4 Zimmer, Küche, Bad? Na dann, viel Glück!

Wir ziehen um. Schon wieder. Unsere Freunde fragen uns schon, ob uns das einfach so viel Spaß macht, dieses Umziehen. Und ehrlich gesagt, ja ein bisschen schon! Neu anfangen, neu einrichten, neu machen – das bereitet uns schon Freude. Aber genauso gilt, dass wir auch jedes Mal denken: Sind wir eigentlich bekloppt?! Der Stress, das Geld, die Nerven… Und dazu noch zwei Kinder, die es gilt, wegzuorganisieren oder geschickt einzuplanen. Also: So richtig witzig ist umziehen mit Kindern dann doch nicht. Allein: Es nutzt ja nix.

Denn unsere Traumwohnung haben wir bisher nicht gefunden. Und weil aufgeben nicht gilt, haben wir weitergesucht. Und jetzt vielleicht einen kleinen Jackpot gefunden – zumindest so lange, bis wir noch eine bessere Wohnung finden, zum Beispiel eine zum Kaufen, aber das ist ein anderes Thema. Denn bis hierhin geht es uns erst mal um Mietwohnungen.

Einfach kaufen? Noch zu teuer

Kaufen ist nämlich teuer. Dazu braucht man zum Beispiel Ersparnisse, einen Bausparvertrag oder ein ordentliches Erbe. Junge Familien haben meist weder das erste, noch das zweite oder dritte. Junge Familien wie wir sind nämlich oft vor allem eins: Jung und urban. Wie so viele andere Eltern in ihren Zwanzigern und Dreißigern haben wir lange studiert und dann ein bisschen gearbeitet. Wir haben uns an einen kleinen Wohlstand gewöhnt, zum Beispiel an den Umstand, hin und wieder essen gehen zu können, ohne dabei das Konto sofort in die roten Zahlen rutschen zu sehen. Oder auch daran, jeden Monat einen kleinen Betrag auf Tagesgeldkonto oder Bausparvertrag zu überweisen, für harte oder bessere Zeiten.

Mit letzterem haben wir aber erst kürzlich angefangen, nach der letzten Gehaltserhöhung des Mannes nämlich. Denn davor ging das Geld meistens einfach so weg: Für Essen, Auto, Hobbys und Vergnügen, für Telefon, Internet, Strom, Gas, Versicherungen, aber vor allem für die Wohnungsmiete. Denn auch wenn wir bei unseren Wohnungen immer Kompromisse eingegangen sind und zum Beispiel nicht in dem teuren Stadtteil wohnen, in dem sich Hübchens Kita befindet, ist die Miete nicht gerade günstig. Und das, obwohl wir aktuell zwischen zwei großen Straßen wohnen, die Lage also alles andere als idyllisch ist.

Keine hohen Ansprüche

Unsere Ansprüche bei der Wohnungssuche beschränkten sich daher auf die wichtigsten Punkte: Ruhiger gelegen sollte die neue Wohnung sein, dabei aber bitte zentral in einem der von uns favorisierten Stadtviertel (also keine Suburbia!), mit Balkon oder bestenfalls Garten oder einem Gemeinschaftsgrundstück, auf dem die Kinder spielen können und vor allem: nicht zu teuer. Für letzteren Punkt wären wir sogar bereit, uns zu verkleinern.

Eine Wohnung mit Garten in der Großstadt? Die eine oder andere unter euch mag jetzt vielleicht in hysterisches Lachen ausgebrochen sein. Und ja, ihr habt ja so Recht! Wobei ich präzisieren möchte, dass es diese Wohnungen durchaus gibt. Das Problem ist nur: Niemand, aber wirklich niemand möchte solche Wohnungen an Familien mit Kindern vermieten. In Wohnungsanzeigen liest sich das dann zum Beispiel so:

„Zentral und ruhig gelegene 3-Zimmer-Wohnung, 95m2, zwei Balkone, an älteres Ehepaar zu vermieten.“

„4 Zimmer, Küche, Bad in freistehendem kleinen Haus, 105m2 mit Garten, ideal für zwei Personen, Büro kann im Dachgeschoss eingerichtet werden.“

„3 Zimmer (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Arbeitszimmer) mit Südbalkon, 85m2, an Single oder nettes Paar zu vermieten.“

Ihr seht: In der Welt der Wohnungsvermieter*innen kommen Familien mit Kindern quasi gar nicht vor. Das dritte Zimmer ist per se ein „Büro“ oder „Arbeitszimmer“. Mietinteressenten sollen bestenfalls ältere Ehepaare sein (warum schreiben die nicht gleich: „Frauen ab Wechseljahren“?!) oder Paare ohne Kinder (aber wer garantiert, dass die nicht doch irgendwann noch mal werfen?!).

Kinderfeindliche Vermieter

Kurz: Der Wohnungsmarkt kommt mir vor wie ein Spiegel unserer Gesellschaft. Einerseits sollen wir uns bitte vermehren wie die Karnickel, denn wer sichert sonst die Renten der Knacker? Andererseits sollen Kinder aber immer schön unter dem Radar laufen: Heimlich, still und leise – und eine kinderreiche Familie als Mieter oder Nachbar will sowieso schon niemand haben!

Gemessen an der Anzahl von Wohnungsanzeigen, die ich in den letzten Monaten gelesen habe, und die explizit nach älteren Ehepaaren suchten, frage ich mich mittlerweile: Gibt es solche Paare in dieser Masse? Und wenn ja, wollen die ernsthaft zu zweit auf 80, 90 oder sogar 100m2 wohnen? Oder sind es nicht doch eher Familien, die solche Anzeigen mit Interesse lesen, schließlich machen die doch einen recht großen Teil unserer Gesellschaft aus. Und sollte nicht irgendwer ihnen diesen Wohnraum auch mal anbieten?

„Mit wie vielen Personen wollen Sie einziehen?“

Übrigens wird es noch absurder, wenn man sich dann mal traut, eine Maklerin oder einen Makler anzurufen. Denn die erste Frage lautet stets: „Mit wie vielen Personen wollen Sie einziehen?“. Alles über zwei ist dann quasi schon ein Affront gegen den Vermieter. Und man wage es erst, als vierköpfige Familie eine Dreizimmerwohnung anzufragen!

„Sie wissen aber schon, dass diese Wohnung zu klein für Sie ist?“, fragte mich eine Maklerin in völlig selbstverständlichem Ton. Ich war so perplex, dass ich erst mal gar nichts sagte, bis mir die Gegenfrage einfiel: „Wissen Sie eigentlich, wie schwer es ist, in dieser Stadt eine 4-Zimmerwohnung zu finden?“. Eigentlich hätte ich der Dame aber erklären sollen, dass es jawohl unser Problem ist, wie wir mit zwei Kindern eine 3-Zimmer-Bude bewohnen wollen und es sie einen feuchten Kehricht angeht, ob jedes Kind ein Zimmer bekommt oder eben vielleicht auch nicht.

Aber im Umgang mit Maklern und Vermietern versucht man es ja zunächst mal in freundlichem Ton. Denn wer weiß, vielleicht hört man ja doch noch mal was. Bei eben beschriebener Wohnung (3 Zimmer auf 90m2, Erdgeschoss mit eigenem Garten und das ganze noch im Altbau und in ruhiger Lage) hörten wir natürlich überhaupt nichts mehr. Einen Rückruf erhielten vermutlich nur die älteren Ehepaare, die nun schon mal  ihre Rosen für den schönen Garten umtopfen können.

Wohnungssuche mit Kindern ist die Hölle

Wohnungssuche mit Kindern ist gelinde gesagt eine Katastrophe. Mein Tipp an noch kinderlose Freunde mit Kinderwunsch lautet deswegen seither: Sucht euch am besten jetzt schon eine schöne große und kindertaugliche Wohnung! Sobald ihr Kinder habt, will euch ebendiese nämlich keiner mehr vermieten. In der Realität macht das aber natürlich keiner. Warum sollte man auch zu zweit in teure 100m2 ziehen, wenn man von dem Geld stattdessen noch herrliche Fernreisen machen kann? Surfen auf Bali ist auch irgendwie deutlich entspannter als Staubwischen auf 100m2.

In der Folge finden sich dann alle Paare irgendwann in jener Lage wieder, in der wir uns bis vor kurzem befanden: Unzufrieden mit der aktuellen Wohnsituation, aber völlig ratlos, wie wir an eine neue Wohnung kommen sollten. Glücklicherweise gibt es in unserer Stadt viel alten Häuserbestand aus Zeiten der Industrialisierung. Um 1900 wurden hier ganze Siedlungen für die Familien der damaligen Fabrikarbeiter gebaut. Und die Wohnungen in diesen Siedlungen werden von einer Wohnungsgesellschaft vermietet, der es ziemlich wumpe ist, wer mit wie vielen Personen einzieht, solange die Vermietung schnell geht, die Gehaltsnachweise stimmen und die Schufa-Auskunft einwandfrei ist.

Auf diese Weise dürfen wir nun trotz zweier Kinder eine 3-Zimmer-Wohnung beziehen. Hochparterre mit Loggia, großer Wohnküche und beide Seiten gehen in begrünte Innenhöfe, in denen die Kinder frei spielen dürfen. Für uns klingt das wie im Paradies und wir freuen uns sehr auf die neue Wohnung. Erschwinglich ist der neue Wohnraum auch, weil wir uns nämlich tatsächlich von jetzigen 100m2 auf knapp über 80m2 verkleinern werden.

Riesiger Mangel an familientauglichem Wohnraum

Größere Wohnungen mit vier oder mehr Zimmern gibt es in den von der Wohnungsgesellschaft vermieteten Siedlungen meines Wissens nämlich leider nicht. Ganz offensichtlich gibt es in Städten wie unserer einen ganz generellen Mangel an größeren Wohnungen für Familien. Und wenn man eine findet, kostet die ein Vermögen oder liegt mitten im sozialen Brennpunkt – und bei aller Liebe zur Theorie der sozialen Durchmischung: Wer Kinder hat, weiß, was das in der Praxis bedeutet.

Es ist eindeutig, dass der Markt sich in punkto familientauglichem Wohnraum nicht selbst reguliert und die Politik dringend tätig werden müsste. Ich frage mich zum Beispiel schon seit langem, warum nicht mehr Projekte unterstützt werden, die verschiedene Arten des Wohnens vereinen und Gemeinschaftsflächen bieten, die auch Kindern Platz zum Spielen und Wachsen bieten.

Traumwohnung gefunden?

Mit unserer neuen Wohnung in der alten Arbeitersiedlung haben wir vielleicht so etwas im Kleinformat gefunden. Wir hoffen jedenfalls auf eine nette Nachbarschaft und darauf, dass das Hübchen schnell andere Kinder zum Spielen findet. Das ganze läuft aber völlig ungeplant – außer den Innenhöfen gibt es keine Gemeinschaftsflächen oder -räume und die Wohnungen sind ganz normale Wohnungen und haben keine speziell senioren- oder familientauglichen Grundrisse oder Extras. Im Bereich der Bebauungsplanung gäbe es also sehr viel zu tun. Nur tut es keiner.

Wir richten uns jetzt also erst mal in unseren gemütlichen drei Zimmern ein und träumen von der 4-Zimmer-Wohnung mit Garten oder Balkon. Wenn wir genug sparen, finden wir unsere Traumwohnung ja vielleicht irgendwann zum Kauf. Dann gibt es wenigstens keine kinderfeindlichen Vermieter.

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4 Kommentare zu „4 Zimmer, Küche, Bad? Na dann, viel Glück!

  1. Hi, mir kommt es so bekannt vor! Wir hatten in Köln aber am Ende Glück, 85m2 4-Zimmer von Freunden übernommen, zu super günstiger Miete, bei einem Vermieter, der eben grade an Familien vermieten wollte. Dort warten wir aber nur ein Jahr, dann haben wir hier gekauft (nicht mehr Köln, aber 113m2 mit Garten). Bei so vielen Besichtigungen wars klar, dass die anwesenden Mitt-40er Paare ohne Kinder und mit Topjobs wie Bankmanager plus Lehrerin die Wohnungen bekommen, denn die brauchten die 4 Zimmer natürlich dringender. Familien sind leider unbeliebt bei den meisten Vermietern, ich höre es auch von Freunden und Eigenkapital in der Großstadt anzusparen ist auch wieder eine Sache bei den Mieten. Alles Gute im neuen Zuhause!

    • Ja Eigenkapital ansparen ist bei Mieten von über 1000€ kaum drin, das kennen wir auch von Kölner Freunden. Da ist glücklich, wer Familie hat, die Kredit geben kann.

      Wir ziehen jetzt auch bewusst in eine etwas kleinere und günstigere Bude weil wir so auch mehr sparen können. Vielleicht wird es ja mal irgendwann was mit dem Traum vom Eigentum. 😉 Bei den aktuellen Rentenaussichten wäre das jedenfalls gut investiert.

      Wir wollen bloß auf jeden Fall in der Stadt bleiben und möglichst sogar in unserem Stadtteil. Da müssen wir dann auch Glück haben das passende zu finden… Mal schauen was so kommt! 😊

  2. Juli

    Hallo,

    noch lustiger wird die Wohnungssuche, wenn man zusätzlich zum Kind ein Haustier hat. Wir haben in Berlin über ein Jahr gesucht und von wirklich grottigen Buden über Besichtigungen mit 80 Paaren bis hin zu überteuerten und trotzdem massiv renovierungsbedürftigen Wohnungen alles erlebt. Und wir leben schon etwas außerhalb, bis zur Grenze Brandenburgs ist es nicht weit… Ich beschrieb den Hund schon immer als „alt und gut erzogen“ (was er wirklich ist) und trotzdem wurden wir bei der Kombi immer sofort aussortiert. Nunja, jetzt haben wir was sehr Schönes gefunden und werden freiwillig nur von dort wegziehen, wenn es doch mal zum Hauskauf kommt 🙂

    • Gott ja, ich kenne aus Berlin noch Massenbesichtigungen für Wohnungen zur Zwischenmiete! Das fand ich damals schon reichlich absurd.

      Unser Plan ist auch, aus der zukünftigen Wohnung erst wieder auszuziehen wenn wir was kaufen wollen. Mal schauen ob der Plan aufgeht. Da müssen wir nämlich noch fleißig sparen. 😉

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