6 Fakten über Zweijährige

Mein Baby ist zwei Jahre alt! Wie konnte das nur wieder passieren? Kaum zu glauben, dass es schon zwei Jahre her ist, dass ich meinen Hebammen im heimischen Wohnzimmer leicht panisch zurief: „Fangt es auf!“. Die ersten Monate mit Baby habe ich als die absolute Entschleunigung in Erinnerung: schlafen, wenn das Baby schläft, stillen, stillen und immer nur stillen, kurze Herbstspaziergänge und zwischendurch immer das Essen vergessen. Dagegen war all das, was im zweiten Lebensjahr meines kleinen Hübchens passiert ist, die totale Beschleunigung: Laufen, klettern, sprechen und am besten immer alles gleichzeitig. Und ich vermute, dass der kleine Krawallo jetzt nach seinem zweiten Geburtstag erst den richtigen Turbo einlegen wird.

Und das lehrt mich manchmal gehörig das Fürchten. Denn mein Sohn ist einer von diesen ungestümen, die nicht zu halten sind, mit dem Kopf durch die Wand wollen und sich brüllend auf den Boden werfen, wenn das nicht klappt. Es ist nicht immer leicht, Mutter eines solchen zweijährigen Kindes zu sein. Die verzweifelten Momente häufen sich. Wie kann ich ihm nur helfen, wenn seine Verzweiflung zum zehnten Mal am Tag Überhand nimmt und er sich in endlosen Wut- oder Traueranfällen verliert? Ich habe nach wie vor kein Rezept dafür und hoffe einfach täglich, dass es nur eine Phase sein möge, die bald vorbeigeht. Denn es gibt da so einige Dinge, mit denen ich noch vor einigen Monaten oder gar Wochen so gar nicht gerechnet habe:

1. Es kann sehr schmerzhaft sein, ein zweijähriges Kind zu haben

Und das meine ich wörtlich! Mein Sohn ist ein Wirbelwind, der rennt und tobt und springt – und blaue Flecken, Kratzspuren oder Beulen an elterlichen Körpern sind dabei mit Gleichmut hingenommene Kollateralschäden. Nö, einen Hübi interessiert es nicht, wer da gerade im Weg ist, wenn ihn seine Bewegungsfreude überkommt. Bei „Hoppe Hoppe Reiter“ muss es richtig wild zur Sache gehen und im Bett rumhüpfen wäre ohne mittelschwere Gefahrensituationen auch einfach langweilig. Ich weiß, dass er das nicht böse meint. Manchmal macht es mich trotzdem wütend. Wenn ich den fünften Kinnhaken hintereinander verpasst bekomme oder er auch nach dem zehnten „Nein“ immer noch mit voller Wucht auf mich drauf springen will, werde ich sauer. Was dann folgt, ist klar: Ein Wutanfall.

2. Die Wutanfälle eines Zweijährigen müssen fürchterlich sein

Manchmal, ganz manchmal, gebe ich mich der Hoffnung hin, dass diese Phase mit den Wutanfällen umso schneller vorbei geht, je heftiger sie ausfällt. Dann lese ich aber wieder irgendeinen dieser schlauen Artikel, die sich mit kleinkindlicher Entwicklung befassen und richte mich auf ein sehr anstrengendes kommendes Jahr ein. Denn mein Hübilein will. Alles. Und zwar sofort. Verständnis für irgendetwas hat er gerade nicht. Nicht dafür, dass er manchmal in weniger als einer halben Stunde seine Jacke anziehen soll. Nicht dafür, dass er kein drittes Stück Kuchen essen darf. Und erst Recht nicht dafür, dass abends nur ein Buch, oder naja höchstens zwei, gelesen werden. Obwohl ich sonst immer das Gefühl habe, dass er mittlerweile wirklich alles versteht, was wir ihm so erzählen, nutzt es in solchen Momenten rein gar nichts, ihm die Situation erklären zu wollen. Aber wie soll man auch zuhören können, wenn man gerade so laut heulen muss? Ich habe schon mehrmals aus lauter Verzweiflung mitgeheult. Denn die völlig unreflektierte Verzweiflung eines Zweijährigen ist sehr schwer zu ertragen. Und am schlimmsten ist es, wenn sie ihn in der Öffentlichkeit überkommt, zum Beispiel in solch einem Fall:

3. Ein Zweijähriger geht seinen eigenen Weg

Im Grunde begrüße ich das sehr! Selbstständige Kinder sind super und ich habe einen Graus vor zehnjährigen Kindern, die immer noch mit dem Auto zur Schule kutschiert werden oder noch nie alleine Bus gefahren sind. Der Unterschied zwischen einem Zehn- und einem Zweijährigen ist jedoch: Der Zehnjährige kennt die Gefahren des Straßenverkehrs. Mein Hübilein jedoch läuft bevorzugt in ganz andere Richtungen als ich und wenn er etwas Spannendes entdeckt, dann ist er schnell – und hoffentlich schneller als der Radfahrer, der just in dem Moment über den Radweg braust, wo mein Hübchen diesen betritt. Auf Parkplätzen spielt der Sohn am liebsten Verstecken zwischen den ganzen Autos. Dass eins davon losfahren könnte, damit rechnet er nicht. Und meine Ermahnungen ziehen durch den kindlichen Kopf wie ein leichtes Sommerlüftchen. Einzig ein lautes „Stopp“ vor Straßenüberquerungen hat bisher immer gut gewirkt und schlimmere Unfälle als Zusammenstöße mit verwirrten Fußgängern verhindert. Weil das An-der-Hand-laufen fürs Hübi nicht in Frage kommt und wir Eltern Rucksäcke zum Anleinen des Kindes grundsätzlich ablehnen, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben als weiterhin mit Nachdruck auf bestimmten Regeln im Straßenverkehr zu bestehen. Was regelmäßig zu Wutanfällen mitten in Fußgängerzonen oder auf großen Kreuzungen führen wird. Die einzige Alternative wäre wohl ein Umzug aufs Land. Aber da gibt es ja Kühe und die sind mir auch nicht ganz geheuer.

Und immer dann, wenn sich die Wutanfälle häufen, ich schon wieder ganz blau bin von den ganzen übermütigen Attacken des Zweijährigen, wenn ich völlig genervt davon bin, nie schnell von A nach B zu kommen, weil mein Kind grundsätzlich in die andere Richtung rennt, passiert wieder einer dieser zauberhaften Momente, die es wohl nur mit einem Zweijährigen geben kann, der gerade sich selbst, seine Gefühle, die Welt und die Sprache entdeckt. Denn:

4. Zweijährige Kinder sind einfach süß. Und sie sabbern fast gar nicht mehr.

Achtung, jetzt kommt eine Information, die schon viele meiner Freundinnen und Freunde beruhigt hat: Ja, das eigene Kind findet man einfach immer am schönsten! Wie oft waren der Mann und ich schon auf Spielplätzen, Geburtstagsfeiern oder sonstigen Veranstaltungen mit vielen anderen Kindern, und haben uns gegenseitig bestätigt, dass unser Kind doch nun wirklich das hübscheste und süßeste von allen ist. Vielleicht haben wir auch tatsächlich ein bisschen Glück gehabt und unser Kind ist wirklich ganz ansehnlich…? So richtig wissen können wir das nicht, denn an Objektivität fehlt es uns völlig. Unser Hübi ist das tollste! Und seit es halbwegs unfallfrei laufen kann und deutlich weniger sabbert, können wir es sogar in hübsche Kleidung stecken. Und so ein Zweijähriger in Latzhosen, na, ist das nicht einfach Zucker?

5. Zweijährige Kinder können schon alles. Nur noch nicht so gut.

Unser Hübi kann schon prima zählen, und das geht so: „Eins, vier, fünf, sechs, sieben, zehn, pink“. Farben kennt er vom Prinzip her auch schon, also außer pink, denn das ist ja eine Zahl. Seit einigen Wochen singt er gern in der Badewanne „Börsday uuujuuuu“ oder „Backe Backe Uche, schieb schieb Ofe rein“. Er malt mit seinen Buntstiften expressionistische Bilder und erzählt mir danach, was ich drauf erkennen kann: Flugzeuge, Autos, Fahrräder, Fahrradfahrer mit und ohne Helm. Er kocht rohe Nudeln in der Bratpfanne und rührt sie mit dem Schneebesen um. Und er probiert beim Kochen jegliches rohes Gemüse und verkündet mit Emphase, was ihm schmeckt und was nicht. Kurz: Er macht einfach alles, was wir auch machen, nur ein kleines bisschen lustiger. Und macht damit unser gemeinsames Leben ein großes bisschen lustiger.

6. Die ersten Liebesbekundungen eines Zweijährigen erweichen jedes Mutterherz

Kennt ihr Rosamunde Pilcher? Die Schlussszenen dieser Spielfilm-Schmonzetten spielen sich etwa so ab: Das Paar, das sich nach Irrungen und Wirrungen endlich wiedergefunden hat, reitet auf zwei anmutig trabenden Schimmeln in den Sonnenuntergang an der Westküste Englands und der Zuschauerin (durchschnittlich 60 Jahre alt) vorm heimischen Fernsehgerät kullern die Tränen nur so die Wangen hinunter. Nun bin ich erst 28 Jahre alt, aber wenn mein Hübilein nach unseren täglichen Irrungen und Wirkungen ganz feste seine kleinen, dicken Ärmchen um mich schlingt und mir ins Ohr kräht „Mama lieb!!“, dann fühle ich mich ganz Rosamunde-pilcherig und auch mir sind dann schon einige Tränen gekullert. Und wenn das tapfere Söhnchen mir morgens noch dringend einen fünften, sechsten und siebten Kuss geben muss, bevor ich zur Arbeit fahren darf, dann bin ich die glücklichste Mutter dieses Planeten und wundere mich immer wieder selbst darüber, wo diese bedingungslose Liebe wohl herkommen mag.

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