6 Fakten über Vierjährige

„Ich bin schon vier!“, sagt das Hübchen stolz. Mehrmals täglich, zu Freunden und Fremden. Und ehrlich gesagt freue auch ich mich, dass wir das anstrengende vierte Lebensjahr nun endlich überstanden haben. Letztes Jahr dachte ich noch, schlimmer kann’s nicht kommen. Heute sage ich nur: Haha! Wie ihr wisst, bin ich schließlich die schlechteste Kleinkindmutter der Welt. Umso mehr ein Grund, diese Phase mal mit Humor zu betrachten! Hier kommen sie, in guter alter Tradition, die Fakten über das Leben mit – diesmal – einem vierjährigen Kind:

1. Es gibt nur zwei Lautstärken: Brüllen oder Flüstern

Entschuldigen Sie, was haben Sie gesagt? Moment, ich muss erst schnell das Ohropax entfernen. Denn das hat man als Mutter eines Vierjährigen bestenfalls immer in den Ohren. Weil man sonst taub wird. Oder zumindest Tinnitus kriegt. Das Hübchen kann seit einer Weile nur noch eine Lautstärke: Brüllen. Egal um was es geht, er teilt es uns mit einer Inbrunst mit, als gäbe es nichts Schlimmeres, als es aus Versehen zu überhören. Nein, überhören geht bei diesem Pegel wirklich nicht. Bloß ist die Brüllerei nicht unbedingt der Entspanntheit und guten Laune der Eltern zuträglich. An manchen Tagen würde ich das Hübchen gerne einfach mal ausschalten. Weil das nicht geht, wiederhole ich in einer Tour: Bitte nicht so laut! Sag es mal in normaler Lautstärke! Ein bisschen leiser, mein Schatz! Das klappt auch prima: Das Hübchen flüstert dann (also brüll-flüstert, was auch sehr witzig sein kann). Klappt ungefähr für ein bis zwei Sätze, dann wird wieder losgebrüllt. Meine Nerven!! Immerhin: Das Hübchen ist mit dem Problem nicht allein. Offenbar sind alle anderen Kinder in dem Alter genauso. Deswegen kann ich Kindergeburtstage mit acht Kindern nicht empfehlen. Nein, wirklich nicht.

2. Alles ist wichtig!

Dass Ohropax in Wahrheit keine Lösung sein darf, wird klar, wenn man sich bewusst macht, wie viel ein vierjähriges Kind tatsächlich zu erzählen hat. Alles ist wichtig – und zwar sofort! Und auch wenn das Kind zwischendrin in epische Erzählungen abdriftet: Mutter, wage es ja nicht, deinen Blick abzuwenden oder gar nebenher einer anderen Tätigkeit nachzugehen! Beim Essen kommt das Hübchen aktuell kaum dazu, mal einen Happen zum Mund zu führen. Es gibt einfach viel zu viel zu erzählen! Richtige Gespräche kommen dabei leider kaum auf, denn ein Vierjähriger liebt es sehr, ausschließlich seine eigene Sicht der Dinge zu verbreiten. Ja, das ist oft langweilig. Und nein, das sollte man dem Kind lieber nicht mitteilen. Denn jede Unterbrechung sorgt dafür, dass die Geschichte am Ende nooooch länger wird…

3. Pipi, Kaka, Pups, Penis!

Es kommt unvermittelt und mit einem Wahnsinns-Tempo: Von heute auf morgen entdecken Vierjährige ihre Begeisterung für vulgäre Ausdrücke. Da das Wort „Penis“ für mich nicht dazugehört, weil es schließlich einfach der normale Begriff für das männliche Geschlechtsteil ist, amüsieren das Hübchen und ich uns momentan bestens dabei, lustige Penis-Reime und anderen Schabernack zu erfinden. Der Mann findet uns derweil ein bisschen albern, aber soll er doch! Schimpfworte darf das Hübchen gerne alleine in seinem Zimmer rezitieren, was er besonders gerne abends in seinem Bett macht. Das klingt dann ein bisschen wie das Vorlesen einer Konjugationstabelle für Schimpfwörter –“Scheiße! Scheißen! Geschissen! Beschisschen! Gescheißt!“ – und kann schon mal 10 bis 20 Minuten dauern.

4. Am liebsten Nudeln ohne alles

Äh, habe ich hier tatsächlich noch vor einem Jahr gratis Tipps verteilt, wie Kleinkinder am besten lernen, alles zu essen? Jetzt schäme ich mich ein bisschen, denn: Auch das Hübchen ist mittlerweile in die epische Epoche der „Nudeln ohne alles“ eingetreten. Zum Glück ist sie nicht ganz so ausgeprägt wie bei manchem anderen Kind. Hier ist es eher tages- und lauenabhängig, ob das Hübchen den Broccoli komplett isst, nur den „Baumstamm“ oder auch mal gar nicht. Und was immer noch hilft, ist, erst gar keine Komponenten anzubieten, sondern möglichst immer komplette Gerichte zu servieren, die der Sohn sich dann im Zweifelsfall eben alleine auseinanderrupfen muss, wenn er unbedingt will. Trotzdem gilt wohl: Alle Kinder sind in dem Alter mäkelige Esser und wohl die größten Fans von Nudeln ohne alles, trocken Brot und natürlich allem, was süß ist. Hilft nix, müssen wir durch (und einfach häufiger für uns selbst, statt für unsere Kinder kochen, denen man es ja eh kaum recht machen kann).

5. Unbändige Wut

Viele haben es mir versprochen: Ab vier Jahren wird es angeblich schnell besser mit der kleinkindlichen Wut. Aktuell warten wir aber noch vergeblich darauf. Die Autonomiephase ist nach wie vor mein persönlicher Endgegner und ich kämpfe täglich nicht nur mit einem wütenden Hübchen, sondern vor allem mit mir selbst, um angesichts eines unkontrolliert brüllenden Kleinkinds nicht andauernd die Fassung zu verlieren. Es gibt durchaus witzige Situationen, zum Beispiel wenn das Hübchen laut kreischend auf Schuhe, Hosen oder Jacken einschlägt, weil die blöden Teile beim Anziehen nicht so kooperieren, wie er es gerne hätte (klar, dass Mama nicht helfen darf). Und es gibt die schwierigen Momente, in denen das Hübchen auf mich einschlägt, mich anbrüllt und herumkommandieren will. Es bleibt also anstrengend…

6. Ein Sozialleben wie ein Großer

Den noch eher mangelhaften Fähigkeiten in der Impulskontrolle steht jedoch eine wahnsinnige Kompetenz, was die sozialen Fähigkeiten betrifft, gegenüber. Ich kann das ganze hier eigentlich abkürzen und einfach schreiben: Sieben Kinder! Sechs Freunde und eine Freundin wollte das Hübchen nämlich unbedingt zu seinem vierten Geburtstag einladen. Und das durfte er dann auch. Mir macht es eine große Freude, zu sehen, wie richtige Freundschaften zwischen diesen kleinen Menschen entstehen, wie empathisch sie aufeinander eingehen, wie kreativ sie miteinander spielen, wie sie sich streiten und wieder vertragen. Und auf mich wirkt das gute Sozialleben meines Hübchens immer extrem beruhigend: Denn wenn das Kind zu einem so sozialen kleinen Wesen geworden ist, kann ich ja in meiner Erziehung nicht alles verkehrt gemacht haben, oder? 😉

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Ein Kommentar zu „6 Fakten über Vierjährige

  1. Maria

    Ich halte mir gerade meinen schwangeren Bauch vor Lachen und freue mich auf das, was da kommt. 🙂 Herzlichen Dank, dass du so ehrlich und erfrischend schreibst!

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