7 gute Gründe für die Berufstätigkeit trotz Kind

Vor einigen Wochen habe ich nach einwöchiger Probezeit ein Praktikum abgebrochen, das mir nach kurzer Kosten-Nutzen-Analyse zu wenig Nutzen brachte. Die Zeit mit meinem ohnehin andauernd kränkelnden Kind war mir dafür einfach zu kostbar. Für ein unbezahltes Praktikum wollte ich mein Baby nicht stundenlang von der Tagesmutter betreuen lassen. Ab Januar sieht das anders aus: Mein Volontariat beginnt und das gibt es leider nicht in Teilzeit. Aber neben dem negativen Aspekt, dass ich dann unter der Woche weniger Zeit mit meinem Kind verbringen kann, gibt es schließlich auch viele gute Gründe für die Berufstätigkeit trotz Kind. Ich habe sieben davon aufgeschrieben.

1. Das liebe Geld

Auch wenn der Mann und ich oftmals das Gefühl haben, es ginge doch: Von Luft und Liebe hat noch keine Familie überlebt! Oftmals frage ich mich, wie andere Familien das machen, wenn nur der Mann des Hauses die Taler verdienen geht. Oder war ich einfach leichtsinnig und hätte meine Partnerwahl besser nach Geld und Status ausrichten sollen? Mit einem Oberarzt oder Unternehmensberater wäre ich allerdings nicht so gern zusammen, denn wegen Zeitmangel auf Mannesseite ist man da ja schnell eher alleinerziehend. Für den Moment heißt das: Ich bin sehr glücklich mit der Wahl meines Mannes. Aber wenn wir ich uns zukünftig mal etwas mehr als den obligatorischen 2-Wochen-Sommerurlaub leisten und nicht bei jeder kaputten Waschmaschine einen Kleinkredit aufnehmen wollen, dann müssen wir wohl oder übel beide arbeiten.

2. Die viel beschworene Unabhängigkeit

Auch wenn das natürlich unromantisch ist: Durfte man sich als Frau früher noch über einen üppigen Unterhalt freuen, wenn der Mann einen wegen einer Jüngeren sitzen gelassen hatte, sieht das heute (zum Glück) anders aus. Für Frauen, die auch heute noch gerne Hausfrau und Mutter sind, ist das dann wohl die Kehrseite der Gleichberechtigungs-Medaille. Denn als Dank für ihr Engagement in Erziehung und Haushalt stehen sie nach einer Trennung finanziell mehr als schlecht da. Natürlich plane ich nicht jetzt schon für die Zeit nach der Scheidung, die ja sowieso hoffentlich niemals eintritt. Trotzdem ist mir meine Unabhängigkeit enorm wichtig. Ich möchte nicht nur für den Fall einer Trennung zumindest finanziell gewappnet sein, sondern ich möchte auch in der bestehenden Ehe meinen Mann nicht um mehr Taschengeld bitten müssen oder ein schlechtes Gewissen haben, weil ich „sein“ Geld für überflüssigen Schnickschnack ausgebe. Außerdem möchte ich selber vorsorgen können für:

3. Die heute ja ohnehin so unsichere Rente

Zwar haben Frauen auch im Falle einer Scheidung grundsätzlich Anspruch auf die Hälfte der Rente des Ehemannes (das nennt sich dann Versorgungsausgleich). Die Hälfte ist aber eben nur die Hälfte und im Zweifel stehen dann beide Ehepartner bzw. Ex-Ehepartner gleich blöd da. Da verdiene ich mir doch lieber meine eigene Rente (und verlasse mich da am besten nicht nur auf die staatliche Rente, die ja wie wir alle wissen auch nicht mehr das ist, was sie mal war). Am Ende profitieren der Mann und ich dann doppelt, weil wir zwei Renten gemeinsam auf den Kopp kloppen können.

4. Ich habe nicht umsonst Jahre in meine Ausbildung investiert

In der Schule sagten unsere Lehrer immer, wir lernen nicht für die Klassenarbeit, sondern für uns selbst und für unser Leben. Klar könnte ich jetzt auch sagen: Da hab ich ja mal schön für mich selbst gelernt – Geiles Studium, geiles Auslandssemester, geiles Stipendium, super geil – und jetzt leg ich mal schön die Füße hoch. Das kann ich aber irgendwie aus zwei Gründen nicht machen: Erstens finde ich ganz persönlich, dass ich das, was ich in Uni, Jobs und Praktika gelernt habe, jetzt doch auch mal nutzen und anwenden (und damit Geld verdienen!) sollte. Und zweitens ist das so meine verkappte Art, unserem lieben Staat und unserer wichtigen Solidargesellschaft etwas dafür zurückzugeben, dass ich verdammt günstig studieren konnte und auch noch Bafög obendrauf bekommen hab. Da kann ich demnächst doch auch mal ein paar Steuern zahlen, damit ein paar andere die Füße hoch legen können, oder?

5. Ich liebe es, zu arbeiten

Durch meine Ausbildung habe ich natürlich ein Privileg, dessen ich mir sehr bewusst bin: Ich kann mir meine Arbeit recht frei aussuchen und einen Job wählen, der nicht nur mein Einkommen sichert, sondern mir auch noch Spaß macht. Aus meinem Arbeitsleben beziehe ich nicht nur Anerkennung, sondern auch intellektuellen und sozialen Input, den ich so dringend benötige, um mich wohl zu fühlen. Und man hört doch auch immer: Von einer glücklichen Mutter profitiert am Ende ein glückliches Kind.

6. Meine Kompetenzen als Hausfrau sind mangelhaft

Was ich gut kann: Kochen und das Hübi pflegen und bespaßen. Was ich nicht gut kann: Putzen, Staubsaugen, Ordnung halten. Wenn ich also den ganzen Tag zu Hause wäre, wäre es auch nicht aufgeräumter oder sauberer. Warum dann nicht gleich arbeiten gehen? Und die Wahrheit ist: Der Mann wäre im Zweifelsfall die bessere Hausfrau.

7. Auf Augenhöhe bleiben

Ein guter, alter Freund erwähnte neulich bei einem Treffen auf ein bis vier Samstag-Abend-Bier(e), er könne sich eigentlich gar nicht vorstellen, mit einer Frau zusammen zu sein, die nicht arbeiten würde, sondern stattdessen zu Hause auf etwaige Kinder aufpassen und abends schon sehnsüchtig auf seine Heimkehr warten würde. Und ich kann ihn da irgendwie gut verstehen. Als der Mann in Elternzeit war und ich mein Abschlusspraktikum in Vollzeit machte, war das schön. Aber dauerhaft? Ich würde von meinen Erlebnissen im Büro erzählen, er nur davon, was das Hübi zu Mittag hatte. Auf Dauer klingt das für mich nicht sonderlich attraktiv. Auch der Mann findet, dass ich gerne die Frau bleiben darf, die er kennen gelernt hat, weil er ja genau die gesucht hat. Und die will eben unabhängig, zielstrebig und gleichberechtigt leben – in Familie und Beruf.

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Ein Kommentar zu „7 gute Gründe für die Berufstätigkeit trotz Kind

  1. Meines Wissens hat keine geschiedene Frau (oder geschiedener Mann, wenn er denn weniger als sein Ehefrau verdient hat) etwas vom Versorgungsausgleich. Meines Wissens profitiert nur der Staat von diesem Abzug an der Rente oder Pension. Eine doppelte Schweinerei also.

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