerottet wurde. Grade bei ansteckenden Krankheiten arbeiten Menschen wie du dagegen, dass das auch so bleibt und setzen dazu noch diejenigen der Gefahr aus, die sich nicht impfen lassen KÖNNEN.

      Gegen Blitzschlag und Verkehrsunfall kann man nicht impfen – ja leider! Wenn ich es könnte, würde ich mein Kind davor bewahren können. Und du willst deine Kinder nicht vor dem bewahren, was aber eigentlich in deiner Macht stünde.

      Mir geht bei so viel unverantwortlicher lalala-dasLebenistschön-Blauäuigkeit echt die Hutschnur hoch.

      • Mela

        Du lässt außer Acht, dass auch Impfungen tödlich enden können (auch sehr selten, jedoch möglich). Ich selbst habe kurz nach einer Impfung schweres Asthma bekommen… sehr selten, aber möglich. Es ist immer eine Chancen-Risiken-Abwägung im Individualfall.

        • Doreen

          Lies einschlägige Studien dazu und vernünftige Abwägungen von Pro und Kontra, dann wirst du zu dem selben Schluss kommen wie ich.

          • Mela

            Ich bin sehr offen für einschlägige Studien- bitte nenne mir doch gern diese, sowie die besagte Literatur. Ich würde mich gern weiter einlesen. Danke.

  11. Doreen

    Folgender Artikel (die wiederum auf entsprechenden Studien basieren und auf diese verweisen) stellt eine gute Basis dar:

    https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/bundesgesundheitsblatt/2009/2009-sicherheit-impfstoffe.pdf;jsessionid=4F055CA5FC3AD38DEC38E7954B226AE4.2_cid344?__blob=publicationFile&v=3
    Hier wird dezidiert auf einzelne mögliche Nebenwirkungen und auf unterschiedliche Impfungen eingegangen

    Eine wirklich umfassende Studie (die dem ein oder anderen evtl. auch schon bekannt ist) ist hier zu finden:

    https://www.kiggs-studie.de/deutsch/home.html

    Viel Spaß beim Lesen, da sitzt man einige Zeit 😉

    Alles Gute dir und deinen/deinem Kind(ern).

    • Doreen

      Oh, ich vergaß, das dazuzuschreiben: Die KiGGS-Studie bezieht sich nicht nur auf’s Impfen; interessant zu Lesen sind allerdings auch die anderen Abschnitte.

  12. Doreen
  13. Mela

    Herzlichen Dank. Ich lese.
    Die KiggsStudie (die lange Originalfassung) ergibt doch allerdings, dass gerade ungeimpfte Kinder „gesünder“ sind – sprich weniger häufig an chronischen Krankheiten leiden.

    • Mela

      Bei der KiggsStudie wurden doch zB Migranten beim Thema Impfen ausgeklammert.

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